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Typologie der Lehrer und Lehrerinnen

Zwettler-Otte (1981) beschreibt beinahe karikierend verschiedene Lehrertypen:

Die Altruisten

Dieser Lehrertyp ist gekennzeichnet durch seine Selbstlosigkeit und seinen vollen Einsatz für das Wohlergehen anderer. Das heißt, sie sind das Pendant zum klassischen Egoisten. Die unbewusste Motivation für den Lehrberuf lässt sich dadurch beschreiben, dass der Altruist große Befriedigung in der Bemühung, den ihm bedürftig erscheinenden Schülern zu einer positiven Entwicklung zu verhelfen.

Die Überfürsorglichen

Ihr auffälligstes Wesensmerkmal ist, dass sie ihre Schüler mit übertriebener Fürsorge behandeln. Im Gegensatz zu den Altruisten kommt dieses Verhalten jedoch keiner selbstlosen Aufopferung, sondern eher dem zwanghaften Einmischen in das Leben anderer gleich. Dies ist vergleichbar mit einem Bemuttern. Daraus ergibt sich auch die Motivation für den Lehrerberuf. Ihr Wunsch ist es, gebraucht zu werden.

Die Karitativen

Ziel der Schule ist bei ihnen nicht die Wissensvermittlung, sondern vielmehr die Persönlichkeitsbildung der Schüler. Das Hauptmotiv für den Lehrerberuf ist, andere zu einer ebensolchen rücksichtsvollen Haltung anzuleiten, die sie verkörpern. Diese Selbstlosigkeit ist durchaus nützlich und Hilfe bringend. Den Schülern möchten sie dadurch Teilen und Verzichten beibringen.

Die Kränkelnden

Dieser Lehrertyp ist mit einem Hypochonder zu vergleichen. Sie sind ständig „krank“ und stets um ihre Gesundheit besorgt. Durch den Lehrerberuf bekommen die Kränkelnden die Zuwendung und Beachtung, die sie benötigen. Ein großer negativer Aspekt dieses Verhaltens ist es, dass sich diese Menschen nicht mehr oder nur mehr beschränkt anderen Menschen zuwenden können.

Die Überheblichen

Das Lehrerdasein ist eigentlich unter der Würde der Überheblichen, jedoch hoffen sie darauf hier die Anerkennung zu bekommen, auf die sie so gierig warten. Sie brauchen die Schüler und Kollegen sozusagen als Publikum, das ihnen Applaus schenkt. Die Motivation für den Lehrberuf ergibt sich daraus, Bewunderung von anderen zu erhalten. Die Überheblichen zeichnen sich des Weiteren dadurch aus, dass sie Zuwendung unbewusst genießen und Kritik ignorieren.

Die Künstlerischen

Diese Lehrer sind keine „echten“ Künstler, sie haben jedoch eine engere Beziehung zur Kunst als die meisten ihrer Kollegen. Das Fachgebiet ist sozusagen ihre Kunst. Da sie jedoch nicht gut genug sind, diese Kunst zum Beruf zu machen, versuchen sie es durch die Hintertür Schule. Hier finden sie das Publikum, das ihre Leistungen anerkennt.

Die Schülerfreunde

Charakteristisch für diesen Lehrertyp ist, dass sie immer auf der Seite der Schüler stehen. Sie fühlen sich mit den Schülern viel stärker verbunden als mit den Kollegen.Dies zeichnet sich durch ein freundschaftliches und solidarisches Verhältnis aus. Ihre innere Haltung ist von einer Ablehnung der Autorität beherrscht. Der Sympathiefaktor kann sich jedoch auch durchaus positiv auf den Unterricht auswirken. Schülerfreunde sind oftmals an ihren Schultaschen zum Umhängen zu erkennen, die sie schon seit ihrer Referendariatszeit mit sich herumtragen. Vom Inhalt her finden sich neben Kreide, dem Unterrichtsplaner und Folienstiften auch immer ein paar „Ersatzmaterialien“, die ihre Schüler gerne einmal vergessen.

Die großen Pädagogen

Diese „Übermenschen“ zeichnen sich dadurch aus, dass sie nie Probleme mit Schülern haben. Schwierigkeiten werden verleugnet und dafür geben sie gerne pädagogische Ratschläge an Kollegen und Eltern. Darüber hinaus zeigen sie keine Scheu, an ihren pädagogischen Erfolgen andere teilhaben zu lassen. Das Motiv für den Lehrerberuf könnte durch ein Vorbild in diesem Bereich zu finden sein. Jedoch steht der große Pädagoge in ständiger Konkurrenz mit anderen.

Die Überlasteten

Charakteristisch für sie ist, dass sie sich hilfesuchend an ihre Umgebung wenden, und dass sie sich über die große Menge der ihnen zugemuteten Arbeit alterieren. Des Weiteren schildern sie den Schülern ihre schwierige Situation, wie aufreibend der Lehrberuf sei und wie viel Arbeit es gebe. Es gibt eine milde Notengebung. Nicht genügend werden nur vergeben, wenn Schüler auch in anderen Gegenständen negativ sind. Zu betonen ist auch, dass sie sich nicht trauen, irgendeine Arbeit – beispielsweise Überstunden oder Buchbestellungen – abzulehnen.

Die Prüden

Sie haben das Problem, das oft wenig gehemmte Verhalten von Schülern ohne Kritik und Ermahnungen zu ertragen. Die Folge ist, dass sie danach in große Aufregung geraten und gereizt und ablehnend reagieren. Beispielsweise machen sie die Eltern schwacher Schüler darauf aufmerksam, dass ihr Leistungsabfall mit übertriebenem Interesse für die Sexualität zusammenhänge. Der Kontakt zum Kollegentum ist schwierig, weil sie meinen, den Schülern werde zu sehr die Stange gehalten.

Die Fachanbeter

Charakteristisch für diese Typen ist, dass sie die Bedeutung des eigenen Unterrichts überschätzen. Sie sehen die Schüler unter keinem anderen Aspekt als dem der Leistungen des jeweiligen Faches. Besser geeignet wäre für diese Gruppe die Anstellung als Wissenschaftler in einem Universitätsinstitut, da sie über außerordentlich großes Wissen verfügen.

Die Gesetzestreuen

Gesetze und Erlässe, die all ihre Handlungen dirigieren und rechtfertigen, stehen an vorderster Stelle. Sie brauchen dabei den Direktor als Stütze, Schiedsrichter oder Gegner. Schularbeiten werden sehr pünktlich zurückgegeben. Im Unterricht soll absolute Disziplin herrschen. Ein jedes Abweichen davon wird bestraft. Ausgestattet mit Gesetzesunterlagen soll jede Unkorrektheit vermieden werden. Im Streitfall zwischen Kollegen wird eben dann der Direktor hinzugezogen, der die Entscheidung und Verantwortung übernehmen muss.

Die Diktatoren

Die Macht den Schülern gegenüber wird in vollen Zügen genossen. Der autoritäre Führungsstil wird mit großer Überzeugung vertreten, weil sie darin die größte Chance sehen, die Schüler zu disziplinieren und ihnen Wissen zu vermitteln. Bei Undiszipliniertheiten im Unterricht „informieren“ sie sich bei den störenden Schülern über den Wissensstand. Der Unterricht läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Dies wird von Schülern meist geschätzt, weil es sich um eine eindeutige Art handelt .

Die Verfolgten

Ständig werden sie von dem Gefühl beherrscht, vor den Schülern, den Vorgesetzten und den Eltern auf der Hut sein zu müssen. Von Schülern befürchten sie böswillige Streiche, von den anderen Kritik. Probleme entstehen, weil sie Prüfungen streng benoten, was in Folge die Eltern, die den Weg zur Direktion suchen, aufbringt .

Die Aggressiven

Es ist ihnen gleichgültig, ob sie vor Schülern, Eltern oder Vorgesetzten stehen. Sie machen durchgehend einen kampfbereiten und streitsüchtigen Eindruck. Es fehlt ihnen jegliches Anzeichen von Güte und Wohlwollen. Sie zweifeln niemals an ihrer Überlegenheit. Ärgerlich ist, dass sie „unfähigen“ Vorgesetzten unterstellt sind. Im Turnunterricht werden gerne Wettkämpfe veranstaltet.

Die zornigen Halbtagsbeschäftigten

Diese Typen charakterisieren sich dadurch, dass keine einzige Minute länger als nötig in der Schule verweilt wird. Sie haben oft eine gereizte Grundstimmung, weil sie sich ausgenützt fühlen. Gewählt wurde der Beruf, weil sie sich viel Freizeit und Freiheit versprechen.

Die Weltreisenden

„Für sie sind Reisen Erlebnisse, die ihr Leben ausfüllen, und so sehen sie am Lehrberuf in erster Linie die Ferien, die sie zur Verwirklichung ihrer Reisepläne nützen“ (Zwettler-Otte 1981, S. 101). Das Unterrichten ist ihnen kein besonderes Anliegen. Sie sehen dies eher als eine Phase der Reisevorbereitung. Desinteresse für fremde Länder werten sie als persönliche Kränkung. Unterhaltungen gibt es fast nur zu Kollegen, die selbst gerne von ihren Reisen erzählen.


Wussten Sie übrigens: LehrerInnen bevorzugen den Versand von Postkarten aus berühmten Kirchen und Museen, die den Adressaten ihre Bildungsferne dokumentieren sollen.

Spezielle Aspekte des Unterrichtens

Literatur

Zwettler-Otte, S. (1981). Warum Lehrer werden. Eine hilfreiche Verhaltensstudie für Eltern, Lehrer und Schüler. Wien: Orac.


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