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Klassenführung

Unter Klassenführung versteht man ein Bündel an Kompetenzen, Verhaltensweisen und Haltungen von Lehrern, das dazu beiträgt, dass SchülerInnen im Unterricht kontinuierlich lernen. Neben dem Wissen über lernerfolgsrelevante Unterrichtsmerkmale (z.B. Individualisierung schulischer Lernphasen, Strukturiertheit) sind dabei Kompetenzen und Methoden zur Gestaltung des sozialen Miteinanders im Klassenraum sowie ein Methodenrepertoire zur störungsfreien Gestaltung von Lehr- und Lernphasen von Bedeutung. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Kontext der Entwicklung eines pädagogischen Selbstverständnisses zu, das ein unterstützendes und vertrauensvolles Unterrichtsklima entstehen lässt.

Neben guten fachdidaktischen Fähigkeiten brauchen Lehrende daher eine ausreichende Kompetenz zur Analyse von Unterrichtssituationen, d.h., sie müssen spüren, was der Augenblick jeweils erfordert. Wichtig ist, als Lehrkraft über ein breites Handlungsrepertoire zu verfügen, so dass stets reflektiert und zielbewusst daraus ausgewählt werden kann. Der Lehrer von heute braucht angesichts der disziplinarischen Schwierigkeiten in der heutigen Schule ein breites Spektrum zur Auswahl, damit die einzelne Entscheidung adäquat und treffsicher ausfallen kann.

Ausgangspunkt von Kounins Untersuchungen, die auch heute noch zentral sind, bildete eine Gelegenheitsbeobachtung, in welcher ein Dozent einen Studenten rügte, der während einer Vorlesung Zeitung las. Es konnte festgestellt werden, dass sich diese Rüge nicht nur auf diesen einen Studenten auswirkte, sondern dass damit auch das Verhalten der weiteren Studenten beeinflusst wurde. Kounin spricht in diesem Zusammenhang von dem so genannten Wellen-Effekt. Durch konventionelle Untersuchungen gelangte Kounin zu dem erwarteten Ergebnis, dass mehrere Faktoren existieren, die sich auf eine Verhaltensänderung sowohl bei den störenden als auch bei den beoobachtenden Schülern auswirken. Dabei sind die Qualität der Zurechtweisung, die Art der pädagogischen Institution (Schultyp etc.), Charaktereigenschaften und Merkmale der Schüler wie Lernmotivation und Einstellung gegenüber dem Lehrer sowie die angewandte Forschungsmethode ausschlaggebend.

Kounin verfolgte mit seinen Untersuchungen das Ziel, Lösungen hinsichtlich der Problematik der Disziplin im Klassenzimmer zu finden. Er versuchte dieses Problem, mit welchem LehrerInnen alltäglich konfrontiert sind, zu lösen und stellte sich die Frage, wie sich ein Lehrer einem Schüler gegenüber verhalten soll, wenn sich dieser undiszipliniert verhält. Dabei müssen auch die Wirklungen von Disziplinierungsmaßnahmen auf die weiteren Schüler in der Klasse berücksichtigt werden. Durch diesen so genannten Wellen-Effekt galt es zu hinterfragen, wie sich die Methode eines Lehrers, mit einem Schüler umzugehen, der sich schlecht benimmt, auf die anderen Schüler in der Klasse auswirkt.

Zunächst untersuchte Kounin daher ob der Wellen-Effekt überhaupt existiert, das heißt ob sich das Verhalten eines Lehrers gegenüber einem undisziplinierten Schüler tatsächlich auf die anderen Schüler in der Klasse, welche von einem entsprechenden disziplinarischen Vorfall nicht unmittelbar betroffen sind, auswirkt – und falls ja, in welcher Weise entsprechende Auswirkungen bestehen. Weiters galt es zu hinterfragen, ob unterschiedliche Arten von Zurechtweisungen unterschiedliche Effekte erzeugen.

Kounin gelangte zudem zu der Schlussfolgerung, dass Zurechtweisungen für eine effektive Unterrichtsführung und –arbeit wenig günstig sind. Sinnvoller sei hingegen eine Unterrichtssteuerung, die das Entstehen störenden Verhaltens von vornherein verhindert. Weiters erlangte er die Einsicht, dass die Art der Klassenführung durch den Lehrer einen entsprechend bedeutenden Einfluss auf die schulischen Leistungen der Schüler hat wie deren kognitive Voraussetzungen. Eine aktive Beteiligung am Unterrichtsgeschehen ohne Störvariablen sei demnach für den Lernerfolg ausschlaggebend.

Da Kounin dennoch mit seinen Zwischenergebnissen unzufrieden war, beschloss er eine Änderung seines Ansatzes. Er dokumentierte für seine weiteren Untersuchungen das Klassenführungsverhalten sowie die entsprechenden Merkmale mit Hilfe einer Videoanalyse. Anhand der gefilmten Unterrichtssequenzen konzentrierte er sich somit nicht mehr auf die Auswirkungen von Disziplinierungstechniken, sondern ganz allgemein auf die Klassenführung von Lehrpersonen. Das Ergebnis der Analyse dieser Unterrichtssequenzen war überraschend, da sich verglichen mit den zuvor vorgenommenen einschlägigen Untersuchungen viel eindeutigere Zusammenhänge zwischen fünf komplexen Aspekten des Lehrerverhaltens und dem Schülerverhalten ergaben. Kounin kam also zu dem Schluss, dass es tatsächlich bestimmte Verhaltensweisen gibt, mit dem der Lehrer in der Lage ist, das Schülerverhalten positiv zu beeinflussen und sich die für eine erfolgreiche Klassenführung entscheidend sind.

Allgegenwärtigkeit und Überlappung

Es handelt sich dabei um die Fähigkeit des Lehrers, über das Verhalten der Schüler informiert zu sein und ihnen dies auch mitzuteilen. Er muss die Vorgänge in der Klasse beobachten und in der Lage sein, mehrere Sachverhalte gleichzeitig wahrzunehmen. Er muss zudem den Schülern klar machen, dass er über "Augen im Hinterkopf" verfügt:

Reibungslosigkeit und Schwung

Der Lehrer muss zahlreiche Unterrichtsabläufe kontrollieren, gleichzeitig aber den geschlossenen Unterricht in Gang halten. Er muss Anleitungen geben, in Bewegung halten und diese auch abschließen. Folglich muss er wechselnde Arbeitsformen harmonisch gestalten und zum anderen einen fließenden Übergang zwischen den einzelnen Unterrichtsfächern schaffen. Für die erfolgreiche Steuerung des Unterrichts muss der Lehrer die Fähigkeit besitzen, Reibungslosigkeit und Schwung aufrechtzuerhalten und somit Sprunghaftigkeit und Verzögerung vermeiden.

Unter "Reibungslosigkeit" wird in diesem Zusammenhang die Fähigkeit verstanden, den Übergang von einer Unterrichtsaktivität auf eine andere derart zu gestalten, dass sich alle Schüler auf den Wechsel einlassen und ohne Verzögerungen mitmachen. Lehrer mit dieser Fähigkeit kündigen einen entsprechenden Wechsel zuvor eindeutig an. Zusätzlich vergewissern sie sich, ob seitens der Schüler alle Fragen beziehungsweise Unklarheiten zur abzuschließenden Unterrichtsaktivität beseitigt werden konnten.

Der Terminus "Schwung" bezieht sich auf die Reibungslosigkeit innerhalb einer Unterrichtsaktivität. Beispielsweise macht der Lehrer eine Aufgabe vor, die Schüler müssen diese im Anschluss selbst in Stillarbeit nachmachen. Dabei muss der Lehrer darauf achten, die Demonstration mit Schwung auszuführen, da die Schüler bei langwierigen Ausführungen das Interesse verlieren.

Gruppenmobilisierung

Der Lehrer muss versuchen, den Gruppenfokus aufrechtzuerhalten. Dies bedeutet, dass er mit seinem Unterricht jeden Schüler der Klasse erreichen soll, und dass sich die Schüler mit dem Lehrstoff aktiv auseinandersetzen. Der Begriff "Gruppenmobilisierung" beschreibt in diesem Zusammenhang das Ausmaß in dem es dem Lehrer gelingt, alle Schüler einer Klasse trotz des Aufrufens einzelner Schüler in den Unterricht ausreichend einzubinden. Der Lehrer muss sich daher bemühen, auch bei den nicht aufgerufenen Schülern Aufmerksamkeit und Beteiligung aufrechtzuerhalten, das heißt sich nicht ausschließlich auf den aufgerufenen Schüler zu konzentrieren. Zur positiven Gruppenmobilisierung sind laut Kounin folgende Methoden denkbar:

Abwechslung und Herausforderung bei der Stillarbeit

Diese Technik der Klassenführung bezieht sich auf abwechslungsreiche Lernaktivitäten und intellektuellen Herausforderungscharakter vor allem bei Stillarbeiten.

In seinen Untersuchungen stellte Kounin fest, dass diese Techniken der Klassenführung durchgehend effektiv sind. Die Stärke der Korrelationen zwischen diesen Techniken und dem Verhalten der Schüler variiert dabei abhängig davon, ob sie für Fehlverhalten oder Mitarbeit, für Übungs- oder Stillarbeit bestimmt wird. Aus diesem Grund ist es möglich, bestimmte Aspekte des Lehrerverhaltens aufzuzeigen, die zu pädagogischen Erfolgen beitragen. Weiters ist festzuhalten, dass diese Techniken der Klassenführung nicht nur für einzelne Kinder, sondern für Gruppen gelten. Mit diesen Techniken wird ein effektives Lernmilieu geschaffen, wobei auf Punitivität und Restriktivität verzichtet wird.

Dem Zweifel erfahrener Pädagogen, dass durch entsprechende Techniken der Klassenführung die Spontaneität der Schüler, ihre Mitarbeit etc. und folglich wertvolle pädagogische Ziele nicht erreicht werden könnten, begegnet Kounin mit der Behauptung, diese Techniken seien keineswegs Selbstzweck, sondern Mittel, um der Lehrperson Handlungsspielräume zu schaffen, welche für einen erfolgreichen Unterricht Voraussetzung sind. Durch Klassenführung ist es dem Lehrer möglich seine Lehrziele zu erreichen, während mangelnde Führungstechniken Barrieren schaffen.

Der Elternabend

Elternabende werden oft zu einseitigen Informationsveranstaltungen und Eltern werden darin mit Informationen überhäuft und nehmen die Gelegenheit zum Fragenstellen, trotz Anregungen der LehrerInnen, kaum wahr. Ein Elternabend ist aber eine Einrichtung, um sich über die neuesten Entwicklungen in der Klasse zu informieren, wobei der Elternabend die einzige Veranstaltung in der Schule ist, bei der alle Eltern gemeinsam mit dem Klassenlehrer und eventuell auch den FachlehrerInnen Informationen austauschen können. Bei Elternabenden treffen unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen aufeinander und es ist nicht immer leicht, allen in der zur Verfügung stehenden Zeit gerecht zu werden. Elternabende sind eine niederschwellige Form, wie LehrerInnen und Eltern miteinander in Kontakt treten können und bieten daher neben den Informationsmöglichkeiten auch Kontaktmöglichkeiten für die Eltern, denne diese können einander besser kennen lernen, ein Austausch über Erziehungsthemen und Alltagsfragen ausserhalb der Schule und der Kontakt mit anderen Kulturen erweitert die Perspektiven. Diese Gespräche finden oft im Vorfeld und nach einem Elternabend statt, sodass vielleicht auch das in die Planung miteinbezogen werden sollte. Gespräche, in denen Eltern hören, welche Erfahrungen andere gemacht haben, was in einem konkreten Fall zur Lösung beigetragen oder auch nicht funktioniert hat, geben Anregungen für alternative Perspektiven. Solcherart gestaltete Elternabende stellen Ansprüche an die methodische Gestaltung, wobei LehrerInnen aber auch die Möglichkeit erhalten, phasenweise aus der reinen Leitungsrolle herauszutreten: Sie können ab und zu in die Beobachterrolle schlüpfen und die eigene Kompetenz als Erwachsener (vielleicht als Mutter oder Vater) aus einer anderen als aus der gewohnten LehrerInnen-Sicht in die Diskussion mit einbringen.

Vorbereitung im Unterricht

Es wurde verschiedentlich vorgeschlagen, den Elternabend schon im Unterricht vorzubereiten. Meist erfolgt das in Form einer Schülerbefragung bzw. einer Gruppenarbeit der SchülerInnen, in der diese Statements zur Klassensituation/zum Klassenklima formulieren. Mögliche Fragestellungen:

Diese Informationen können von der Lehrer/in am Elternabend selbst ausgewertet und (in Auszügen) den Eltern vorgestellt werden; außerdem können einzelne Problempunkte als eigener TOP angesprochen und geklärt werden.

Checkliste Elternabend

Durchführung bzw. Ablauf des Elternabends

In manchen Fällen kann es hilfreich sein, ein Protokoll anzufertigen/anfertigen zu lassen.

Elternstrategien beim Gespräch mit der Lehrerin bzw. dem Lehrer

Damit man als Lehrer oder Lehrer weiß, was einem an einen Elternsprechtag Wieder fahren kann, Soll immer Wie war die gehen kennen, mit denen Eltern zu einem Elternsprechtag kommen. In einem Eltern-Newsletter fand sich ein "8-Punkte-Plan zum erfolgreichen Gespräch", den ich hier - die Namen wurden von der Redaktion natürlich geändert - zusammenfassend wiedergeben möchte:

Am Elternsprechtag ihrer Tochter Cora möchte Frau Meier über die verschiedenen Unterrichtsstile der bisherigen Klassenlehrerinnen sprechen und die Probleme schildern, die ihre Tochter damit hat. Einem sehr autoritären Unterrichtsstil in der ersten und zweiten Klasse folgte durch einen krankheitsbedingten Wechsel eine junge Lehrerin, die mit den Kindern wesentlich lockerer umgeht. Cora konnte sich bisher noch nicht auf den veränderten Stil einstellen. Sie vergisst häufiger ihre Hausaufgaben zu notieren, passt im Unterricht nicht auf und redet öfter hinein. Eine schwierige Situation, denn die neue Lehrerin hat weder Schuld daran, dass sie die Klassenführung übernommen hat, noch dass sie anders unterrichtet als ihre Vorgängerin. Das Gespräch könnte so verlaufen:

Weitere Hinweise: Das Gespräch mit dem Lehrer


Literatur zur Klassenführung

Cloer, E. (1982) Disziplinieren und Erziehen. Das Disziplinproblem in pädagogisch-anthropologischer Sicht. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Emmer, E. T., Evertson, C. M., Sanford, J. P., Clements, B. S. & Worsham, M. E. (1984). Classroom management for secondary teachers. Englewood Cliffs, NJ: Prentice-Hall.

Holodynski, Manfred (1998). Klassenführung. Eine notwendige Aufgabe erfolgreichen Unterrichtens. Grundschule, 9, 22-24.

Kounin, J. S. (1970). Discipline and group management in classrooms. New York: Holt, Rinehart and Winston.

Kounin, J. S. (1976). Techniken der Klassenführung. Bern: Huber.

Mayr, J., Eder, F. &. Fartacek, W. (1991). Mitarbeit und Störung im Unterricht: Strategien pädagogischen Handelns. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 5, 43-55. Robertson, J. (1996). Effective classroom control. Understanding teacher-pupil relationships. London: Hodder and Stoughton.Singer, K. (1991). Lehrer-Schüler-Konflikte gewaltfrei regeln. "Erziehungsschwierigkeiten" und Unterrichtsstörungen als Beziehungsschwierigkeiten bearbeiten. Weinheim: Beltz.

Toman, H. (2003): Praxishandbuch für das Classroom-Management. Schneider Verlag.

http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/elternabend-durchfuehrung-vorbereitung/2469/ (09-09-08)

http://www.elternwissen.com/schule-und-eltern/elternabend/art/tipp/elternabend-richtig-nutzen.html (09-09-08)



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