[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Individuell und subjektiv erlebte Gerechtigkeit des Lehrerhandelns

Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit unterliegen subjektiven Wahrnehmungen, trotzdem lassen sich Handlungen von LehrerInnen und SchülerInnen erkennen, die mehr oder weniger als gerecht empfunden werden. Bei Ungerechtigkeitserfahrungen wird bei Schüler und Schülerinnen oft die Notengebung genannt. Die Noten an sich können nicht als ungerecht empfunden werden. Bei einer Pilotstudie fand man herausg, dass von SchülerInnen das Gleichheitsprinzip als gerecht angesehen wird. Jedoch ist dies vom Alter abhängig, weil bei SchülerInnen der Sekundarstufe dieses Empfinden nicht so stark ausgeprägt war wie bei RealschülerInnen oder Gymnasiasten. Für SchülerInnen liegt eine gerechte Notenvergabe vor allem in der Gleichbehandlung und sie bevorzugen Vergleichsstandards, die sich an objektiven Leistungskriterien orientieren. Von Gymnasiasten wird die Berücksichtigung der individuellen Anstrengung bzw. des individuellen Leistungsstandards als nicht besonders gerecht angesehen (vgl. Dalbert, 2011, S. 7 f). Wenn sich SchülerInnen in ihrer Klasse von der Lehrkraft gerecht behandelt fühlen, dann können sie auch darauf vertrauen, dass die Notengebung, Lob und Strafen fair sind. Daher sollte dies zur Motivation führen, dass SchülerInnen danach streben den gerechten Umgang in der Gemeinschaft aufrecht zu erhalten (vgl. Dalbert, 2011, S. 8 ff). Doch es gibt einige Dinge, die Lehrer beachten können, um beispielsweise ein besseres Unterrichtsklima zu erreichen. Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit des Lehrerhandelns kann Schüler zu bestimmten Prozessen anregen.

Was wird als gerecht und ungerecht angesehen?

Die Gerechtigkeitsmotivlehre nach Dalbert und der Gerechte-Welt-Hypothese von Lerner sind zwei wesentliche Anschauungen, die klarstellen, was als gerecht oder auch ungerecht angesehen wird. Natürlich unterliegen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit der subjektiven Wahrnehmung, doch trotz allem lassen sich Handlungen von Lehrern und Schülern erkennen, die mehr oder weniger das Gefühl der Gerechtigkeit vermitteln. Nach der Gerechte- Welt-Hypothese will die Menschheit daran glauben, dass jedem widerfährt, was ihm gebührt, und es so eine Motivation für jeden selbst ist, gerecht zu handeln, um später selbst keine Ungerechtigkeiten erfahren zu müssen. Wer also eine gerechte Welt haben will, muss selbst etwas dafür tun, nämlich gerecht handeln. In Untersuchungen hat man festgestellt, dass Personen mit starkem Glauben an eine gerechte Welt, Ungerechtigkeit sogar als selbstverschuldet interpretieren oder diese von sich weisen. Je stärker ein Schüler oder eine Schülerin also an Fairness glaubt, desto mehr wird er/sie seine/n Lehrer/innen als gerecht empfinden. Auch das Vertrauen in einen selbst ist ausgeprägter, je mehr man an der Gerechte- Welt- Hypothese festhält. So haben beispielsweise besagte Personen feststellbar bessere Noten.

Individuell und subjektiv wahrgenommene Gerechtigkeit von Lehrern

Lehrer und Lehrerinnen versuchen im Allgemeinen, gerecht in ihrer Notengebung zu sein, doch viele der zur Schule Gehenden erwähnen im Zusammenhang mit Ungerechtigkeisterfahrungen gerade die Benotung. Durch verschiedene Studien kam man allerdings zu einem anderen Ergebnis: die Notengebung ist primär für die erlebte Lehrergerechtigkeit von Schülern und Schülerinnen nicht ausschlaggebend oder von großer Bedeutung. Nach dieser Erkenntnis hat man weiters versucht, andere Aspekte des Lehrerhandelns in Betracht zu ziehen, um zu erfahren durch was oder welche Handlungen der subjektive Eindruck von Ungerechtigkeit entsteht. Man erkannte, dass es für die zu Unterrichtenden wichtig ist, wertgeschätzt und ermutigt zu werden, doch aufgrund weniger Untersuchungsergebnisse zu diesem Thema, ist es schwer, allgemeine Aussagen über Erwartungen an Lehrkräfte für alle Altersgruppen von Kindern oder Jugendlichen zu treffen. Auch Personen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund oder verschiedenen Geschlechtes haben unterschiedliche Ansprüche an den Lehrer.

Wenn SchülerInnen danach streben, dass sie von den Lehrkräften gerecht behandelt werden, dann sollten sie sich selbst auch zu gerechten Handeln verpflichtet fühlen. Die Assimilation der schulischen Umwelt an ein Gerechtigkeitsschema hat eine positive Bewertung des sozialen Klassenklimas und des Unterrichtsklimas zur Folge. Je gerechter sich SchülerInnen behandelt fühlen, desto bessere Noten erreichen sie und desto besser schätzen sie sich selbst ein. Außerdem signalisiert die positive subjektive und individuelle Gerechtigkeit des Lehrerhandelns die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, in der man verpflichtet ist, sich gerecht zu verhalten, was bedeutet, dass sich SchülerInnen gegenseitig weniger schikanieren, schummeln oder andere Regeln verletzten. Untersuchungen zur subjektiven und individuellen erlebten Gerechtigkeit des Lehrerhandelns und dem schulischen Belastungserleben zeigen, je gerechter sie sich behandelt fühlten, desto weniger war für sie die Schule belastend. Depressive Symptome sind sowohl durch elterliche als auch die subjektiv und individuell erlebte Gerechtigkeit zu erklären. Jedoch das schulische Belastungserleben ist nur auf die in der Schule erlebte Gerechtigkeit zurückzuführen (vgl. Dalbert, 2011, S. 10 ff).

Drei Prozesse werden also durch das Handeln einer Lehrkraft beim Schüler oder bei der Schülerin ausgelöst: das Vertrauen in die Gerechte-Welt-Hypothese, die „Assimilation der schulischen Umwelt an ein Gerechtigkeitsschema“ und regelkonformes Verhalten. All diese Dinge oder Verhaltensregeln können demnach ein besseres Unterrichtsklima oder Klassenklima herbeiführen, zu weniger Belastungssituationen für Schülerinnen und Schüler aber auch zu weniger Bullying oder Mogel-Situationen führen. Den Schülern fällt es dann leichter zu lernen, und das führt fast zu besseren Schulleistungen. Schüler und Schülerinnen, die in einer solchen Umgebung lernen, beklagen sich generell weniger über Ungerechtigkeit der Lehrer und Lehrerinnen, da ihre Wahrnehmung der LehrerInnen anderes zu sein scheint.

Literatur

Dalbert, Claudia (2011). Warum die durch die Schüler und Schülerinnen individuell und subjektiv erlebte Gerechtigkeit des Lehrerhandelns wichtig ist. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 5 - 14.

Döring, Klaus Walter (1989). Lehrerverhalten. Weinheim: Deutscher Studienverlag.

Dubs, Rolf (1995). Lehrerverhalten. Zürich: Verlag des Schweizerischen Kaufmännischen Verbandes.



inhalt :::: kontakt :::: news :::: impressum :::: autor :::: copyright :::: zitieren ::::
navigation: