[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Arbeitsplatz Schule:
Arbeitsbedingungen in der Schule

Quelle
Die Presse vom 12.11.2012.

In einem Beitrag in der Presse vom 12. November 2012 benennt Theresa Aigner fünf Problembereiche, die am Arbeitsplatz Schule eine Rolle spielen, wenn es darum geht, konzentriert und aufnahmefähig zu sein. Gekürzt die wichtigsten Argumente:

Niedrige Luftqualität in einem Großteil der Klassenzimmer

Zu heiß, zu trocken, zu stickig: So lautet das Ergebnis einer Studie zur Qualität der Raumluft in Österreichs Klassenzimmern. So liegt die Durchschnittstemperatur in fast jeder zweiten Klasse über dem empfohlenen Wert, die Luftfeuchtigkeit ist in 70 Prozent der Klassen zu niedrig, auch der CO2-Wert übersteigt in der Hälfte der Klassen den empfohlenen Wert. Eine deutliche Abnahme der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen und schnellere Ermüdung können die Folge von schlechter Raumluft sein.
Einfachste Lösung: regelmäßiges Stoß- und Querlüften, es muss also ein Durchzug erzeugt werden. Wenngleich dieser Lösungsansatz banal klingt – die Studie zeigt, dass nicht einmal das gelingt: In 94 Prozent der Klassen wird die Luft seltener als alle zwei Stunden komplett ausgetauscht – im Idealfall sollte das alle 50 Minuten passieren.

Falsche Ernährung mindert die Konzentrationsfähigkeit

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle, denn Kinder, die nicht frühstücken, können sich schlechter konzentrieren. Studien belegen, dass Schüler, die nichts gegessen haben, bei Tests schlechter abschneiden. Verschärft werde das Problem dadurch, dass auch zu wenig Wasser getrunken wird. Typische Jausenprodukte wie Wurstsemmeln, Pizzaschnitten und dergleichen sind fett – und das macht müde. Lösung: „Schulobstprogramm“: Die Schule erhält dabei Obst und Gemüse für alle Schüler; bezahlt wird das zur Hälfte von der EU und zur Hälfte von den Eltern (ca. 15 Euro pro Jahr). Ein anderer Vorschlag lautet, gemeinsame „Jausenpausen“ einzuführen. Viele Schülerhaben zwar eine Jause mit, essen sie aber nicht – weil in der Pause andere Dinge wichtiger sind.

Mangelnde Bewegung während des Unterrichts

Auch die Bewegung kommt im Schulalltag zu kurz, wobei eine tägliche Turnstunde zwar „wünschenswert“ ist aber nur eine Maßnahme darstellt, denn ebenso wichtig ist, dass Bewegung auch in den Fachstunden Platz hat. Lösung: Bewegung auch in den Deutsch- oder Mathematikunterricht integrieren, denn dabei werden Inhalte durch Bewegung vermittelt, etwa indem Rechenlösungen mit einem Springseil nach vereinbarten Codes gesprungen werden.

Die Lärmbelastung führt zu Fehlern

Der Lärmpegel steigt in Schulklassen rasch an, insbesondere dann, wenn die Raumakustik schlecht ist. Und Lärm mindert den Lernerfolg, bestätigten Studien der Uni Oldenburg: Schon ab der Lautstärke von 50 Dezibel häufen sich die Fehler – das entspricht der Lautstärke leiser Hintergrundmusik. In den Klassen liegt der Lärmpegel meist deutlich höher. Lösung: Schallabsorbierende Gestaltung von Decken und Wänden. Aber auch einfacher umsetzbare Dinge können helfen: Fenster nicht gekippt halten, Regeln fürs Reden und Zuhören, langsames Sprechen oder einfach die Thematisierung von Lärm und dessen Wirkung. Bewegungspausen helfen, um quirlige Schüler wieder zu beruhigen.

Jesper Kristiansen (National Research Centre for the Working Environment, Kopenhagen) untersuchte zehn dänische Schulgebäude mit niedrigem, mittlerem und hohem Nachhall in den Klassenzimmern. Dreihundert Lehrer schätzten unter anderem ein, wie stark der Lärm an ihrem Arbeitsplatz ist und wie zufrieden sie im Beruf sind. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Lärm und Arbeitszufriedenheit, wobei sich sowohl der subjektiv als störend empfundene Lärm im Wohlbefinden niederschlug als auch die objektiven Raumbedingungen. Lehrer, die an Schulen mit einem hohen Nachhall arbeiteten, waren im Vergleich deutlich unzufriedener und hatten sechsmal häufiger über einen Jobwechsel nachgedacht als Kollegen in Gebäuden mit niedrigem Hall. Faktoren wie Klassengröße oder das soziale Umfeld der Schule hatten in der Studie hingegen keinen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit.
Quelle: Psychologie heute, August 2013.

Eine Studie des Grazer Instituts für Psychologie an 14 steirischen Volksschulen hat ergeben, dass der Lärmpegel in den steirischen Klassenzimmern viel zu hoch ist, was sich auf die Konzentration der Schüler auswirkt und für die Lehrer zur nervlichen Zerreißprobe wird. Die Schallpegelmessungen ergaben einen durchschnittlichen Wert von 68 Dezibel, was man mit einem laufenden Staubsauger in einem Meter Entfernung vergleichen kann. Der Grenzwert, der vorgeschrieben ist, liegt eigentlich bei 50 Dezibel für Räume, die für vorwiegend geistige Tätigkeiten vorgesehen sind. Man hat in der Untersuchung auch festgestellt, dass Lehrende in Volksschulen sich durch Lärm stärker belastet fühlen als etwa Lehrer an einer Höheren technischen Lehranstalt.
Quelle: http://on.uni-graz.at/de/forschen/article/laestiger-laerm/ (14-03-28)

Der Schulraum passt nicht zu neuen Lern- und Lehrformen

Die Sitzordnung in Schulen – Bänke, die in Reih und Glied hintereinander stehen – geht auf die Sitzordnung in der Kirche zurück. Ermüdende Frontalvoträge sind damit kompatibel. Wenn aber neue Lehr- und Lernformen angewandt werden – was in den Schulen zunehmend der Fall ist –, muss auch der Raum dem Lernen angepasst werden. Lösung: „partizipative Planung“ – die Lehrer und Schüler werden in den Schulbau eingebunden. So kann der Raum den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden. Moderne Schulbauten verfügen oft über Rückzugsräume und Lerninseln zwischen den Klassen, die für offene Lernformen genützt werden. Lange, triste Gänge fallen weg.

Hinzu kommt die nicht immer reibungslose Zusammenarbeit mit anderen LehrerInnen an einer Schule:

Die Teamarbeit

Gerade in der Schule müssen LehrerInnen nicht nur den Schülern zeigen, wie man erfolgreich eine Gruppenarbeit organisiert, sondern sie müssen genau das auch vorleben und im Kollegium als Team zusammenarbeiten. Die Praxis zeigt täglich, dass Teamwork kein leichtes Unterfangen ist, denn in jedem Lehrerzimmer treffen sehr gegensätzliche Charaktere und Mentalitäten aufeinander. Hier trifft der Eigenbrödler auf die Selbstdarstellerin, und wenn die Chemie nicht stimmt, scheinen die KollegInnen nicht mehr dieselbe Sprache zu sprechen.

Manchmal lässt die Motivation einiger Kollegen immer weiter nachlässt und das Ziel gerät aus dem Blickwinkel, die Teamarbeit verläuft schleppend und versandet schließlich ganz. Außenseiter-KollegInnen werden ausgegrenzt, manchmal gibt es sogar Fälle von Mobbing. Dann leiden nicht nur die betroffenen KollegInnen, sondern auch die Motivation der anderen LehrerInnen, das das Schulklima und die Qualität der Schule insgesamt.


Zur Illustration ein …

Quelle
http://alessa-accessoires.
blogspot.co.at/2014/02/
lebenlernen-lieben-gelernt.html (14-02-05)

… Zitat aus dem Weblog von Alessa Spang, die sich als Studentin an ihre Schulzeit erinnert:

Lernen kann so ermüden. Vor allem Lernen in der Schule … Ich erinnere mich. Dass die Banknachbarn interessanter waren als alles andere. Dass die Luft in den Zimmern schlecht war und dass die Ohren müde waren von monotonen Stimmen. Und dass man mit etwas Phantasie in herrliche Welten flüchten konnte, während da vorne jemand stand und redete.
Manche Stunden im Klassenzimmer waren auch schön. Wenn irgendwas anders war als sonst. Vielleicht war es eine Stunde Kunst, in der wir das erste Mal Linolwerkzeuge in der Hand hatten. Eine Stunde Gruppenarbeit in Deutsch, in der wir tatsächlich gute Ideen hatten, zusammen einen Text schrieben, der sich beim Vorlesen gut angefühlt hat. Oder Freistunden, in denen wir mit Pommes in der Hand freiwillig Hausaufgaben gemacht haben.
Da waren auch mal diese Momente, in denen ich gelernt habe, ohne es zu merken. Sonst aber ist genau das in der Schule - dem Ort des Lernens - schwierig, weil es jedem Lehrer in Großbuchstaben auf der Stirn geschrieben steht: Ihr MÜSST lernen.
Und was haben wir gemacht? Buchstabenbilder aus Songtexten in die Hefte gemalt.
Leistungsdruck ist echt kontra.
Heute weiß ich Gründe, weshalb Schule so oft doof war, die ich damals noch nicht so richtig verstanden hab. Heute weiß ich, dass ich alles gerne lerne, wenn mich der „Stoff“ interessiert. Dann begrüße ich ihn freudig und schließe ihn in die Arme.



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