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Das Schulbuch im Unterricht

Imhof (1993) beschreibt in ihrem Artikel die

Funktionen von Schulbüchern im Unterricht

Lehren umfasst eine Reihe von Handlungen oder Tätigkeiten, die den Lernprozess in Gang setzen, begleiten, fördern, kontrollieren und dafür sorgen, dass Gelerntes behalten, übertragen und angewendet wird. Solche Tätigkeiten sind vielfältig und von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich. Texte und Bücher sind dabei Werkzeuge des Lehrens, die den Lehrer entlasten, ja z.T. ersetzen. Schulbücher werden in der Regel eigens für Unterrichtszwecke zur Erreichung der in Lehrplänen festgelegten Lernziele herausgegeben. Des Weiteren beinhalten sie meist den gesamten Unterrichtsstoff eines Schuljahres. Ein Schulbuch muss diesen Anforderungen an methodisches Handeln gerecht werden, wenn es bestimmte Lehrfunktionen übernehmen soll. Aufgabe der Lehrkraft ist es, dasjenige Schulbuch auszuwählen, das aufgrund seiner Möglichkeiten und seiner Struktur die von ihm intendierten Lehrfunktionen am besten zu verwirklichen hilft.

Das Schulbuch ist nach wie vor das wichtigste Medium im Unterricht und kann Expertenwissen anschaulich aufbereiten, Anregungen für einen modernen Unterricht geben und differenzierte AufgabensteIlungen bieten, die den unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen der SchülerInnen entgegenkommen. Nach wie bringt das Buch als pädagogisches Hilfsmittel Nummer eins gepaart mit einem guten Lehrer das Fach nähe und bietet als Lernbegleiter es gesichertes Wissen, enthält Anregungen, hilft, Unklarheiten in Eigenregie zu lösen, dient als Nachschlagewerk und zur Prüfungsvorbereitung. Nicht zuletzt sind Schulbücher ein Kontroll- und Hilfsinstrument auch für Eltern, denn sie informieren diese darüber, wo ein Kind steht und was es noch lernen muss.

Laut Bamberger gibt es ein „Maximum Lehrbuch“, zu welchen die meisten heute verwendeten Lehrbücher zählen. Diese führen häufig zu Auswahlschwierigkeiten zwischen Schülern und Lehrern, da z. B. die Lehrer die üppigen Lehrplanvorgaben durch Inhalte der Ergänzungstexte aus dem Lehrbuch kritiklos erweitern. Sowie ein „Minimum Lehrbuch“, welches keine Ergänzungstexte beinhaltet und den Schülern den Unterschied zwischen Wichtigem und Unwichtigem somit erleichtert. Allerdings wird dieses durch Lehrer häufig als Niveausenkung missverstanden, sodass diese Variante kaum Verbreitung findet.

Dem Gesetz nach sind Schulbücher Hilfsmittel, die der Unterstützung oder der Bewältigung von Teilaufgaben des Unterrichts und zur Sicherung des Unterrichtsertrages dienen, und können und sollen in allen Schulstufen fachspezifisch zur Verbesserung der Leseleistung eingesetzt werden. Bei der Auswahl der Materialien soll auf das Textverständnis und die fächerübergreifende Anwendbarkeit geachtet werden. Lesekompetenz ist mehr als einfach nur lesen zu können. Unter Lesekompetenz verstehtman allgemein die Fähigkeit, geschriebene Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer formalen Struktur zu verstehen und in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können, sowie in der Lage zu sein, Texte für verschiedene Zwecke sachgerecht zu nutzen. Nach diesem Verständnis ist Lesekompetenz nicht nur ein wichtiges Hilfsmittel für das Erreichen persönlicher Ziele, sondern eine Bedingung für die Weiterentwicklung des eigenen Wissens und der eigenen Fähigkeiten – also jeder Art selbstständigen Lernens – und eine Voraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Wer lesen kann und es gerne tut, versteht nicht nur Texte, sondern nutzt sie auch und kann darüber reflektieren. Lesen ist so auch der Schlüssel zum lebensbegleitenden Lernen.

Strukturierungsfunktion

Die Strukturierung von Lernfeldern ist ein wichtiger Bereich der Unterrichtsplanung. Lehrkräfte müssen nicht nur ihre tägliche Unterrichtsvorbereitung leisten, sondern auch Langzeitplanungen durchführen, Jahres- und Wochenpläne erstellen. Strukturierung in diesem Sinne bedeutet, die Gesamtheit von Lerninhalten eines Faches aufzuteilen und in ein sinnvolles Nacheinander zu bringen. Strukturierung bedeutet aber auch, dass durch die Aufdeckung grundlegender Strukturen Interpretationsmuster zum Verstehen eines Faches geliefert werden. Das fundamentale Verständnis eines Faches spiegelt sich in der Curriculumentwicklung wider und fließt als Ergebnis in das Schulbuch ein. Die Darstellung neuer fachlicher Strukturen im Schulbuch selbst bedürfen aber der Erläuterung, etwa in einem Einstiegskapitel oder einem Lehrerbegleitheft. Solche Strukturierungshilfen sind nötig, weil die unterrichtende Lehrkraft häufig zum Verständnis der inneren Zusammenhänge nicht die dafür erforderliche fachliche Kompetenz hat.

Repräsentationsfunktion

Wie Gegenstände und Sachverhalte im Unterricht vergegenwärtigt werden können, hängt von ihrer Beschaffenheit und Verfügbarkeit ab. Realitätsnahe Repräsentation kann erfolgen, wenn das Schulbuch Abbildungen, Zeitungskommentare, Verträge, Parteiprogramme, aktuelle Wirtschaftsgrafiken enthält. Diese Abbildung der Realität erscheint im Schulbuch sinnvoll, da es sich häufig um Materialien handelt, die für den Lehrer schwer zugänglich sind und sich anstelle der Realität gut für die Erarbeitung von Sachverhalten eigenen. Sprachliche Repräsentation der Wirklichkeit geschieht durch Texte, die einen Sachverhalt beschreiben. Diese Texte werden selten für die Erarbeitung eingesetzt, sondern dienen eher der Festigung und Wiederholung. Didaktische Repräsentation sind Text-Bild-Darstellungen von Problem- und Fallsituationen, die zum Handeln herausfordern, z.B. zu Diskussionen, Rollenspielen, Fallbearbeitung, Erkundungen, Expertenbefragung, Projekten. Einerseits bieten sich vielfältige Anregungen zur Unterrichtsgestaltung, andererseits darf nicht übersehen werden, dass sich Lehrkräfte bei häufigem Einsatz in die Gefahr einer gewissen Vereinseitigung und Uniformierung begeben, weil Text-Bild-Darstellungen zwar häufige, aber nicht die einzigen Repräsentationsformen sind.

Steuerungsfunktion

Wer Unterricht plant, erstellt einen bestimmten Verlauf mit mehr oder weniger offenen Einzelschritten. Darüber hinaus überlegt er sich für den tatsächlichen Verlauf verschiedene Steuerungsmöglichkeiten wie Impulse, Fragen, Aufforderungen, Arbeitsanweisungen. Es widerspräche der Kommunikationsstruktur von Unterricht, wenn steuernde Impulse aus einem Text bzw. einem Aufgaben- oder Fragenkatalog übernommen werden müssten. Wenige Lehrer würden sich so weit "entmündigen" lassen, sondern derartige Schulbuchbeiträge höchstens als Anregungen für ihren Unterricht ansehen, nicht aber das Buch im Unterricht einsetzen. Abgeschlossene Lernsequenzen eignen sich deshalb nur für Stillarbeit oder Hausaufgaben. Zur Bereicherung des mündlichen Unterrichts sind sie kaum geeignet.

Motivationsfunktion

Schulbücher bemühen sich, Gegenstände und Sachverhalte so darzustellen, dass Schüler zum Lernen motiviert werden. Die Motivation zum Einsatz eines Schulbuches ist umso größer, je stärker es als Arbeitsbuch konzipiert ist und je stärker die Repräsentationsformen so gewählt sind, dass Lernanreize geweckt werden durch Impulse für Problemlösungen, Provozieren von Kritik und die Auseinandersetzung mit Ideen und Vorurteilen. Wo durch Erkundungen, Beobachtungen und Befragungen eine unmittelbare Erfahrung an außerschulischen Lernorten möglich ist bzw. wo eine aktive Auseinandersetzung durch Diskussionen, Rollenspiele etc. geeignet ist, Unterrichtsinhalte zu erschließen, sollte das Schulbuch keine primäre Rolle spielen. Wo aber Sachverhalte, Aufgaben und Gegenstände besser durch das Buch vergegenwärtigt werden können, sollen sie auch motivierend dargestellt werden. Sie sollten ansprechend sein im Layout und im Textangebot. Schulbücher haben auch Anregungsfunktion für den planenden Lehrer. Er erhält Ideen aus dem Schulbuch, transportiert diese aber mit einem anderen Medium, z.B. mit einem Folien- oder Tafelbild, oder er zeichnet z.B. eine Gesprächssituation aus einem Buch als Tonbandaufnahme auf.

Differenzierungsfunktion

Differenzierung bedeutet zunächst, eine Gruppe ähnlich leistungsfähiger Schüler zu bilden, um diesen eine angemessene Aufgabe zu stellen. Wenn mehrere Gruppen mit unterschiedlichem Niveau unterrichtet werden, müssen Lehrfunktionen an Medien delegiert werden. Statt mit dem Lehrer muss ein Teil der Schüler mit didaktischem Material arbeiten. Hier könnten Schulbücher dem Lehrer einen Teil der Arbeit abnehmen. Es gibt zwei einfache Differenzierungskonzepte, die vor allem in Arbeit/Wirtschaft-Arbeitsbüchern angeboten werden.

Übungs- und Kontrollfunktion

Damit die motivierende Einführung eines Lerninhalts bei den Schülern haften bleibt, bedarf es eines variablen und motivierenden Übungsangebotes. Das bedeutet, dass die Aufgabenstellungen methodisch variabel sein müssen, indem sie

Schulbücher gehen vermehrt dazu über, verschiedene Arten von Merkhilfen zu liefern: Merksätze werden abgedruckt, Auflistungen von Begriffen gegeben, Randbemerkungen und Übersichten dargestellt. So sinnvoll solche Hilfen sind, bergen abgedruckte Merksätze ein Problem: Merkwissen soll ja aus dem Unterricht erwachsen und in der eigenen Formulierung festgehalten werden. Wenn überhaupt Merkwissen im Schulbuch, dann müsste man auch gezielte Übungen damit anstellen, z.B. in Form von Kreuzworträtseln, oder Begriffe in einen Lückentext einfügen lassen. Grafiken, Übersichten und Randbemerkungen haben ihren Wert als Orientierungshilfe und Konzentrationspunkte beim Nachschlagen und dienen der Einübung von Arbeitstechniken.

Literatur

Imhof, Ursel (1993). Auswahl und Einsatz von Schulbüchern im Arbeits- und Wirtschaftslehreunterricht. arbeiten+lernen/Wirtschaft, 3, 22-25.

http://de.wikipedia.org/wiki/Unterrichtsmedium (10-05-05)

http://www.bmukk.gv.at/ministerium/rs/2008_30.xml (10-05-05)



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