[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Kritik als Feedback



Literatur zum Thema Feedback



Kritik bietet eine Sichtweise von außen und ist daher manchmal sinnvoll und notwendig, damit man sich entwickeln kann, doch es kommt auch auf den Zeitpunkt an wann man etwas sagt und wann nicht. Im Zeit zu leben-Newsletter, Ausgabe 518 vom 4. Juli 2010 findet sich eine persönliche Checkliste der Herausgeber, welche Fragen man sich stellen sollte, bevor man jemandem eine kritische Rückmeldung gibt:

Zwar ist es eher unrealistisch, sich all diese Gedanken durch den Kopf gehen zu lassen, bevor man jemandem eine Rückmeldung gibt, aber vielleicht geht man statt bis hundert zu zählen einmal diese Liste einmal durch und schaut, bei welchen Punkten man sich am ehesten wiedererkennt. Diese Checkliste hilft einem auch selber dabei, besser mit Kritk von anderen umzugehen, wenn man sich klarmacht, dass Kritik von außen nicht immer wohlgemeint ist, sondern oft auch anmaßend, mißgünstig ego-lastig oder manipulativ.

Quelle: http://www.zeitzuleben.de/p/6252/Richtig-kritisieren---Wann-wo-wie-und-wie-viel.html (10-07-04)


Ich habe versagt, bin aber kein Versager.

Feedback des Lebens vs Scheitern

In individualistisch orientierten Gesellschaften stellt Scheitern eine Bedrohung des Selbstwertes dar, denn je mehr Leistung zum Kriterium für die soziale Rolle und das Selbstbild wird, desto gravierender ist ein Versagen. Daher hängt es auch von der Gesellschaft und ihren Normen ab, ab wann Menschen sich als gescheitert betrachten. Allerdings reagieren selbst Menschen innerhalb einer Kultur unterschiedlich auf negative Erfahrungen, denn während die einen sich zerfleischen, weil die Leistung nicht ganz perfekt war, erholen sich andere, die etwa mit einem ganzen Unternehmen gescheitert sind, äußerst schnell, um auf den Scherben ihrer Existenz etwas Neues aufzubauen. Das Geheimnis solcher Menschen ist, dass sie negative Gedanken schneller abstellen können, denn zwar denkt jeder Mensch über negative Erfahrungen meist mehr nach als über positive, aber manche Menschen kommen davon besser wieder los und grübeln nicht so lange. Häufig liegt in der Interpretation eines negativen Ereignisses der Schlüssel, um danach zufrieden damit weiterleben zu können.

Wenn man im Leben etwas nicht erreicht hat, dann darf man zunächst durchaus unzufrieden und frustriert sein, das ist nur menschlich und in Ordnung. Gleichzeitig hilft es aber auch, die Angelegenheit schneller zu überwinden, wenn man von einer höheren Perspektive auf den Misserfolg schaut und ein Scheitern von einem Feedback unterscheidet, das einem weiterhilft. Manchmal denkt man, man wäre gescheitert, aber dabei hat man nur eine kleine Niederlage erlitten und in Wirklichkeit hat eine Sache auf dem Weg zu einem Ziel einfach noch nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat. Wer sich zig Male um einen Arbeitsplatz beworben hat und nur Absagen bekommt, der denkt vielleicht bei der letzten Absage, er wäre gescheitert. Doch gescheitert ist er natürlich erst dann, wenn er aufgibt und das Projekt neuer Arbeitsplatz nicht weiter verfolgt. Gescheitert ist man also immer erst, wenn man aufgibt, wenn man hingefallen ist und liegen bleibt. Selbst die Erfolgreichen schaffen selten alles beim ersten Mal, wobei von ihnen eben nur selten über die Schwierigkeiten auf dem Weg zum Erfolg gesprochen wird, sodass man manchmal das Gefühl hat, dass es den Erfolgreichen ganz leicht gefallen ist, dahin zu kommen, wo sie sind. In Biografien einflussreicher Menschen wimmelt es von schlechten Entscheidungen und Fehlversuchen, und das einzige Faktum, das erfolgreiche Menschen oft von den anderen unterscheidet ist, dass diese immer einmal mehr aufgestanden sind, als sie hingefallen sind. Jeden Misserfolg kann man auch als eine Rückmeldung des Lebens betrachten, die einem sagt, dass man es eben noch nicht lange genug versucht hat, dass noch eine Zutat im Erfolgsrezept fehlt, um dahin zu kommen, wohin man will. Vielleicht ist ein Ziel ja gar nicht realistisch, vielleicht sollte man sich zunächst ein kleineres setzen. Manchmal ist es auch so, dass man sich selbst boykottiert und vielleicht unbewusst das Ziel gar nicht erreichen will. Es kann auch das grundsätzliche Vorgehen falsch sein und man hat vielleicht irgendwo einen Denkfehler in seiner Strategie gemacht. Oder man tut in einer Situation einfach das, was alle anderen auch tun, was aber für einen selber nicht immer die beste Wahl ist, und vielleicht sollte man ganz anders an die Aufgabe herangehen. In solch einer Situation kann man sich dann vielleicht auch folgende Fragen stellen: Was will man mit seinem Vorhaben denn eigentlich wirklich erreichen? Was genau hat man sich davon versprochen? Kann man das, was man sich davon versprochen hat, vielleicht noch anders und sogar einfacher erreichen? Was genau ist hier der größte Engpass? Was steht denn zwischen sich und seinem Ziel? Wie kann man seine Vorgehensweise ändern? Wie machen es andere, die hier erfolgreich waren? Von wem kann man lernen? Wer kann vielleicht beim Erreichen des Ziels helfen? Wenn man einmal im Leben scheitert, was übrigens natürlich und menschlich ist, dann sollte man mit Würde scheitern und sich weigern, bloß ein Versager zu sein, denn schließlich gibt es viele Dinge im Leben, die man ja erreicht hat. Man sollte dann eben die Perspektive ändern und von außen auf die Situation schauen, das Scheitern als Rückmeldung des Lebens werten und darüber nachdenken, was man aus seinem Scheitern vielleicht lernen könnte. Man sollte daher jedes Scheitern immer als einen Teil des Weges einkalkulieren und dann vernünftig mit den Stolpersteinen des Lebens umgehen.

Quellen
Zeit zu leben-Newsletter vom 16. Jänner 2011
WWW: https://www.zeitzuleben.de/10930-3-ideen-wie-man-stilvoll-scheitern-kann/ (11-01-16)
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/04/kunst-scheitern-fehler-machen (13-08-05)



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