Die moralische Entwicklung
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Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. |
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Die Untersuchung der Entwicklung der Moralvorstellungen des Menschen wird schon seit langem als zentraler Problembereich der Sozialwissenschaften betrachtet, wobei hier ein Schwerpunkt auf die Phasen der Kindheit und Jugend liegt. Allerdings ist es schwierig, den Aspekt der Moralentwicklung von den anderen Bereichen der sozialen Entwicklung und Sozialisation - wie z.B. der Entwicklung der Persönlichkeit und Verhaltensmustern, Aggression, Fleiß oder Leistungsmotivation - immer eindeutig abzugrenzen. |
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Man versteht unter moralischer Entwicklung vornehmlich jene Teilprozesse der Sozialisation, die zur Internalisierung von grundlegenden sozialen Normen und Regeln führen, wobei erwartet wird, daß ein Individuum auch dann den Regeln gemäß handelt, wenn es die Neigung spürt, sie zu übertreten, und wenn weder eine Überwachung vorhanden noch Sanktionen zu fürchten sind (vgl. Colby & Kohlberg 1986). Neben diesem Widerstand gegen die Versuchung ist auch der Aspekt des Schuldgefühls wichtig, d.h., daß nach der Verletzung kultureller Normen selbstbestrafende oder selbstkritische Empfindungen wie Reue und Angst auftreten. Die Internalisierung eines Standards impliziert schließlich auch, daß das Individuum aufgrund der erworbenen Regeln Urteile über eigenes und fremdes Verhalten fällen kann. Konkretes moralisches Verhalten kann allerdings niemals isoliert betrachtet werden, denn einerseits wird dieses immer auch von Aspekten der Persönlichkeit und andererseits der aktuellen Situation mitbestimmt werden. Untersuchungen zur Ehrlichkeit bei Kindern etwa haben gezeigt, daß Faktoren wie die Intelligenz, die Fähigkeit zum Bedürfnisaufschub oder auch die Aufmerksamkeit meist in Verbindung zu moralischem Verhalten stehen. Moralisches Verhalten muß daher im großen und ganzen als das Resultat derselben situativen Kräfte, Ich-Variablen und Sozialisationsfaktoren verstanden werden, die auch jene Verhaltensweisen determinieren, die nicht unmittelbar moralisch bedeutsam sind. Es gibt daher drei Kriterien der (reifen) Moral:
Wesentlich ist, daß ein bestimmtes Verhalten für sich genommen (z.B. zu helfen, eine Belohnung aufzuschieben, lügen) sich nicht per se als moralisch oder unmoralisch klassifizieren läßt. Jemand anderem helfen, kann auch egoistischen Motiven entspringen z.B. sich der Dankbarkeit des Anderen zu versichern oder die eigene Überlegenheit zu demonstrieren; eine Lüge oder Notlüge dient eventuell einem guten Zweck ohne einem Anderen weh zu tun. Erst das Vorliegen oder das Nichtvorliegen der Kriterien der Moral, klassifiziert ein Verhalten als moralisch oder unmoralisch. |
Überblick
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Piaget (Bild rechts) definierte Moral - sich auf Kant sowie Durkheim berufend - als ein System von Regeln, wobei der Kern jeder Sittlichkeit in der Achtung besteht, die das Individuum für diese Regeln empfindet (vgl. Piaget 1983, S. 23). Die Aussagen über die Moralentwicklung stützen sich auf zwei Untersuchungsansätze: die Untersuchung des Regelverständnisses und der Regelbeachtung und die Untersuchung von Urteilen hinsichtlich gut und böse und der Strafwürdigkeit von verschiedenen Handlungen. Besondereren Wert legte Piaget auf jene Regeln bzw. Regelvorstellungen, die von den Kindern selbst geschaffen werden Nach Jean Piagets Entwicklungstheorie kommt das Kind aus einem amoralischen Stadium in ein Stadium des Respekts gegenüber unverletzlich scheinenden Regeln (moralischer Realismus). Bei der Analyse der kindlichen Moralentwicklung benutzte er Regelspiele (z.B. das Murmelspiel), mit denen er das Praktizieren der Regeln untersuchte, d.h., die Art wie Kinder verschiedenen Alters sich den verpflichtenden Charakter, die Heteronomie (Fremdgesetzlichkeit) oder die Autonomie (Willensfreiheit) der Spielregeln vorstellen. Das Kind betrachtet Regeln wie andere Dinge (Kindlicher Realismus) und ist unfähig, zwischen subjektiven und objektiven Aspekten der Umwelt bzw. seiner Erfahrung mit ihr zu unterscheiden (Egozentrismus). Während das Vorschulkind und Schulkind von einer autoritätsbestimmten (heteronomen) Moral geleitet wird (moralischer Realismus) entwickelt sich gegen Ende des Grundschulalters eine selbstbestimmte (autonome) Moral, die unabhängig von den erwachsenen Bezugspersonen wirksam ist.
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Literatur:
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Zwar ergab sich eine gute Übereinstimmung mit den theoretischen Annahmen, doch zeigte sich auch, daß es große Unterschiede im Entwicklungsverlauf der einzelnen Kinder gibt und daß auf den einzelnen Altersstufen Urteile im Sinne verschiedener Stadien abgegeben werden, je nach Situation und Problemstellung. Georg Lind von der Universität Konstanz, der mit Kohlberg zusammengearbeitet hatte (das Bild Kohlbergs aus dem Jahr 1983 stammt von Georg Lind), hat die Methoden in Rahmen eigener Interventionsstudien und Lehrerfortbildungsprogrammen weiter ausgearbeitet. |
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Der "Moral Judgment Test (MJT)" hat inzwischen eine große Verbreitung gefunden und wurde in zahlreichen Studien eingesetzt. Auf der Homepage zur "Konstanz Method of Dilemma Discussion (KMDD)" findet sich eine umfassende Zusammenstellung solcher Arbeiten, die die Wirksamkeit belegen. Enthält viele Materialien und Beschreibungen durch Durchführung von Dilemma-Diskussionen in unterschiedlichen Fächern aus dem schulpraktischen Erprobungsprojekt "Demokratie und Erziehung in der Schule" (1985-1991) in Nordrhein-Westfalen |
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Bild nach: http://www.regiosurf.net/supplement/entwi/cogmap.jpg (01-03-13)
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