Die sozial-kognitive Entwicklung |
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Niveaus und Stufen sozial-kognitiver Entwicklung nach R. L. SelmanDas Modell der sozial-kognitiven Entwicklung von R.L. Selman orientiert sich an den Stufen Kohlbergs. Sein Begriff der sozialen Perspektivenübernahme umfasst nicht nur die Art, in der soziales oder psychologisches Wissen einer Person vom Standpunkt einer anderen gesehen wird, wie dies der Begriff der Rollenübernahme impliziert, sondern umfasst zentral das sich entwickelnde Verständnis dafür, wie verschiedene Blickwinkel zueinander in Beziehung stehen und miteinander koordiniert werden können (vgl. Selman, 1984, S. 30). Ursprünglich war das Konzept der Rollenübernahme von G. H. Mead entwickelt worden, der darunter die Fähigkeit eines Individuums verstand, den anderen im Selbst abzubilden. Rollenübernahme ist bei Mead vor allem ein Erkenntnisprozess und beinhaltet weniger affektive Teilnahme bzw. empathisches Verständnis. Übrigens: Die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und –beobachtung kann sich nach neuesten Forschungen auch in der Struktur des Gehirns manifestieren, wobei ein kleines Gebiet grauer Hirnsubstanz im präfrontalen Cortex bei Probanden mit guter Selbstbeobachtung etwas größer ausgeprägt ist als bei anderen. Möglicherweise ist dieser Gehirnbereich direkt hinter den Augen ein Indikator für die Fähigkeit zu Introspektion. Bei Selman geht es darum, wie ein Kind die Beziehungen zwischen den sozialen Perspektiven des Selbst und der eines anderen konzipiert. Die Fähigkeit zur sozialen Perspektivenübernahme entwickelt sich dabei in einer Stufenabfolge. Jede Stufe erfasst ein spezifisches Niveau, auf dem das Kind andere Kinder und deren Absichten wahrnimmt, deren Gefühle wahrnimmt und deren Handlungsrollen interpretiert. Die Entwicklung dieser sozialen Dimension wird durch die Beziehungen mit anderen, etwa den Eltern, gefördert. Die Stufen der Perspektivenübernahme fand Selman, indem er Kindern und Jugendlichen ähnlich wie Kohlberg Geschichten präsentierte, in denen sich die Perspektiven als Konflikte zwischen Handlungszielen und Handlungswegen darstellten, z.B. die Katze eines kleinen Mädchens ist auf einen Baum geklettert, traut sich aber nicht mehr herunter. Das Mädchen kann gut klettern, jedoch hat der Vater es verboten. Der Vater weiß nichts von der Katze. Was soll das Mädchen tun?
Quelle: Selman, R. L. (1984). Die Entwicklung des sozialen Verstehens. Frankfurt: Suhrkamp. |
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Entwicklungsspezifische Transformation des Freundschaftskonzepts nach Damon |
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Selbstlos an andere zu denken und mit Freunden oder Familienmitgliedern zu teilen sind Verhaltensweisen, die für den Menschen kennzeichnend seien. Menschliche Gesellschaften basieren im wesentlichen auf Arbeitsteilung und Kooperation in grossen Gruppen. Die menschliche Kooperation unterscheidet sich vom Kooperationsverhalten anderer Arten, gerade auch weil Menschen ausgeprägte Präferenzen für das Wohlergehen der anderen haben. Ein Mensch, dem das Wohl der anderen am Herzen liegt, betätigt sich weniger als Trittbrettfahrer in gemeinsamen Aktivitäten und ist eher geneigt, soziale Normverletzungen zu ahnden, damit diese zukünftig weniger häufig auftreten. Schon die Jäger-und-Sammler-Kulturen waren darauf angewiesen, ihre Beute miteinander zu teilen. Zumindest zum Teil sei die Entstehung solcher Verhaltensweisen genetisch festgelegt, aber andererseits fördern Kultur und Erziehung ihr Entstehen. So lernen kleine Kinder vom Kindergarten bis zur Schule, dass Verhaltensweisen wie Gleichbehandlung und Gerechtigkeit in der Gesellschaft gewünscht sind. Fehr, Bernhard & Rockenbach (2008) untersuchte Kinder zwischen drei und acht Jahren in einer Reihe spielerischer Experimente, bei dem als Spieleinsatz Süßigkeiten verwendet wurden. Jeweils ein Kind sollte entscheiden, wie es eine festgelegte Menge von Süßigkeiten mit einem anderen (nicht anwesenden) Kind teilte. Dabei ging es also weder um die Maximierung der Auszahlung des anderen noch um die Maximierung der gemeinsamen Auszahlung, sondern um die Herstellung von Auszahlungsgleichheit: das andere Kind soll weder mehr noch weniger als das aufteilende erhalten. So stand etwa zur Wahl, zwei Schokolinsen für sich zu behalten und dem anderen Kind keines abzugeben oder die beiden Schokoladestückchen eins zu eins untereinander zu teilen. Drei- bis vierjährige Kinder verhielten sich fast ausnahmslos egoistisch und behielten die Schokolinsen für sich. Im Alter von fünf bis sechs Jahren teilten immerhin schon rund ein Fünftel der kleinen Probanden ihre Süßigkeiten. Aber erst mit sieben, acht Jahren teilte fast die Hälfte der Kinder gerecht. Diese Gruppe begann mehr und mehr, an andere zu denken und entwickelten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sorgten dafür, dass ihr Spielpartner nicht mehr, aber auch nicht weniger bekam als sie selber. |
Gerechtigkeitssinn bei KindernQuelle: Fehr, Ernst, Bernhard, Helen & Rockenbach, Bettina (2008). Egalitarianism in young children. Nature, 454, Number 7208. |
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