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Keine Macht den Drogen - No DrugsHauptalkaloid der Tabakpflanze - Nikotin

Das Hauptalkaloid der Tabakpflanze, das in der Wurzel gebildet und in den Blättern abgelagert wird. Nikotin ist eine farblose, ölige Flüssigkeit und eines der stärksten Pflanzengifte überhaupt. Die tödliche Dosis für den Menschen liegt bei etwa 1mg/kg Körpergewicht. In kleinen Dosen wirkt Nikotin erregend auf die Ganglien des vegetativen Nervensystems und setzt aus dem Nebennierenmark Catecholamine (Adrenalin) frei. Die Gesamtwirkung des Nikotins ist uneinheitlich, weil sich erregende und lähmende Wirkungen zeitlich überschneiden. Je nach Persönlichkeit kann es daher stimulieren oder auch entspannen. Ist in Europa seit knapp 500 Jahren bekannt. Die Möglichkeit einer seelischen Abhängigkeit ist unbestritten, dass Nikotin aber auch körperliche Entzugserscheinungen haben kann, wird oft zu wenig beachtet (z.B. Magenbeschwerden). In Österreich ist der Tabakkonsum (meist in Form von Zigaretten) gesellschaftlich toleriert. Als giftiges Genussmittel führt Nikotin bei Daueraufnahme zu Störungen der Herzfunktion, der Durchblutung und zu Schleimhautreizungen.

Anwendung: üblicherweise rauchen, seltener schnupfen oder kauen.

Akute Wirkung

Wirkungsweise in der Zigarette

Eine Zigarette enthält ein Gemisch aus tausenden unterschiedlichen Substanzen, darunter knapp hundert Inhaltsstoffe. In einer Zigarette finden sich etwa 0,8 Milligramm Nikotin, das freigesetzt wird, wenn die Zigarette glüht und an Teerteilchen gebunden in die menschliche Lunge gelangt. Etwa sieben Sekunden nach dem ersten Zug erreicht das Nikotin das Gehirn und heftet sich dort an Nikotinrezeptoren, wonach Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden und eine entspannende Wirkung eintritt. Das Gehirn speichert diese entspannende Wirkung im Suchtgedächtnis, sodass Menschen diesen Effekt immer wieder haben wollen und süchtig werden.

Folgen des chronischen Missbrauches: Gesundheitsschäden wie Lungenkrebs, Raucherbein. Durch ständigen Tabakkonsum kommt es zu einem Vermögensverlust sowie einer Lebensverkürzung (aus Statistiken erwiesen). Die akute Nikotinvergiftung durch orale Applikation oder durch Resorption über die Haut äußert sich u.a. in Übelkeit, Erbrechen, Leibschmerzen, Durchfall, Herzklopfen, Schweißausbruch, Schwindel. Vor allem polyzyklische aromatischen Kohlenwasserstoffe gelten als besonders gefährlich, wobei diese Substanzen etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Rauchen im Körper nachweisbar sind und sich im Blut sich zu einem krebserregenden Gift entwickeln.

Packungsjahr (pack year)

ist die Einheit, in welcher in statistischen oder medizinischen Veröffentlichungen die inhalierte Rauch-Dosis eines Zigarettenrauchers beschrieben wird. Daraus lässt sich die Anzahl der konsumierten Zigaretten abschätzen, denn diese Dosis ist entscheidend für das Risiko, beispielsweise ein Bronchialkarzinom oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung zu entwickeln. Die Zahl der täglich konsumierten Zigarettenpackungen (Inhalt ca. 20 Stück) wird mit der Zahl der Raucherjahre multipliziert, wobei die Inhalationstiefe oder der Schadstoffgehalt der gerauchten Zigaretten als zusätzliche Risikofaktoren bei dieser Berechnung nicht beachtet werden.

Nikotin in der Schwangerschaft

Zigarettenrauch enthält neben Nikotin und Kohlenmonoxid eine Vielzahl für das Ungeborene potenziell schädigender Substanzen, wobei deren Langzeitwirkungen im einzelnen noch nicht hinreichend bekannt sind. Nikotin geht direkt vom mütterlichen in den kindlichen Blutkreislauf über und interagiert im Gehirn mit verschiedenen Botenstoffen und beeinflusst so die Gehirnentwicklung. Auch führt Nikotin zu einer Verengung der mütterlichen sowie der kindlichen Blutgefäße, was beim Kind zu Sauerstoffmangel und einer Unterversorgung mit Nährstoffen führt, was ebenfalls indirekt die Gehirnentwicklung beeinträchtigt. Danielsson (2009) untersuchte einhundert Kindergartenkinder im Alter von drei bis sechseinhalb Jahren, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht hatten. Sie verglichen dabei den kognitiven Entwicklungsstand (Psychomotorik, Artikulation, auditives Gedächtnis, Sprachverständnis, räumliche Vorstellung und bildhaftes Gedächtnis) dieser Kinder mit dem von hundert Gleichaltrigen, deren Mütter kein Nikotin konsumiert hatten. Im einzelnen untersucht wurden unter anderem. Die Kinder der Raucherinnen blieben in nahezu allen untersuchten Bereichen hinter den nikotinfrei aufgewachsenen zurück, wobei besonders auffallend der Leistungsunterschied in Psychomotorik, Artikulation, Rhythmus, auditivem Gedächtnis und Sprachverständnis war.

Übrigens haben Studien gezeigt, dass Rauchen die Entwicklung eines Babys auch dann noch schädigen kann, wenn die Mutter vor der Schwangerschaft damit aufgehört hat. Man untersuchte die DNA der Plazenta von Frauen, wobei bei Raucherinnenwurden in fast 180 Genom-Bereichen epigenetische Veränderungen festgestellt wurden. Ein ähnlicher Effekt trat aber auch bei Frauen auf, die bis zu drei Monate vor der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufgehört hatten, allerdings betrafen die Veränderungen des Mutterkuchens hier nur 26 Bereiche, allerdings jene, die bei der Entwicklung des Fötus eine Rolle spielen. Demnach behält die Plazenta offenbar früheren Nikotinkonsum im Gedächtnis.

Geschlechtsunterschiede bei der Nikotinsucht

In mehreren Untersuchungen hatte sich bereits gezeigt, dass Frauen anfälliger für den Abhängigkeitseffekt des Rauchens sind und auch schneller Rückfälle bei der Entwöhnung erleiden. Neuere Untersuchungen (Bagga et al., 2018) zeigen nun, dass sich durch das Rauchen sowohl Hirnstrukturen als auch der Stoffwechsel in Gehirn bei Frauen und Männern unterschiedlich verändern können. Es zeigte sich dabei vor allem bei Frauen ein signifikanter Anstieg der Konzentration jenes Neurotransmitters festgestellt, der die neuroelektrische Aktivität des Gehirn reguliert. GABA spielt eine wichtige Rolle bei kognitiven Funktionen, wie Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis, und viele Substanzen, die Suchtverhalten auslösen, stehen in direkter Verbindung mit einer Stimulanz von GABA. Bei den Männern hingegen gab es beim GABA-Level zwischen Rauchern und Nicht-Rauchern nur sehr geringe Abweichungen. Neben strukturellen und metabolischen Veränderungen im Gehirn der rauchenden Probandinnen stellte man auch auf der Verhaltensebene geschlechtsspezifische Differenzen fest, denn in der Aggressionsbewältigung reagieren Raucherinnen vermehrt mit Rückzug.

Nikotin als Neuroenhancer?

Im Sommer 1926 erschien im British Medical Journal ein Artikel des Mediziners Henry Moll von der University of Leeds, in dem er Nikotin­injektionen als Behandlungsansatz für das post­enzephalitische Parkinson-Syndrom beschrieb. Betroffene leiden nach einer Entzündung des Hirngewebes an Symptomen, die der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit bei der Parkinsonkrankheit gleichen, wobei dies allerdings nur eine Seite des Körpers betrifft. Es kommt zwar durch Nikotin nicht zu einer Heilung, aber immerhin kann dieser Therapieansatz die Symptome deutlich lindern. Das liegt daran, dass Nikotin an Rezeptoren im Gehirn andockt und so eine entspannende Wirkung entfaltet und daneben auch die kognitive Leistungsfähigkeit erhöht. Klinischer Studien liefern allerdings inkonsistente Ergebnisse, was darauf hindeutet, dass nur bestimmte Personen­gruppen von Nikotin profitieren.


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Siehe auch nikotinJugendliche und Suchtmittelkonsum & Wie höre ich mit dem Rauchen auf?


Genetische Einflüsse auf Nikotinsucht

Bestimmte Genkonstellationen lassen Menschen leichter und früher zur Zigarette greifen, wie Forscher der Universitäten Bonn und Heidelberg zusammen mit US-Kollegen der Harvard Medical School beobachtet haben. Auf 50 bis 75 Prozent schätzen Forscher den Einfluss des Erbguts. Den Rest bedingen Umweltfaktoren wie Stress oder negative Vorbilder. Die Forscher hatten Genveränderungen bei 4.300 deutschen Rauchern und Nichtrauchern analysiert. Ihre Studie zeigt, welche Rolle zwei Erbanlagen bei der Entstehung der Nikotinsucht spielen. War das so genannte TPH1-Gen verändert, wurden Betroffene insgesamt häufiger und stärker abhängig. Der Austausch eines einzigen Bausteins im sogenannten TPH2-Gen führte bei vielen Betroffenen dazu, dass sie deutlich früher mit dem Rauchen begannen. Beide Gene spielen bei der Produktion des Hirnbotenstoffs Serotonin eine Rolle. Serotonin-Mangel wird mit Depressionen und Angsterkrankungen in Verbindung gebracht und gilt auch als Risikofaktor für Drogensucht. Jüngst ist es aber nun Wissenschaftlern verschiedener internationaler Forschungseinrichgungen gelungen, an Hand der Daten von über vierzigtausend Menschen eine genetische Veranlagung der Abhängigkeit und des Rauchverhaltens in den Nikotinrezeptoren nachzuweisen. Bestimmte Genvarianten der Nikotinrezeptoren beeinflussen dabei die Anzahl der gerauchten Zigaretten pro Tag, wobei man bisher davon ausgegangen ist, dass das Suchtverhalten eher durch einen unterschiedlichen Abbau von Nikotin durch Enzyme in der Leber beeinflusst wird. Die unterschiedliche genetische Veranlagung war signifikant dafür verantwortlich, wie viele Zigaretten am Tag durchschnittlich geraucht wurden.

Übrigens: Dass die Zigarette bei einem alkoholischen Getränk wie Wein oder Bier besonders gut schmeckt, liegt daran, dass beim Trinken und Rauchen sowohl psychische als auch physische Faktoren eine Rolle spielen, wobei für viele Menschen Alkohol und Zigaretten mit positiven Erinnerungen assoziiert sind. In beiden Fällen kommt es zu Hormonausschüttungen etwa von Dopamin und beides löst positive Gefühle aus, sodass der Konsum des einen den Konsum des anderen befeuert.

Nikotin stört vermutlich auch andere Prozesse im Gehirn

Edward Hawrot (Brown University Rhode Island) untersuchte die Nikotinrezeptoren in Mäusegehirnen, die sehr ähnlich denen bei Menschen ausgebildet sind und stellte fest, welche Proteine mit diesen Empfängern für biochemische Reize interagieren. Dazu verglichen sie Gewebeproben normaler Mäuse mit denen genveränderter Tiere, die keine solchen Rezeptoren ausgebildet hatten, und identifizierte fünfundfünfzig verschiedene Proteine, auf die der Nikotinrezeptor reagierte. Unter den gefundenen Eiweißstrukturen befand sich auch das G-Alpha-Protein, das an vielen anderen Signalprozessen in Gehirn und Körper beteiligt ist und zuvor nur mit völlig anderen Rezeptoren in Verbindung gebracht worden war. Offensichtlich macht Nikotin nicht nur süchtig, sondern stört auch das Nervensystem im gesamten Körper heftiger, als bisher vermutet worden war.

Zusammenhang zwischen Rauchen und Großhirnrinde

Forscher der Charite Berlin und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) untersuchten 2010 die Gehirne von 22 Rauchern und 21 Niemals-Rauchern mittels Magnetresonanz-Tomografie. In den Ergebnisbildern bestimmten sie die jeweilige Dicke der Großhirnrinde und entdeckten, dass die Region für Belohnung, Impulskontrolle und Entscheidungen im medialen orbifrontalen Kortex bei den Rauchern im Durchschnitt dünner als bei der Kontrollgruppe war, wobei dieser Effekt umso stärker auf trat, je mehr Zigaretten die Testpersonen pro Tag rauchten. Damit wurden frühere Studien bestätigt, denen zufolge die graue Substanz im Gehirn mit steigender Anzahl an täglich gerauchten Zigaretten an Dichte verliert bzw. dass Nikotin die Gehirnentwicklung verändert und Nervenzellen schädigt. Allerdings ist es jedoch auch möglich, dass die Ausdünnung des Gehirns schon vor Beginn des Rauchens bestand und das Rauchen förderte, d.h., vielleicht ist Nikotinsucht auch genetisch bedingt.

Die Ergebnisse einer Langzeitstudie mit 21000 TeilnehmerInnen in Kalifornien zeigte, dass Personen, die zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr mehr als zwei Packungen Zigaretten am Tag rauchen, einem mehr als doppelt so hohen Risiko ausgesetzt sind, an Demenz zu erkranken, wie Nichtraucher. Besonders schädlich sind die durch das Rauchen auftretende Durchblutungsstörungen im Gehirn, die eine der Hauptursachen der vaskulären Demenz sind, die etwa 20 Prozent aller Demenzerkrankungen ausmacht.

Warum Nikotinpflaster vermutlich nicht helfen

Nach neueren Studien löst Nikotin im Gegensatz zu Drogen wie Kokain, Morphin und Alkohol einen bestimmten Suchtmechanismus nicht alleine aus, sondern erst in Kombination mit anderen Tabakstoffen zeigt das Nikotin seine Wirkung. Lenteri et al. (2011) haben entdeckt, dass viele Drogen zwei Gruppen von Nervenzellen voneinander trennen, die noradrenergen Zellen setzen Noradrenalin frei, was Stoff zur Aufmerksamkeits-, Emotions-, Schlaf-, Traum- sowie Lernprozessregulation beiträgt, während die serotoninergen Zellen Serotonin freisetzen, das eine Rolle bei der Temperatur-, Schlaf-, Schmerz-, Stimmungs- und Appetitregulierung spielt. In der Regel sind beide Gruppen so miteinander verbunden, dass eine gegenseitige Kontrolle entsteht, doch bei Süchtigen jedoch bricht dieses neuronale Gleichgewicht zusammen, d.h., sie können ihr Verlangen nicht mehr zügeln. Nikotin führt aber, im Gegensatz zu anderen Rauschgiften, nicht zur Abkopplung dieser beider Neuronengruppen, sondern erst die Kombination von Nikotin mit den Monoaminooxidase-Hemmern (MAOI) kommt es zur für andere Drogen üblichen Abkopplung, denn diese Hemmstoffe zerstören den natürlichen Schutz der serotoninergen Nervenzellen gegenüber dem Nikotin, wobei die Nikotin-Auswirkung auf die Freisetzung von Serotonin so stark ist, dass im Bruchteil von Sekunden eine Retro-Kontrolle ausgelöst wird, die die Serotonin-Freisetzung unmittelbar blockiert. Dadurch lösen sich am Rezeptor die vom Nikotin angeregten serotoninergen Neuronen von der anderen Neuronengruppe, was letztlich den Suchtprozess verursacht. Daher scheitern viele Rauchentzugstherapien wie Nikotinpflaster, da diese nur solange wirken, wie die Wirkung der MAOI andauert. Später nach dem Entzugsbeginn sind im Organismus aber keine Hemmer mehr zu finden, wodurch der natürliche Schutz wieder aktiv wird.

Skurriles zum Thema: Rauchen macht dumm, Dumme rauchen …

Eine indianische Legende besagt, dass in einer Zeit, als das Land dürr und karg war und die Menschen hungerten, der große Geist eine Frau zur Erde sandte, um die Menschheit zu retten. Dort, wo sie den Boden mit ihrer rechten Hand berührte, wuchsen Kartoffeln, dort, wo sie ihn mit ihrer linken Hand berührte, wuchs Getreide. Als die Erde wieder fruchtbar und bewachsen war, ließ sie sich nieder, um zu ruhen, und als sie sich danach erhob, wuchs an dieser Stelle Tabak.

Nach einer aktuellen Studie der University of Tel Aviv und dem Sheba Medical Center am Tel Hashomer Hospital weisen junge Männer, die rauchen, einen durchschnittlich niedrigeren IQ auf als ihre nichtrauchenden Kollegen. Erhoben wurden die Ergebnisse bei rund 20.000 Soldaten im Alter zwischen 18 und 21 während ihrer Zeit bei der Armee. Ausschlaggebend war übrigens die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten, schreiben die Forscher im Fachmagazin Addiction. Der durchschnittliche Intelligenzquotient IQ eines Nichtrauchers betrug etwa 101 während der durchschnittliche IQ eines Rauchers sieben IQ-Punkte - bei 94 - darunter lag. Der IQ bei gesunden jungen Männern ohne geistige Störungen liegt in dieser Altersgruppe zwischen 84 und 116, berichten die Forscher um Mark Weiser vom Department of Psychiatry an der Tel Aviv Universität. (…) Signifikant war das Ergebnis auch bei Zwillingen, von denen einer rauchte, der andere hingegen Nichtraucher war. Auch hier konnten die Forscher deutlich zeigen, dass der Nichtraucher durchschnittlich einen höheren IQ hatte als sein rauchender Bruder. Alle Männer der Studie waren in guter körperlicher Verfassung und hatten den Militär-Tauglichkeitstest zuvor bestanden. 28 Prozent der Untersuchten waren Raucher, drei Prozent gaben an, mit dem Rauchen aufgehört zu haben und 68 Prozent von ihnen hatte nie Zigaretten geraucht.

Quelle: http://www.style.at/
contator/famili/news.asp?nnr=43693 (10-04-03)

Nikotin und Verhaltensauffälligkeiten

Rückinger et al. (2009) haben den Einfluss des Tabakrauches während der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren untersucht. In der Studie wurden 5991 Kinder, die zwischen 1995 und 1998 geboren worden waren, mit dem SDQ-Fragebogen (Strength and Difficulties Questionnaire)untersucht. Kinder, die ausschließlich vor der Geburt durch Tabakrauch belastet wurden, haben ein 1,9-fach erhöhtes Risiko, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln, während das Risiko bei Kindern, die erst nach der Geburt Tabakrauch ausgesetzt waren, immerhin noch um den Faktor 1,3 erhöht war. Kinder, die sowohl vor als auch nach der Geburt in einer Raucherumgebung aufwuchsen, hatten ein 2-fach erhöhtes Risiko. Zu den Verhaltensauffälligkeiten zählen u.a. Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite oder Störungen in der Beziehung zu Gleichaltrigen. Ein direkter Zusammenhang mit prekären Familienverhältnissen konnte ausgeschlossen werden.

Leben im Grünen vermindert Nikotinbedürfnis

Studien hatten schon gezeigt, dass die Möglichkeit, von zu Hause aus ins Grüne zu blicken, mit einem geringeren Verlangen nach Alkohol, Zigaretten und anderen ungesunden Lebensmitteln verbunden ist, und dass Menschen, die wöchentlich Naturräume besuchen und sich psychisch mit ihnen verbunden fühlen, über ein besseres körperliches und geistiges Wohlbefinden berichten. Nach einer neuen Untersuchung (Martin et al.,2020) rauchen auch Menschen, die im Grünen leben, deutlich weniger bzw. hören damit erfolgreicher auf als jene, die in Städten leben. Die Untersuchung stützt sich dabei auf Daten von mehr als achttausend Befragten auf Fragen zu ihrer Gesundheit, ihrem Wohnort und verschiedenen anderen Lebensstilfaktoren, die im Rahmen des Health Survey for England gesammelt wurden. Selbst wenn andere Faktoren wie etwa der sozioökonomische Status der Befragten berücksichtigt werden, ist die Wahrscheinlichkeit zu rauchen für Menschen in Gegenden mit einem hohen Grünflächenanteil um zwanzig Prozent geringer, als in Gebieten mit weniger Grünflächen. Bei Menschen, die irgendwann in ihrem Leben geraucht haben, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich mit dem Rauchen aufzuhören um zwölf Prozent, wenn sie im Grünen leben. Offenbar ist ein höherer Grünflächenanteil generell auch mit einer Verringerung ungesunder Verhaltensweisen verbunden.

Literatur

Bagga, D., Aigner, C. S., Cecchetto, C., Fischmeister, F. P., Schöpf, V. (2018). Investigating Sex-Specific Characteristics of Nicotine Addiction Using Metabolic and Structural Magnetic Resonance Imaging. European Addiction Research, doi: 10.1159/000494260.

Danielsson, J. (2009). Nikotinexposition in der Schwangerschaft. Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung im Kindergartenalter. Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 69, 692-697.

Martin, L., White, M.P., Pahl, S., May, J., & Wheeler, B.W. (2020). Neighbourhood Greenspace and Smoking Prevalence: Results from a Nationally Representative Survey in England. Social Science & Medicine, in press.

Rückinger S., Rzehak P., Chen C.-M., Sausenthaler S., Koletzko S., Bauer C.-P., Hoffmann U., Kramer U., Berdel D., von Berg A., Bayer O., Wichmann H.-E., von Kries R. & Heinrich J. (2009). Prenatal and Postnatal Tobacco Exposure and Behavioural Problems in 10 Year Old Children: Results from the GINI-plus Prospective Birth Cohort Study. Environmental Health Perspectives doi:10.1289/ehp.0901209.

http://wwwm.htwk-leipzig.de/~schweika/Drogenprojekt/Gruppe3/Ordner1/Kauf3.html (00-04-27)

http://www.gesundheitspilot-news.de/newsletter/nl-news1-2106.htm (01-06-27)

http://www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/2008/02/kua/kua02_2008nikotin.html (07-07-07)

http://www.pressetext.com/news/101004025/grosshirn-ist-bei-rauchern-duenner/ (10-10-05)

https://www.spektrum.de/magazin/neuroenhancer-nikotin/1920010 (21-09-28)

Weitere Quellen



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