Jugendwohl-Landesrat Josef Ackerl

4010 Linz, Altstadt 30
Tel.: 0732 / 7720-5110
Fax: 0732 /7720-1789

e-mail: LR.Ackerl@ooe.gv.at

50 Jahre
Psychologische Beratung
für Eltern, Kinder und Jugendliche
1952 - 2002

Psychologische Fachtagung in Linz
27. - 28. Februar 2002

Das Problem der Scheidungskinder ist eine Erscheinung der modernen Zeit, das erst im 19. Jahrhundert auftauchte. Die wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen und der gesellschaftliche Druck machten Scheidungen früher fast unmöglich.,

Familie wird nach wie vor gern als Ort der Heilen Welt idealisiert. Obwohl heute bald jede zweite Ehe wieder geschieden wird, äußern 14-15jährige Jugendliche nach wie vor den Wunsch nach Familie und Kindern als eines ihrer wichtigsten Lebensziele.

Warum wird ein Wunschziel, das so fest in unseren Köpfen verankert ist, dennoch nur teilweise erreicht? Wo liegen die gesellschaftlichen Ursachen?

Wir leben in einer Zeit, in der Ökonomie und Freizeitverhalten immer stärker in das Zusammenleben von Familien eingreifen. Die Arbeitszeiten sind kurz wie nie zuvor, und noch nie hatten wir so viel Freizeit wie jetzt. Gleichzeitig erlebt der Einzelne das Gefühl, nie wirklich Zeit zu haben. Der Druck am Arbeitsmarkt geht nahtlos über in den Druck, das immer vielfältigere Angebot am Freizeitmarkt zu konsumieren. Das kostet Zeit und Geld, das erst wieder einmal verdient werden muss. Die Konsumpflicht hat unser Leben voll im Griff - inzwischen ist es längst üblich, dass Eltern und Kinder ihr Wochenendprogramm im Shopping-Center "gestalten". Es ist nur eine logische Konsequenz, dass der Ruf nach Sonntags-Öffnungszeiten immer lauter erschallt.

Wir verlernen also das Zusammenleben in Partnerschaft und Familien. Wie in so vielen anderen Bereichen wäre hier verstärkt Prävention nötig. Es drängt sich also die Frage auf, warum die Jugendwohlfahrt nicht mehr Prävention anbietet. Die Antwort ist wenig überraschend und einfach: Die "Reparaturwerkstätte" Jugendwohlfahrt braucht mehr und mehr Mittel, und die Budgets sind, das wissen wir inzwischen alle, begrenzt.

Wobei eines klar ist: alleine mit Geld sind solche gesellschaftlichen Probleme nicht zu bewältigen. Es braucht dazu einen strukturellen Wandel. So ist zum Beispiel die derzeitige Bildungspolitik zu kurz gegriffen. Denn sie vermittelt Ausbildung, die sich auf den Beruf, also auf die wirtschaftliche Selbsterhaltungsfähigkeit konzentriert. Was ich hingegen mehr und mehr vermisse, ist Lebensbildung. Das Ideal eines Bildungssystems wäre für mich eines, das auch das know-how vermittelt, wie das tägliche Leben (und damit auch das Zusammenleben) möglichst gut zu bewältigen ist. Davon profitieren nicht nur Familien als kleine Zellen unseres gesellschaftlichen Systems, sondern auch Nachbarschaften, Arbeitswelten, und vor allem auch Menschen, die aufgrund sozialer, körperlicher oder geistiger Defizite am Rande der Gesellschaft leben, könnten eine neue Qualität des Umgangs miteinader erfahren.

Ich bin Sozialpolitiker und damit auch zu einem gewissen Teil Utopist, denn Sozialpolitik lebt immer auch von langfristigen Perspektiven. Wenn wir keinen gesellschaftlichen Konsens darüber erreichen, dass wir so manches, was heute Utopie ist, zumindest anstreben sollen, dann bleibt uns nur die Fortsetzung der derzeitigen Realität. Dies bedeutet, dass wir in unbefriedigender Weise ständig hinter den gesellschaftlichen Problemen nachlaufen.


Kurzbiografie

Geboren am 13.4.1946 in Vöcklabruck

Berufliche Laufbahn

Pflichtschule
Beruf des Kaufmannes
1966 Eintritt in die PVA der Arbeiter Linz
Abteilungsleiter der Beitragsabteilung der PVA
1972 - 1985 Betriebsrat

Politische Arbeit

Funktionen in der JG und SJ, u.a. SJ-Vorsitzender OÖ und Österreich
Vorsitzender der Sektion Volksgarten
Bezirksparteivorsitzender-Stv. der SPÖ Linz-Stadt
ab 1980 Mitglied des Linzer Gemeinderates
Mitglied des Landespateivorstandes der SPÖ OÖ
ab 1985 Mitglied des Linzer Stadtsenates - Ressorts: Umweltschutz, Gewerbebehörde, Abfallwirtschaft, Soziales
seit 1993 Mitglied der Oö. Landesregierung - Ressorts: Soziales, Gesundheit, Jugendwohlfahrt, Verwaltungspolizei
seit 11. Mai 2000 Ressortwechsel: Soziales, Jugendwohlfahrt, Verwaltungspolizei, Gemeinden

Ressorts

kinder.achten.beachten.begutachten

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