[stangl] test: intelligenz und kreativität

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Der psychologische Test
Das psychologische Experiment

Die Kreativität ist wie die Intelligenz ein Begriff auf einem hohen Abstraktionsniveau. Es gibt Dutzende Ratgeber, die behaupten, Kreativität lasse sich erlernen, und es wurden Trainings entwickelt, die das divergente Denken schulen sollten, also die Fähigkeit, ungewöhnliche Schlüsse zu ziehen. Vor allem hinter dem bekannten Brainstorming stand der Gedanke, dass immer dann, wenn Menschen viele Ideen produzieren, darunter irgendwann auch eine gute ist. Schließlich wurde versucht, die Menschen zu systematischen Problemlösern zu machen. Es hat sich im Verlaufe der Zeit gezeigt, dass Kreativität nur sehr bedingt trainierbar. ist. Nach Guilford zeichnen sich kreative Menschen durch eine erhöhte Sensitivität gegenüber Problemen aus, ihr Denken ist sehr flüssig, was bedeutet, dass sie z.B. in der Lage sind, innerhalb kürzester Zeit äußerst viele Verwendungsmöglichkeiten für einen Ziegelstein zu finden. Ein Klassiker unter den Kreativitätsaufgaben ist daher der Ziegelstein-Test, bei dem es darum geht, so viele originelle Verwendungszwecke für einen Ziegelstein zu finden wie nur irgend möglich. Menschen werden durch solche Übungen aber noch lange nicht kreativer, denn das in solchen Übungen Erlernte lässt sich nur schwer auf andere Situationen transferieren.

Die psychologische Forschung hat sich lange Zeit darauf konzentriert, die Persönlichkeit von Kreativen zu erforschen (s.u.), doch es ist eher wenig dabei herausgekommen, denn bei kreativen Leistungen kommt es weniger auf die Person an als auf die Stimulation durch die Situation. Kreative Menschen verfügen darüber hinaus über eine große Originalität und Flexibilität des Denkens. Kreative können häufig nicht zuverlässig darüber Auskunft geben, wie sie auf einen neuen oder innovativen Gedanken gekommen sind, sondern sie erwecken den Eindruck, als sei ihnen eine geniale Idee spontan gekommen. Doch steckt hinter einem vermeintlich spontanen Einfall meist viele Jahre harter und konsequenter Arbeit, denn kreative Menschen halten meist lange Zeit beharrlich an ihrem Projekt fest, verfolgen über Jahre eine Vision und geben nicht auf, obwohl andere sie belächeln oder verspotten. Einfälle entstehen meist nicht am Schreibtisch, sondern in den Bergen, in der Lokalbahn, bei einer Busfahrt oder schlicht bei einem Spaziergang. Bei gedanklichen Problem ist es manchmal wichtig, sich einer eher monotonen Tätigkeit wie Autofahren, Bügeln, Staubsaugen oder Kochen hinzugeben, denn dadurch wird das Gehirn von den eingefahrenen Pfaden abgelenkt und kann quasi nebenbei nach einer kreativen Lösung suchen. Viele kreativen Ergebnisse hängen aber auch vom Zufall ab, den man nur bedingt steuern kann, daher sollte man sich ein kreatives Umfeld suchen, um auf neue Gedanken zu kommen.

Der Unterschied zwischen Intelligenz und Kreativität ist nach König (1986):

Das kreative Denken kann man aber auch als ein Zusammenspiel zwischen divergentem und konvergentem Denken auffassen, denn die Wissensbasis kann als Voraussetzung für das mehr intuitive Erfassen der Lösungsidee gelten. Kreative Leistungen sind gekennzeichnet durch Sensitivität gegenüber Problemen, Flüssigkeit des Denkens, Ideenflexibilität und Originalität. In der Systematik nach Cattell (1973):

L-Daten (Lebensdaten): Kreativität wird dabei sowohl über den qualitativen Aspekt der Einzigartigkeit und Neuheit wissenschaftlicher oder künstlerischer Produktionen definiert als auch über den quantitativen Aspekt der Produktivität
L'-Daten (Fremdbeurteilungen): Fremdbeurteilungen der Kreativität können auf kreative Produkte und auf die Kreativität als Personenmerkmal ausgerichtet sein
Q-Daten (Selbstbeurteilungen): Im Vordergrund von Selbstbeurteilungsmethoden zur Erfassung der Kreativität stehen Charakteristika der Person, wobei zwischen Daten über allgemeine Persönlichkeitsvariablen, Einstellungen und Interessen sowie frühere kreative Aktivitäten und Leistungen differenziert werden kann.
T-Daten (Testdaten): Tests zum divergenten Denken entstanden aus dem Versuch, divergentes (mehrgleisiges) Denken ergänzend zum konvergenten Denken, das über die üblichen Intelligenztest erfasst wird, auch zu erheben. Der Schwerpunkt der Entwicklung solcher Tests lag auf der Konzeption von Testaufgaben, die vergleichsweise geringe Restriktionen enthalten und eine Vielzahl von Lösungsalternativen zulassen.

Bewertet werden Ergebnisse nach Richtigkeit (Einfall muss erkennbaren Bezug zur Fragestellung haben), Inhalt (Einfälle werden vorgegebenen Inhaltskategorien zugeordnet), Originalität (Beurteilung darüber, wie entlegen oder wie "clever" ein Einfall ist), Elaboration (Anzahl der Details, die der Einfall enthält).

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Kreative Lösungen von Problemen zeichnen sich dadurch aus, dass gedanklich normalerweise weit entfernt liegende Elemente so verknüpft werden, dass das Ergebnis als subjektiv neu empfunden wird, daher sind kreative Problemlösungen meist auch als Umstrukturierungen von Bekanntem zu begreifen. Kreativität ist aber keine einheitliche Leistungsfähigkeit. Es gibt verschiedene Niveaus von Kreativität (z. B. situations-spezifische Produktion von witzigen Einfällen bis zu Einsteins Relativitätstheorie). Bei der Beschreibung des Prozesses kreativer Problemlösungen lassen sich verschiedene Phasen unterscheiden (Haseloff 1971, S. 89f):

In einer Untersuchung von Getzels & Jackson (1962) bei N = 499 Schülern mit einem IQ nicht unter 132 (SD=15) korrelierten die Kreativitätstests untereinander in ungefähr derselben Höhe wie mit dem IQ (r=.27 bzw. .30). Im deutschsprachigen Bereich ergaben sich Intelligenz/Kreativitäts-Korrelationen von r=.48 und r=.44 in den Untersuchungen von Grote & Hajek (1969) bzw. Krause (1972). Wallach & Kogan (1965) untersuchten den Aspekt der Vorgabebedingung "ohne Zeitbegrenzung" und kamen zu den Ergebnissen, die in folgender Übersicht dargestellt sind:

Mittlere Interkorrelationen innerhalb und zwischen Verfahren zur Erfassung von Kreativität und Intelligenz

 

Gesamt
(N = 151)

männlich
(N = 70)

weiblich
(N = 81)

zwischen Kreativitätstests
(n = 45)

.41

.34

.50

zwischen Kreativitäts- und Intelligenztests
(n = 100)

.09

.05

.13

Ein Replikationsversuch von Nijsse (1975) war negativ; die Zeitbegrenzung wirkte sich hier lediglich auf die (dann niedrigeren) Mittelwerte und Varianzen aus. Guilford (1967) kommt aus seinen Untersuchungen zu folgendem Fazit: Hohe Intelligenz ist zwar nicht gleichbedeutend mit Kreativität, hohe Kreativität setzt aber eine überdurchschnittliche Intelligenz unabdingbar voraus. In den Untersuchungen von Yasomoto (1965) zeigte sich ein ähnliches Ergebnis, allerdings nahm mit wachsendem IQ die Korrelation mit Kreativität ab.

Jäger (1967) verglich 63 Kreativitätstests. Er kam dadurch zu vier hochgradig generelle, durch ihre operative Eigenart gekennzeichnete Leistungsklassen:

Neben den Operationsklassen B, G, und K von denen insbesondere K in der Tradition der psychometrischen Intelligenzforschung als Prototyp eines Intelligenzfaktors gilt, findet sich ein ebenso genereller Kreativitätsfaktor (E). Damit stellt sich Kreativität als eine Grunddimension intellektuellen Verhaltens dar. 1981 zeigten Jäger & Hörmann, dass sich "derselbe Satz von Leistungsvariablen sowohl durch vier Grunddimensionen der Intelligenz (G, E, B, K) als auch durch "g" (die Allgemeine Intelligenz) beschreiben lässt."

Eine ähnliche Untersuchung führte König 1981 durch und fand ebenfalls die Variablen Gedächtnis, Verarbeitungskapazität und Bearbeitungsgeschwindigkeit sowie eine generelle, reliable und reproduzierbare Dimension "Einfallsreichtum", die sich in einer weiteren Analyse in speziellere Untergruppen gliederte. Wurden die kreativen und intelligenten Leistungen hingegen im Kontext von Motivations-, Temperaments-, Interessen- und Selbsteinschätzungsmerkmalen analysiert, bildeten Kreativität und Intelligenz eine als "allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit" beschreibbare Einheit. Königs Ergebnisse zeigten, dass es eine Frage des Generalitätsniveaus ist, ob sich divergente und konvergente Leistungen entweder zu unterscheidbaren Leistungsklassen gruppieren, oder ob divergent und konvergente Leistungen im System der Gesamtpersönlichkeit ein komplexes Konstrukt allgemeiner intellektueller Leistungsfähigkeit bilden.

Die Korrelation zwischen Kreativität und Schulleistung liegt bei 0.33, wobei LehrerInnen lieber hochintelligente als hochkreative SchülerInnen unterrichten, da letztere eher unruhiges Verhalten zeigen, häufiger solche Fragen stellen, die LehrerInnen behindern, im Stoff fortzufahren, oder bei denen sie Probleme haben, diese zu beantworten. Hochintelligente unterscheiden sich von Hochkreativen hinsichtlich ihrer Persönlichkeit darin, dass sie viel Wert auf Erfolg legen, während Kreative eher Humor schätzen und es ihnen wichtig ist, mit anderen Menschen gut auszukommen.

Manche Wissenschaftler vermuten auch einen genetischen Einfluss bei der Entstehung von Kreativität. Bei der Untersuchung des Erbgutes von 200 Menschen setzte man die Varianten des Gens Neuregulin 1 mit der Kreativität der Einzelnen in Bezug, wobei die meisten Kreativitätspunkte die Versuchsteilnehmer erreichten, deren Genvarianten auch mit dem höchsten Psychose-Risiko in Verbindung gebracht wird. Neuregulin beeinflusst unter anderem die Entwicklung der Gehirnzellen und regelt die Flexibilität der Kontaktstellen sowie die Kommunikation zwischen den Neuronen. Das Gen kommt dabei in einer C- und einer T-Variante vor, wobei man schon nachgewiesen hatte, dass Menschen, die von beiden Elternteilen die T-Variante geerbt haben, mehr zu Psychosen oder Schizophrenie neigen als diejenigen, die zumindest eine C-Kopie in ihrem Erbgut aufweisen. Die manchmal aufgestellte Behauptung, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinanderliegen, könnte damit bestätigt werden. Allerdings war die untersuchte Personengruppe nicht repräsentativ und enthielt ausschließlich sehr gebildete, intelligente und tendenziell kreative Menschen.

Siehe dazu auch die Testpraxis

 

Literatur zur Kreativität

Bollinger, G. (1981). Kreativitätsmessung durch Tests zum divergenten Denken? Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 2, S. 87-106.
Heller, K. A. (1987). Hochbegabungsdiagnostik. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 8, S. 155-240.
König, F. (1986). Kreativitätsdiagnostik als essentieller Bestandteil der Intelligenzdiagnostik. Diagnostica, 32, S. 345-357.
Krampen, G. (1993). Diagnostik der Kreativität. In Trost, G., Ingenkamp, K. & Jäger, R. S. Tests und Trends 10. Weinheim, Basel: Beltz.

Weitere Quellen

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/psychologie-gen-fuer-genie-und-wahnsinn-entdeckt_aid_440210.html (09-09-30)

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