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Der psychologische Test
Das psychologische Experiment

Der Freizeit-Interessen-Test (FIT)

Werner Stangl (1991). Wien: Schuhfried.

Der FIT ist ein differentieller Test zur Bestimmung von Freizeitinteressen ab dem 14. Lebensjahr. Er kann in der Freizeitberatung eingesetzt werden. Aufgrund der Orientierung des FIT an einem Modell allgemeiner Interessen kann er auch ergänzend bzw. eingeschränkt bei der Abklärung allgemeiner Interessen verwendet werden.

Nach John L. Hollands Theorie (1973, 1985; Bild rechts) gibt es in unserem Kulturkreis sechs allgemeine Persönlichkeitsorientierungen, die vorwiegend im Berufsleben aber auch in allen anderen Lebensbereichen bevorzugt umgesetzt werden:

Diese sechs Orientierungen, die auch dem Allgemeinen Interessen-Struktur-Test/Umwelt-Struktur-Test (AIST/UST) (Bergmann & Eder 1992) zugrundeliegen, stehen zueinander in einer hexagonalen Beziehung (die Zahlen der unten stehenden Grafik sind Korrelationskoeffizienten). Eine wichtige Komponente in Hollands Ansatz stellt das Hexagon dar, da es grafisch den mehr oder weniger vorhandenen Zusammenhang der sechs Typen untereinander veranschaulicht. Jeder Eckpunkt repräsentiert einen der sechs Persönlichkeitstypen. Die Ziffern entlang der Verbindungslinien bezeichnen die jeweiligen Korrelationen. Das Hexagon ist so aufgebaut, daß stark miteinander korrelierende Typen nebeneinander liegen und die am schwächsten in Zusammenhang stehenden sich gegenüber liegen. Daher zeigt es die psychologischen Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Typengruppen auf. Würde man die Abstände der Typen entsprechend der genauen Stärke der Korrelationen zeichnen, ergebe sich ein unförmiges Vieleck - die übliche Darstellung in dieser symmetrischen Form hat daher eher prototypischen Charakter:

Im FIT werden sämtliche möglichen 15 Paare von Orientierungen gebildet. Um den Einfluß der Situation zu eliminieren bzw. konstant zu halten, erfolgen im FIT Vergleiche jeweils zweimal, einmal in der Situation, die inhaltlich der ersten Orientierung, ein zweites Mal in jener Situation, die eher der zweiten Orientierung entspricht. Dadurch finden im FIT die Interessensvergleiche in einer in bezug auf die sechs möglichen Umwelten balancierten Weise statt, indem alle gleichhäufig berücksichtigt werden. Nach einer Instruktion mit einem Probeitem werden nacheinander 30 Situationen mit jeweils zwei Tätigkeitspaaren zur Beantwortung vorgegeben.

Zuverlässigkeit

Für die Papier-Bleistiftform erbrachte eine Testwiederholung (8 bis 10 Wochen) an einer kleinen Stichprobe für die sechs Skalen einen mittleren Retest-Koeffizienten von 0.78.

Gültigkeit

Die strukturelle Validität des FIT wurde in zwei Untersuchungen durch Überprüfung der theoretischen Modellannahmen hinsichtlich der relationalen Beziehungen innerhalb des Modells bzw. durch Überprüfung der modelltheoretischen Konsistenz der Orientierungen bestätigt. Die konvergente Validität des Verfahrens wurde mittels Zusammenhängen zu Persönlichkeitsfaktoren (gemessen mit dem ESV16) bzw. durch einen Vergleich mit dem AIST (r von 0.24 bis 0.56) überprüft. Die kriteriumsbezogene Validität wurde korrelativ durch den Vergleich der Freizeitorientierungen mit tatsächlich ausgeübten Freizeitaktivitäten bestätigt.

Durchführungsdauer

etwa 10 min.

Dieser Test findet sich als Musterversion unter dem URL
http://www.stangl-taller.at/STANGL/WERNER/BERUF/TESTS/FIT/
zum download und zur Erprobung.

Ebenfalls auf diesem Modell von Holland basiert der "Situative Interessen Test (SIT)", ein differentieller Test zur Bestimmung von Interessen etwa ab dem 10. Lebensjahr. Er kann in der Berufs- und Freizeitberatung eingesetzt werden. Aufgrund dieser Orientierung kann er auch ergänzend bei der Abklärung allgemeiner Interessen verwendet werden. Ursprünglich als Papier-Bleistift-Verfahren mit direkter Auswertung durch SchülerInnen und StudentInnen konzipiert, kann der SIT in der Online-Version durch die digitalisierte Form nach der Testdurchführung sofort ausgewertet werden.

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Die ursprüngliche Theorie John Hollands aus dem Jahre 1959 wurde oftmals abgeändert, die letzte große Modifikation fand 1985 statt. Mit der Schaffung vieler neuer Testverfahren (Vocational Preference Inventory - VPI, Vocational Exploration and Insight Kit - VEIK, My Vocational Situation - MVS, Self Directed Search - SDS) operationalisierte er seine Theorie umfassend und überprüfte sie auch empirisch. Holland wollte mit seiner Theorie verständliche Antworten auf die Fragen geben, wie Menschen hinsichtlich ihrer beruflichen Laufbahn, insbesondere der Berufswahl, richtige und für sie zutreffende Entscheidungen treffen. Holland formuliert vier grundlegende Hauptannahmen. Zunächst geht er davon aus, daß die meisten Menschen sich einem der sechs Persönlichkeitstypen zuordnen lassen. Des weiteren geht er davon aus, daß die sechs Typen auch in der Berufsumwelt, in denen sich Menschen des entsprechenden Persönlichkeitstyps aufhalten, zu finden sind. Beispielsweise schaffen künstlerische Menschen eine Arbeitsumgebung, die kreatives Denken und Verhalten verlangt, also ein künstlerisches Umfeld. Als Konsequenz dessen suche sich jeder Mensch eine Umwelt, die es ihm ermöglicht, seine Fähigkeiten anzuwenden, die seinem Typ entsprechen. Dieses Verhalten garantiere den größtmöglichen beruflichen Erfolg. So wird eine Person, die dem künstlerischen Typus zuzuordnen ist, mit der größten Wahrscheinlichkeit dann erfolgreich sein, wenn sie einen Beruf wählt, der eine künstlerische Umgebung besitzt. Die letzte Hauptannahme unterstellt einen Zusammenhang zwischen dem Verhalten einer Person und deren Persönlichkeit und Umwelt. Somit ermöglichen die Kenntnisse der Persönlichkeit und des Lebensbereichs im Prinzip die Voraussage der Berufswahl. Hollands ursprüngliche Auffassung war, daß jeder Mensch ausschließlich einem der sechs Persönlichkeitstypen zuzuordnen sei. Nach einer Überarbeitung seiner Theorie im Jahr 1973 löste er sich jedoch von dieser Auffassung und entwickelte sogenannte Subtypen. Dabei ging er davon aus, dazwar bei jedem Menschen einer der sechs Typen dominiere, jedoch daneben noch weitere charakteristische Persönlichkeitsstrukturen vorhanden seien. Jeder Mensch setze eine Vielzahl von Verhaltensstrategien ein, um die verschiedenen Umweltanforderungen bewältigen zu können. Dabei lägen aber viele Strategien im Grenzbereich von zwei oder mehreren Typen. Zur Herausbildung von Elementen aus allen sechs Persönlichkeiten tragen vielerlei Einflüsse, so z. B. Vererbung und Umweltgegebenheiten, bei. Somit bedürfte es einer umfassenderen Beschreibung der einzelnen Persönlichkeiten, was die Subtypen nun leisten sollten. Die Subtypen, angelegt als Kombination der vorherrschenden drei Typenentsprechungen in hierarchischer Reihenfolge, stellen daher eine Kurzschrift für die Charakterisierung von Menschen dar, die Vorlieben und Abneigungen umfassen. Ein Beispiel eines Subtyps bzw. Drei-Buchstaben-Codes ist die Buchstabenkombination SAE, welche ausdrückt, daß die Persönlichkeit, die durch diesen Code beschrieben werden kann, vor allem dem dominanten sozialen Typus (S) zuzordnen ist, jedoch aber auch in absteigender Intensität Eigenschaften bezüglich künstlerischer (A) und unternehmerischer (E) Typen besitzt.

Die Schlüsselbegriffe Konsistenz, Differenzierung, Identität, Kongruenz

Der Begriff der Konsistenz läßt sich sowohl in Bezug auf die Persönlichkeits- als auch auf die Umwelttypen anwenden. Wie bereits im Hexagon ersichtlich besitzen einige Typenpaare mehr Ähnlichkeit miteinander, als andere. Eine hohe Konsistenz kennzeichnet nach dieser Theorie das Beieinanderliegen der Buchstaben des Typenkombination auf dem Hexagon. Die Buchstabenfolge RIC ist ein Beispiel für eine Umwelt oder eine Person mit hoher Konsistenz. Zur praktischen Feststellung reicht es nach Holland aber aus, die ersten beiden Buchstaben des Codes zu untersuchen. Daher besitzt beispielsweise eine Person oder eine Arbeitsumgebung mit der Kombination RI oder SE eine entsprechend hohe Konsistenz, während das Zusammentreten des Buchstabenpaares RS oder AC für eine niedrige Konsistenz spricht. Das Konstrukt der Konsistenz wurde in einer späteren Phase aufgrund negativer empirischer Belege aufgegeben (vgl. Brown/Brooks, 1994, S. 58). Der Begriff der Differenzierung trägt der Tatsache Rechnung, daß einige Personen oder Umwelten relativ „reine" Typen darstellen, d.h., sie weisen große Ähnlichkeit mit einem einzigen Typ und wenig Ähnlichkeiten mit anderen Typen auf. Somit gilt eine Person als undifferenziert, welche mit allen Typen etwa gleich große Affinität besitzt. Zur Ermittlung werden die Punktwerte der einzelnen Typen des Ergebnisses des Self Directed Search (SDS) herangezogen: der Grad der Differenzierung ergibt sich dann, wenn man die niedrigste von der höchsten erreichten Punktzahl abzieht. Die Identität des Individuums wird definiert als eine klare und stabile Vorstellung des Einzelnen über seine eigenen Ziele, Interessen und Eignungen. Identität der Umwelt wird angenommen, wenn sie durch organisationelle Klarheit, Stabilität und Integration von Zielen, Aufgaben und Belohnungen bestimmt ist. Dieses eher neuere Konstrukt wird mit dem My Vocational Situation (MVS) gemessen. Beispielsweise deuten niedrige Punktwerte darauf hin, daß ein Individuum viele Berufsziele hat. Kongruenz besteht, wenn eine Person in der Umwelt lebt oder arbeitet, deren Typ mit ihrem eigenen Typ übereinstimmt oder ihm ähnlich ist. So besteht eine optimale Kongruenz dann, wenn etwa ein unternehmerischer Typ in einer unternehmerischer Umwelt tätig ist. Der Grad der Kongruenz zwischen Person und Umwelt läßt sich mit dem Hexagon recht einfach ermitteln.

Nach Brown, Duane & Brooks, Linda (1994). Karriere-Entwicklung. Stuttgart.


Bild: Bill Rettberg

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