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Der psychologische Test
Das psychologische Experiment

In der Psychologie hat der Terminus "Test" mehrere Bedeutungen:
  1. Untersuchung mit Stichprobencharakter - hier ist in etwa das gemeint, was unter dem Terminus "Experiment" abgehandelt wird
  2. mathematisch- statistisches Prüfverfahren - das bezieht sich eher auf Fragen der Testtheorie bzw. Messung und Statistik
  3. standardisiertes diagnostisches Prüfverfahren

In diesem Text geht es vorwiegend um die dritte Verständnisweise dieses Begriffs.

Es gibt zahlreiche Ordnungsgesichtspunkte für Tests, die sich sowohl an inhaltlichen (z.B. Fragestellung, etwa nach Entwicklung, Leistung) als auch formalen Kriterien (z.B. Einsatzbereich, etwa klinische, schul- oder berufspsychologische Verfahren) orientieren können. Eine äußerst differenzierte Einteilung bietet die Systematik der Datenbank PSYTKOM, eine Datenbank psychologischer und pädagogischer Testverfahren, die die Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation in Trier (ZPID) betreut. Eine einfache Gruppierung ist jene hier verwendete in Intelligenz-, Leistungs- und Persönlichkeitstests. Im folgenden werden diese drei Hauptgruppen kurz skizziert und jeweils anhand einiger typischer Tests näher beschrieben.

Intelligenztests

Der Begriff der Intelligenz wird innerhalb der wissenschaftlichen Psychologie sehr unterschiedlich definiert. Allen Erklärungsversuchen gemeinsam ist, daß sie als wichtigstes Moment jene Fähigkeit bezeichnen, sich an neue Situationen anzupassen bzw. Aufgaben mithilfe des Denkens zu lösen. Sie umfaßt aber auch Faktoren wie Flexibilität des Denkens und die Fähigkeit zur Anpassung an die Erfordernisse neuer Situationen, die rasche Erfassung und Herstellung von Beziehungen und Sinnzusammenhängen.

Die ersten wissenschaftlichen Ansätze zur Messung von Intelligenz stammen von Sir Francis Galton, einem Vetter von Charles Darwin. Als Arzt und Naturforscher arbeitete er zwischen 1884 und 1890 am South-Kensington-Museum in London und Besucher konnten für wenig Geld ihre Intelligenz durch eine Reihe von Tests messen lassen. Beeindruckt von den Tests Galtons entwickelte der amerikanische Psychologe James McKeen Cattell an der Columbia-University in New York um 1890 ähnliche Tests. Sein Student Clark Wissler fand allerdings heraus, daß die genutzten Tests wenig mit der Intelligenz zu tun hatten, die z.B. für Erfolg in Schule oder Studium ausschlaggebend waren. Das Interesse an den Tests verschwand wieder.

Erfolgreicher waren die Versuche des Franzosen Alfred Binet und seines Kollegen Theodore Simon um 1905. Sie entwickelten einen Intelligenztest, der Wortschatz ('Was bedeutet misanthrop?'), Sprachverständnis ('Warum leihen sich Menschen manchmal Geld?') und das Finden von Beziehungen ('Was haben eine Orange, ein Apfel und eine Birne gemeinsam?') testeten. Diese Tests wurden an der Stanford Universität in Langzeitversuchen getestet. Sie konnten Schulleistungen voraussagen und waren so erfolgreich, daß die vierte Auflage der Stanford-Binet-Intelligenzskala bis heute genutzt wird.

William Stern prägte 1912 als erster den Begriff "Intelligenzquotient". Ausgangspunkt war das Problem, daß es recht wenig über die Intelligenz aussagt, wenn man nur weiß, um wie viele Jahre jemand vor- oder zurückliegt. Er verwendete daher für jede Altersstufe Aufgaben, welche Personen des entsprechenden Alters im allgemeinen lösen konnten. Im endgültigen Test begannen die Getesteten dann mit den Aufgaben für die unterste Altersstufe und arbeiteten sich so lange hoch, bis sie die Aufgaben nicht mehr lösen konnten. Kam ein 18jähriger nur bis zu den Aufgaben der 16jährigen, war er für sein Alter unterdurchschnittlich, kam er bis zu denen der 21jährigen, überdurchschnittlich intelligent. Es ist sicherlich nichts Besonderes, wenn ein 12jähriger schon ein Intelligenzalter von 14 Jahren hat. Ein 6 Monate alter Säugling mit einem Intelligenzalter von 2 Jahren dagegen ist eine geradezu unglaubliche Sensation. Stern suchte ein altersunabhängiges Maß für die menschliche Intelligenz, teilte zu diesem Zweck Intelligenzalter durch Lebensalter. Dieser Intelligenzquotient war aber nur bei Kindern sinnvoll, weil sich erfahrungsgemäß die Intelligenzentwicklung etwa ab dem zwanzigsten Lebensjahr stark verlangsamt und sich im Alter sogar wieder allmählich zurückentwickelt. Spätere Forscher multiplizierten das Ergebnis dann mit 100, um Nachkommastellen zu vermeiden.

Während des ersten Weltkriegs kam es zu einem Boom von Intelligenzforschung und Intelligenzmessung, insbesondere für die Prüfung von Soldaten. Es wurden der verbale Test Army Alpha und der ergänzende Test Army Beta entwickelt. Im Jahr 1926 führte Carl C. Brigham von der Universität Princeton den Vorläufer des heutigen Scholastic Assessment Test ein. Er maß verbale und mathematische Kennwerte.

Mit den Jahren wurden immer mehr methodische Probleme dieser Berechnung offenbar, so daß man bald dazu überging, den IQ als Abweichung einer Person vom Mittelwert ihrer Altersgruppe zu definieren und so etwas wie das Intelligenzalter zu vermeiden; der Begriff IQ blieb dennoch bis heute. Diese neue Sichtweise des IQ brachte aber ein anderes Problem: Abweichungen von einem Mittelwert kann man in der Statistik vielfältig ausdrücken. Die meisten IQ-Skalen haben ihren Mittelwert bei 100, aber sie sind verschieden gestreckt. So markiert ein IQ von 130 in einer Skala vielleicht die Grenze zu den oberen 2%, in einer anderen liegen u.U. 10% der Bevölkerung noch darüber. Deshalb sagt die Nennung eines IQ-Wertes allein überhaupt nichts aus; insbesondere in den Vereinigten Staaten werden Tests eingesetzt, deren Skalen bis weit über 200 hinausgehen, weswegen man Boulevard-Meldungen von Rekord-IQs mit Vorsicht begegnen sollte.

Intelligenztests sind ungeachtet ihrer meßmethodischen Problematik ein wichtiges Hilfsmittel der Forschung und der psychologischen Beratung. Sie werden in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens eingesetzt (Schulberatung, Berufsberatung usw.). Ihr Nachteil besteht darin, daß sie kein richtiges Bild der gesamten Begabungen des Menschen vermitteln können, sondern immer nur einen Ausschnitt. Kreativität, schöpferisches Erfinden, soziale Fertigkeiten und künstlerische Fähigkeiten werden häufig nicht mit einbezogen, obwohl sie für den Lebens- oder Berufserfolg von größter Bedeutung sind. Zwar wurden auch Tests für diese Bereiche entwickelt, allerdings sind diese in vielen Fällen in ihrer Interpretation genauso schwierig wie die Definition der damit gemessenen Merkmale.

Die meisten Intelligenztests sind so angelegt, daß einzelne Intelligenzfaktoren durch eine Reihe von Aufgaben verschiedener Schwierigkeitsgrade gemessen werden. Intelligenzfaktoren sind z.B. Sprachverständnis, logisches Denken, Raumvorstellung, Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Rechenfähigkeit und Gedächtnisleistungen. Je mehr Aufgaben innerhalb einer festgelegten Zeit gelöst werden, desto höher ist die Ausprägung des betreffenden Intelligenzfaktors. Auf diese Art lassen sich zwei Dinge erkennen:

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Im Jahr 1939 definierte der Psychologe David Wechsler den IQ aufbauend auf einer statistischen Normalverteilung mit Mittelwert 100 und Standardabweichung von 15. Die Tests von Binet, Stern, Brigham, Wechler und viele ähnliche Tests liefern in der Regel hochkorrellierte Ergebnisse und werden als traditionelle Intelligenztests bezeichnet. Ein typisches Beispiel ist der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE-R).

Der Sinn von Intelligenztests ist nach wie vor umstritten. Es werden bei der Voraussage der Schulnoten Korrelationen von 0.4 bis 0.6 erzielt. Das bedeutet, daß ein beträchtlicher Anteil des Erfolges eines Schülers nicht von den klassischen Intelligenztests gemessen werden kann. Betrachtet man den Berufserfolg, so sind sogar nur Korrelationen von 0.3 zu beobachten. Bei der Vorhersagekraft klassischer Intelligenztests wurden große situationsbedingte Abweichungen beobachtet. Seit den 80er Jahren werden immer mehr kreative, praktische und emotionale Elemente in Intelligenztests einbezogen. Damit konnten die Ergebnisse der Vorhersagen z.B. von Schulnoten deutlich verbessert werden.

Bei der Diagnostik von Kindern wird häufig die Kaufmann-Asessement Battery for Children (K-ABC) eingesetzt, da durch sie - im Gegensatz zu anderen gängigen Testverfahren - intellektuelle Fähigkeiten von Fertigkeiten getrennt werden. Im K-ABC werden Untertests, die schulische Fertigkeiten prüfen, von Skalen zur Erfassung intellektueller Fähigkeiten getrennt. Das Verfahren wird bei Vorschulkindern sehr gerne verwendet, da es viele Einzelskalen gibt, sodaß z.B. gutes Rechnen nicht von schlechtem Wortschatz verschleiert wird.

Führende Psychologen wie Robert J. Sternberg von der Yale University entwickeln seit Jahren stark modifizierte bzw. erweiterte Tests, welche die verschiedenen emotionalen und kulturellen Komponenten mit berücksichtigen. Die Forscher haben gleichermaßen Experten wie Laien Verhaltensweisen auflisten lassen, die deren Meinung nach für Intelligenz sprechen. Interessanterweise zeigten beide Gruppen ein hohes Maß an Übereinstimmung. Unabhängig von der jeweiligen Beurteilerstichprobe ergaben die Einschätzungen der für eine intelligente Person typisch erachteten Verhaltensweisen drei Faktoren:

Verhaltensweisen, die als idealtypisch für intelligente Personen angesehen werden
(
Sternberg et al. 1981, S. 45)

Das Ergebnis einer Intelligenzmessung ist auch erst dann aussagekräftig und interpretierbar, wenn klar ist, auf welcher theoretischen Vorstellung von Intelligenz das verwendetet Verfahren aufgebaut und entwickelt worden ist. Jeder Autor eines Intelligenztests geht von einer spezifischen Intelligenzdefinition aus, und versucht diese in konkreten Verhaltesweisen zu operationalisieren. Siehe dazu einige klassische Beispiele für Intelligenzmodelle in der Psychologie.

Auch sprachliche und kulturelle Unterschiede wirken sich signifikant auf Ergebnisse und Vorhersagekraft von Intelligenztests aus. Daher wurden für interkulturelle und kulturunabhängige Vergleiche sogenannte sprachfreie Verfahren entwickelt. Hier werden Aufgaben vorgegeben, (auf dieser Seite finden sich zwei zur Illustration angeführte Beispiele aus dem Progressiven Matrizentest von Raven 1956). Hier muß in einem regelhaften Feld der jeweils fehlende Ausschnitt aus sechs vorgegebenen Möglichkeiten eingesetzt werden.

Leistungstests

Leistungstests erfassen die Leistungsfähigkeit einer Person. Allgemeine Leistungstests erfassen Funktionsbereiche wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Willensanspannung, spezielle Leistungstests prüfen Funktionen und Fähigkeiten im motorischen und/oder sensorischen Bereich, erfassen räumliches Vorstellungsvermögen, Gedächtnisleistungen usw. Die meisten dieser Tests sind daraufhin konstruiert, den reaktiven Grad der Güte einer Fertigkeit zu bestimmen, die durch Lernen oder Üben erworben wurde. Die Testwerte (Ergebnisse) ergeben sich aus der Zahl der richtigen Lösungen (oder Fehler), durch die Lösungszeit oder durch die Qualität der Arbeit. Bei diesen Tests soll die Konzentrationsfähigkeit und in der Regel eine spezielle Eignung für eine bestimmte Aufgabe gemessen werden. Erreicht wird dies durch die Stellung von Routineaufgaben, die dann so schnell wie möglich gelöst werden müssen (Speed-Faktor).

Ein typisches Beispiel ist etwa der einfache d2 Aufmerksamkeits-Belastungs-Test.

In diese Gruppe fallen auch viele apparative Testverfahren, wie etwa das Wiener Determinationsgerät (Bild), mit dem u.a. die Reaktionsfähigkeit von Probanden gemessen werden kann.

Als praktisches Beispiel für einen Leistungstest können Sie den Kleinen Leistungstest des Lernmethodik-Seminars Freiburg versuchen. Drucken Sie diese Seite aus, nehmen Sie eine Uhr zur Hand und versuchen Sie in der vorgegeben Zeit diese Aufgaben zu lösen. Allerdings gelingt das nur etwa 5 Prozent der TeilnehmerInnen!

Testverfahren für die berufsbezogene Eignungsbeurteilung

In der berufsbezogenen Eignungsbeurteilung werden häufig mangelhafte Testverfahren verwendet, wobei die Ergebnisse sowohl für BewerberInnen wie den ArbeitgeberInnen zu verheerenden Ergebnissen führen können. Kubinger (2010) skizziert einen solchen Irrtum: "Weithin bekannt sind Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen, wovon einzelne jedoch allein durch schlussfolgerndes Denken zu lösen sind. So kann es passieren, dass Personen mit schlechter Raumvorstellung bei manchen Aufgaben im Gegensatz zu den meisten anderen ungerechtfertigt zu einer Lösung kommen, allein deshalb, weil diese Aufgaben auch durch Logik zu lösen sind. Solche Tests gehen an der Idee einer eindimensionalen Messung vorbei und sind daher unbrauchbar - abgesehen davon, dass sie gegenüber etlichen Personen unfair sind." Er fordert daher, dass diagnostische Verfahren nur dann eingesetzt werden, wenn belegt ist, dass die einschlägigen Gütekriterien in definierter Weise erfüllt und empirisch belegt sind. Die DIN33430 legt für Tests genau fest, wann ein Verfahren nachweislich einen Bezug zu den Anforderungen´hat. Entscheidend sind die Gütekriterien: Objektivität, Messgenauigkeit (Reliabilität), Übereinstimmung zwischen Messabsicht und tatsächlich gemessener Eigenschaft (Validität), Gültigkeit der Eichung, Ökonomie, Nützlichkeit, Fairness, Zumutbarkeit, Angemessenheit der Punktvergabe (Skalierung) und Unverfälschbarkeit.

Gegenstand der DIN 33430 sind Qualitätskriterien und -standards für berufsbezogene Eignungsbeurteilungen sowie Qualifikationsanforderungen an die an der Eignungsbeurteilung beteiligten Personen. Die Norm bezieht sich auf Bereiche der Berufswahl, der Bewerberauswahl und der Berufslaufbahnplanung. Sie ist eine Prozessnorm und betrifft die Qualifikation der beteiligten Personen, die Qualität der verwendeten Instrumente und die Einhaltung angemessener Abläufe gleichzeitig. Es gibt kein Verfahren, das ohne Berücksichtigung der Qualifikation der Personen und der Einhaltung der Abläufe für sich genommen die DIN-Kriterien erfüllt. Nicht ausreichend qualifizierte Personen erfüllen auch mit geeigeneten Verfahren und Abläufen die Kriterien von DIN 33430 nicht, und falsch angewendet, sind die geeignetsten Verfahren in den Händen ausreichend ausgebildeter Personen nicht DIN-konform. Ziele der Norm sind die Verbreitung wissenschaftlich fundierter Informationen zu berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen, und die Verbesserung der Qualität derselben sowie bei entsprechenden Verfahrensentwicklungen. Nicht Gegenstand der Norm ist die Personalentscheidung selbst, sie bleibt in der Verantwortung der Auftraggeber. Ziel ist die psychodiagnostische Fundierung dieser Entscheidung. Konkret bezieht sich die DIN 33430 auf

Die Norm dient Anbietern von Dienstleistungen als Leitfaden für die Planung und Durchführung von Eignungsbeurteilungen; Auftraggebern in Organisationen als Maßstab zur Bewertung externer Angebote im Rahmen berufsbezogener Eignungsfeststellungen; Personalverantwortlichen bei der Qualitätssicherung und -optimierung von Personalentscheidungen, und dem Schutz der Kandidaten vor unsachgemäßer oder missbräuchlicher Anwendung von Verfahren zu Eignungsbeurteilungen

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/DIN_33430 (10-11-11)

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Persönlichkeitstests

Diese Testverfahren sollen jene Merkmale einer Person erfassen, die nicht Intelligenz und Leistungsvermögen des Menschen zugeordnet werden können, sondern bestimmten Eigenschaften, Einstellungen, Neigungen, Interessen usw. Die ersten wissenschaftlichen Persönlichkeitstests wurden 1919 von R.S. Woodworth und Mitarbeitern entwickelt, die anhand eines Fragebogens US-Soldaten im ersten Weltkrieg untersuchten. Zu den klassischen Persönlichkeitstests gehören die Persönlichkeitsfragebögen, die vor allem in der Forschung am häufigsten eingesetzt werden. Typische Beispiele für Persönlichkeitstests sind

Neben den mit Fragen und Statements arbeitenden Testverfahren gibt es unter den Persönlichkeitstests die verbalen Ergänzungsverfahren, die thematischen Apperzeptionsverfahren (z.B. Thematic Apperception Test - TAT), die Formdeutetests (z.B. Rorschach-Test), die spielerischen und zeichnerischen Gestaltungstests usw. Der wohl bekannteste ist der von dem schweizerischen Psychiater Hermann Rorschach entwickelt wurde. Der Rorschachtest ist ein Persönlichkeitstest, der u.a. Art und Grad der Intelligenz, mitmenschliche Einstellungen, Affektivität und Gestimmtheit erfaßt. Auch die kleine Gruppe von Interessenstests ist dieser Gruppe zuzurechnen, etwa der Allgemeine Interessen-Struktur-Test/Umwelt-Struktur-Test (AIST/UST) oder der Freizeit-Interessen-Test (FIT).

Eine Rating-Kurzform eines Persönlichkeitstests zur Erfassung der 16 Persönlichkeitsfaktoren nach Cattell bzw. Schneewind "Eigenschaften - Situationen - Verhalten" ESV findet sich als Musterversion unter dem URL
http://www.stangl-taller.at/STANGL/WERNER/BERUF/TESTS/ESV/
zum download und zur Erprobung.

Das Modell der "Big Five"

Zahlreiche Persönlichkeitsmodelle mit unterschiedlichen Anzahlen von Persönlichkeitsdimensionen und Faktoren hatten gezeigt, dass eine rein faktorenanalytisch fundierte Persönlichkeitsforschung nur zu geringen Erkenntnissen führt. Allerdings ließen sich die meisten der mit der Faktorenanalyse entwickelten Persönlichkeitsmodelle auf ein übergeordnetes Modell zurückgeführt werden können: das Modell der "Big Five".

Das Modell der Big Five basiert auf dem psycholexikalischen Ansatz, der von der Annahme ausgeht, dass sich in Wörtern zur Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften die Existenz dieser Eigenschaften widerspiegelt. Wenn es z.B. das Wort Ängstlichkeit gibt, dann weist dies darauf hin, daß es eine Persönlichkeitseigenschaft gibt, die mit diesem Wort beschrieben werden kann. Die Häufigkeit eines Wortes deutet zudem auf die Wichtigkeit dieser Eigenschaft hin. Wenn man alle Wörter identifizieren und ordnen würde, mit denen Persönlichkeitseigenschaften beschrieben werden, hätte man ein umfassendes Persönlichkeitsmodell gewonnen. Aufgrund dieser Annahmen machten sich Allport und Odbert (1936) auf die Suche nach allen die Persönlichkeit beschreibenden Wörtern in der englischen Sprache und erfassten 17.953 Begriffe. Diese kategorisierten sie und legten Synonyme zusammen. Raymond B. Cattell reduzierte schließlich die Anzahl der Begriffe weiter, bis er 35 Kategorien mit je 6 bis 12 Elementen erhielt. Indem er diese Beurteilern zur Beschreibung von Personen vorlegte, gelangte er schließlich zu 12 Persönlichkeitsfaktoren. Diese 16 Faktoren wurden schließlich zu 5 Sekundärfaktoren zusammengefasst.

Quelle: http://www.verhaltenswissenschaft.de/ (05-11-21)

NEO-Fünf-Faktoren Inventar (NEO-FFI) nach Costa und McCrae

Die fünf Faktoren des derzeit wohl am häufigsten eingesetzten Persönlichkeitsinventars, des NEO-FFI nach Costa und McCrae, sind wie folgt definiert:

NEUROTIZISMUS:
Die Skala erfasst individuelle Unterschiede in der emotionalen Stabilität und der emotionalen Labilität (Neurotizismus) von Personen. Der Begriff Neurotizismus darf nicht im Sinne der Diagnose einer psychischen Störung bzw. der Zuordnung einer psychiatrischen Kategorie missverstanden werden. Der Kern der Dimension liegt in der Art und Weise, wie Emotionen, vor allem negative Emotionen, erlebt werden. Personen mit einer hohen Ausprägung in Neurotizismus geben häufiger an, sie seien leicht aus dem seelischen Gleichgewicht zu bringen. Im Vergleich zu emotional stabilen Menschen berichten sie häufiger negative Gefühlszustände zu erleben und von diesen manchmal geradezu überwältigt zu werden. Sie berichten über viele Sorgen und geben häufig an, z.B. erschüttert, betroffen, beschämt, unsicher, verlegen, nervös, ängstlich und traurig zu reagieren. Sie neigen zu unrealistischen Ideen und sind weniger in der Lage, ihre Bedürfnisse zu kontrollieren. Emotional stabile Menschen haben diese Probleme kaum, sie beschreiben sich selbst als ruhig, ausgegeglichen, sorgenfrei, und sie geraten auch in Stresssituationen nicht so schnell aus der Fassung. Der Prototyp lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

EXTRAVERSION:
Extravertierte sind gesellig, doch Geselligkeit ist nicht der einzige Aspekt dieser Dimension. Personen mit hohen Punktewerten in der Skala beschreiben sich zusätzlich auch als selbstsicher, aktiv, gespräch, energisch, heiter und optimistisch. Extravertierte mögen Menschen, sie fühlen sich in Gruppen und auf gesellschaftlichen Versammlungen besonders wohl, sie lieben Aufregungen und neigen zu einem heiteren Naturell. Die Charakterisierung einer typisch introvertierten Person fällt weniger leicht, da Introversion zum Teil eher als ein Fehlen von denn als Gegensatz zu Extraversion angesehen werden muss. So sind Introvertierte eher zurückhaltend als unfreundlich, eher unabhängig als folgsam, eher ausgeglichen als unsicher oder phlegmatisch. Introvertierte leiden nicht notwendigerweise unter sozialer Ängstlichkeit, das Hauptcharakteristikum ist vielmehr der Wunsch allein zu sein. Wenn ihnen auch nicht die überschäumende Lebhaftigkeit des Extravertierten eigen ist, so sind Introvertierte doch nicht unglücklich oder pessimistisch.

OFFENHEIT FÜR ERFAHRUNGEN:
Die Skala erfasst das Interesse an, und das Ausmaß der Beschäftigung mit neuen Erfahrungen, Erlebnissen und Eindrücken. Personen mit hohen Punktwerten geben häufig an, dass sie ein reges Phantasieleben besitzen, ihre eigenen Gefühle, positive wie negative, akzentuiert wahrnehmen und an vielen persönlichen und öffentlich Vorgängen interessiert sind. Sie beschreiben sich als wissbegierig, intellektuell, phantasievoll, experimentierfreudig, und künstlerisch interessiert. Sie sind eher bereit, bestehende Normen kritisch zu hinterfragen und auf neuartige soziale, ethische und politische Wertvorstellungen einzugehen. Sie sind unabhängig in ihrem Urteil, verhalten sich häufig unkonventionell, erproben neue Handlungsweisen und bevorzugen Abwechslung. Personen mit niedrigen Punktewerten neigen demgegenüber eher zu konventionellem Verhalten und zu konservativen Einstellungen. Sie ziehen Bekanntes und Bewährtes dem Neuen vor, und ihre emotionalen Reaktionen sind eher gedämpft.

VERTRÄGLICHKEIT:
Ebenso wie Extraversion ist Verträglichkeit in erster Linie eine Dimension, die interpersonelles Verhalten beschreibt. Ein zentrales Merkmal von Personen mit hohen Werten in der Skala ist ihr Altruismus. Sie begegnen anderen mit Verständnis, Wohlwollen und Mitgefühl, sie sind bemüht, anderen zu helfen und überzeugt, dass diese sich ebenso hilfsbereit verhalten werden. Sie neigen zu zwischenmenschlichem Vertrauen, zur Kooperativität, zur Nachgiebigkeit, und sie haben ein starkes Harmoniebedürfnis. Personen mit niedrigen Punktwerten beschreiben sich im Gegensatz dazu als antagonistisch, egozentrisch, und misstrauisch gegenüber den Absichten anderer Menschen. Sie verhalten sich eher kompetitiv als kooperativ. Somit erscheint die verträgliche Seite der Dimension eindeutig sozial erwünschter, denn verträglicher Menschen dürften sicherlich beliebter sein als unkooperative. Dennoch darf man nicht übersehen, dass die Fähigkeit, für eigene Interessen zu kämpfen, in vielen Situationen hilfreich ist. Verträglichkeit ist keine Tugend im Gerichtssaal, und in der Wissenschaft helfen Misstrauen und Skepsis, den Problemen auf den Grund zu gehen.

GEWISSENHAFTIGKEIT:
Personen mit hohen Punktewerten in der Skala beschreiben sich als zielstrebig, ehrgeizig, fleißig, ausdauernd, systematisch, willensstark, diszipliniert, zuverlässig, pünktlich, ordentlich, genau und penibel. Der sozial erwünschte Aspekt dieser Dimension liegt in ihrer Beziehung zu akademischen und beruflichen Leistungen, ihre negative Seite mag sich in einem übertrieben hohen Anspruchsniveau, in zwanghafter Ordentlichkeit oder in Formen von Arbeitssucht äußern. Personen mit niedrigen Punktwerten beschreiben sich eher als nachlässig, gleichgültig und unbeständig, sie verfolgen ihre Ziele also mit geringerem Engagement.

Borkenau, Peter & Ostendorf, Fritz (1993). NEO-Fünf-Faktoren Inventar (NEO-FFI) nach Costa und McCrae. Göttingen: Hogrefe.

Siehe dazu auch die Testpraxis

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