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Der psychologische Test
Das psychologische Experiment

Der "Rosenthal-Effekt"

Der amerikanische Psychologe Robert Rosenthal analysierte, welchen Einfluß der Versuchsleiter in psychologischen Experimenten auf das Verhalten von "Versuchspersonen" oder auch Versuchstieren hat.

Für ein Lernexperiment mit Ratten instruierte Rosenthal zwölf Psychologiestudenten als Versuchsleiter. Die Versuchstiere (60 Albino-Ratten) sollten lernen, in einem einfachen Labyrinth den richtigen Weg zur Futterstelle zu wählen. Robert Rosenthal erläuterte seinen studentischen Versuchsleitern, daß die Hälfte der Versuchstiere aufgrund von Zuchtwahl besonders lernfähig, die andere Hälfte besonders "dumm" sei. Die Ratten wurden den Versuchsleitern streng nach dem Zufall zugeteilt, sechs Versuchsleiter waren jedoch im Glauben, daß ihre Tiere zum Stamm der "klugen" Ratten gehörten, die anderen sechs, daß sie mit "dummen" Ratten experimentieren würden. Jeder Versuchsleiter hatte die Aufgabe, mit einer Gruppe von fünf Ratten an fünf Tagen je zehn "Trainingsläufe" im Labyrinth durchzuführen und zu notieren, ob die Tiere den richtigen Ausgang wählten.

Die Abbildung oben zeigt die Mittelwerte der Ergebnisse für die Versuchsleiter mit vermeintlich "klugen" und "dummen" Ratten. Die "klugen" Ratten waren entsprechend den Erwartungen ihrer Versuchsleiter an jedem Versuchstag den "dummen" Ratten überlegen. Des Rätsels Lösung ist aus einer Befragung der Studenten nach dem Experiment zu erschließen: Die Versuchsleiter mit vermeintlich "klugen" Ratten beurteilten ihre Versuchstiere wesentlich positiver und behandelten sie dementsprechend liebevoller, als Versuchsleiter mit vermeintlich "dummen" Ratten dies taten!

Der "Rosenthal-Effekt" - Beeinflussung des Ergebnisses durch die Erwartungen des Experimentators - ist bei menschlichen "Versuchsobjekten" noch wesentlich wirksamer als im Tierexperiment. Rosenthal testete z. B. zu Beginn eines Schuljahres alle Kinder der 18 Klassen einer Schule. Dann gab er den Lehrern die Namen einzelner Schüler, die dem Testergebnis zufolge eine "ungewöhnlich gute schulische Entwicklung" nehmen sollten (insgesamt 20% der Schüler). Die Namen der "Hochbegabten" waren wiederum streng nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. In den höheren Schulklassen hatte die Lehrererwartung nur einen geringen Einfluß auf die Leistung der Schüler, in den unteren Klassen war der Effekt jedoch dramatisch:

Am Ende des Schuljahres hatten die vermeintlich "Hochbegabten" nach dem Ergebnis eines Schulleistungstests einen großen Vorsprung gegenüber den anderen Schülern. Die Tendenz psychologischer Testergebnisse, die Umwelt des Getesteten so zu beeinflussen, daß die "Test-Prophezeiung" auch wirklich eintritt ("sich selbst erfüllende Prophezeiung" = "self-fulfilling prophecy") ist nur ein Sonderfall des "Rosenthal-Effekts".

[Quelle: Legewie & Ehlers 1992, 10f]

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