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Der psychologische Test
Das psychologische Experiment

Experiment zum Anspruchsniveau

Theoretischer Hintergrund

Wenn in unserer Gesellschaft über Motivation gesprochen wird, benutzt man den Begriff häufig in Verbindund mit Leistung. Man spricht von Leistungsmotivation. Eng verbunden mit dem Begriff der Leistungsmotivation ist der des Anspruchsniveauvs. Seit der Untersuchung des Lewin- Schülers Fritz Hoppe über Erfolg und Mißerfolg (Dissertation 1931) hat die Bezeichnung Anspruchsniveau einen wichtigen Platz in der Motivationsforschung eingenommen. Laut einer Definition nach Kurt Lewin ist "Anspruchsniveau der Leistungsstand, den sich das Individuum vorgenommen hat und zu erreichen erwartet".

Als experimentelles Paradigma bedeutet Anspruchsniveau: "Die einem Versuchsleiter von einer Versuchsperson mitgeteilte Zielsetzung in Bezug auf eine ihr nicht mehr unbekannte, jetzt erneut auszuführende und mehr oder weniger gut zu meisternde Aufgabe, sofern diese Zielsetzung innerlich übernommen ist" (Heckhausen, 1955, S. 119).

Originaluntersuchung

Hoppe ging es ursprünglich um die Frage, wovon es abhängt, daß ein erzieltes Leistungsergebnis als Erfolg oder Mißerfolg erlebt wird, da das gleiche Leistungsergebnis für den einen Erfolg und für den anderen Mißerfolg bedeuten kann.

Methoden und Durchführung

Insgesamt nahmen 10 Studierende der Friedrich Wilhelms- Universität zu Berlin teil. Der Versuch dauerte etwa 1-2 Stunden. Ohne über den Zweck des Versuches irgend etwas zu wissen, tritt die Vp ins Zimmer ein. Die Versuchsleiterin macht die Versuchsperson auf die auf dem Tisch am Fenster stehenden Weinflaschenaufmerksam und sagt:"Hier diese Flaschen müssen Sie von einer Entfernung (Vl zeigt auf einen Kreidestrich auf dem Boden ca. 3,50m vom Tisch entfernt) treffen, d.h. sie müssen die Ringe über den Flaschenhals werfen (die Versuchsleiterin gibt der Versuchsperson 10 Holzringe mit 15cm Durchmesser). Sie sollen so lange üben, bis sie 10 Ringe nacheinander daraufbekommen können."

Die Entfernung ist jedoch so gewählt, daß ein zehnmaliges Treffen der Flaschen praktisch ausgeschlossen ist; die Versuchsperson ist vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. Dies ermöglicht ein beliebig langes Fortsetzen des Versuches. Inzwischen hat sich die Versuchsleiterin auf den Stuhl am Fenster hinter dem Tisch gesetzt und zu notieren begonnen. Ein Protokollführer ist seit Anfang des Versuches im Zimmer. Er sitzt möglichst abseits auf einem Stuhl an einem Tisch, und seine Anwesenheit ist im allgemeinen auch für die soziale Struktur ohne wesentliche Bedeutung. Die Versuchspersonen wußten nicht, was für ein Problem der Untersuchung zugrunde lag.

Bei jedem weiteren Durchgang sollten die Studierenden erneut angeben, wie viele Ringe sie zu treffen erwarteten. So wurde also ihr Anspruchsniveau festgestellt, das bei jedem weiteren Durchgang geändert werden konnte.

unabhängige Variable: Vielfaches Wiederholen einer einfachen, motorischen Aufgabe, die jedoch nicht optimal gelöst werden kann.

abhängige Variable: Angabe der erwarteten Treffer pro Durchgang.

Ablauf

Die Versuchsperson übernimmt den Auftrag der Versuchsleiterin, die Ringe zu werfen. Sie wirft die ersten Ringe, die im allgemeinen "Probewürfe" sind, manchmal aber auch schon zu verärgerten Ausrufen führen. Die Versuchsperson ist mit dem Lösen der Schwierigkeiten der Aufgabe beschäftigt und wendet verschiedene Methoden an, die zum Erfolg führen sollen. Die Würfe werden jedoch meist nicht besser und so werden die Zielflaschen gewechselt, oder sie fühlt sich gezwungen, einen Augenblick zu warten. Geräusche, die die nichtgetroffenen Ringe verursachen, beginnen die Versuchsperson zu nerven. Nimmt die Zahl der Treffer in einer Zehnergruppe nicht zu, wird also immer nur ein- oder zweimal pro zehn Würfe getroffen, so wird dies als eine unüberschreitbare Leistungsfähigkeit angesehen. Der Grund hierfür liegt im angestiegenen Leistungsniveau. Das Gefühl "auf der Stelle zu treten" beginnt.

Ergebnisse

Im Verlauf vieler Folgeuntersuchungen, die unter anderem auch von Hoppe durchgeführt wurden, wurde der Begriff des Anspruchsniveaus erheblich detaillierter betrachtet. So beschreibt Lewin in seiner Feldtheorie, daß das Anspruchsniveau personenbezogen (im Vergleich mit eigenen früheren Leistungen) oder auch sozialbezogen (im Vergleich mit den Leistungen anderer) entstehen kann.

Literatur

Hoppe, Ferdinand (1930). Erfolg und Mißerfolg. Berlin: Verlagsbuchhandlung Julius Springer.
Heckhausen, Heinz (1989). Motivation und Handeln. Berlin: Springer.
Lewin, Kurt (1926). Untersuchungen zur Handlungs- and Affektpsychologie. I und II. Psychol. Forsch. 7, S. 294-358.

Unter Verwendung von: http://www.uni-kassel.de/fb3/psych/vv/ss95/exp/anspruch.html (00-04-21)

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