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Der psychologische Test
Das psychologische Experiment

Welche Experimente gibt es?

Experimente lassen sich auf verschiedene Arten klassifizieren:

Häufig wird auch die "ex post facto-Forschung" zu den Experimenten gerechnet, allerdings ist das nicht angemessen, denn der experimentelle Ansatze basiert auf dem Modell: wenn X, dann Y; wenn Frustration auftritt, dann folgt Aggression. Der Forscher legt also ein der Problemstellung angemessenes, praktisch realisierbares Design fest, das eine Methode zur systematischen Veränderung von X beinhaltet. Dann beobachtet er Y um festzustellen, ob die Variation auftritt, die er aufgrund der Veränderung von X erwartet. Wenn das der Fall ist, ist das ein Hinweis für die Gültigkeit der Behauptung: Wenn X dann Y. Beim experimentellen Ansatz macht man von einem kontrollierten X eine Vorhersage auf Y. Bei der ex post facto-Forschung wird hingegen nur Y systematisch beobachtet. Dann folgt rückblickend eine Suche nach X. Der wichtigste Unterschied zwischen experimenteller und ex post facto-Forschung liegt also in der Möglichkeit der Kontrolle. Bei einem Experiment verfügt man über die Möglichkeit der gezielten Variation der Versuchsbedingungen. Bei einem ex post facto-Design muß man die Dinge so hinnehmen, wie sie vorliegen. Ex post facto-Forschung hat also aus der Sicht der experimentellen Vorgehensweise eine prinzipielle Schwäche: mangelhafte Kontrolle der unabhängigen Variablen. Ein großer Teil vor allem erziehungswissenschaftlicher aber auch soziologischer Studien sind ex post facto-Untersuchungen.

Reproduzierbarkeit und Kontrolle

Befunde aus der experimentellen Psychologie sind häufig fragwürdig - zumindest dann, wenn die Studienautoren nicht ihre Untersuchungsdetails so detailliert offen legen, dass andere Wissenschaftler das Experiment eins zu eins oder modifiziert reproduzieren können. Jochen Fahrenberg (Freiburg) fordert daher in seinem Buch "Theoretische Psychologie - Eine Systematik der Kontroversen" entscheidende Änderungen der wissenschaftlichen Praxis. Er schreibt:

"Wichtige Ergebnisse sollten durch unabhängige und qualifizierte Wissenschaftler kontrolliert werden. Damit ist die Erwartung verbunden, dass Forschung sich selbst kontrolliert und schrittweise auf der Grundlage replizierter Befunde weiterentwickelt."

"Dass zahlreiche nicht-reproduzierbare Untersuchungsergebnisse publiziert wurden, ist in der Geschichte und Methodenlehre der Wissenschaften durchaus bekannt. In den Lehrbüchern der Methodenlehre der Psychologie werden die Strategien der Replikationsforschung eher beiläufig behandelt. Es mangelt noch an methodologischer Diskussion, an Konventionen und systematischen Ansätzen. In den Literaturdatenbanken der Psychologie sind nur relativ wenige Publikationen über erfolgreiche und nicht erfolgreiche Replikationen psychologischer Experimente oder systematisch variierende Generalisierbarkeitsstudien verzeichnet."

Fahrenberg zitiert einen Senior-Wissenschaftler, der von einem Reproducibility-Project abriet, "weil die Psychologie unter Druck stehe und ein solches Projekt die Psychologie schlecht aussehen lasse. Zu den Argumenten für mehr Replikationen gehört die auch in Deutschland zunehmend kritische Einstellung gegenüber den üblichen Publikationsweisen und der mangelnden innerfachlichen Kontrolle. Das amerikanische Reproducibility Project des Center for Open Science hat inzwischen 30 international renommierte Publikationen für eine möglichst genaue Replikation ausgewählt. Der gegenwärtige Stand des Vorhabens lässt aufgrund der abgeschlossenen Teilprojekte vermuten, dass weniger als die Hälfte der publizierten Ergebnisse reproduzierbar ist oder nur für einzelne Items oder nur mit geringem Effekt ..."

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