*werner stangl: Konsistenz elterlichen Erziehungsverhaltens *

Psychologische Beiträge 1987, 29, 349-375.
Begriffsbestimmung
Operationalisierung des Konstruktes (In)Konsistenz
Die Stichproben und die verwendeten Verfahren
Ergebnisse
Die Ausprägung der elterlichen Konsistenz
Elterliche Konsistenz und Merkmale der Eltern
Elterliche Konsistenz und elterliches Erziehungsverhalten
Elterliche Konsistenz und kindliche Persönlichkeit
Diskussion und Ausblick
Literatur

 
 

Es ist allgemein bekannt, daß sich in sozialen Beziehungen wechselndes und schwankendes Verhalten negativ auf die Gestaltung und das Funktionieren dieser Beziehungen auswirkt. Diese Problematik der Konsistenz bzw. Inkonsistenz gilt auch in Erziehungssituationen, die einen Spezialfall sozialer Beziehungen darstellen. Bei der Untersuchung der (In)Konsistenz in dieser Arbeit erfolgt eine Eingrenzung auf familiale Erziehungssituationen in vollständigen Familien, wobei unter einer psychologisch-pädagogischen Fragestellung vor allem das Verhalten der Eltern von Interesse ist. Erziehungsverhalten weist zwar stets eine reaktive Komponente auf, d.h., bei der Beurteilung erzieherischen Verhaltens muß das des Erzogenen ebenfalls mitberücksichtigt werden, doch soll hier die Konsistenz bzw. Inkonsistenz der Eltern im Mittelpunkt stehen.

Väter und Mütter unterscheiden sich in ihrem Verhalten schon aufgrund ihrer Persönlichkeit und durch die verschiedenen Erzieherrollen, die sie ihren Kindern gegenüber einnehmen (vgl. SEITZ & JANKOWSKI 1969). Aufgrund der vom verhaltenstheoretischen Ansatz her naheliegenden idiographischen Strategie muß sich die Analyse erzieherischen Verhaltens primär auf den Einzelfall beziehen - wobei darunter in dieser Arbeit ein individuelles Familiensystem verstanden wird. Bei dieser Betrachtungs- weise ergibt sich die Notwendigkeit, daß neben Merkmalen einzelner Personen auch strukturale Merkmale in die Untersuchung miteinbezogen werden. Ein solches Merkmal ist die Konsistenz bzw. Inkonsistenz elter- lichen Erziehungsverhaltens.

Obwohl in einschlägigen Arbeiten immer wieder darauf hingewiesen wird, daß Inkonsistenzen im elterlichen Verhalten auf seiten des Erzogenen zu einem höheren Ausmaß an Spannungen führen (vgl. z.B. TIEDEMANN, LANGER, SCHMIDT & TIMM 1981, S. 333), gibt es nur wenige Versuche, diese Inkonsistenzen gezielt zu messen bzw. diesen Begriff inhaltlich genauer zu bestimmen. Die Ziele der vorliegenden Arbeit sind daher wie folgt bestimmt:

Begriffsbestimmung

Das Konstrukt der Konsistenz bzw. Inkonsistenz kann sowohl allgemein als auch konkret in bezug auf spezifische Situationen betrachtet werden, des weiteren kann jeweils zwischen der (In)konsistenz innerhalb einer Person und der (In)Konsistenz zwischen zwei oder mehreren Personen differen- ziert werden. Allgemein betrachtet lassen sich unterscheiden:

Unter der (In)Konsistenz "innerhalb" kann das Ausmaß jener individuellen Schwankungen verstanden werden, die auch bei anderen psychologischen Phänomenen beobachtet werden (z.B. Konzentration, Leistung, Persön- lichkeit). Es handelt sich daher um ein individuales bzw. personales Merkmal. Diese Form der (In)Konsistenz ist insofern psychologisch und meßtheoretisch bedeutsam, als sie jegliche psychologische Meßversuche beeinflußt. Die Annahme eines vollkommen stabilen und unveränderlich konstanten Verhaltens ist im Lichte psychologischer Forschung ohnehin eine weitgehend unrealistische Annahme. Es muß vielmehr davon ausge- gangen werden, daß sich Personen gerade in diesem Merkmal unterscheiden (vgl. SIEGMUND & FISCH 1984).

Die (In)Konsistenz "zwischen" - sie ist das Hauptthema der vorliegenden Arbeit - verweist auf die differentiellen Aspekte menschlichen Verhaltens, d.h. auf individuelle Unterschiede von Personen. Abgesehen vom allge- meinpsychologischen Interesse für solche Phänomene kommt diesen Differenzen auch insofern besonderes Gewicht zu, wenn das Verhalten von zwei oder mehr Personen jeweils auf eine bestimmte Person bezogen ist. Diese Form der (In)Konsistenz stellt daher ein relationales bzw. struktu- rales Merkmal dar.

Bezogen auf die konkrete Fragestellung dieser Arbeit lassen sich diese allgemeinen Konstrukte der (In)Konsistenz wie folgt präzisieren:

Die (In)Konsistenz "innerhalb" eines Elterteils verweist auf ähnliche Aspekte, wie sie für das allgemeine Konstrukt angeführt wurden. Auf diese erste Form der Konsistenz - obwohl sie nicht unmittelbar Gegenstand dieser Arbeit ist - muß einerseits deshalb eingegangen werden, da bisherige Auffassungen von elterlicher Konsistenz in der einschlägigen Literatur sich vor allem auf diese Form beziehen, andererseits wird in manchen Arbeiten keine explizite Unterscheidung zwischen den beiden Aspekten dieses Merkmals getroffen.

Für eine zunächst gemeinsame Betrachtung spricht ein Ergebnis von WAGNER (1985, S. 21), der beim Vergleich von väterlicher und mütterlicher Inkonsistenz - also einer Untersuchung der ersten Form von Konsistenz - einen hohen Zusammenhang (bei Jungen von r=0.54 und bei Mädchen von r=0.67) fand. KROHNE, ROGNER & SCHAFFNER (1980) fanden zwischen ihren Inkonsistenzskalen vergleichbare Zusammenhänge: r=0.55 bzw. r=0.77. Daraus kann zwar kein direkter Schluß auf die Ausprägung der zweiten Form der Konsistenz gezogen werden, doch können Wechsel- beziehungen vermutet werden.

KORNADT & WIRSING (1960, S. 387) untersuchten unter der Bezeichnung "Konsequenz des Erziehungsverhaltens" den hier als Konsistenz bezeichneten Sachverhalt auf einer 3-Punkt-Skala. Sie verstehen darunter "die Gleichmäßigkeit der Erziehungsmaßnahmen … und wie gut die einzelnen Erziehungspersonen in ihren Erziehungszielen und -maßnahmen übereinstimmen". In diese Operationalisierung gehen beide oben angesprochenen Aspekte der Konsistenz ein. Die Autoren finden keine Zusammenhänge zu Merkmalen des Erziehungsverhaltens oder Merkmalen der Kinder. Dies liegt vermutlich an der eher groben Operationalisierung des Konstruktes.

Ebenfalls keine explizite Unterscheidung der zwei Aspekte der (In)Konsistenz trifft BENNET (1960) bei der Untersuchung der Beziehung dieser Merkmale zu delinquenter und neurotischer Entwicklung von Kindern.

McCORD, McCORD & HOWARD (1961) finden bei nichtdelinquenten Jugendlichen einen Zusammenhang mit selbstbewußt-anmaßendem und aggressivem Verhalten. Sie verstehen unter (In)Konsistenz den Wechsel von elterlicher Straffreudigkeit und Laxheit.

Vorwiegend der ersten Art der Inkonsistenz zuzurechnen ist das von LÜCKERT (1964) als Wechsel- oder Kontrasterziehung bezeichnete Hin- und Herschwanken zwischen verschiedenen extremen Erziehungsverhaltens- weisen. Seiner Meinung nach reagiert das Kind darauf entweder mit Entschlußlosigkeit (Motiv: "Ich weiß nicht, was ich tun soll") oder mit Verstellung (Motiv: "Ich muß mich immer ins rechte Licht setzen").

Nur bedingt der (In)Konsistenz zuzurechnen ist die Variation des Erziehungsverhaltens in Abhängigkeit von Merkmalen des Erzogenen, d.h., daß sich etwa Väter gegenüber ihren Töchtern anders verhalten als gegenüber ihren Söhnen. EYFERTH (1966) weist darauf hin, daß Eltern gegenüber Mädchen andere Erziehungseinstellungen zeigen als gegenüber Knaben. Dieses Verhalten tritt zwar innerhalb eines Erziehungssystems auf, doch ist es im Gegensatz zur hier vertretenen Auffassung von (In)Konsistenz nicht auf eine bestimmte Person bezogen. Es kann allerdings angenommen werden, daß dieses besser als "kindbezogene Anpassung" zu bezeichnende elterliche Verhalten aus der Sicht der Kinder ebenfalls als elterliche (In)Konsistenz erlebt wird.

In der Inkonsistenztheorie von COOPERSMITH (1967) wird Inkonsistenz ebenfalls nur auf das Verhalten einer Elternperson bezogen. Er vermutet, daß konsistente Eltern den Aufbau einer stabilen Wertstruktur (Selbst- und Umweltkonzept) bei Kindern eher ermöglichen als inkonsistente. Er nimmt auch an, daß bei beiden Elternteilen eine ähnlich ausgeprägte Inkonsistenz vorhanden sei.

ENGFER & SCHNEEWIND (1975) berichten in ihrer Untersuchung des Zusammenhanges zwischen elterlichen Erziehungseinstellungen und dem Bild der Eltern von der kindlichen Persönlichkeit von einigen Konfigura- tionen der kindlichen Persönlichkeit, die mit elterlicher (In)Konsistenz einhergehen. Sie verstehen unter elterlicher Inkonsistenz die wechselnde Anwendung belohnender und bestrafender Erziehungsmittel.

Nach SEITZ (1975, S. 119f) handelt es sich bei der (In)Konsistenz um einen formalen Aspekt elterlicher Erziehungsstile, der sich über gestörtes Bekräftigungslernen auswirkt und als Wertkonfusion zwischen den Eltern für Identifikationsstörungen beim Kind mitverantwortlich sein kann.

KROHNE, ROGNER & SCHAFFNER (1980) konstruieren eine Inkonsistenz- skala, wobei sie die kindperzipierte Inkonsistenz auf eine Person allein beziehen. Auch sie finden einen deutlichen Zusammenhang zwischen väterlicher und mütterlicher Konsistenz (s.o.). Signifikante Zusammenhänge finden sich weiters mit der kindlichen Ängstlichkeit und der externalen Bekräftigungsüberzeugung.

WAGNER (1985) nimmt bei seinem Konsistenzkonzept bezug auf den Ansatz von COOPERSMITH. Allerdings gelingt die Bestätigung eines situ- ationsübergreifenden Merkmals "elterlicher Inkonsistenz" nicht bzw. wird dessen Bedeutung aufgrund von widersprüchlichen und nur schwach ausgeprägten Zusammenhängen stark eingeschränkt. Die von WAGNER entwickelten Skalen "Inkonsistenz der Mutter" und "Inkonsistenz des Vaters" korrelieren allerdings deutlich miteinander (s.o.), woraus der Schluß gezogen wird, daß Kinder dazu neigen, die Eltern ähnlich (in)konsistent zu erleben. Hieraus wird deutlich, daß bei der Beurteilung von empirischen Ergebnissen auch die Datenquelle mitberücksichtigt werden sollte, sodaß - ähnlich wie in der Erziehungsstilforschung - die Selbst- und Fremdperzeption unterschieden werden müßten.

KROHNE, KOHLMANN & LEIDIG (1986) untersuchten die Rückmeldungs- konsistenz elterlichen Verhaltens mit dem "Erziehungsstil Inventar" (ESI; KROHNE, KIEHL, NEUSER & PULSACK 1984) und fanden Zusammenhänge mit Angstentwicklung, externer Kontrollüberzeugung und einschränkender Erziehung. Sie weisen auf die Notwendigkeit hin, die Wechselbeziehungen zwischen väterlichem und mütterlichem Verhalten zu erfassen, wobei sie auf mögliche kompensatorische Effekte verweisen. "So hat z.B. einschränkende Erziehung des einen Elternteils vermutlich einen anderen Effekt auf den Erzogenen, je nachdem, ob der andere Elternteil auch einschränkt oder vielleicht eher unterstützt" (KROHNE et al. 1986, S. 83).

Damit wird die zweite Form der Konsistenz bzw. Inkonsistenz angesprochen, die "zwischen" den Verhaltensweisen zweier Erzieher - in diesem Fall beider Elternteile - besteht. Im Gegensatz zur (In)Konsistenz "innerhalb" wurde diese zweite Art wesentlich seltener untersucht. Dieses Konstrukt nimmt in den im folgenden referierten Arbeiten auch meist eine untergeordnete Rolle ein, die mitgeteilten Resultate beziehen sich häufig auf zusätzlich vorgenommene Auswertungen der vorliegenden Daten.

SEITZ & JANKOWSKI (1969) untersuchten die Interkorrelationen zwischen den Dimensionen des väterlichen und des mütterlichen Erziehungsstils. Sie stellen eine insgesamt recht hohe Übereinstimmung der beiden Elternteile im Grad der intensiven Strenge und Kontrolle fest (S. 102), merken allerdings an, daß sich trotz mancher Übereinstimmungen spezifische Auswirkungen auf Persönlichkeitsfaktoren der Kinder finden lassen (S. 103). Zwar sind die Befunde aufgrund der schmalen Stichprobe nur bedingt aussagekräftig, doch wird in dieser Arbeit m.W. zum ersten Mal auf die Wichtigkeit der Übereinstimmung elterlichen Erziehungsverhaltens für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit hingewiesen. Allerdings nehmen diese Autoren keine überzeugende Operationalisierung des Konstruktes vor, vielmehr beschränken sie sich auf korrelative Beziehungen zwischen einzelnen Faktoren elterlichen Erziehungsverhaltens. Diese liegen meist unter r=0.50, dabei ist jedoch zu bedenken, daß die Zusammensetzung der Faktoren für Väter und Mütter verschieden ist.

Solche Korrelationen zwischen einzelnen Merkmalen väterlicher und mütterlicher Erziehung werden in zahlreichen Untersuchungen zum elterlichen Erziehungsverhalten mitgeteilt. Als Beispiel sei eine neuere Untersuchung von BRINKMANN & LAZARUS-MAINKA (1980) erwähnt, die bei der Strengeskala eine Rangkorrelation von R=0.68, bei der Unterstützungsskala ein R=0.59 fanden (Marburger Skalen von STAPF et al. 1972). Diese Werte liegen ihrerseits unter den von KROHNE et al. (1980) mitgeteilten, die im Durchschnitt bei r=0.75 liegen. Diese korrelativen Maßzahlen sind mit dem hier vorgestellten Konzept der Konsistenz nur bedingt vergleichbar, denn es handelt sich in diesen Fällen stets um Beziehungen zwischen Merkmalen, die von einer Person wahrgenommen (gemessen) werden. Somit ist zu vermuten, daß ein Teil der gemeinsamen Varianz aus dieser Quelle stammt.

Eine einfache Operationalisierung der (In)Konsistenz nahm SEITZ (1980a, S. 362f) vor, indem er Gruppen von Kindern einander gegenüberstellte, bei denen zwischen väterlichem und mütterlichem Verhalten in einzelnen Verhaltensfaktoren größere Diskrepanzen auftraten. Er bestätigt die delinquenzverstärkende Wirkung inkonsisteten elterlichen Verhaltens und vermutet, daß unter dieser Erziehungsbedingung Probleme beim Aufbau eines stabilen Weltbildes bzw. beim Aufbau einer eigenständigen Verhaltenskontrolle entstehen können. Ein wesentliches Ergebnis dieser Untersuchung ist auch der Nachweis der Bedeutung konfigurativer Indizes für die Beurteilung von elterlichem Verhalten, die insgesamt aussage- kräftiger für die Prognose kindlichen Verhaltens sind als einzelne Skalen.

In einer Untersuchung von PERREZ et al. (1981) wurde die (In)Konsistenz zwischen elterlichen Verhaltensweisen dadurch operationalisiert, daß ein Differenzwert zwischen den beiden Marburger Skalen (Strenge und Unterstützung; STAPF, HERRMANN, STAPF & STAECKER 1972) berechnet wurde. Dabei war in dieser Untersuchung angenommen worden, daß eine hohe Diskrepanz zu einer höheren Auffälligkeit bei den Erzogenen führt. Die Autoren begründen diese Vermutung mit dem Hinweis auf das Konzept der experimentellen Neurosen, die unter ähnlichen Bedingungen erzeugt werden können (vgl. PERREZ et al. 1981, S. 106). Trotz dieser einfachen Operationalisierung ergab sich in dieser Untersuchung ein geringer aber statistisch gesicherter Zusammenhang zwischen Konsistenz und Verhaltensauffälligkeiten.

TIEDEMANN et al. (1981) nahmen dieselbe Operationalisierung vor, doch im Gegensatz zur Untersuchung von PERREZ et al. gelang der Nachweis eines Zusammenhanges zwischen Konsistenz und Auffälligkeiten nicht. Die Autoren führen das darauf zurück, daß bei klinischen und forensischen Stichproben aufgrund der stärkeren Ausprägungen der untersuchten Variablen die Diskrepanzhypothese leichter zu bestätigen ist als in einer Normalstichprobe. 

 

Operationalisierung des Konstruktes (In)Konsistenz

Im Gegensatz zu den bisher referierten Arbeiten, die (In)Konsistenz elterlichen Erziehungsverhaltens entweder durch einfache Skalen oder durch die Berechnung von Korrelationen oder Diskrepanzen zwischen einigen wenigen väterlichen und mütterlichen Verhaltensmerkmalen operationalisieren, wird in dieser Untersuchung der m.W. erste Versuch unternommen, ein abgeleitetes strukturales Maß für dieses Phänomen zu verwenden.

Es wird davon ausgegangen, daß elterliche Verhaltensweisen eine geordnete hierarchische Struktur aufweisen, d.h., daß es eine durch relative Häufigkeiten bestimmbare Präferenzordnung für elterliche Verhaltens- weisen gibt. In Anlehnung an Überlegungen von SÜLLWOLD (1977), der subjektive Problemhierarchien bei Drogenabhängigen untersuchte, wird durch die Berechnung von Rangkorrelationen zwischen den jeweils individuellen Präferenzordnungen von Vätern und Müttern für bestimmte Verhaltensweisen eine Maßzahl für das Ausmaß der Übereinstimmung dieser Ordnungen berechnet. Im Gegensatz zur Untersuchung von SÜLLWOLD (1977), der Übereinstimmungen zwischen verschiedenen Gruppen untersuchte, d.h., von über Personen aggregierten Daten ausging, handelt es sich in dieser Arbeit um ein Individualkonstrukt.

Ähnlichkeiten in diesem Vorgehen bestehen des weiteren zu der Auffassung von SIEGMUND & FISCH (1984), die bei der Überprüfung der Einstellungs-Verhaltens-Konsistenz bei Kindergarten-Erzieherinnen individuelle Meßwerte (Produktmomentkorrelationen) für einzelne Personen berechnen. Sie zeigen, daß Konsistenz als ein individuales und nicht als Gruppenkonstrukt aufgefaßt werden muß (S. 251). Dieses Merkmal ist demnach als personenabhängig zu betrachten, sodaß Probanden nach diesem Merkmal unterschieden werden können. In unserer Arbeit wird vergleichsweise ein Familiensystem als "Person" oder "Individuum" aufgefaßt.

Der dafür gewählte Rangkorrelationskoeffizient erlaubt aufgrund der ordinalen Ausgangsinformation den Vergleich von väterlichen und mütterlichen Präferenzordnungen, wobei die absoluten Ausprägungen und damit etwaige Antworttendenzen nicht berücksichtigt werden. Die Maßzahl gibt das Ausmaß der Übereinstimmung von väterlichem und mütterlichem Verhalten wieder: ein hoher Wert bedeutet ein hohes Ausmaß an Übereinstimmung, ein niedriger oder sogar negativer Wert kennzeichnet diskrepante elterliche Präferenzordnungen. Diese hierarchische Präferenzordnung erzieherischer Verhaltensweisen wird mithilfe des "Fragebogens zum elterlichen Erziehungsverhalten" (FEV; STANGL 1986a) erfaßt.

Der "Fragebogen zum elterlichen Erziehungsverhalten" ist ein halbpro- jektives Testverfahren, in welchem 20 kritische Erziehungssituationen durch Bilder veranschaulicht zur Bewertung vorgelegt werden. Jedem Bild sind 8 Verhaltensmöglichkeiten zugeordnet, die einzeln auf ihre subjektive Eignung für die dargestellte Situation bewertet werden müssen ("zutreffend" bzw. "nicht zutreffend"). Die insgesamt 160 Einzelangaben werden zu 16 Präferenzfaktoren zusammengefaßt, wobei als Maßzahlen die relativen Häufigkeiten verwendet werden. Diese Prozentwerte können in einem Profil grafisch dargestellt werden und repräsentieren insgesamt die hierarchische Struktur der individuellen Verhaltenspräferenzen (STANGL 1985). Folgende Faktoren elterlichen Erziehungsverhaltens werden mit dem FEV erfaßt (in Klammern die im folgenden verwendete Kurzbezeichnung):

1. Überwachungsintensität der kindlichen Aktivität (KONT)
2. Berufung auf Autoritäten beim elterlichen Verhalten (KONS)
3. Identifikation mit der Elternrolle (IDEL)
4. Forderung nach Anpassung an elterliche Erziehungsvorstellungen (FORD)
5. Eingeräumte Mitbestimmung (MITB)
6. Berufung auf Normen und Regeln der Eltern (NORM)
7. Unsicherheit im elterlichen Verhalten (UNSI)
8. Ängstlichkeit und Besorgtheit im elterlichen Verhalten (ANGS)
9. Ermutigung zur kindlichen Eigenaktivität (ERMU)
10. Vermeidung und Distanzierung zum kindlichen Verhalten (DIST)
11. Verbergen elterlicher Konflikte vor dem Kind (VERB)
12. Attribuierung von Erziehungsproblemen in das Kind (ATTR)
13. Identifikation mit kindlichen Problemen (IDKI)
14. Positive Argumentation und Begründung elterlichen Verhaltens (PARG)
15. Konfliktvermeidung und Abbruch der elterlichen Argumentation (KONF)
16. Negative Argumentation als Rechtfertigung elterlichen Verhaltens (NARG)

Im Unterschied zu anderen Testverfahren wird mit dem FEV eine situationsübergreifende Präferenz für Verhaltensweisen bestimmt, die für jede der 16 Verhaltensfaktoren aufgrund zehn unterschiedlicher Erziehungssituationen berechnet wird. Es wird davon ausgegangen, daß die untersuchten Personen in ähnlichen Situationen dazu tendieren, diese in hypothetischen Situationen präferierten Verhaltensweisen in konkreten Situationen ebenfalls zu bevorzugen. Diese Annahme liegt mehr oder minder allen psychologischen Testverfahren zugrunde, sie kann ganz allgemein als Generalisierungshypothese bezeichnet werden. Die wesentliche Information des FEV bezieht sich jedoch nicht auf die Ausprägungen (Häufigkeiten) der einzelnen Verhaltensweisen und auf daraus ableitbaren Prognosen, sondern auf deren relative Ordnung und damit auf daraus ableitbaren Vorhersagen.

Ein Beispiel: hat ein Vater einen Testwert von 60% auf dem Faktor PARG, von 20% auf dem Faktor NARG und von 10% auf dem Faktor KONF, so kann daraus abgeleitet werden, daß er im Durchschnitt in vergleichbaren kritischen Erziehungssituation eher ein positiv argumentierendes Verhalten zeigen wird als negativ zu argumentieren oder das Gespräch überhaupt abzubrechen.

Die 16 Faktoren des FEV erlauben auch die Bestimmung von Konfigurationen (Clustern) elterlichen Erziehungsverhaltens, wobei als Ausgangsdaten für die vorliegenden Berechnungen die Faktorwerte der Elternpaare jeweils gemittelt wurden. Wenn im folgenden daher von elterlichem Verhalten die Rede ist, handelt es sich immer um durchschnittliche selbstperzipierte Verhaltenspräferenzen von Eltern- paaren. Diese Datenreduktion wurde einerseits vorgenommen, um dem strukturalen Konsistenzmaß, das kennzeichnend für beide Elternteile ist, ein durchschnittliches Elternprofil gegenüberzustellen, andererseits auch um die ebenfalls erhobenen Persönlichkeitsmerkmale (s.u.) eines Kindes mit einem elterlichen Merkmal zu vergleichen. Die vorliegende Datenbasis hätte bei der getrennten Berücksichtigung von Väter- und Mütterangaben zu einer in der Darstellung der Beziehungen kaum noch überschaubaren Komplexität geführt.

Anzumerken ist, daß für die in dieser Arbeit herangezogenen Stichproben (s.u.) zwei unterschiedliche Versionen des FEV Verwendung fanden, die allerdings dieselben Verhaltensfaktoren enthalten. Daher wurde in einigen Fällen darauf verzichtet, die Stichproben bei der Darstellung zusammenzufassen.

Die Cluster elterlichen Verhaltens wurden mithilfe des Algorithmus von WARD bestimmt. Dabei ergaben sich für die verschiedenen Versionen des Verfahrens bzw. für die verschiedenen Stichproben weitgehend übereinstimmende Lösungen. Zusammengefaßt können die fünf Cluster wie folgt charakterisiert werden (in Klammern die relativen Häufigkeiten):

1. laissez-faire, geringe Erziehungsintensität (20%)
2. sozial-integrativ, Kindorientierung (13%)
3. überbehütend, hohe Erziehungsintensität (11%)
4. ausgewogen, kindgerecht, lenkend (30%)
5. autoritär-restriktiv, Abwendung vom Kind (26%)

 

Die Stichproben und die verwendeten Verfahren

Die hier referierten Ergebnisse basieren auf vier Stichproben, die bei Validierungsstudien zum FEV (STANGL 1986c) untersucht wurden. Sämtliche Daten sind im Einzelversuch erhoben worden, wobei die Eltern getrennt getestet wurden. Diese Stichproben umfassen nur vollständige Familien mit mindestens einem im Haushalt lebenden Kind. Insgesamt basieren die vorliegenden Daten auf den Untersuchungsergebnissen von 350 Elternpaaren bzw. 700 Personen. Die Stichproben werden im folgenden durch die Angabe der Anzahl der Elternpaare gekennzeichnet. In der folgenden Tabelle einige Merkmale dieser Stichproben.

Die Stichproben unterscheiden sich vor allem hinsichtlich des Alters der Eltern bzw. der Kinder, wobei die zweite Stichprobe (N=33) im Vergleich zu den übrigen Stichproben Eltern von Studenten der Wirtschaftspädagogik umfaßte, während die beiden Stichproben vor allem solche Eltern enthielten, die bis auf einige Ausnahmen Kinder von 6 bis 14 Jahren erziehen. Interessanterweise ist in allen Stichproben die durchschnittliche Anzahl der erzogenen Kinder etwa gleich, doch ist zu bedenken, daß bei den jüngeren Elternstichproben der Familienbildungsprozeß in einigen Fällen noch nicht abgeschlossen ist. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung besteht ein knapp überdurchschnittliches Bildungsniveau, wobei der Anteil der akademisch Gebildeten (15%) überrepräsentiert ist.

Für diese Arbeit werden im folgenden vorwiegend die Ergebnisse der beiden großen Stichproben (N=127 und N=129) herangezogen, in einigen wenigen Fällen zur Überprüfung von Stichprobeneffekten auch die andern.

Allen Stichproben wurde der FEV (s.o.) vorgelegt, der dritten und vierten Stichprobe zusätzlich das "Polaritätsprofil zur Einschätzung der kindlichen Persönlichkeit" (PKP; STANGL 1986b).

Dieses Profil stellt eine Adaptierung eines Polaritätsprofils von ENGFER & SCHNEEWIND (1975) zur Erfassung der kindlichen Persönlichkeit bzw. des kindlichen Verhaltens dar. Dieses Meßinstrument mit 31 jeweils durch mehrere Begriffe gekennzeichneten Polaritäten wurde des weiteren insofern modifiziert, als die fünf möglichen Antwortkategorien mit einer zusätzlichen "beides trifft nicht zu"-Kategorie versehen wurden (vgl. STANGL 1986b). Für die vorliegende Untersuchung wurde aber auf eine besondere Berücksichtigung dieser Kategorie verzichtet, da sie sehr selten gewählt wurde (im Extremfall noch unter 4%); diese Antworten wurden der Mittelkategorie der jeweiligen Polarität zugezählt.

Wie beim FEV wurden beim PKP die Beurteilungen von Vätern und Müttern zusammengefaßt. Verwendet wurden arithmetisch gemittelte Profilwerte. Wie hier nicht im Detail auszuführen ist, bestehen bei der Beurteilung der kindlichen Persönlichkeit zwischen den Eltern oft Unterschiede, die auf ein ähnliches Phänomen verweisen, wie es bei der elterlichen (In)Konsistenz vorliegt. Durch die hier vorgenommene Mittelung von Mütter- und Väterurteilen kommt es insgesamt zwar zu einer Verbesserung der Objektivität der Einschätzungen, mögliche gemeinsame (konsistente!) Wunschvorstellungen werden allerdings auch verstärkt widergespiegelt. Auch ENGFER & SCHNEEWIND (1975) vermuten einen starken Einfluß elterlicher Wunschvorstellungen in solche subjektiven Bewertungen.

Aufgrund der Elternurteile über die kindliche Persönlichkeit können ebenfalls Cluster der kindlichen Persönlichkeit berechnet werden. In dieser Arbeit wird allerdings auf die Profildaten zurückgegriffen, da die bei den beiden Stichproben gefundenen Gruppierungen im Gegensatz zu den FEV-Lösungen nicht vergleichbar sind.

Die Altersverteilung der mit dem PKP beurteilten Kinder ist in Abbildung 1 dargestellt.

Die Jugendlichen, die 16 Jahre und älter sind, wurden deshalb in der Stichprobe beibehalten, da sich in bezug auf die untersuchten Merkmale keine altersspezifischen Einflüsse nachweisen ließen (s.u.). Wesentliches Kriterium für die Auswahl der Stichprobe war, daß die betreffenden Kinder noch im Familiensystem leben und damit unter dem Einfluß elterlicher Erziehung stehen.

Ergebnisse

Aus Gründen der Übersicht werden die Ergebnisse gemeinsam mit den Interpretationen dargestellt. Da das Ziel dieser Arbeit weniger bei inhaltlichen Analysen liegt als bei einer allgemeinen Überprüfung der Eignung des vorgestellten Konstruktes, wird das Signifikanzniveau der statistischen Prüfungen generell mit 10% festgelegt. Beim derzeitigen Stand der Theorienbildung im Bereich der (In)Konsistenzforschung ist m.E. eine strengeres Signifikanzniveau nicht angebracht. In der Erziehungs- stilforschung wird ohnehin durch die einseitige Bevorzugung statistischer Auswertungstechniken (insbes. auf der Basis von Mittelwerten und Korrelationen) nur auf Aggregate (Stichproben) eingegangen, sodaß die Suche nach Gesetzmäßigkeiten und damit die Entwicklung profunder Theorien für die individuelle Ebene vernachlässigt wird (vgl. LUKESCH 1980, S. 81ff). Beim Konstrukt der (In)Konsistenz handelt es sich ja primär um ein Individualkonstrukt, sodaß eine idiographische Vorgehensweise angebracht ist, die die Besonderheit des Einzelfalls berücksichtigt (vgl. STANGL 1985). Die Vergleiche zwischen verschiedenen Probandengruppen dienen daher vorwiegend zur Illustration, eine weitreichende Generalisierung der Aussagen ist bei den bisher vorliegenden Daten auch aufgrund der Stichprobenauswahl nicht angezeigt und für das Konstrukt der Konsistenz auch nur in eingeschränktem Maße sinnvoll.

Vergleiche mit bisherigen Untersuchungen zum Konsistenzkonstrukt sind zwar aufgrund der unterschiedlichen Operationalisierungen nur bedingt möglich (s.o.), dennoch wird auf einige dieser Arbeiten bezug genommen, wenn sie die vorgetragene Argumentation stützen.

Die Ausprägung der elterlichen Konsistenz

Ein wichtiges Merkmal jeder psychologischen Variable stellt die Streuung bzw. Variabilität dar, d.h. übertragen auf das Konstrukt der Konsistenz elterlichen Erziehungsverhaltens, daß es nur dann sinnvollerweise zur Beschreibung oder Erklärung von Beziehungen in einem Familiensystem herangezogen werden kann, wenn es differentielle und vergleichende Aussagen ermöglicht. In Abbildung 2 ist die Verteilung der berechneten Konsistenzmaße (Rangkorrelationen) für alle vier Stichproben wiedergegeben.

Die Konsistenzen liegen weitgehend im Bereich der positiven Korrelationen, wobei der Mittelwert bei den vier Stichproben bei Rø=0.47 liegt (bei N=61: Rø=0.52; bei N=33: Rø=0.49; bei N=129: Rø=0.45; bei N=127: Rø=0.47). Der Median liegt bei R=0.55, der Modus der Verteilung bei R=0.53. Das Minimum der Verteilung liegt bei R=-0.85, das Maximum bei R=0.98. Die Streuung des Merkmals (s=0.26) deutet darauf hin, daß das Konsistenzmaß in diesen Stichproben differentielle Aussagen über ein einzelnes Familiensystem zuläßt. Für die vorliegenden Stichproben kann weiters der Schluß gezogen werden, daß durchschnittlich gesehen Väter und Mütter in ihrem präferierten Verhalten gegenüber ihren Kindern in einem durchschnittlichen Ausmaß übereinstimmen. Es zeigt sich aber auch, daß es Familiensysteme gibt, in denen die Präferenzordnungen elterlicher Verhaltensweisen wenig bis gar nicht übereinstimmen. Diese Resultate bestätigen die Überlegungen von SIEGMUND & FISCH (1984; s.o.), wobei hier die Konsistenz auf ein individuales System und nicht wie bei diesen Autoren auf Einzelpersonen bezogen ist.

Diese für die Gesamtstichprobe gefundene mittlere Konsistenz entspricht auch den Ergebnissen von KROHNE, ROGNER & SCHAFFNER (1980) und WAGNER (1985), die eine durchschnittlich ausgeprägte Übereinstimmung väterlicher und mütterlicher Konsistenz fanden.

Bezogen auf korrelative Vergleiche von einzelnen Erziehermerkmalen etwa bei SEITZ & JANKOWSKI (1969; deutsche Kurzfassung des PARI) liegen unsere Werte höher, im Vergleich zu BRINKMANN & LAZARUS-MAINKA (1980; Marburger Skalen) etwas niedriger. Hier dürfte die Datenquelle bzw. die Operationalisierung von Einfluß sein.

Eine Verteilungsprüfung (KOLMOGOROV-SMIRNOV-Test) der Konsistenz- maße ergab, daß die Verteilung der Koeffizienten annähernd normal ist. Die für Korrelationskoeffizienten üblicherweise angenommene stark asymme- trische Verteilung konnte nicht bestätigt werden, sodaß auf die sonst vor- zunehmende Z-Transformation nach FISHER verzichtet wurde. Für weitere Analysen (z.B. Extremgruppenvergleiche) werden in manchen Fällen drei Gruppen von Eltern unterschieden: gering konsistent (R0.33), durch- schnittlich konsistent (R0.34 und R0.66) und hoch konsistent (R 0.67).

Elterliche Konsistenz und Merkmale der Eltern

Im Antwortbogen zum FEV werden neben üblichen demographischen Merkmalen auch einige subjektive Aspekte des Familiensystems aus der Sicht der Eltern erfaßt. Mit diesen Variablen wurden für alle Stichproben Produktmomentkorrelationen mit der elterlichen Konsistenz berechnet, und zwar getrennt für Väter und Mütter. Diese sind in Tabelle 2 dargestellt.

Bei den demographischen Merkmalen der Eltern bestehen keine nennens- werten Zusammenhänge mit der Konsistenz, die Korrelationen bei den Teilstichproben variieren bis auf das Alter sogar zwischen positivem und negativem Bereich. Ähnliches gilt für die Einschätzung der Einflußfaktoren auf die kindliche Erziehung. Auch hier finden sich keine schlüssigen und konsistenten Beziehungen. Bei den übrigen erfaßten Merkmalen findet sich in einigen Stichproben ein geringer Zusammenhang mit der subjektiven Einschätzung der Zufriedenheit mit der eigenen Erziehungssituation (sie wurde mit einer siebenstufigen Ratingskala {Gesichteritem} erfaßt). Die Höhe der Korrelationen variiert bei den beiden Elternteilen in den verschiedenen Stichproben annähernd gleichförmig, diese Zusammenhänge sind daher vermutlich stichproben- und nicht elterngeschlechtsspezifisch. Keine eindeutigen Beziehungen bestehen auch zum Vergleich mit der Erziehung durch die eigenen Eltern und der subjektiven Bewertung des Zeitausmaßes, das mit den eigenen Kindern verbracht wird.

Die Vermutung, daß einige der berechneten Zusammenhänge vom Alter der Eltern bzw. der Kinder abhängen, konnte durch die Berechnung von Partialkorrelationen nicht bestätigt werden. Die Koeffizienten verändern sich nur unwesentlich (höchstens ±0.01) und werden deshalb nicht mitge- teilt.

Elterliche Konsistenz und elterliches Erziehungsverhalten

Es stellt sich die Frage, aufgrund welcher Unterschiede im elterlichen Verhalten die Konsistenzen bzw. Inkonsistenzen zustandegekommen sind. Zur Überprüfung dieser Frage wurden die Elternpaare der Stichproben N=129 und N=127 in drei Konsistenzgruppen zusammengefaßt (s.o.) und die Ausprägungen in den Faktoren des FEV berechnet, wobei die Präferenz- werte von Vätern und Müttern zusammengefaßt und gemittelt wurden. In Tabelle 3 sind die Verhaltenspräferenzen für diese beiden Teilstichproben wiedergegeben.

Es zeigt sich, daß die Konsistenz vor allem vom Ausmaß der Ermutigung und der positiven Argumentation abhängt, und zwar in der Weise, daß diese elterlichen Verhaltensweisen bei hoher Konsistenz stärker ausgeprägt sind als bei geringer Konsistenz. Diese und weitere Zusammenhänge mit anderen Faktoren können insgesamt als Hinweis darauf betrachtet werden, daß eine hohe Übereinstimmung der elterlichen Verhaltensweisen mit einem als eher günstig zu bewertenden psychologischen und pädagogischen Klima in einer Familie einhergeht. Dieser Zusammenhang wird auch dadurch bestätigt, daß die eher negativ zu bewertenden elterlichen Ver- haltensweisen (Distanzierung, Normorientierung, Konfliktvermeidung und negative Argumentation) in Familiensystemen mit geringer Konsistenz tendenziell stärker ausgeprägt sind. Obwohl bei diesen beiden Stichproben zwei verschiedene Versionen des FEV angewendet wurden (s.o.), stimmen die Richtungen der Zusammenhänge nahezu in allen Faktoren überein.

Eine Überprüfung dieser Zusammenhänge wurde auch auf Clusterebene vorgenommen. Dafür wurden nur die beiden Stichproben N=127 und N=129 herangezogen und die mittleren Konsistenzen für die fünf Elterntypen berechnet.

In Familiensystemen mit autoritär-restriktivem Elternverhalten findet sich in beiden Stichproben das weitaus geringste Ausmaß an Übereinstimmung zwischen den elterlichen Verhaltenspräferenzordnungen. Dabei besteht vor allem ein Unterschied zum ausgewogenen, kindgerechten Verhalten. Differenzen zwischen anderen Gruppen sind statistisch nicht zu sichern.

KROHNE et al. (1986) berichten Beziehungen zu den Faktoren Tadel, Ein- schränkung und Strafintensität, wobei keine besonderen geschlechtsspezi- fischen Einflüsse (sowohl hinsichtlich des Eltern- als auch des Erzogenen- geschlechts) nachgewiesen wurden. Obwohl kein direkter Vergleich auf- grund der unterschiedlichen Operationalisierungen möglich ist, weisen die gefundenen Ergebnisse in eine ähnliche Richtung. Vermutlich geht autori- tär-restriktives Verhalten mit inkonsistentem Verhalten der Eltern einher.

Auch ein Vergleich mit den von KROHNE et al. (1980) mitgeteilten Korrelationen zwischen elterlicher Inkonsistenz einerseits und Lob, Tadel, Unterstützung und Einschränkung andererseits, ist mit unseren Ergebnissen nur bedingt möglich (aufgrund der Unterscheidung von väterlichem und mütterlichem Verhalten jeweils in bezug auf Jungen und Mädchen liegen insgesamt vier Koeffizienten vor), doch da einige Faktoren des FEV ähnliche Aspekte des Erziehungsverhaltens messen, wurden diese Korrelationen zu einem Vergleich herangezogen. In allen Fällen zeigen sich ähnliche Tendenzen in der Richtung des Zusammenhangs, diese sind allerdings bei Betrachtung der verschiedenen Eltern-Kind Konfigurationen beim FEV konsistenter ausgeprägt. Das kann zumindest zum Teil darauf zurückgeführt werden, daß bei der Konstruktion des FEV darauf Wert gelegt wurde, nur einen Teil (ca. die Hälfte) der Verhaltensalternativen elterngeschlechtsspezifisch zu formulieren.

Bei KROHNE et al. (1984, S. 308) findet sich die Hypothese, daß Eltern (aus der Sicht der Kinder) bei der Erziehung von Mädchen weniger übereinstimmen als bei der Erziehung von Jungen. Die Autoren vermuten, daß Väter bei der Erziehung der Mädchen eher eine kompensatorische Funktion erfüllen. Übertragen auf das hier vorgestellte Konzept müßte daher in Mädchenfamilien eine höhere Konsistenz gefunden werden. Diese Vermutungen können aufgrund der vorliegenden Daten nicht bestätigt werden. Es scheint, daß insgesamt die oft postulierten eltern- und kindgeschlechtsspezifischen Erziehungsstile vermutlich stark von der Datenquelle abhängen. In einer derzeit laufenden Untersuchung werden diese Zusammenhänge näher untersucht. Es darf auch vermutet werden, daß die Verhaltensweisen eines Elternteils häufig vom anderen kompen- satorisch ausgeglichen werden.

Elterliche Konsistenz und kindliche Persönlichkeit

Eine wesentliche Frage zum Konsistenzkonstrukt betrifft den Aspekt der funktionalen Valenz, d.h., welche Auswirkungen hat (In)Konsistenz elter- lichen Verhaltens auf die kindliche Persönlichkeit? Wie schon erwähnt, darf dieser Aspekt unter einer interaktionistischen Perspektive nicht als monokausal bzw. unidirektional verstanden werden, vielmehr muß von komplexen Wechselwirkungen innerhalb eines Familiensystems ausgegan- gen werden. Dennoch können aufgrund der vorliegenden Ergebnisse einige tendenzielle Befunde mitgeteilt werden, die diese Beziehungen betreffen. Zu diesem Zweck bietet sich ein Extremgruppenvergleich (s.o.) zwischen den Gruppen mit geringer und hoher Konsistenz an, wobei die beiden Stichproben N=129 und N=127 in der Darstellung zusammengefaßt werden.

Von den insgesamt 31 durchschnittlichen Profilwerten in den beiden Extremgruppen sind bei 15 Polaritäten zumindest in einer der zwei Teil- stichproben statistisch gesicherte Unterschiede zu finden. Die Differenzen in den beiden Stichproben sind in 21 von 31 Fällen gleichsinnig ausgeprägt. Vermutlich handelt es sich in einigen Fällen um stichprobenspezifische Phänomene (vgl. die unterschiedlichen Clusterlösungen zum PKP).

In Familiensystemen mit sich inkonsistent verhaltenden Eltern treten im Vergleich zu solchen mit hoher elterlicher Konsistenz vor allem jene Kind- merkmale und -verhaltensweisen stärker ausgeprägt auf, die im allge- meinen von Eltern eher negativ bewertet werden. Es kann vermutet werden, daß ein beträchtlicher Teil der gemeinsamen Varianz innerhalb der Datenquelle zu suchen ist.

Betrachtet man die untersuchten Merkmale einzeln, so finden sich zunächst solche, die eine gewisse Instabilität der kindlichen Persönlichkeit zum Ausdruck bringen:

ungeduldig,
unaufmerksam/unkonzentriert/leicht ablenkbar,
launisch/unruhig/wankelmütig,
nervös/leicht erregbar,
unpünktlich/unverläßlich,
oberflächlich/ungenau/unordentlich/schlampig,
schwindelt/unehrlich.

Diese Merkmale spiegeln bis zu einem gewissen Grad die elterliche In- konsistenz wider. Die Beziehungen in einem solchen Familiensystem dürf- ten bei allen Beteiligten eine hohe, wechselseitig bedingte, Unsicherheit mit sich bringen. Die im Konzept der "gelernten Hilflosigkeit" (SELIGMAN 1975) postulierten ungünstigen Lernvoraussetzungen in sozialen Beziehungen, in denen nur eine geringe Vorhersagbarkeit von Verhaltensergebnissen besteht, dürften in solchen Familiensystemen gegeben sein, wobei nicht nur die Eltern-Kind-Beziehungen beeinträchtigt scheinen.

Das von LÜCKERT (1964) als Wechsel- oder Kontrasterziehung bezeichnete elterliche Erziehungsverhalten mit den beiden Reaktionsmöglichkeiten für das Kind (Verstellung bei starken bzw. Entschlußlosigkeit bei schwachen Kindern) scheint von den vorliegenden Ergebnissen tendenziell bestätigt zu werden. Darauf deuten auch die Ausprägungen jener Merkmale hin, die eine gewisse Entschluß- und Handlungsschwäche des Kindes kennzeichnen:

leicht zu entmutigen/geringes Durchhaltevermögen,
unselbständig/hilfsbedürftig,
unüberlegt/unvorsichtig,
willensschwach/ohne Ehrgeiz,
zaghaft/umständlich,
ernst/bedrückt/pessimistisch.

KROHNE et al. (1980) berichten positive Zusammenhänge mit Prüfungsangst bzw. manifester Angst und mit Furcht vor Mißerfolg (allerdings nicht für alle möglichen Eltern-Kind-Konfigurationen, s.o.). Unsere Ergebnisse tendieren in dieselbe Richtung, aber auch hier dürften Varianzanteile der Datenquelle mit inhaltlicher Varianz konfundiert sein.

WAGNER (1985) findet (allerdings nur bei Mädchen) signifikante Zusammenhänge zwischen elterlicher Inkonsistenz und Abhängigkeit. Dieses Ergebnis wird durch die vorliegenden Daten gestützt. In dieser Untersuchung werden weiters positive Zusammenhänge zwischen elterlicher Konsistenz und der Ausprägung des kindlichen Selbstkonzeptes (günstiges Selbstwertgefühl) berichtet. Auch diese Ergebnisse werden tendenziell gestützt (vgl. auch COOPERSMITH 1967). Kinder in konsistenten Familiensystemen lernen demnach eher zwischen Selbst und Nichtselbst, zwischen eigenen Wünschen und Bedürfnissen und denen anderer Personen zu differenzieren, was ihnen zu einer besseren Selbstdefinition verhilft. Konsistente Eltern ermöglichen damit den Aufbau einer stabilen kognitiven Struktur, während inkonsistente Eltern ihren Kindern das Erkennen und die Übernahme von gültigen Bewertungssystemen erschweren (vgl. WAGNER 1985, S. 16f). Die Folge davon können "unan- gemessene" Verhaltensweisen des Kindes sein, die ihrerseits von den Eltern meist negativ bekräftigt werden, sodaß ein Teufelskreis entsteht.

Diese "unangemessenen" Reaktionen der Kinder könnten in den folgenden Merkmalen angesprochen sein, die auf kindlichen Widerstand verweisen:

robust/hart/widerstandsfähig,
egoistisch,
eigensinnig/eigenwillig/hartnäckig/dickköpfig,
starkes Durchsetzungsvermögen/herrschend,
ungefällig/abweisend.

Vergleiche mit den Untersuchungen von SEITZ (1980a, 1980b), PERREZ et al. (1981) bzw. TIEDEMANN et al. (1981) und den dort postulierten Zusammenhängen von elterlicher Inkonsistenz und Delinquenz bzw. Verhaltensauffälligkeiten sind mit diesen "normalen" Stichproben natürlich nicht angebracht, doch läßt sich unter dem Aspekt elterlicher Attribution von vorwiegend negativ bewerteten Kindmerkmalen ein gewisser tendenzieller Zusammenhang herstellen.

McCORD et al. (1961, S. 85f) vermuten einen direkten Zusammenhang zwischen elterlicher Inkonsistenz und kindlicher Aggression: "The majority of the parents in the study disciplined their children in an 'erratic' fashion: for the same action the child was sometimes severely punished while, at other times, he was allowed (or even encouraged) to continue in his behavior. … The nonaggressive children were raised by parents (particularly by mothers) who used consistent methods of discipline, while the converse tended to be true of the assertive and the aggressive boys".

Einige Merkmale deuten weiters auf intellektuelle Schwächen hin:

unbegabt/uninteressiert/langsames Auffassungsvermögen,
ungeschickt.

KROHNE et al. (1980) finden bei Mädchen einen positiven Zusammenhang zwischen Inkonsistenz und sinkender Schulleistung. Jedoch kann auch hier keine eindeutige Wirkrichtung des Zusammenhanges angegeben werden.

Personen in inkonsistenten Familiensystem neigen vermutlich dazu, sich den unterschiedlichen Anforderungen der Interaktionspartner durch die Entwicklung von "Überlebensstrategien" anzupassen. Einige Zusammen- hänge weisen zwar darauf hin, daß inkonsistentes Elternverhalten von den Kindern provoziert bzw. "gefördert" werden kann (so kann der Widerstand eines Kindes zu inkonsistentem Elternverhalten führen, z.B. wenn ein Elternteil eher nachgiebiger ist als der andere), doch es kann aber auch inkonsistentes Elternverhalten beim Kind seinerseits Widerstand hervor- rufen, da es in einem solchen Fall nicht weiß, wie es sich verhalten soll. Es ist auch denkbar, daß ein anderes Kind unter den gleichen Bedingungen an diesen Problemen wächst und so in seiner Persönlichkeitsentwicklung "gefördert" wird. Die Annahme linearer Zusammenhänge und Trends im Erziehungsgeschehen wird auch von anderen Autoren (vgl. etwa KROHNE & ROGNER 1981/82) bezweifelt.

 

Diskussion und Ausblick

Die hier vorgestellte Operationalisierung des Konstruktes der elterlichen (In)Konsistenz soll als erster Versuch verstanden werden, dieses Merkmal elterlichen Erziehungsverhaltens einer eingehenden und systematischen Untersuchung zuzuführen. Es muß jedoch eingeschränkt werden, daß aufgrund der hier verwendeten Stichproben noch keine weitreichenden Verallgemeinerungen möglich sind. Die bisher vorliegenden Ergebnisse und Erfahrungen zeigen, daß sich die gewählte Operationalisierung des Konstruktes bewährt, und daß eine strukturale Bestimmung der Konsistenz des Erziehungsverhaltens eine vielversprechende Möglichkeit darstellt, von der trait-Lastigkeit des Erziehungsstilskonzeptes zu einer systemischen Betrachtung des Erziehungsgeschehens voranzuschreiten.

Die Analyse von Erziehungssystemen mit inkonsistent handelnden Erziehern kann gerade für die Praxis (z.B. in der Erziehungsberatung, bei der Ausbildung von Erziehern) von großer Bedeutung sein. In den bisher vorliegenden Untersuchungen gibt es einige Hinweise, daß in solchen Systemen Reibungsflächen und potentielle Konfliktfelder zwischen den Interagierenden bestehen. Das hier vorgestellte strukturale Maß bezieht sich in erster Linie auf Konflikte zwischen den Elternteilen, wobei damit sowohl unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung (Einstellungen, Zielen) als auch damit verbundenen Praktiken (Methoden) angesprochen werden. Diese unterschiedlichen Auffassungen von Erziehung sind den betroffenen Eltern vermutlich nur in geringem Ausmaß bewußt, sie äußern sich vermutlich in manchen Fällen als elterliche Konflikte, in den meisten Fällen aber wohl nur indirekt über die Wirkungen dieser Erziehung.

Gerade diese indirekten Auswirkungen sind unter einer pädagogischen Fragestellung von größtem Interesse. "A natural effect of such parental conflict would be that the son tended to reject his family and the values that the parents represented. … This tendency for the aggressive children to separate themselves from their families was also revealed in their attitudes towards their siblings" (McCORD et al. 1961, S. 90f). Diese indirekten Auswirkungen elterlicher Inkonsistenz sind in der Regel nur sehr schwer empirisch nachzuweisen, sie verbergen sich meist in komplexen Wechselwirkungen mit anderen familialen Merkmalen. Dabei ist vor allem an kompensatorische Mechanismen innerhalb der Eltern- oder Kindpersönlichkeiten zu denken, welche die ausgeübte bzw. erfahrene Erziehung und die daraus resultierenden Probleme abschwächen können. Es kann aber auch vermutet werden, daß es innerhalb von Familiensystemen Mechanismen gibt, die die ausgeübte bzw. erfahrene Inkonsistenz zusätzlich verstärken.

Vor allem die gefundenen Zusammenhänge der elterlichen (In)Konsistenz mit kindlichen Persönlichkeitsmerkmalen verweisen auf komplexe Wechselbeziehungen in den untersuchten Familiensystemen. Betrachtet man die Beziehungen zwischen elterlicher Konsistenz und elterlichem Verhalten auf der einen Seite und die Beziehungen zwischen elterlicher Konsistenz und kindlicher Persönlichkeit auf der anderen Seite, so ergibt sich ein relativ abgerundetes Bild von Familiensystemen mit stabilen und förderlichen sozialen Beziehungen einerseits, und von Systemen mit eher instabilen und hemmenden Beziehungsmustern andererseits. Vom Standpunkt der Praxis her sind naturgemäß vor allem solche Erziehungssysteme interessant, die aufgrund von vorhandenen Problemen eine Intervention bzw. Veränderung nahelegen. Diese "negative" Problemorientierung bedarf m.E. aber auch einer explizit - und nicht bloß implizit vorausgesetzten - "positiven" Orientierung, die sich in Form von Fragen etwa so formulieren läßt: Unter welchen Bedingungen treten in einem Erziehungssystem die wenigsten Probleme auf? In welchen Systemen läßt sich Erziehung für alle Beteiligten optimal verwirklichen? Welche präventiven und unterstützenden Maßnahmen fördern die Entwicklung des Educanden? Welche Hilfestellungen können Eltern bei ihrer Erziehungsaufgabe von einer institutionalisierten Beratung erwarten?

Eine Bedeutung des hier untersuchten Phänomens liegt auch darin, daß in der Familie als primärem Sozialisationsfeld die grundlegenden Fähigkeiten zum Aufbau von sozialen Beziehungen erworben bzw. gelernt werden. Zahlreiche Untersuchungen zu den Auswirkungen der frühkindlichen Sozialisation zeigen, daß spätere Erfahrungen diese ersten Erfahrungen und Eindrücke nur sehr schwer und kaum noch grundlegend beeinflussen können.

Das sich in den erzieherischen Praxisfeldern immer mehr durchsetzende interaktionistische und systemische Paradigma ist ein deutlicher Hinweis darauf, das Erziehungsgeschehen nicht als Oberflächenphänomen zu betrachten und sich mit dem empirischen Hinweis auf Beziehungen zu anderen Oberflächenphänomenen zu begnügen (vgl. LUKESCH 1980, S. 81). Es scheint notwendig, empirisch und praktisch gehaltvolle Theorien zu entwickeln, die nicht bloß aufgrund marginaler (aber signifikanter) Resultate zustandekommen.

Diese Arbeit soll daher als Anregung verstanden werden, mit anderen Verfahren zur Erfassung elterlichen Erziehungsverhaltens eine Überprü- fung des hier vorgestellten Konstruktes vorzunehmen. Ähnliche Hierarchie- vergleiche könnten auch für Erziehungseinstellungen und Erziehungsziele (vgl. STANGL 1982) vorgenommen werden, wobei eine Einschränkung auf elterliches Verhalten nicht unbedingt angezeigt ist. So dürfte die Untersu- chung von anderen erziehenden Personen (z.B. Lehrern oder institutionel- len Erziehern) im Hinblick auf die Konsistenz ihres Verhaltens bestimmten Zöglingen gegenüber einen tieferen Einblick in das Erziehungsgeschehen gestatten. Auch die u.U. für den Erzogenen notwendige und daher förder- liche Inkonsistenz beim Erlernen verschiedener sozialer und geschlechts- spezifischer Rollen könnte unter dem hier vorgestellten Konstrukt eingehender als bisher untersucht werden.

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Auch als pdf-Datei:
Konsistenz elterlichen Erziehungsverhaltens. Psychologische Beiträge 1987, 29, 349-375. (pdf, 416kb)

  

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