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[aus den Arbeitsmaterialien für Elternschulen]

Stufen der Sensumotorischen Entwicklung (0 bis 1;6/2;0 Jahre) nach Jean Piaget

Bereits im Alter bis ca. 18/24 Monaten gibt es intelligente Anpassungen des Kindes an seine Umwelt. Allerdings erfolgen diese vorwiegend noch in der Form, daß spontane Handlungen (zunächst aufgrund angeborener reflektorischer Schemata) mit gerade vorhandenen Wahrnehmungseindrücken koordiniert werden (z. B. eine Rassel schütteln oder ein Mobile bewegen). In dieser Phase baut das Kind über eine immer größer werdende Reihe von primären, sekundären und tertiären Kreisprozessen (zunächst Lutschen, dann Greifen und später Hantieren) die Gesamtheit der kognitiven Substrukturen für die späteren wahrnehmenden und intellektuellen Konstruktionen auf. Daher ist diese Phase grundlegend für die spätere kognitive Gesamtentwicklung eines Kindes (Hospitalismus).

Die sensumotorische Entwicklung unterteilt Piaget in sechs Stufen ein:

1. Stufe: Übung angeborener Reflexmechanismen (erste Differenzierung von Reizen)
Das angeborene Verhaltensrepertoire (z.B. Saug-, Greif-, Schluckreflex usw.) wird auf dieser ersten Stufe geübt, was zur Konsolidierung der gegebenen Schemata und zu deren Anpassung an die Umwelt (Differenzierung) führt. Das Saugen an der Mutterbrust ist etwas anderes als das Saugen an einer Flasche

2. Stufe: primäre Kreisreaktionen (einfache Reiz-Reaktionsmuster)
Eine Handlung, die zu einem angenehmen Ergebnis geführt hat, wird wiederholt. Erste Gewohnheiten und Fähigkeiten bilden sich heraus. Handlungsschemata wie Greifen, Saugen und einen Gegenstand anblicken werden auf immer mehr Gegenstände angewandt. Piaget nennt das generalisierende Assimilation, (Einverleibung) von Umweltgegebenheiten in die eigenen "Handlungsorgane".

3. Stufe: sekundäre Kreisreaktionen (Mittel zum Zweck)
Diese Stufe ist durch die Differenzierung zwischen. Mittel und Zweck gekennzeichnet. Der Säugling (ca nach dem 4. Lebensmonat) entdeckt, daß bestimmte Handlungsweisen immer wieder zu einem Ergebnis führen, also ein Mittel zur Erreichung eines bestimmten Zeckes sind.

4. Stufe: Koordination der erworbenen Handlungsschemata und ihre Anwendung auf neue Situationen (Versuch-Irrtum)
Hier findet eine systematische Anwendung mehrerer Handlungsschemata auf den gleichen Gegenstand statt. Das Kind verhält sich so, als wolle es ausprobieren, wozu ein Gegenstand gut sei. Die Handlungsschemata werden den Gegenständen angepaßt. Schemata werden koordiniert (greifen u. werfen; an den Mund führen u. beißen).

5. Stufe: tertiäre Kreisreaktionen (es muß auch anders gehen)
Die Entdeckung neuer Handlungsschemata durch aktives Experimentieren. Z.B. systematisches Probieren einen Ball auf andere Weisen zu werfen, mit einer-, mit zwei Händen, aus geringer oder großer Höhe etc.

6. Stufe: Übergang vom sensumotorischen Intelligenzakt zur Vorstellung (was wäre wenn?)
In der Mitte des 2. Lebensjahres kann ein Kind in der Vorstellung die Ergebnisse seines Handelns antizipieren. Praktisches Probieren ist nicht mehr notwendig, da Handlungen innerlich vollzogen zu werden scheinen. Diese Verinnerlichung von Handlungen charakterisiert den Übergang zum Denken.

Die sensumotorische Entwicklung ist hier noch nicht abgeschlossen. Sie tritt vielmehr überall dort in Erscheinung, wo es gilt neue Fertigkeiten (z.B. in Handwerk und Sport) zu lernen. Sie kann also auch in späteren Lebensabschnitten wirksam sein. Der Unterschied liegt darin, das eine zu lernende Fertigkeit schon in der Vorstellung antizipiert wird (mentales Training bei Spitzensportlern).

Die für die sechste Stufe der sensumotorischen Entwicklung charakteristischen Verinnerlichungsprozesse beschreibt Piaget als Entwicklung einer Repräsentations- oder Symbolfunktion. Er unterscheidet Objektpermanenz, Nachahmungsverhalten und Symbolhandlungen:

Objektpermanenz (nicht mehr: aus den Augen, aus dem Sinn)

Zwischen dem sechsten und achten Monat beginnen Kinder, nach einem versteckten Gegenstand (der vorher sichbar war) aktiv zu suchen. Ein nicht sichtbares Suchziel muß innerlich repräsentiert sein.

 

 

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