Psychotechnische
"Schulen":
Neurolinguistisches Programmieren - NLP
Diese aus verschiedenen Quellen von Richard Bandler und John Grinder zusammengesetzte Psychotechnik praktiziert Verhaltenskonditionierung nach Pawlow auf einfachstem Niveau und verbrämt sie bisweilen mit tiefenpsychologischen Vorstellungen und familientherapeutischen Schlagworten. Dazu trägt auch die nirgends belegte "Geschichte" bei, als sich die Begründer fragten warum einige Startherapeuten über beinahe magische Fähigkeiten zu verfügen scheinen, sie aber angeblich nicht an andere weitergeben konnten (was nach Faktenlage offenkundiger Unsinn ist, denn alle drei Therapierichtungen leisten auch heute noch äußerst erfolgreicher psychologische Arbeit). Wußten die Meister selbst nicht, was sie eigentlich machten? Daher analysierten sie mit kaum dokumentierten Methoden das Vorgehen von Fritz Perls (Begründer der Gestalttherapie), Virginia Satir (Familientherapeutin) und Milton Erickson (Hypnotiseur) und gaben bekannt, sie hätten die "Struktur der Magie" (so ihr Buchtitel) enträtselt. Darin führten sie aus, daß Menschen die Welt verschieden erleben, weil sie unterschiedliche Repräsentationssysteme benutzen: Manche bevorzugen Bilder, anderen sind Gefühle wichtiger. Das Geheimnis der Magier sei, daß sie sich ihren Klienten anpaßten: Denkt der Klient in Bildern, sprechen sie mit ihm eine visuelle Sprache ("Ich sehe Ihr Problem ..."). Ist er gefühlsorientiert, folgen sie ihm ("Ich habe das Gefühl, dies ist jetzt sehr wichtig"). Wie der Klient denkt, läßt sich angeblich zum einen aus seinen Formulierungen ableiten ("Mein Leben sieht leer aus"). Videos und Texte, die sich mit der NLP-Arbeit an mentalen Bildern befassen, zeigen, daß NLP-Trainer wie Bandler (1985) nach dem Muster verfahren, daß sie angenehme Erfahrungen mit Farbe und Helligkeit usw. verbinden und deren Intensität bei unangenehmen Erinnerungen reduzieren. Oft versuchen sie auch in therapeutischer Absicht, eine Gruppe von Submodalitäten zu verändern, indem sie Bilder mit Klängen und Gefühlen verbinden um die Wirkung zu verstärken oder abzuschwächen.
Visuell
- Assoziiert (durch die eigenen Augen gesehen) oder dissoziiert (sich selbst betrachtend). Bist du in dem Bild oder siehst du dich in dem Bild?
- Standort (z.B. links oder rechts, oben oder unten). Wo ist das Bild?
- Abstand der Person vom Bild
- Größe. Ist es groß oder klein?
- Tiefe. 2 dimensional oder 3 dimensional?
- Farbe. Bunt oder schwarz-weiß?
- Kontrast, Klarheit. Klar oder verschwommen?
- Helligkeit. Hell oder dunkel?
- Bewegung (wie in einer Film- oder Diavorführung). Ist das Bild bewegt wie ein Film oder steht es still?
- Geschwindigkeit (schneller oder langsamer als üblich)
- Anzahl (Geteilter Bildschirm oder mehrere Bilder)
- Rahmen. Ist ein Rahmen um das Bild?
Auditiv
- Stimme oder Geräusch?
- Aus welcher Richtung kommt das Geräusch?
- Lautstärke. Laut oder leise?
- Ton (weich oder hart)
- Tonhöhe. Hell oder dunkel?
- Entfernung. Von nah oder von fern?
- Dauer. Anhaltend oder unterbrochen?
- Mono oder Stereo?
- Geschwindigkeit (schneller oder langsamer als normal)
- Transparenz (klar oder getrübt )
Kinästhetisch
- Emotion oder taktile Empfindung?
- Gewicht (leicht oder schwer)
- Druck (hart oder weich)
- Ort. Wo ist das Gefühl?
- Fläche. Groß oder klein?
- Form. Welche Form hat es?
- Textur, Konsistenz. Rauh oder glatt oder wie?
- Bewegung. Still oder fließend?
- Intensität. Stark oder eher schwach?
- Dauer. Konstant oder mit Unterbrechungen?
- Temperatur. Warm oder kalt?
Olfaktorisch
- Wie riecht es?
Gustatorisch
- Wie schmeckt es?
Quellen:
http://www.grube-trainings.de/
www.grube-trainings.de/
Idealgewicht/submods.htm (03-06-28)
O'Connor, J. & Seymour, J, (1990). Introducing Neuro Linguistic Programming. Mandala, London.
Zum
anderen wollen Bandler und Grinder herausgefunden haben, wie sie aus
der Blickrichtung eines Klienten sein
Repräsentationssystem erkennen können:
Augenbewegungen gelten daher als Indikator für Zugriffe auf
verschiedene Bereiche des Gedächtnisses. Die Richtung, in die
eine Person sieht während sie sich etwas aus dem Gedächtnis
ins Bewusstsein ruft, gibt Auskunft über die Art dieser
Erinnerung. Das Modell von Bandler und Grinder unterscheidet zwischen
sechs Abstufungen, die aus Sicht der sich erinnernden Person
angegeben werden:
- Oben rechts. Visuell konstruiert (VK). Bilder und visuelle Vorstellungen.
- Oben links. Visuelle erinnert (VE). Bilder.
- Horizontal rechts. Auditiv konstruiert (AK). Klänge, Geräusche, Töne und Worte.
- Horizontal links. Auditiv erinnert (AE). Klänge, Geräusche, Töne und Worte.
- Unten rechts. Kinästhetisch (K). Empfindungen, Gefühle, Geruch und Geschmack.
- Unten links. (Auditiv) Innerer Dialog ([A]ID). Nachdenken und innere Zwiegespräche mit sich selbst.
Dabei bezeichnet "erinnert" die Erinnerung an ein tatsächliches Ereignis, während "konstruiert" die Erinnerung an reine Vorstellungen bezeichnet. Während dieser Augenbewegungen sind zwar die Augenlider geöffnet, die Personen "starren aber ins Leere", d.h. ihr Blick ist unfokussiert und unaufmerksam, so dass keine bewusste Wahrnehmung stattfindet.
In Untersuchungen über die Repräsentationssysteme wurde diese Theorie eindeutig widerlegt, denn was die Augen zeigten, stimmte nicht mit dem überein, was die Sprache angeblich verriet. Allerdings hielten Klienten Therapeuten für vertrauenswürdiger, wenn diese nach NLP-Art ihre Sprache auf das vermeintliche Repräsentationssystem abstimmten, d.h., dass eine Form der Konditionierung stattgefunden hat. Wenn allerdings die Therapeuten gezielt ein anderes Repräsentationssystem benutzten, faßten die Klienten ebenfalls Vertrauen (vgl. Paulus 1994). Offenbar gefiel es ihnen, daß die Therapeuten so oder so auf sie eingingen - in der Psychologie seit langem als Hawthorne-Effekt bekannt (siehe Kasten links).
Ähnlich unbewiesen ist übrigens das "Eye Movement Desensitization and Reprocessing" (EMDR) in der Psychotherapie, wobei Traumata durch den bewussten Einsatz von Augenbewegungen behandelt werden. Ähnlich zum NLP-Modell werden die Augenbewegungen als mit dem Zugriff auf verschiedenen Erinnerungszentren des Gehirns verbunden angesehen. Dadurch sollten diese Zentren gezielt angesprochen werden und angeblich ein Informationsfluss zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte eingeleitet werden. Diese Therapie konnte ebenfalls nicht durch experimentelle Untersuchungen bestätigt werden.
Eine wichtige Rolle spielen im NLP die Submodalitäten (siehe Kasten rechts), die sie als Komponenten der Sinneswahrnehmung definieren, also z.B. den Kontrast oder die Größe eines inneren Bildes, die Lautstärke der Töne, die Intensität eines Gefühls. Veränderungsstrategien der Submodalitäten stehen daher im Mittelpunkt der Klientenarbeit des NLP, alles aus dem naiven Glauben heraus, daß die Änderung nur einer Submodalität eine Veränderung insgesamt bewirken könnte. Aber so genau wisse man das nicht, denn Bandler und Grinder prüften niemals experimentell und kontrolliert nach, ob ihre Theorie auch stimmt, sondern "entwickelten" immer neue therapeutische Methoden, wobei sie Elemente verschiedener therapeutischer Schulen einbauten.
An Stelle von Belegen für die Wirksamkeit ihrer Methoden
präsentierten sie Erfolgsgeschichten (
Beispiel:
Der Fall Leslie),
was ein typisches Merkmal der hier beschriebenen psychotechnischen
Richtungen zu sein scheint. So will einer der beiden einen
Prozeß gewonnen haben, indem er das Repräsentationssystem
des Richters analysierte. Auf den Nimbus der Wissenschaft verzichten
Bandler und Grinder jedoch in ihren ersten Publikationen nicht, denn
diese enthielten noch eindrucksvolle Diagramme von grammatikalischen
Tiefenstrukturen und hochmathematisch aussehende Formeln. Bandler und
Grinder gaben auf Befragung aber offen zu, daß ihre Lehren
nicht "wahr" seien, also überprüft werden könnten,
sondern nur Modelle der Wirklichkeit liefern, sodass es
gleichgültig wäre, ob sie stimmen oder nicht, denn wichtig
wäre nur, dass sie "funktionieren". Nach dieser "Philosophie"
darf jeder vorgehen, wie er will, und behaupten, was er will -
Hauptsache, er ist am Schluß vom Ergebnis seiner Kunst
überzeugt. Dieses "Glaubenbekenntnis" kann man in Diskussionen
mit Vertretern des NLP immer wieder erleben, indem diese bei ihrer
Argumentation alle ihre Behauptungen gleich in Frage stellen und
notfalls auch das Gegenteil behaupten. Rupprecht Weerth, nach eigener
Aussage ein Befürworter des NLP, kommt zu folgendem Resümee
der Kritik: "1. Die NLP-Theorie ist lückenhaft und z.T.
wissenschaftlich nicht haltbar;... 2. Die NLP-Techniken sind zum
großen Teil anderen Therapie-Methoden entnommen und in der
angewendeten Form anfechtbar; die behauptete durchgreifende Wirkung
ist nicht genügend belegt... 3. Das NLP-Modell weist
Widersprüche auf und beinhaltet Gefahren..." (Weerth 1992, S.
221; zit. nach Bördlein 2001).
Naiverweise wird von VertreterInnen des NLP das "Positive Denken" ("Wer Erfolg erwartet, der bekommt Erfolg. Wer Misserfolg erwartet, der bekommt Misserfolg") als wesentliche Handlungsstrategie empfohlen und in Verkennung der tatsächlichen Forschungsergebnisse zu diesem Phänomen missinterpretiert. Ziel des positiven Denkens sei es, durch Autosuggestionen das (Unter)Bewusstsein zu beeinflussen, sodass nach der "self-fulfilling prophecy" positives Denken auch zu positiven Effekten führte. Dabei wird von der ebenfalls naiven Vorstellung ausgegangen, der Mensch sei programmierbar und es gäbe für alle Menschen die eine "richtige" oder "falsche" Programmierung. Diese "Methode des Positiven Denkens" wird daher von vielen PsychologInnen zu Recht kritisiert, wobei nicht in Frage gestellt wird, dass eine positive und optimistische (Lebens)Einstellung tatsächlich erfolgreicher und glücklicher machen kann und wünschenswert wäre, sondern die Wirksamkeit der Methodik sowie das zugrundeliegende (selbst)manipulative Menschenbild. Seligman schreibt: "Positives Denken besteht oft darin, sich Dinge einzureden wie "Jeden Tag, in jeder Weise, geht es mir besser und besser" und das auch - ohne jeden Beweis oder trotz dagegensprechender Beweise - zu glauben. Wenn Sie an solche Sprüche wirklich glauben können - bravo! Der Punkt geht an Sie. Vielen gebildeten und in kritischem Denken geschulten Menschen gelingt diese Art der Selbstüberhöhung jedoch nicht." Problematisch ist das positive Denken vor allem im Hinblick auf eine mancherorts propagierte Psychotherapie auf NLP-Basis. Eine endogene Depression lässt sich neurolinguistisch nicht wegprogrammieren, denn die kommunikationszentrierte Selbstkonditionierung verschlimmert lege artis die Problematik.
NLP beruht letztlich auf einer kruden Vorstellung, dass man sich selbst und seine Mitmenschen mit erlernten Tricks steuern und beeinflussen kann, was als Prinzip hinter allen intentionalen Verhaltensänderungen von Menschen steht. Mittels der Methode des "Ankerns" sollen die Klienten positive Empfindungen bewusst speichern und jederzeit wieder abrufen können. Den Klienten wird vermittelt, sie müssten sich, etwa in einem Verkaufsgespräch, auf ihr Gegenüber einstellen, indem sie sich dessen Auftreten anpassen - ein Verfahren indirekter Hypnose ("Pacing"). Sollte diese Art der Manipulation gelingen, bei der das Selbst anscheinend vorübergehend aufgegeben wird, kann damit dem Gegenüber unmerklich der eigene Wille aufgezwungen werden (guter "Rapport"), d.h., das Gegenüber reagiert dann so, wie es von ihm gewünscht wird. Nach Niels Birbaumer (Universität Tübingen) handelt es sich bei der Modeerscheinung NLP schlicht um eine "Psychosekte", wobei sich Teilnehmer an NLP-Kursen kaum enttäuscht äußern könnten: "Erst zahlt man Tausende von Mark für so ein Seminar - und muß dann zugeben, daß es nicht geholfen hat. Da käme man sich doch lächerlich vor." Viele NLP-Schüler sind möglicherweise auch deswegen nicht enttäuscht, weil sie vorher nur diffuse Erwartungen hatten. Da der Werkzeugkasten des neurolinguistischen Programmierens eine ganze Reihe von Begriffen wie "Chunken", "Kalibrieren" oder "Reframing" enthält, die stark an den Scientology-Jargon erinnern, haben manche NLP-Schulen in letzter Zeit ihre Strategien geändert. Damit die Unternehmen auch weiterhin ihre Mitarbeiter zu solchen Kursen anmelden, bekommen diese Seminare unverfänglichere Titel, in denen die Abkürzung NLP nicht mehr auftaucht (vgl. Heller 1997).
Wenn man den normalen Ausbildungsgang für NLP prüft, dann wird deutlich, dass hier oberflächlichstes psychologisches Wissen im Schnelltempo verbreitet wird, sodass auch dem Laien klar sein muss, dass hier von einer fundierten Auseinandersetzung mit den Phänomenen des Psychischen vollkommen fehlen muss. Hier die Beschreibung der typischen NLP-Ausbildung (Hervorhebungen von mir):
Wenn man im Internet die unzähligen Seminarangebote prüft und die Versprechen liest, die etwa schon zertifizierte NLP-Practitioner abgeben, die jedes Angebot eines seriösen Psychotherapeuten bei weitem übertreffen, dann wird klar, dass es hier bloss darum geht, vom Kuchen auf dem Psychomarkt ein möglichst großes Stück abzubekommen. Jeder geprüfte Tennislehrer benötigt eine umfangreichere Ausbildung, um auf seine "Klienten" losgelassen zu werden - der muss in der Regel wenigstens einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. In Diskussionen mit Vertretern des NLP erstaunt und erschreckt immer wieder die unreflektierte Überzeugung von der Richtigkeit der eigenen Methoden, wobei das manchmal an die Riten von Schamanen erinnert, die durch monotones Wiederholen von bestimmten Formeln sich selbst und ihre Klientel beeinflussen wollen. Besonders auffällig ist das auch im Umgang mit Kritik, da selten darauf konkret eingegangen wird, sondern durch einen Schwall an simplen Formeln alles relativiert und niederzureden versucht wird, bis scheinbar alles nur mehr eine Sache der individuellen Auslegung und Einstellung ist.
Da fast alle Methoden des NLP aus der Verhaltenstherapie entlehnt wurden und daher in langjähriger Forschung und Praxis erweiterte Erkenntnisse der frühen behavioristischen Studien von Pawlow, Watson, Wolpe, Eysenck und Skinner enthalten und somit wirksame therapeutische Interventionen begründen können, müssen NLP-Behandlungen gewisse kurzfristige - z.T. nicht ungefährliche - Effekte zugesprochen werden. Dies gilt vor allem dann, wenn diese Methoden nicht auf psychisch stabile Persönlichkeiten treffen, die mit solchen Belastungen umgehen können. Die "Diagnostik" im Dunstkreis des NLP ist schlicht und basiert letztlich auf der subjektiven Wahrnehmung von positiven oder negativen Emotionen der Person durch einen NLP-"Therapeuten". Während das NLP bzw. die Neurolinguistische Psychotherapie (NLPt) in Österreich zugelassen sind, gelten sie in Deutschland nicht als Heilverfahren und dürfen nicht im Rahmen der öffentlichen Betätigung als Arzt, Psychotherapeut oder Heilpraktiker ausgeübt werden.
Wie unbedarft NLP etwa an das Phänomen
Angst
herangeht, kann die Antwort auf folgende Anfrage in einer Zeitschrift
illustrieren (die Rechtschreibung des Originals wurde beibehalten;
W.S.):
Frage: Kann man mit NLP-Techniken Angst besiegen?
Antwort: Ja, versuchen sie es mit Veränderung der Submodalitäten:
- Wo genau sitzt die Angst, wenn Sie sie gerade spüren?
- Atmen sie 10x langsam durch den Bauch ein und aus und lassen sie dabei diese Angst eine Gestalt oder ein Symbol werden:
- Was macht Ihnen bei der Gestalt/beim Symbol am meisten Angst?
- Finden Sie die wichtigsten "Angstmacher" heraus, machen Sie ruhig zwischendurch kurze Notizen um dann sofort wieder tief durch zu atmen und die Augen zu schließen.
- Nun verändern Sie die Angst machenden Submodalitäten
der visualisierten Figur oder des Symbols. Z. B: Ein Ungeheuer
grell rot mit giftigen Zähnen und schwarzem Bart.
- lassen Sie das grell rot auf grau verblassen.
- visualisieren Sie, wie die giftigen Zähne einer nach dem anderen ausfallen o. Ä.
- Lassen Sie den Bart grau werden und ev. die Haare ausgehen o. Ä.
- Wenn es eine schaurige Stimme gibt, lassen Sie sie zu einer Micky Maus Stimme werden. Einen Riesen lassen sie zum Gartenzwerg werden usw.
So lange verändern. bis sie sich nicht mehr fürchten bzw. der Angst ins Gesicht schauen können, ohne Angst zu haben. Bitten Sie ihr Unbewußtes, ihnen die Botschaft der Angst zu entschlüsseln. Wenn sie verstanden haben, was die Angst bedeutet hat und Ihnen eigentlich sagen wollte, lassen Sie sie immer kleiner werden und am Horizont, falls das paßt, wie eine kleine Supernova verglühen. Auf diese Weise kann man mit allen unangenehmen Gefühlen verfahren. Wichtig ist die dahinter liegende Botschaft zu verstehen und zu berücksichtigen, falls nötig. Vom 12.-14. September beginnt die NLP Practitioner Ausbildung, wo Sie neben vielen tollen Dingen und Techniken auch genau das lernen. Näheres unter www.***.at.
Vermutlich kann man bei einem solchen therapeutischen Ansatz verstehen, dass es einem Fachpsychologen angst und bange wird, wobei gegen diese Angst wohl keine Submodalitäten mehr helfen ;-)
Weitere Kritikpunkte betreffen manche VertreterInnen des NLP, die laienhaft unkritisch und somit begeistert sind, weil sie plötzlich einige Erfolge mit dieser Methode erzielen. Wer begeistert ist, gerät jedoch in die Gefahr andere missionieren zu wollen. Verschiedenste Psychotherapierichtungen kritisieren die verkopften, gefühl- und kontaktvermeidenden Techniken - NLP zieht daher vermutlich Menschen an, die ein hohes Kontrollbedürfnis und wenig Interesse an echten Beziehungen haben. Auch gibt es im NLP viele TrainerInnen, die nicht gelernt haben, mit eigenen Gefühlen klar zu kommen und diese Psychotechnik zur Rationalisierung dieser Defizite und zur Kontaktvermeidung benutzen. Schon die Begründer des NLP haben sich von der kontrollierten universitären Forschung abgewendet und sind primär in den kommerziellen Seminar- und Coachingbereich gewechselt, sodass es seit Beginn keine nennenswerten Weiterentwicklungen der ursprünglichen Methoden gibt. Beobachter charakterisieren die NLP-Szene häufig als "Grinser" und kritiseren damit die auf der "I-feel-good"-Autosuggestion beruhende Verdrängungsmethodik, welche die Gründe für psychische Probleme, Kommunikationsdefizite oder Persönlichkeitsstörungen allenfalls kurzfristig überdeckt.
NLP in der Wirtschaft
Sehr flapsig ist eine Kurzbeschreibung von NLP im Zusammenhang mit Coaching und Wirtschaft. Ein ungenannter Autor schreibt dort:
NLP ist eine super Sache, insbesondere für die psychologische Eigenhilfe. Aber auch im Coaching (im Coaching wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass der Klient genau gesagt bekommt, wie und mit welchen Mitteln interveniert wird), wenn es darum geht, dem Klienten bei einer Veränderung zu unterstützen. Auch sind die Lernstrategien des NLP sehr empfehlenswert. Wenn Sie Golfspieler sind, werden Sie vielleicht schon einmal von sog. "Inner-Golf" gehört haben. Das ist nichts anderes als die übliche Golftechnik gepaart mit zusätzlichen NLP-Techniken.
Allerdings muss man den NLP Machern auch unterstellen, dass sie es im einen oder anderen Umfeld zu weit getrieben haben. Als das Thema der therapeutischen Möglichkeiten erschöpft schien, hat man sich gedacht, man könnte das ganz doch auch sehr gut im Geschäftsleben gebrauchen.
Viele setzen heute die Techniken des NLP`s in der Werbung, im Verkauf und in der Führung ein. Und glauben Sie mir, wenn ich Ihnen das jetzt sage. Man hat in Deutschland ganze IT-Verkaufsmannschaften mit NLP geschult; die Verkaufszahlen sind auch sprunghaft gestiegen und nach ca. 6 Monaten so dermassen in den Keller gerutscht, dass einige Unternehmen vor grossen Schwierigkeiten standen. Wenn nämlich der letzte Kunde bemerkt hat, dass er etwas gekauft hat, was er eigentlich jetzt nicht kaufen wollte oder ihm gar keinen Nutzen gebracht hat, dann ist Schluss mit lustig und dem Vertrauen.
(Ohne Autor, o.J.).
Kurioses zu NLP
Wie das Hamburger Abendblatt vom 18. April 2009 berichtet, hilft die Neurolinguistische Programmierung sogar beim Gedankenlesen Es heißt dort: "Zur Vorbereitung des Gedankenlesens sind psychologische Techniken wie das "Neurolinguistische Programmieren" (NLP) hilfreich. Dabei geht es um verschiedene Methoden zur Verbesserung der persönlichen Wahrnehmung sowie der Kommunikation. Die Techniken, bei denen man zum Beispiel sein Verhalten (Beine übereinanderschlagen, sich zurücklehnen) dem des Gegenübers anpasst, sollen zu einer Harmonisierung der Gehirnwellen zwischen Gedankenleser und Probanden führen, zu einer Art blinden Verständigung."
Man erfährt in diesem Artikel auch Interessantes zur Entstehung und Anwendung: "Neurolinguistische Programmierung, in Abgrenzung von der wissenschaftlichen Psychologie entstanden, wurde Anfang der 70er-Jahre an der University of California in Santa Cruz von Richard Bandler und John Grinder als neues Verfahren der Kurzzeit-Psychotherapie entwickelt. NLP untersucht die Muster (Programmierung), die durch das Zusammenspiel von Gehirn (Neuro...), Sprache (...linguistisch) sowie dem Körper entstehen, und wird auch in der Wirtschaft (z. B. beim Führungs- und Verkaufstraining) eingesetzt." Und jetzt wird es spannend: "Auch die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa interessiert sich für das Treiben im Gehirn. Sie hat Geräte entwickelt, die mithilfe von Elektroden Nervensignale im Mund und an den Stimmbändern analysieren - die selbst dann entstehen, wenn wir Worte nur denken, aber nicht aussprechen. Wissenschaftler arbeiten auch an sogenannten Mind-Scannern, die Personen mit "bösen" Gedanken vor dem Einchecken am Flughafen registrieren könnten."
Weiterführende Literatur
Bördlein, Christoph (2003). Das "Neurolinguistische
Programmieren" (NLP) - Hochwirksame Techniken oder haltlose
Behauptungen? Ein Essay.
WWW:
http://www.boerdlein.gmxhome.de/nlpmemo.html
(03-01-19)
In dieser immer wieder ergänzten und erweiterten Arbeit findet sich der jeweils aktuelle Stand zur wissenschaftlichen Haltbarkeit der Positionen des NLP.
Die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." beschäftigt sich schon seit vielen Jahren in kritischer Weise mit NLP - auf der dort eingerichteten Webseite "Neurolinguistische Programmierung (NLP)" finden sich weitere Belege dafür, dass man als Psychologe dieser Psychotechnik äußerst kritisch gegenüber stehen muss.
Siehe auch im Überblick die Arbeitsblätter zu den
Psychotherapeutischen
Schulen und
Psychoanalytische
Schulen bzw. die "Gebrauchsinformation"
zu manchen eher randständigen Theorien aus dem Umkreis der
Kommunikationspsychologie.
Quellen
und Literatur zu Psychotechnischen Schulen
