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Keine Macht den Drogen - No DrugsSucht & Drogen

Im offiziellen Sprachgebrauch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) existierte der Begriff "Sucht" von 1957 - 1964. Danach wurde er durch "Missbrauch" und "Abhängigkeit" ersetzt (s.u.). In wissenschaftlichen Arbeiten wird der Begriff "Sucht" daher praktisch nicht mehr verwendet

Sucht hat etymologisch nichts mit Suchen zu tun, sondern stammt vom mittelhochdeutschen "siech", "krank sein" ab, heute z.B. noch erhalten in "dahinsiechen", im Englischen "sick" oder im Schwedischen "sjuk". 1888 definierte Meyers Konversationslexikon „Sucht“ als ein in der Medizin veraltetes Wort, das früher ganz allgemein Krankheit bedeutete.
In Wörtern wie Mondsucht, Tobsucht konnte das Grundwort als "krankhaftes Verlangen" verstanden werden, wie es auch schon früher übertragen für "Sünde, Leidenschaft" gebraucht wurde. Das neuhochdeutsche Sprachgefühl hat das etymologisch undurchsichtige Wort deshalb mit suchen verknüpft, sodass Zusammensetzungen wie Gefall-, Selbst-, Herrschsucht ebenso in diesem Sinn verstanden werden wie die älteren Bildungen Eifersucht und Sehnsucht.

In zusammengesetzter Form kommt es in der Alltagssprache vor: Schwindsucht, Wassersucht, Fettsucht, Fallsucht, Gelbsucht, Mondsucht, Trunksucht, Sehnsucht, Naschsucht, Suchtbeziehung, Suchttherapie. Das Adjektiv süchtig kennzeichnet stoffabhängige und stoffunabhängige Suchtbeziehungen in konkreter wie auch übertragener Bedeutung in unterschiedlichsten Zusammenhängen (kokainsüchtig, süchtig nach Liebe, eifersüchtig, publicitysüchtig).

Heute wird Sucht in der Jugendsprache im Sinne von Bedürfnis, Sucht nach etwas verwendet („habe eine Sucht auf“).

Definitionen der Sucht

Die soziologische Definition konstituiert Sucht als

Die medizinische Definition nach ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Disorders, 10th Revision) der Weltgesundheitsorganisation von 1992 unterscheidet

Wie bei allen psychiatrischen Kategorien fällt eine zuverlässige Zuordnung des Einzelfalls oft schwer. Der Wert der medizinischen Definitionen der Sucht liegt in einer öffentlichkeitswirksamen Verständigung über das Vorhandensein des Phänomens Sucht als in beobachtbaren stichhaltigen Kriterien.

Neurobiologisch betrachtet induzieren viele Substanzen mit Abhängigkeitspotential wie Nikotin, Alkohol oder Kokain neuroplastische Lernvorgänge in den dopaminergen Funktionskreisen des Gehirns, die sich mit zunehmender Exposition gegenüber dem Suchtstoff verstärken und so schließlich zur Abhängigkeit führen. Diese Lernvorgänge spielen dann vor allem für die Aufrechterhaltung süchtigen Verhaltens eine wichtige Rolle. Ähnlich wie bei der Konditionierung von Tieren lernt auch der Mensch, bestimmte Situationen oder Tätigkeiten mit dem belohnenden Effekt einer Verhaltensweise zu verknüpfen. Bei Alkoholikern kann schon das Knallen eines Korkens, bei Rauchern der Anblick eines Feuerzeugs das Craving auslösen. Bei Kokainsüchtigen, denen in einer Studie ein Film mit Kokainkonsumenten gezeigt wurde, stieg im Gehirn der Dopaminspiegel und sie verspürten gleichzeitig ein unstillbares Verlangen nach der Droge.

Dopamin dürfte nach neueren Forschungsergebnissen weniger ein direkter Mittler euphorischer Gefühle (oft wird der Begriff Glückshormon verwendet) sein, sondern spiegelt eher die Erwartungshaltung in Bezug auf eine Belohnung wider. Je größer die erwartete Belohnung desto stärker das Dopaminsignal und desto tiefer die Einprägung dieses Zusammenhangs im Gehirn. Fällt die Belohnung dann geringer aus als erwartet, kann das gesunde Gehirn seine Reaktion rasch korrigieren. Bei Suchtkranken scheint dieser Anpassungsprozess aus dem Ruder zu laufen: Einmal erlernte Auslösersignale wie der Anblick eines Feuerzeugs lösen selbst dann ein Verlangen aus, wenn die persönliche Erfahrung längst gezeigt hat, dass der Konsum des Suchtmittels die Dinge nicht wirklich besser macht.

Die psychosoziale Definition betont, dass jedes menschliche Verhalten süchtig ausarten kann, wenn dafür soviel Zeit aufgewendet wird, dass die weitere psychosoziale Entwicklung der Person beeinträchtigt ist. Sucht wird in dieser Definition als die Entwicklung des Individuums beeinträchtigendes Verhalten bzw. destruktive Entwicklung gesehen. Sucht entspricht damit einem Zustand der Endostase, d.h. Erstarrung, statt dem - Lebewesen angemessenen - Zustand der Homöostase, d.h. einem dynamischen Gleichgewicht. Das süchtige Verhalten wird

Siehe auch

Ätiologien der Sucht

Endorphine und Suchtentstehung

Jugendliche und Suchtmittelkonsum

Suchprävention bei Kindern und Jugendlichen


Vier Faktoren müssen bei der Betrachtung von Sucht erörtert werden:
- der Mensch: prämorbide Persönlichkeit, Heredität (Erblichkeit), frühkindliches Milieu, sexuelle Entwicklung, aktuelle Stresssituation, Erwartungshaltung;
- das Mittel: Art der Applikation (Einnahme), Dosis, Dauer, Gewöhnung (Toleranz), individuelle Reaktion;
- das Milieu: familiäre Situation, Beruf, Wirtschaftslage, sozialer Status und Mobilität, Gesetzgebung, Religion;
- der Markt: Verfügbarkeit, Einstellung zur Droge, Einflüsse von Werbung und Mode, Konsumgewohnheiten.

Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation)

Es handelt sich um eine Gruppe körperlicher, Verhaltens- und kognitiver Phänomene, bei denen der Konsum einer Substanz oder einer Substanzklasse für die betroffene Person Vorrang hat gegenüber anderen Verhaltensweisen, die von ihr früher höher bewertet wurden. Ein entscheidendes Charakteristikum der Abhängigkeit ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch, psychotrope Substanzen oder Medikamente (ärztlich verordnet oder nicht), Alkohol oder Tabak zu konsumieren. Zu den typischen Kennzeichen gehören:

Für Österreich schätzte man 1995

300.000 Alkoholkranke
500.000 Personen, welche Alkoholmissbrauch betreiben
100.000 Medikamentenabhängige
25.000-30.000 intravenös Drogenabhängige

In der BRD sind nach Zahlen der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren 2,5 Millionen Menschen alkoholabhängig, ein Drittel davon sind Frauen. 1,3 Millionen Menschen sind medikamentenabhängig, davon sind ca. 2/3 Frauen. Frauen nehmen übrigens harte Drogen wie Kokain, Amphetamine oder Methamphetamine meist in einem viel jüngeren Alter als Männer, nehmen diese in kürzeren Abständen und in höheren Dosen und haben daher auch mehr Probleme als männliche Süchtige, wieder davon loszukommen. Man vermutet, dass dies mit den neurobiologischen Prozessen zusammenhängt, die einer Sucht zugrunde liegen, denn die Gehirne von süchtigen und gesunden Frauen unterscheiden sich sehr deutlich, während das bei Männern nicht der Fall ist. Vermutlich reagiert das weibliche Gehirn schneller und intensiver auf Drogen, als das männliche Gehirn es tut. Bei Frauen schrumpft durch Drogenkonsum die graue Hirnsubstanz, die für Emotionen, das Bilden von Gewohnheiten, das Finden von Entscheidungen und das Streben nach Belohnungen zuständig ist. Die geschrumpfte Gehirnsubstanz hat möglicherweise zur Folge, dass die Frauen impulsiver werden und mehr um Anerkennung kämpfenm und daher noch mehr harte Drogen konsumieren.

Übrigens können auch Medikamente selber ein Suchtverhalten auslösen, etwa Cabergolin, ein Dopaminrezeptor-Agonist, der bei Parkinson, dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) und beim Abstillen in der Gynäkologie verwendet wird. Eine Studie an 3090 Parkinsonpatienten von Daniel Weintraub (Universität Pennsylvania) zeigte, dass mehr als 17 Prozent unter Einnahme dieses Dopamin-Agonisten Zwangsstörungen wie Spielsucht, Kaufrausch, Essattacken und gesteigerte Libido entwickelten. Ähnliches ist auch beim ähnlichen Präparat Pergolid aufgetreten.

Bei Jugendlichen hat in Europa jeder vierte der 11 - 15jährigen erste Erfahrungen mit Alkohol vor dem Alter von 11. Selbst schweres Trinken kam in Ländern wie Deutschland o. Dänemark bei rund 20% dieser Altersgruppe vor. Nach einer Metaanalyse findet sich ein steiler Anstieg der Häufigkeit während der Jugend, gefolgt von einem gleichermaßen ausgeprägten Abfall im frühen Erwachsenenalter. Die Trinkmenge nimmt einen ähnlichen Verlauf nach der Jugendzeit, wenn auch flacher in der Abnahme. Weitere Veränderungen erfolgen erst jenseits des Rentenalters. Hinsichtlich des Drogengebrauchs sind ähnliche Verläufe im zweiten Lebensjahrzehnt bekannt.

Die Mechanismen scheinen zum Teil mit der sozialen Organisation des Lebenslaufs und den damit einhergehenden Verpflichtungen zusammenzuhängen. Ebenfalls ist ein moderierender Einfluss von Partnerschaft und Ehe zu erkennen. Beide waren besonders instabil unter jenen, die schon Mitte der Adoleszenz starke Trinker waren, oder den Konsum bis zum frühen Erwachsenenalter erheblich gesteigert hatten.

Wichtige Begriffe

Sucht

ist ein krankheitswertiges Zustandsbild, das einer Behandlung bedarf. Der Abhängige nimmt bestimmte Substanzen (Drogen, Rauschmittel) ein, um sich durch deren Wirkung in einen anderen Bewusstseinszustand zu versetzen. Ob ein Mensch süchtig wird, ist von vielen Faktoren abhängig, denn zum einen spielen die Gene und die Familiengeschichte eine Rolle. Forschungen zeigen, dass vor allem die Veranlagung zur Alkoholabhängigkeit vererbt werden kann. Auch wirkt sich das Temperament oder der Charakter auf die Möglichkeit einer Abhängigkeit aus. Darüber hinaus nimmt das soziale Umfeld, in dem sich eine Person bewegt, Einfluss darauf, ob eine Abhängigkeit entstehen kann oder nicht. Wenn die eigenen Eltern rauchen, sind Jugendliche eher dazu breit, auch einmal zur Zigarette zu greifen. Nehmen die Freunde Drogen, probieren Jugendliche und junge Erwachsene oft auch, wie es ist, Cannabis zu rauchen oder Ecstasy zu nehmen.

Der Abhängige hat den überwältigenden Wunsch, den Suchtmittelgebrauch unter allen Umständen fortzusetzen und sich die Droge unter allen Umständen zu beschaffen. Der Abhängige neigt dazu, die Dosis der konsumierten Droge zu erhöhen. Diese Neigung beruht auf verschiedenen Mechanismen, die im Gehirn wirksam werden, wenn bestimmte zentral wirksame Substanzen fähig sind, in ein "Belohnungssystem im Gehirn" einzugreifen. Dass körperliche Abhängigkeit mit der Entwicklung von Entzugserscheinungen bei Mangel der Droge entsteht, ist ein zusätzliches Merkmal einiger Drogen. Sucht ist ein prozesshaftes Geschehen, das von einem harmlosen, unmerklichen und schleichenden Beginn langsam bis hin zum Tod führen kann. Begleitet ist dieser Prozess vom Aufgeben und vom Verlust der persönlichen Identität, der sozialen Beziehungen, der individuellen Lebensplanung und der körperlichen Gesundheit. Es gibt aber auch Formen der nicht substanzgebundenen Sucht vor, z.B. Spielsucht, Magersucht, Kaufsucht.

Nicht alle Menschen sind gleichermassen gefährdet, von Suchtmitteln abhängig zu werden. Im Falle von Nikotin etwa lassen Zwillingsstudien vermuten, dass die Anfälligkeit zu etwa 50 Prozent erblich bedingt ist. Auch wenn man die Grundlagen dieser Veranlagung noch nicht im Detail kennt, dürften dabei mehrere Gene zusammenwirken, sodass von einem "Rauchergen" nicht die Rede sein kann. Unter anderem dürften Erbanlagen beteiligt sein, die für Dopaminrezeptoren codieren, indem erblich bedingte Unterschiede der Rezeptordichte im Belohnungszentrum die Anfälligkeit für Suchtkrankheiten massgeblich beeinflussen.

Abhängigkeit

liegt nach der WHO dann vor, wenn sich beim Entzug der Droge, die über einen längeren Zeitraum gewohnheitsmäßig eingenommen wurde, Missbehagen und Beschwerden zeigen. Als weiteres Merkmal gilt, dass diese Erscheinungen durch die neuerliche Zufuhr der Droge (oder einer ähnlich wirkenden Droge) wieder zum Abklingen gebracht werden können.

Entgegen der landläufigen Meinung stellen Abhängigkeit und Sucht nicht zwangsläufig dasselbe dar. Menschen sind von vornherein von vielen Dingen anhängig: von Nahrung, Atemluft, Liebe, Freunden und vielem mehr. Abhängigkeit muss nicht zwangsläufig etwas Negatives sein. Sucht hingegen ist von vornherein im Extremen angesiedelt. Es ist wichtig zu unterscheiden, dass nicht jede und jeder Abhängige süchtig ist. Drogenabhängige können in der Lage sein, ein weitestgehend normales Leben zu führen. Drogensüchtigen ist das nicht mehr möglich.

Siehe auch diese Definitionen von Abhängigkeit

Missbrauch

Der Missbrauch liegt immer dann vor, wenn eine psychoaktive Substanz nicht ihrem Zweck entsprechend benutzt wird. Immer dannn, wenn eine Droge oder ein Rauschmittel eingesetzt wird, um einen unliebsamen Gefühlszustand zum Verschwinden zu bringen, liegt Missbrauch vor. Dabei kann es sich sowohl um erlaubte (legale) als auch um verbotene (illegale) Suchtmittel handeln.

Drogen

sind jene psychotrope Substanzen bzw.Stoffe, die durch ihre chemische Zusammensetzung auf das Zentralnervensystem einwirken und dadurch Einfluss auf Denken, Fühlen, Wahrnehmung, Verhalten nehmen.

Rausch als kulturelle Notwendigkeit

In jeder Kultur birgt der Rauschzustand als außeralltäglicher Zustand eine gewisse Faszination, denn das Leben wird bestimmt von Regeln, die die Gesellschaft aufrechterhalten und Zwänge mit sich bringt. Einerseits braucht der Mensch eine stabile Umgebung, die unter gewissen Regeln funktioniert, andererseits braucht er auch genau das Gegenteil wie den Rausch, der anarchisch und gegen jedwede Vernunft ist. Rauschzustände gehören daher zur Psychologie des Menschen, denn jeder Mensch muss sich auch von den Strukturen des Alltags lösen können. Die Unterscheidung zwischen alltäglichen und außeralltäglichen Bewusstseinszuständen findet man weltweit in sämtlichen Kulturen, denn überall wo Menschen leben, werden Techniken oder Substanzen verwendet, um in einen anderen Bewusstseinszustand zu gelangen. In den meisten Kulturen gehörte der Rausch zu einer sakralen Feiertagskultur, zu bestimmten Ritualen und spirituellen Praktiken, denn der Mensch hat schon sehr früh die Vorstellung gehabt, Geistern oder Göttern nur oder besser in einem außergewöhnlichen Bewusstseinszustand näher sein zu können. Dafür brauchte man ein Hilfsmittel wie Tanz, Musik, Atemtechniken oder eben verschiedene Substanzen. Auch in der katholischen Kirche ist der Weihrauch eine traditionelle Droge, die die Kommunikation mit übergeordneten Wesen ermöglichen soll. Der Rausch fand auch seinen Weg vom Sakralen ins Profane, ins Alltägliche, denn es gibt auch Substanzen, die benutzt werden müssen, um in bestimmten Gegenden dieser Welt überhaupt leben und arbeiten zu können, etwa in den Anden, denn dort kauen die Bewohner seit Jahrhunderten Koka-Blätter, die dabei helfen, Hunger, Müdigkeit und Kälte zu verdrängen und die Sauerstoffaufnahme zu verbessern.
Quelle: http://www.apotheken-umschau.de/Psyche/Rausch-Die-Suche-nach-den-Alltagsfluchten-503491.html (15-11-25)

DROGENSITUATION IM UMBRUCH?
Bericht zur Drogensituation 2001 des Österreichischen Bundesinstitutes für Gesundheitswesen

Dieser Bericht zur Drogensituation in Österreich zeigt einige Veränderungen und neue Trends auf, die auf einen Generationswechsel in der Drogenszene deuten. Die Veränderung betrifft in erster Linie die vorrangig konsumierten Substanzen. Während unter den älteren Drogenabhängigen weiterhin Opiate (und damit "zumachende" Substanzen) eine zentrale Rolle spielen, besteht bei den Jungen ein deutlicher Trend zu "aufputschende Substanzen" - und dabei vor allem zu Amphetaminen ("Speed") und Kokain ...

Süchte & Drogen im Überblick

Klinisch-diagnostische Leitlinien für das Abhängigkeitssyndrom (WHO)

Siehe auch Sucht und Gehirn

Die sichere Diagnose "Abhängigkeit" sollte nur gestellt werden, wenn irgendwann während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren:

  1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, psychotrope Substanzen zu konsumieren.
  2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums.
  3. Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums, nachgewiesen durch die substanzspezifischen Entzugssymptome oder durch die Aufnahme der gleichen oder einer nahe verwandten Substanz, um Entzugssymptome zu mildern oder zu vermeiden.
  4. Nachweis einer Toleranz. Um die ursprünglich durch niedrigere Dosen erreichten Wirkungen der psychotropen Substanz hervorzurufen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich (eindeutige Beispiele hierfür sind die Tagesdosen von Alkoholikern und Opiatabhängigen, die bei Konsumenten ohne Toleranzentwicklung zu einer schweren Beeinträchtigung oder sogar zum Tode führen würden).
  5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums, erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
  6. Anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen, wie z. B. Leberschädigung durch exzessives Trinken, depressive Verstimmungen infolge starken Substanzkonsums oder drogenbedingte Verschlechterung kognitiver Funktionen. Es sollte dabei festgestellt werden, dass der Konsument sich tatsächlich über Art und Ausmaß der schädlichen Folgen im klaren war oder dass zumindest davon auszugehen ist.

Ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit psychotropen Substanzen wurde ebenfalls als charakteristisches Merkmal beschrieben (z.B. die Tendenz, alkoholische Getränke werktags in gleicher Weise zu konsumieren, wie an Wochenenden, ungeachtet dem gesellschaftlich vorgegebenen Trinkverhalten).

Als wesentliches Charakteristikum des Abhängigkeitssyndroms gilt ein aktueller Konsum oder ein starker Wunsch nach der psychotropen Substanz. Der innere Zwang, Substanzen zu konsumieren, wird meist dann bewusst, wenn versucht wird, den Konsum zu beenden oder zu kontrollieren. Diese diagnostische Forderung schließt beispielsweise chirurgische Patienten aus, die Opioide zur Schmerzlinderung erhalten haben und die ein Opioidentzugssydrom entwickeln, wenn diese Mittel abgesetzt werden, die aber selbst kein Verlangen nach weiterer Opioideinnahme haben.

Das Abhängigkeitssyndrom kann sich auf einen einzelnen Stoff beziehen (beispielsweise Tabak oder Diazepam), auf eine Gruppe von Substanzen (wie z.B. Opioide) oder auch auf ein weiteres Spektrum unterschiedlicher Substanzen (wie z. B. bei jenen Personen, die eine Art Zwang erleben, regelmäßig jedes nur erreichbare Mittel zu sich zu nehmen und die qualvolle Gefühle, Unruhe oder körperliche Entzugserscheinungen bei Abstinenz entwickeln).

Quellen

http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at:4711/JUGENDPSYCH/JUGENDPSYCHREFERATE96/Thema9.html (97-04-28);

http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at:4711/JUGENDPSYCH/JUGENDPSYCHREFERATE97/THEMA10/Thema10.html (97-04-28)

http://wwwm.htwk-leipzig.de/~schweika/Drogenprojekt/Gruppe3/Ordner1/Kauf3.html (00-04-27)

http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~clabudda/drogen/politik-arbeiten-1998labudda.html (00-04-29)

http://www.informatik.fh-luebeck.de/icdger/f1x_2.htm (00-04-29)

Siehe auch Risikofaktoren und Entwicklungsmechanismen für jugendlichen Drogengebrauch und missbrauch


Suchtgiftprävention verstärkt schon für 13-Jährige

Schon 13-Jährige sollen verstärkt auf die Gefahren von Suchtgiftmissbrauch hingewiesen werden. "PEP", das "peer education project", hat zum Ziel, Jugendliche ab der dritten Klasse Hauptschule oder AHS von Drogen fern zu halten. Ausgewählte Schüler, sogenannte "peers", sollen ihren gleichaltrigen Kollegen die Gefahren von Suchtgift nahe bringen. Details präsentierten am Mittwoch der oberösterreichische Landesrat Walter Aichinger und Landesschulratspräsident Johannes Riedl bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Linz.
Mehr als 80 Prozent der unter 14-Jährigen haben bereits erste Erfahrungen mit Zigaretten gesammelt. 18 Prozent der Elf- bis 15-Jährigen trinken zumindest einmal in der Woche Alkohol. Jugendliche und Kinder können oft nicht dem Druck ihrer Altersgenossen standhalten und haben Angst, "nein" zu Drogen zu sagen. Die "peers" sollen daher nachhaltig in das Verhaltensmuster ihrer gleichaltrigen Mitschüler eingreifen.
Derzeit gibt es in Oberösterreich 120 ausgebildete "peers" an 17 Schulen.   Natürlich sei es aber auch wichtig, Lehrer, Eltern und das weitere soziale Umfeld in das Projekt mit einzubeziehen, betonte Riedl. Mit verschiedenen Maßnahmen wie dem Drogenkoffer und dem "Suchtkoordinator" - einer speziell ausgebildeten Lehrkraft - soll in Schulen Prävention betrieben werden.

Mit Modell "PEP" sollen Jugendliche in oberösterreichischen Schulen von Drogen fern gehalten werden.

Quelle: APA 1999-09-22

Aktion gegen Suchtgiftmissbrauch im Bezirk Wels: "Wir wollen frei sein" 

In den Hauptschulen im Bezirk Wels-Land läuft ein Projekt, dass sich mit Suchtvorbeugung beschäftigt. Unter dem Motto "1-2-Free - informieren - entscheiden - frei sein" versuchen die Verantwortlichen neue Wege in der Drogenprävention zu gehen. 

Das Projekt "1-2-Free" wurde auf Initiative der Bezirkshauptmannschaft und des Bezirkschulinspektorates Wels-Land sowie dem Institut für Suchtgiftprävention ins Leben gerufen. "Es gibt weder einen aktuellen Anlass, noch wollen wir Feuerwehr spielen. Es geht uns einfach darum, nicht nur die Bevölkerung, aber im Speziellen Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren, nicht nur über Suchtvorbeugung zu informieren, sondern auch für dieses Thema zu sensibilisieren", erklärt Bezirkshauptmann Josef Gruber. 

Vornehmlich läuft das Projekt in den Hauptschulen des Bezirkes. In Workshops und Seminaren werden den Jugendlichen Informationen zum Thema Suchtgiftvorbeugung gegeben. "Es passiert dies weder mit erhobenem Zeigefinger noch werden Drogen, und damit meine ich auch legale, wie Alkohol und Tabak, verharmlost. Unsere Flyer und auch die Homepage sind so gestaltet, dass Kinder in einem sachlichen Rahmen in jugendgerechter Sprache und Aufmachung Informationen bekommen", betont Christoph Lagemann, Leiter des Institutes für Suchtgiftprävention.

Unter dem Leitsatz "Suchtgift geht uns alle an" ,wird auch versucht Erwachsene, also Eltern, Lehrer und Jugendarbeiter, in das Projekt einzubeziehen. "Es ist natürlich klar, dass wir keinem die Entscheidung abnehmen können, Drogen nicht zu nehmen. Unser Ziel ist die Basis für eine vernünftige Entscheidung zu liefern", so Lagemann.

Noch bis Dezember wird im Bezirk das Projekt laufen. An verschiedenen Schulen werden Suchtgiftvorbeugungsfeste veranstaltet. Zusätzlich gibt es eine Homepage (www.1-2-free.at), die Informationen über Sucht, Drogen sowie Adressen von Beratungsstellen liefert.

Quelle:

Oberösterreichische Nachrichten vom 19.10.2001

Auch Tiere berauschen sich

Lange Zeit war man der Meinung, dass der Mensch das einzige Wesen sei, welches sich berauscht, aber mittlerweile ist bekannt, dass auch Tiere die berauschende und bewusstseinsändernde Wirkung von Alkohol und anderen in der Natur vorkommenden pflanzlichen Stoffen nutzen, ja sogar oft suchen, um sich diese Wirkungen zu Nutze zu machen.

So kann man zur Herbstzeit Amseln auf Holunderstauden beobachten, wenn sie sich am überreifen schwarzen Holunder vergreifen und je nach Berauschungsgrad ein unterschiedliches Verhaltensmuster an den Tag legen, welches vom wilden Gezirps, über unkontrollierte Flüge bis hin zur wahrscheinlichen Unfähigkeit, Hindernisse im Flug zu erkennen, reicht. Dies endet dann meist tödlich an der Hausmauer oder an sonstigen, nicht mehr wahrgenommenen Hindernissen. Auch die Angst vor Katzen dürfte mit zunehmendem Berauschungsgrad abnehmen, wobei diese geduldig am Boden auf ihre Beute nicht allzu lange warten müssen.

Paviane fallen in Tabakfelder ein, um die anregende Wirkung des Nikotins zu nutzen.

Rentiere suchen in ihrer Umgebung eine bestimmte Art von Fliegenpilz welcher beim Menschen Bewusstseinsstörungen hervorruft.

Die am häufigsten konsumierte Droge im Tierreich ist allerdings der Äthylalkohol, welcher beim hefebedingten Vergären des Fruchtzuckers von überreifen Früchten entsteht. Der Alkoholgehalt der vergorenen Früchte des Mgongo-Baumes, der Dum-Palme oder des Marula- Baumes liegt bei ca. sieben Prozent. Elefanten suchen diese Bäume und essen von den vergorenen Früchten. Die derart alkoholisierten Elefanten taumeln in der Gegend umher und trompeten so laut dass sie kilometerweit zu hören sind. In diesem Zustand legen einige ein aggressives Verhalten an den Tag und tragen auch Kämpfe untereinander aus.

Quelle

Hultsch, Eric (2008). Studienskript zum Lehrgang Drogen- und Suchtprävention im schulischen Kontext. Ethnosoziologische (multikulturelle) Aspekte und Werteerziehung. Pädagogische Hochschule Steiermark.

Drogen und Militär

Neurobiologen der Supermächte erforschen erforschen seit langem, wie sich Soldaten manipulieren und ihre Leistungsfähigkeit steigern lässt, wobei seit dem zweiten Golfkrieg die US-Armee in großem Stil auch Psychopharmaka einsetzt, um Soldaten aufzuputschen und ihre Einsatzzeiten zu verlängern. Dazu zählen zählen vor allem Modafinil, den US-Piloten auf Langstreckenflügen einnehmen. Das Antidepressivum Sertralin wird systematisch gegen Stress und Belastungsstörungen bei langen Kampfeinsätzen gegeben, der Wirkstoff Clonazepam gegen Angst. 2007 haben laut dem Mental Health Advisory Team der US-Armee 12 Prozent der Kampftruppen im Irak und 17 Prozent in Afghanistan Antidepressiva und Schlafmittel bekommen, damit sie den Anforderungen besser gewachsen waren.



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