Mobbing als Bedrohungsbild bei Lehrern
Quellen:
Rudolph, Herbert (o.J.). Mobbing als Bedrohungsbild. WWW: http://lehrer.freepage.de/ cgi-bin/feets/freepage_ext/ 41030x030A/rewrite/foel/ Fm991/mobbing.htm (02-11-29) Lauper, Esther (2001). Mobbing im Bildungsbereich (2001). WWW: http://www.neueslernen.ch/ (03-03-01) Brück, Horst (1986). Die Angst des Lehrers vor seinem Schüler. Rheinbeck bei Hamburg: Rowohlt. Weidemann, Bernd (1983). Lehrerangst. Ein Versuch, Emotionen aus der Tätigkeit zu begreifen.München: Ehrenwirth.
Das Burn-out-Syndrom bezeichnet einen vollständigen und für die Betroffenen zunächst unerklärlichen Motivationsverlust. Dieses "Ausbrennen" geschieht nicht schlagartig, sondern geht schleichend voran. Zentrale Faktoren bei der Entstehung von Burn-out sind oft mit großem Ehrgeiz verfolgte Ziele und Bedürfnisse, die nicht oder nur mit großen Opfern erreicht werden können. Daraus können dann bei Nichterreichen der Ziele Verzweiflungsgefühle und bei Erreichen Erschöpfungszustände resultieren. Dies geht meist mit einem Rückzug aus dem gewohnten sozialen Umfeld einher. Das Endstadium des Burnout - "Meltdown" - ist durch chronische Hilflosigkeitsgefühle und Suizidgedanken geprägt. |
War das Burn-out-Syndrom in der ersten Hälfte der 90iger Jahre ein medialer Renner und ein Hinweis auf die psychische Befindlichkeit von Lehrern, so taucht nunmehr der Begriff Mobbing immer häufiger auf. Der wesentliche Unterschied: War Burn-out ein allgemeines Symptom ohne personifizierbare Ursache, ist Mobbing die konkrete Diskriminierung Einzelner durch Einzelne. Mobbing ist eine Erniedrigung, die sich im Schulwesen noch mit dem Gefühl der besonderen Hilflosigkeit paart. Im angestammten Beruf gibt es praktisch keinen anderen Arbeitgeber als den Staat. Ausweichen ist nicht möglich. Das streng hierarchisch aufgebaute System mit verfilzten parteipolitischen Seilschaften, wenig Aufstiegsmöglichkeiten und der Kampf um einen kleiner werdenden "Kuchen" begünstigt die Ellbogenmentalität. Mitzuerleben, wie Schulleiter ehrfurchtsvoll das Wort Inspektor aussprechen, läßt den Grad der Autoritätsgläubigkeit erahnen. Und in welchem Lehrerkollegium gibt es nicht auch die Schwachen, vorauseilend Gehorsamen, die aus Angst, selbst zum Opfer zu werden, andere zum Opfer machen. Stufen des Burn-out bei LehrerInnenStufe eins beginnt immer mit einem Überengagement, fast Hyperaktivität. Stufe zwei bringt erste Ermüdungserscheinungen, man fragt sich: ,Hat das alles einen Sinn?‘, beginnt, Kollegenkontakte zu vermeiden. Bei Stufe drei gehen die Betroffenen auf Rückzug, sie werden zynisch, verlieren die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Ein Großteil der Gefährdeten hat aber schon Stufe vier oder fünf erreicht. Typisch für diese Phase sind Fluchtphantasien. Man denkt immer daran, nicht mehr in die Schule gehen zu müssen. Viele können ihre Pensionierung kaum noch erwarten, rechnen ständig nach, wie viele Jahre sie noch arbeiten müssen. Dazu kommen das Gefühl innerer Leere und starke Schuldgefühle, ein schlechter Lehrer zu sein. Bei Stufe sieben wächst die Erschöpfung rasant, Stufe acht bringt völlige Hoffnungslosigkeit, existenzielle Verzweiflung. In dieser Lage kann kaum noch einer arbeiten. Lange Krankenstände oder die Frühpension sind unvermeidlich. Aggressive Schüler dezimieren die Arbeitskraft von Lehrern
Esther Lauper (2001) liefert eine Liste der Erscheinungformen des Lehrermobbings: SchülerInnen und Eltern
LehrerkollegInnen
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Ratschläge für gemobbte LehrerInnen
- Die wichtigste Empfehlung, die von vielen Mobbing-Fachleuten gegeben wird: Vergraben Sie sich nicht mit Ihrem Kummer! Gehen Sie nach außen, auch wenn Ihnen das von Ihrer Natur her nicht so sehr liegt. Es gibt Möglichkeiten des anonymen Informationsaustausches per Internet. Falls Sie selbst nicht darüber verfügen, gibt es den Zugang über Freunde, Kollegen, Familienmitglieder oder öffentliche Einrichtungen. Resignieren Sie nicht angesichts solcher Schwierigkeiten.
- Fügen Sie sich nicht in die Opferrolle! Sagen Sie: "Ich werde gemobbt!" Sagen Sie aber nicht: "Ich bin ein Mobbingopfer!" Erkennen Sie den Unterschied?
- Vermeiden Sie, wenn es irgend geht, Machtkämpfe. Suchen Sie nicht die Schlacht, sondern Lösungen.
- Geben Sie niemals auf! Sie wissen, dass Mobbing bösartig und auf Schädigung aus ist. Man kann wie ein Boxer zu Boden gehen, darf aber nicht liegen bleiben. Blicken Sie nach oben!
- Lassen Sie sich auf keinen Fall gehen und üben Sie Ihre Selbstdisziplin. Geben Sie sich keinen exzessiven Genüssen hin, die Ihre Gesundheit zusätzlich belasten könnten.
- Suchen Sie den Beistand von Kollegen und Freunden.
- Bewahren und mehren Sie Ihre Handlungsmöglichkeiten. So lange wir nach neuen Möglichkeiten zur Abwehr oder zur Überwindung von Mobbing suchen, fällt es uns leichter, uns trotz Anfeindungen aufrecht zu halten.
- Gewerkschaftsmitglieder erhalten Rechtsschutz auch im Mobbingfall. Falls auch Ihr Kontrahent Gewerkschaftsmitglied ist, kann die Gewerkschaft mit Mediation helfen.
- Manchmal ist es klüger, den geordneten Rückzug anzutreten als sich weiter dem täglichen Kleinkrieg zu stellen, der Ihnen aufgezwungen wird und den Sie doch so gar nicht wollen.
- Schleppen Sie sich nicht krank zum Dienst. Fürchten Sie nicht den Vorwurf, ein Simulant zu sein. Ob Sie die Kraft haben, Ihren Dienst ordentlich zu verrichten oder nicht, wissen allein Sie und Ihr Arzt.
- Strecken Sie Ihre Fühler nach draußen, suchen Sie Anschluss an eine Gruppe von Gleichgesinnten, für Supervision oder Coaching. Suchen Sie draußen, um drin bleiben zu können.
- Gehen Sie (wenn keine andere Lösung in Sicht ist) besser rechtzeitig erhobenen Hauptes aus der Mobbingsituation hinaus als sich darin aufzureiben.
Quelle: Kasper, Horst (2004). Wer mobbt, braucht Gewalt. Das Handbuch für die mobbingfreie Schule. Stuttgart.
