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Mobbing als Bedrohungsbild bei Lehrern

Das Burn-out-Syndrom bezeichnet einen vollständigen und für die Betroffenen zunächst unerklärlichen Motivationsverlust. Dieses "Ausbrennen" geschieht nicht schlagartig, sondern geht schleichend voran. Zentrale Faktoren bei der Entstehung von Burn-out sind oft mit großem Ehrgeiz verfolgte Ziele und Bedürfnisse, die nicht oder nur mit großen Opfern erreicht werden können. Daraus können dann bei Nichterreichen der Ziele Verzweiflungsgefühle und bei Erreichen Erschöpfungszustände resultieren. Dies geht meist mit einem Rückzug aus dem gewohnten sozialen Umfeld einher. Das Endstadium des Burnout - "Meltdown" - ist durch chronische Hilflosigkeitsgefühle und Suizidgedanken geprägt.

Arbeitsblätter Mobbing

War das Burn-out-Syndrom in der ersten Hälfte der 90iger Jahre ein medialer Renner und ein Hinweis auf die psychische Befindlichkeit von Lehrern, so taucht nunmehr der Begriff Mobbing immer häufiger auf. Der wesentliche Unterschied: War Burn-out ein allgemeines Symptom ohne personifizierbare Ursache, ist Mobbing die konkrete Diskriminierung Einzelner durch Einzelne. Mobbing ist eine Erniedrigung, die sich im Schulwesen noch mit dem Gefühl der besonderen Hilflosigkeit paart. Im angestammten Beruf gibt es praktisch keinen anderen Arbeitgeber als den Staat. Ausweichen ist nicht möglich. Das streng hierarchisch aufgebaute System mit verfilzten parteipolitischen Seilschaften, wenig Aufstiegsmöglichkeiten und der Kampf um einen kleiner werdenden "Kuchen" begünstigt die Ellbogenmentalität. Mitzuerleben, wie Schulleiter ehrfurchtsvoll das Wort Inspektor aussprechen, läßt den Grad der Autoritätsgläubigkeit erahnen. Und in welchem Lehrerkollegium gibt es nicht auch die Schwachen, vorauseilend Gehorsamen, die aus Angst, selbst zum Opfer zu werden, andere zum Opfer machen.

Siehe dazu Schülerängste - Lehrerängste.

Stufen des Burn-out bei LehrerInnen

Stufe eins beginnt immer mit einem Überengagement, fast Hyperaktivität. Stufe zwei bringt erste Ermüdungserscheinungen, man fragt sich: ,Hat das alles einen Sinn?‘, beginnt, Kollegenkontakte zu vermeiden. Bei Stufe drei gehen die Betroffenen auf Rückzug, sie werden zynisch, verlieren die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Ein Großteil der Gefährdeten hat aber schon Stufe vier oder fünf erreicht. Typisch für diese Phase sind Fluchtphantasien. Man denkt immer daran, nicht mehr in die Schule gehen zu müssen. Viele können ihre Pensionierung kaum noch erwarten, rechnen ständig nach, wie viele Jahre sie noch arbeiten müssen. Dazu kommen das Gefühl innerer Leere und starke Schuldgefühle, ein schlechter Lehrer zu sein. Bei Stufe sieben wächst die Erschöpfung rasant, Stufe acht bringt völlige Hoffnungslosigkeit, existenzielle Verzweiflung. In dieser Lage kann kaum noch einer arbeiten. Lange Krankenstände oder die Frühpension sind unvermeidlich.
Quelle: Erich Gamsjäger in den OÖN vom 29.1.2009

Aggressive Schüler dezimieren die Arbeitskraft von Lehrern

Bei einem Teil der älteren Lehrer bleibt eine hohe Arbeitskraft erhalten, bei einem anderen Teil sinkt sie rapide. Extrem große Unterschiede beobachtet eine Studie von Anja Philipp (Universität Freiburg) und Kollegen. Etwa hundert Lehrer wurden befragt; ein Fünftel gab an, die Arbeitsfähigkeit habe sich während der letzten zwölf Monate verschlechtert, ein anderes Fünftel berichtete im gleichen Zeitraum eine Verbesserung. Die Lehrer mit ungünstiger Entwicklung leiden v.a. unter verbalen Aggressionen von Schülern. Demgegenüber treten zwei weitere Belastungsfaktoren eher zurück: Zeitdruck und fehlende Erholungspausen; mangelnde Unterstützung durch Kollegen. Philipp und Kollegen empfehlen frühzeitige "personbezogene Maßnahmen zur langfristigen Erhaltung und Förderung der Arbeitsfähigkeit - z.B. Trainings spezifischer und effektiver Bewältigungsstrategien." Dabei könnten jüngere sowie ältere Lehrkräfte in kollegialen Beratungssitzungen von den Erfahrungen gesunder, erfolgreicher KollegInnen profitieren.

Quellen:

Philipp, Anja, Schüpbach, Heinz & Krause, Andreas (2008). Altersdifferenzen in der Arbeitsfähigkeit von Lehrkräften. Wirtschaftspsychologie, 3,.

Krause, A., Philipp, A. & Schüpbach, H. (2006). Altersdiversität in Lehrerkollegien: Kooperation und Konflikte zwischen Altersgruppen an Schulen. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 3, 197-205.


Esther Lauper (2001) liefert eine Liste der Erscheinungformen des Lehrermobbings:

SchülerInnen und Eltern

  • Die Lehrperson wird systematisch lächerlich gemacht
  • Man macht sich über die Lehrperson lustig
  • Die Lehrperson wird angepöbelt oder beschimpft
  • Man lässt die Lehrperson nicht ausreden
  • Es werden Gerüchte und unwahre Aussagen über die Lehrperson verbreitet
  • Der Lehrperson wird ein regelwidriges Verhalten unterstellt
  • Sexuelle Provokationen gegenüber der Lehrperson
  • Sexuelle Belästigung der Lehrperson
  • Der Lehrperson werden unberechtigterweise sexuelle Übergriffe unterstellt
  • Das Alter oder das Geschlecht der Lehrperson wird als Grund angeführt, dass sie am falschen Ort sei
  • Eltern solidarisieren sich mit den Schüler/innen und mobben gemeinsam
  • Die Kompetenz der Lehrperson wird ohne echten Grund in Frage gestellt
  • Die Lehrperson wird diffamiert
  • Arbeitsmittel der Lehrperson werden versteckt oder zerstört
  • Die Schuleinrichtungen werden beschädigt oder zerstört
  • Die Lehrperson wird am Unterrichten gehindert
  • Das Fahrzeug der Lehrperson wird beschädigt
  • Die Lehrperson wird in ihrer Integrität verletzt
  • Über die Lehrperson werden private Dinge (z. B. Ausrichtung ihrer Sexualität ...) herumerzählt, mit dem Ziel, die Person in Frage zu stellen
  • Der Lehrperson wird unbegründet Unfairness oder Unkorrektheit unterstellt (Verleumdung)
  • Die Lehrperson wird beschuldigt, zuviel zu verdienen
  • Die Lehrperson wird in der Freizeit geplagt, z. B. anonyme Anrufe, falsche Bestellungen von Ware, u. a. Schikanen
  • Der Lehrperson werden unüblich viele und harte Streiche gespielt
  • Das Schulmaterial wird beschädigt oder zerstört
  • Manipuationen an technischen Geräten mit dem Ziel, den Unterricht zu beeinträchtigen (z. B. Computer)
  • Private Effekte der Lehrkraft werden beschädigt, versteckt, zerstört ...
  • Die Lehrperson wird unter Druck gesetzt und bedroht
  • Das Privatleben der Lehrperson wird ausspioniert und herumerzählt
  • Die Lehrperson wird bei der Schulbehörde verleumdet
  • Es wird eine Schlammschlacht (z. B. Presse) gegen die Lehrperson inszeniert
  • Die Eltern organisieren eine Hetzjagd
  • Der Lehrperson wird das Äusserungsrecht entzogen
  • Die Lehrperson wird nicht gegrüsst
  • Die Lehrperson wird offen (Schulraum, Schulareal, irgendwo) verspottet
  • Grimassen hinter dem Rücken der Lehrperson, Verulkungen
  • Anweisungen der Lehrperson systematisch werden ignoriert

LehrerkollegInnen

  • Jemand wird von Informationen ausgeschlossen
  • Jemand wird an Veranstaltungen systematisch nicht eingeladen
  • Jemand darf an Aktionen (Projektwochen u. a.) nicht teilnehmen
  • Jemand wird vor Schülern blossgestellt
  • Über jemand wird vor Schülern schlecht geredet
  • Es werden Bedenken über die Schulführung verbreitet
  • Kollegen beschweren sich ohne wirklichen Grund bei den Behörden über eine Lehrkraft
  • Kollegen äussern sich gegenüber Eltern über die betreffende Lehr-kraft
  • Gerüchte und Lügen machen die Runden
  • Das Privatleben einer Person wird ausgebreitet
  • Das Privatleben einer Person wird als Aspekt der Schulführung beigezogen
  • Persönliche oder schulische Effekte der Lehrperson werden beschädigt, verstellt, versteckt, zerstört ...
  • Diese Person kriegt immer den schlechtesten Stundenplan
  • Diese Person kriegt immer die schlechtesten Räume zugewiesen
  • Die Person wird gehänselt, verspottet ...
  • Es werden dauernd Witze über jemanden erzählt
  • Es werden Gerüchte über diese Lehrkraft verbreitet
  • Der Lehrkraft werden unbegründete Übergriffe unterstellt
  • Man lässt die Person nicht zu Wort kommen oder hört einfach nicht hin, übergeht ihre Voten
  • Die Person wird von positiven Zuwendungen (Lob, Znüni u. a.) ausgeschlossen
  • Schulmaterial oder Geräte der Lehrkraft werden beschädigt, vernichtet, manipuliert ...
  • Man schafft Bedingungen, in denen die Lehrkraft ihre Stärken nicht zeigen kann
  • Abwertende Blicke und Gesten
  • Die Person wird vom Austausch von Unterrichtsmaterialien ausgeschlossen
  • Niemand arbeitet mit der Lehrperson zusammen
  • Die Lehrperson wird isoliert

Quellen:
Rudolph, Herbert (o.J.).
Mobbing als Bedrohungsbild.
WWW: http://lehrer.freepage.de/
cgi-bin/feets/freepage_ext/
41030x030A/rewrite/foel/
Fm991/mobbing.htm (02-11-29)
Lauper, Esther (2001). Mobbing im Bildungsbereich (2001).
WWW: http://www.neueslernen.ch/ (03-03-01)
Brück, Horst (1986). Die Angst des Lehrers vor seinem Schüler. Rheinbeck bei Hamburg: Rowohlt.
Weidemann, Bernd (1983). Lehrerangst. Ein Versuch, Emotionen aus der Tätigkeit zu begreifen.München: Ehrenwirth.

Ratschläge für gemobbte LehrerInnen

Quelle: Kasper, Horst (2004). Wer mobbt, braucht Gewalt. Das Handbuch für die mobbingfreie Schule. Stuttgart.



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