[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Arbeitszeit, Zeitplanung und Zeitmanagement bei StudentInnen

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben,
sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.
Seneca

Mit der Möglichkeit, den Tagesablauf frei einteilen und planen zu können, fällt einem als Student ein Geschenk zu, von dem viele andere, die in feste Arbeitszeiten eingebunden sind, nur träumen können. Diese Freiheit hat aber zwei Gesichter: Sie ermöglicht die freie Entscheidung darüber, wie man die Arbeitszeit plaziert. Man kann also die Zeit nicht nur frei einteilen, sondern man muß es eben auch! Und angesichts einer Fülle von Ablenkungen und angesichts der Gefahr, mangelnde Leistungen mit nicht studienbezogenen Aktivitäten entschuldigen zu können, seine Zeit selbstverantwortlich frei einzuteilen, das ist schwer! Die häufigsten Mängel und Belastungen, mit denen Studenten in ihrem Arbeitsverhalten und ihrer Zeiteinteilung zu kämpfen haben, sind:

Die akademische Freiheit verlangt ein großes Maß an Eigeninitiative und Selbstdisziplin. Man plant daher lang-, mittel- und kurzfristig und entwickelt lang-, mittel- und kurzfristige Zeitpläne nach der Methode der allmählichen Präzisierung.

Bei der langfristigen Zeitplanung legst man die fernen Ziele fest, zum Beispiel die 1. Diplomprüfung. Die Fernziele sind allerdings soweit entfernt, daß man sie nur über Zwischenziele erreichen kann, die man durch mittelfristige Planungen festlegen muß. Während man langfristigen Ziele in der Regel nur grob zu strukturieren vermag, kannst man über mittelfristigen Ziele schon genauere Angaben machen. Die kurzfristigen Pläne enthalten dann ganz genaue Angaben darüber, welche Aufgaben man in welcher Reihenfolge mit welchem Zeitaufwand angehen will. So erhältst ,am von der Grobzielplanung zur Feinzielplanung eine allmähliche Präzisierung und Konkretisierung der Arbeitsaufgaben und Zeitpläne. Dieses stepwise refinement bringt eine Reihe von Vorteilen:

Dabei bleibt es jedem natürlich überlassen, wie genau man plant. Der eine macht das alles im Kopf und nur ungefähr, der andere plant ziemlich genau und schreibt sich alles auf. Allerdings verfügt man an einem Tag nur über ein begrenztes Leistungsvermögen, die Effizienz der Arbeit richtet sich nach dem Wachheitsgrad und verschiedene Tätigkeiten verlangen verschiedene Wachheitsgrade. Zu einer erfolgreichen Tagesplanung müssen daher auch physiologisch bedingte Leistungsschwankungen unseres Organismus im circadianen Rhythmus betrachtet werden. Durchschnittlich kann man pro Tag etwa vier Stunden lang anspruchsvolle Tätigkeiten, vier Stunden lang halb anspruchsvolle Tätigkeiten und zwei bis drei Stunden lang wenig anspruchsvolle Tätigkeiten verrichten. Die Leistungskurve eines Menschen über einen Tag hinweg sieht in der Regel ungefähr so aus:


Quelle: http://141.28.217.113/ratgeber/content/e3/e1874/e1910/e1964/e1970/leistungskurve.gif (03-07-09)

Man muß daher die einzelnen Tätigkeiten nach ihrem Schwierigkeitsgrad bzw. nach dem Konzentrationsbedarf gewichten. Zum Beispiel fällt es schwer, ganz neuen Stoff zu verstehen, während es nur wenig Konzentration benötigt, eine Vorlesungsmitschrift zu lochen und einzuheften. Man sollte immer die anspruchsvollsten Tätigkeiten ausführen, die man zum jeweiligen Zeitpunkt schaffen kann. Man muß daher die Tätigkeiten sinnvoll über den Tag verteilen. Zum Beispiel wäre es angesichts obiger Wachheitskurve töricht, zwischen neun und zwölf Uhr morgens stur in der Bibliothek Bücher zu suchen, dafür ist später noch Zeit; statt dessen sollte man ein Leistungshoch für die anspruchsvollsten Tätigkeiten des Tages nutzen.

Natürlich können diese Zeiten individuell sehr unterschiedliche sein, man denke nur an den "Morgenmensch" und den "Abendmensch". Hier empfiehlt sich, eine Selbstbeobachtung durchzuführen und den täglichen Lernstoff in Übereinstimmung mit der Leistungsfähigkeit zu organisieren. Dazu muß man sich natürlich über den persönlichen Tagesrhythmus klar werden, manche haben ihre Hochphase vormittags oder nachmittags, manche abends oder gar nachts, was aber eher die Ausnahme ist. Die Tiefphasen sind auch gut für Pausen geeignet. Siehe dazu Biologische Rhythmen.

Hier ein paar Tipps, die allerdings nicht für jeden in gleichem Ausmaß hilfreich sein werden: Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß man seine Pläne, wie detailiert sie auch sein mögen, stets anpassen sollte, da sich Ziele selbst ändern können oder auch die für die einzelnen Phasen angesetzte Zeit sich als zu hoch oder zu niedrig herausstellen kann. Pläne seind keine starren Instrumente, sondern sollten flexibel gehandhabt werden!

Zur Bewertung der Zeitplanung sind folgenden Fragen nützlich:

Quelle:
Hitchhiker Lernen im Studium
WWW: http://third.informatik.uni-kl.de/~hh/node7.html (99-07-07)


Sehr empfehlenswert sind die webpages von Lothar Seiwert, einem Experten zum Thema Zeitmanagement, der zahlreiche Bücher dazu geschrieben hat.

 


  Leistungssteigerung durch Pausen

Quelle:
Bligh, D. (1971). What's the Use of Lectures. Exeter: Briar House.

Praktischer Tipp: StudentInnen sollten für ihr Studium eine Art Jobmentalität entwickeln, d .h., ihr Studium wie eine Berufstätigkeit zu organisieren, denn das hilft dabei, eine klare Trennung von Arbeits-, Alltags- und Freizeitphasen zu finden!

Lebensbalance und subjektives Wohlbefinden

Gröpel (2003, Universität Osnabrück) untersuchte die Bedeutung der Lebensbalance für das subjektive Wohlbefinden. Der Begriff "Lebensbalance" stammt ursprünglich von der Konzeption des ganzheitlichen Zeitmanagements (Seiwert, 1992, 2000), bei der es um die subjektive Angemessenheit der Zeitaufwendung für die wichtigsten Lebensbereiche (Leistung/Beruf, Kontakt/Familie, Körper/Gesundheit, Sinn) geht. Die in dieser Konzeption vermuteten Zusammenhänge der Lebensbalance mit dem Wohlbefinden und Stress wurden bislang empirisch nicht überprüft. Ziel der Studie war es, die postulierten Zusammenhänge zu überprüfen, und zu untersuchen, welche Rolle persönlichkeitsrelevanten Selbststeuerungsfunktionen (z.B. Selbstmotivierung, Selbstzugang) dabei zukommt.

67 Studierende der Universität Osnabrück nahmen an der Untersuchung teil. Lebensbalance wurde mit der "Lebensbalance Checkliste" und dem "Lebensbalance Fragebogen" erhoben. Zur Messung des subjektiven Wohlbefindens (SWB) wurden die "Satisfaction with Life Scale" (Diener et al., 1985), der "Befindlichkeitsfragebogen" (Kuhl & Kazén, 1998) und die "Well-Being Scale" (WBS-5; Bonsignore et. al, 2001) benutzt. Selbststeuerung und Stress wurden mit dem "Selbststeuerungsinventar" (SSI K; Kuhl & Fuhrmann, 1998) gemessen.

Wie erwartet ließ sich eine positive Beziehung zwischen Lebensbalance und SWB nachweisen, die allerdings nur für die affektive Komponente des Wohlbefindens signifikant war. Eine negative Korrelation wurde weiterhin zwischen Lebensbalance und Alltagsstress festgestellt. Darüber hinaus wiesen die Daten auf einen Zusammenhang mit dem Selbstzugang und der Handlungsbahnung hin.

Eine Liste von für StudentInnen typischen Zeitfressern:

Emails
Internetsurfen
YouTube
Twitter
Mobiltelefon
KommilitonInnen
Small talk in Mensa, Bibliothek, Cafeteria
Wartezeiten beim Kopieren, Einkaufen, Supermarktkasse, in der Uni-Verwaltung, vor Vorlesungen oder Übungen
Mehrfache Wegzeiten durch nicht organisierte Termine
Aufschieberitis beim Aufstellen eines Lernplanes, beim Startschuss für die Lernphase
Anlaufzeiten beim Aufstehen, beim Lernen, nach Pausen, nach dem Essen
Stundenlanges Lesen ohne Notizen, Markierungen
Lesen und Lernen ohne konkretes Ziel und ohne Struktur
Irgendetwas tun um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen
Inkonsequenzen beim Nein-Sagen
Entscheidungsschwäche
Perfektionismus
Man nimmt sich zuviel vor

Quellen 

Metzig, W. & Schuster, M. (1993). Lernen zu Lernen. Berlin: Springer.

https://www.beratung-therapie.de/leistungsproblematik/zeitmanagement/zeitmanagement.html (01-01-30)
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/Arbeitszeit.html (02-11-09)
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/Zeitmanagement.html (02-11-09)
http://third.informatik.uni-kl.de/~hh/node7.html (99-07-07)
http://141.28.217.113/ratgeber/content/e3/e1874/e1910/e1964/e1970/leistungskurve.gif (0207-09)



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