Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke Wahrheit.
Die glaubt niemand!
Max Frisch
Lügen, Täuschen und Verdecken
Man geht in der Psychologie davon aus, dass Lügen lebensnotwendig sind, denn sie dienen dazu, das Selbstwertgefühl zu erhöhen und einen leichteren Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu ermöglichen bzw. weil sie auch das Miteinander mit anderen Menschen erleichtern. In den 70er Jahren hat der amerikanische Psychologe John Frazer Alltagsgespräche analysiert und die bis heute nicht unumstrittene These aufgestellt, dass Menschen etwa zweihundertmal am Tag lügen, wobei Wahrheit auch in der Lügenforschung nicht eindeutig definierbar ist. Im Alltag lügen Menschen meist aus prosozialen Gründen, oder um das Gesicht zu wahren, eher seltener aus antisozialen Absichten, denn prosoziale Lügen helfen, dem Gegenüber ein besseres Gefühl zu geben. Nur mit den antisozialen Lügen nimmt man in Kauf, dass sie Schaden beim Gegenüber oder einem Dritten anrichten. Zwar gibt es Menschen mit einer pathologischen Neigung, die Unwahrheit zu sagen, doch denen begegnet man eher selten. Übrigens: Die einzigen Menschen, die sicher nicht lügen, weil sie nicht in der Lage dazu sind, sind Autisten, denn ihnen fehlt die Wahrnehmung für das soziale und emotionale Miteinander.
Nicht zuletzt sind es Selbstlügen, die manchen Menschen das Leben erträglich machen, wobei diese Schwindeleien allmählich in die Persönlichkeit integriert werden und es zunehmend schwieriger wird, diese von einer objektiven Position aus noch als Unwahrheit zu definieren. Die wichtigsten Lügen dienen dem Selbstschutz (41%), also um sich Ärger zu ersparen, 14% lügen, um sich mit einer Konfliktsituation nicht auseinandersetzen zu müssen (Selbstschutz), 8,5% lügen aus Angst, um geliebt zu werden oder um Anerkennung nicht zu verlieren, 6% lügen, um sich besser darzustellen. Kleine Lügen bzw. "selektive Informationsangaben" gehören also zum alltäglichen Miteinanderumgehen: Man setzt häufig kleine Lügen ein, um jemanden nicht zu kränken, um komplizierte Auseinandersetzungen und Erklärungen zu umgehen. Häufig wird dadurch niemand so recht benachteiligt. Bei vielen Spielen sind Lügen, Täuschen oder Pokern sogar wesentliche Bestandteile. Problematisch werden Lügen dann, wenn sie gezielt eingesetzt werden, um andere zu täuschen und in unvertretbarer Form zu benachteiligen, zu desinformieren oder in die Irre zu führen. Vermieter oder Verkäufer informieren Interessenten bewusst nicht über bestimmte Mängel der Objekte. Politiker machen Versprechungen, von denen sie von vornherein wissen, dass sie diese nicht einhalten können. Antragsteller von Sozialhilfe unterschlagen die Angabe vorhandener Ersparnisse oder die Existenz von Besitz, um in den unberechtigten Genuss von Sozialhilfe zu gelangen. Aus diesem Grunde kann es wichtig sein, herauszufinden, wann Personen Lügen einsetzen oder ihr Gegenüber zu täuschen versuchen.
Einer Umfrage zufolge wird im Internet als Selbstschutzmaßnahme besonders häufig die Notlüge angewendet, denn über die Hälfte der UserInnen hat im Internet schon geschummelt, wobei viele daran auch nichts Verwerfliches finden, da es sich um Selbstschutz vor Datendieben, böswilligen Lauschern oder Menschen mit unredlichen Absichten handelt. Jeder Vierte hat daher keine Skrupel beim Flunkern zum Beispiel im sozialen Netzwerk Facebook, was gewährleisten soll, dass man anonym bleibt und dadurch auch weniger anfällig für Belästigungen ist. Jeder Vierte gibt deshalb einen falschen Namen an, aber auch Alter und Kontaktdaten sind häufig falsch.
David Larcker und Anastasia Zakolyukina (Stanford Universität) haben die Sprache und Wortwahl von Chefs analysiert und fanden, dass sie bei Lügen seltener in der ersten Person - „ich“ oder „wir“ - sprachen, sondern stattdessen lieber auf das Team oder„die Firma verwiesen. Sie verwendeten auch überzufällig oft Killerphrasen, die Nachfragen unterbinden sollten, beispielsweise "wie Sie sicherlich wissen...".
Häufig wird emotionales Verhalten intentional eingesetzt um emotionale Zustände vorzutäuschen. Das geschieht z.B. im Rahmen des "representation management" (Patterson, 1991). Um einen bestimmten Eindruck bei Dritten zu erwecken, wird ein z.B. positives, emotionales Verhalten gezeigt, oft überbetont. Patterson gibt folgendes Beispiel. Der Vorgesetzte des Ehemanns oder Ehefrau ist zum Essen eingeladen und es wird versucht das Bild einer "harmonischen" Familie vorzutäuschen, obwohl die aktuelle Beziehung nicht diesem Ideal entspricht. Dabei kann es zu ungewollten Effekten kommen. Einmal tritt das Problem auf, dass spontanes und willkürliches emotionales Verhalten sich unterscheiden. Z.B. in der zeitlichen Verlaufsstruktur des Lächelns, es wird zu lange gelächelt, das Lächeln fällt zu schnell ab oder es ist asymmetrisch, was ein Anzeichen für einen gestellten emotionalen Ausdruck ist. Ein weiteres Problem besteht darin, dass keine Identität zwischen dem vorgetäuschten und dem tatsächlichen emotionalen Zustand herrscht. Es kann also passieren, dass genuines emotionales Verhalten auftritt. Dieses Phänomen bezeichnet man als "leakage", es gibt eine undichte Stelle, ein Leck in der Täuschung. Es kann z.B. kurzzeitig eine Ärgermimik sichtbar werden. Wird die Person sich dieses der eigentlichen Intention widersprechenden Verhaltens bewusst, kann es durch ein sich unmittelbar anschließendes Lächeln maskiert werden.
Die mentiologische Forschung (lat. "mentiri" = "lügen") unterscheidet verschiedene Kategorien von Lügen:
- Die Selbstlüge
Die Selbstlüge wird benutzt, um unliebsame Wahrheiten zu verdrängen. Wenn Menschen sichbetrunken ans Steuer setzen und sich einreden, sie hätten nach wie vor alles unter Kontrolle. Man sagt: "Das ist die letzte Zigarette!", obwohl man genau weiß, dass man der Sucht nicht widerstehen kann. Mithilfe dieser Art Kontroll-Illusion kann man es aber auch schaffen, erfolgreich gegen Lebensängste anzukämpfen. - Die Notlüge aus Freundschaft
Viele Schwindeleien entspringen vornehmlich dem Wunsch, seinen Mitmenschen eine Freude zu machen, sie nicht bloßzustellen oder gar zu verletzen. Man denke nur an die "nette" todlangweilige Party oder an die völlig missratene Frisur, die der Nachbarin "wirklich gut steht". - Die Geltungslüge
Diese betrifft vor allem um Übertreibungen, mit denen andere Menschen beeindruckt werden und die das Bedürfnis nach Anerkennung stillen. Da wird der kleine Hügel, den man im Urlaub bestiegen hat, schnell zu einem Dreitausender. - Die Angstlüge
Der Schutzfaktor bei der Angstlüge ist meist gering, da sich diese meist leicht überprüfen lässt. Statt ehrlich einen Fehler zuzugeben, will man den anderen etwas vormachen, etwa aus Angst vor unangenehmen Konsequenzen oder Bestrafungen. - Die skrupellose Lüge
Lügen, die gezielt eingesetzt werden, um andere zu täuschen und zu benachteiligen, zu desinformieren oder in die Irre zu führen, haben den eigenen Vorteil zum Zweck und werden oft von karrieresüchtigen Menschen verwendet. Um sich selbst ins rechte Licht zu rücken, werden Kollegen oder Familienmitglieder beschuldigt, anstatt die eigenen Fehler einzugestehen.
Umberto Eco (Der Friedhof in Prag)
Entdecken von Lügen
Um Lügen zu entdecken bzw. das Zurückhalten von Emotionen besser zu erkennen, kann man sich die Erkenntnisse der nonverbalen Kommunikation zunutze machen, denn Menschen setzen sehr viele Kanäle zur Expression ihrer Emotionen sein, und es ist faktisch unmöglich, alle diese Kanäle einzeln bzw. gleichzeitig zu kontrollieren (DePaulo 1992). Selbst Personen, die häufig lügen und damit sehr geübt im Lügen sind, können sich durch Unstimmigkeiten zwischen den Kanälen verraten. Wenn sie sich beispielsweise besonders auf den Augenkontakt und den Gesichtsausdruck konzentrieren, offenbart sich ihre Lüge durch die weniger beobachteten Kanäle, z.B. die Körperbewegungen und die Körperhaltung oder durch Veränderungen bei den nonverbalen Aspekten der Sprache, etwa der Tonlage der Stimme. Es gibt so etwas wie eine Hierarchie der Kontrollierbarkeit der verschiedenen nonverbalen Kanäle, denn während die Gesichtsmimik relativ gut kontrollierbar ist, sind Gesamtkörperhaltung und die Bewegungen der distalen Körperteile (Hände, Füße) als deutlich weniger kontrollierbar.
Tipp: Um bei Menschen einzuschätzen zu lernen, wann sie lügen, sollte man diese Person zunächst beobachten, wie sie sich bei der Wahrheit verhält. Alle Beobachtungstechniken zum Erkennen von Lügen funktionieren deutlich besser, wenn man einschätzen kann, wie sich eine Person verhält, wenn sie die Wahrheit sagt.
Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
Pseudologen - so bezeichnet man krankhafte LügnerInnen - suchen durch ihr Lügen in der Regel kindliche Entbehrungen mit Hilfe von Lügengeschichten zu kompensierten bzw. dient die Lüge einer seelischen Entlastung in Situationen, die ein Pseudologe anders nicht bewältigen könne. Der Pseudologe lügt, weil ihm die Lüge Anerkennung und Zuwendung sichert, wobei die Anerkennung dabei auf das Umfeld des Pseudologen abstrahlt, das daher oft nicht die Lügengeschichten hinterfragt. Die Pseudologia Fantastica setzt immer zweierlei voraus: Den Lügner und den, der sich belügen lässt. Über die Anzahl der Pseudologen gibt es keine verlässlichen Zahlen, unter anderem auch deshalb, da die Pseudologia Fantastica in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) nicht als Einzelphänomen verzeichnet ist. Die Pseudologia Fantastica zeigt dennoch ein charakteristisches Muster abnormen Verhaltens, eben dranghaftes Lügen, und ist eine charakteristische Störung der Impulskontrolle, wobei den Pseudologen Schuld- und Schamgefühle fehlen. Die Pseudologia Fantastica ist daher ein Syndrom, das unter die narzisstische Persönlichkeitsstörung fällt, das in der ICD aufgeführt ist, und ist somit nur Teil verschiedener Störungen wie etwa des Münchhausen-Syndroms, bei dem Menschen mit dem Ziel ärztlicher Behandlung Krankheiten erfinden oder selbst hervorrufen. Allerdings ist nicht jeder, der lügt, ist schon ein Pseudologe, denn Selbstwertkrisen kennt jeder und neigt daher auch mal dazu, sein Leben ein wenig schöner und spannender zu sehen, als es wirklich ist.
"Will"-Hypothese vs "Grace"-Hypothese
Die "Will"-Hypothese besagt, dass Ehrlichkeit die Fähigkeit ist, der Versuchung zum Lügen zu widerstehen, und steht im Gegensatz zur "Grace"-Hypothese, die davon ausgeht, dass bei vielen ehrlichen Menschen überhaupt keine Versuchung zum Lügen besteht und sie folglich auch gar nicht dagegen ankämpfen müssen. Joshua Greene und Joseph Paxton (Harvard-Universität, Cambridge) ließen in einer Studie ProbandInnen den Ausgang eines Münzwurfs vorhersagen. Lagen diese mit ihrer Vorhersage richtig, erhielten sie einen kleinen Geldpreis, wobei man jedoch auch die Möglichkeit hatte, zu schwindeln und zu behaupten, den Ausgang des Wurfs richtig vorhergesagt zu haben. Die Gehirnaktivität der ProbandInnen war eindeutig: Bei ehrlichen Menschen gilt die "Grace"-Hypothese, denn es zeigte sich bei ihnen keinerlei Hirnaktivität im präfrontalen Cortex (Kontrollzentrum für die Steuerung von Handlungen), die auf einen inneren Zwiespalt oder auf ein aktives Ankämpfen gegen die Versuchung hinwies. Bei ProbandInnen, die in den Versuchen auch einmal logen, zeigte sich eine Hirnaktivität, die auf einen solchen Widerstreit schließen ließ, allerdings sowohl wenn sie die Wahrheit sagten, als auch wenn sie betrogen.
Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/305266.html (09-07-14)
In Emails wird mehr gelogen
Charles Naquin et al. (University of South Carolina) haben in zwei Experimenten die Ehrlichkeit ihrer Probanden (48 Studenten) getestet, die in einem Versuch eine imaginäre Kasse mit dem Inhalt von 89 Dollar geschenkt bekamen und einem unbekannten Versuchspartner entweder per E-Mail oder per Brief mitteilen sollten, wie viel Geld in der Kasse war und wie viel davon sie zu teilen bereit wären. Von den Studenten, die per E-Mail kommuniziert hatten, logen 92 Prozent und änderten den Wert der Kasse zu ihren eigenen Gunsten. Von den Briefschreibern logen hingegen nur 63 Prozent. In einem anderen Experiment sollten 177 Manager in Dreiergruppen gegeneinander antreten, wobei jeder von ihnen als Leiter einer Forschungsgruppe mit den anderen um Forschungsgelder wetteifern musste. Obwohl sich die Teilnehmer untereinander kannten und jede Lüge am Schluss aufgedeckt werden sollte, logen und betrogen wieder die Emailer öfter.
Quelle: http://www.psychologie-heute.de/news_kommunikation_gesellschaft/in_emails_wird_mehr_gelogen__100423.html (10-04-29)
Cheaten in Computerspielen
Auch in Computerspielen wird gelogen, wobei die Geschichte dieser Spiele auch eine Geschichte des Schwindelns ist, denn schon bei den ersten Spielen gab es Cheat-Codes, mit denen Spieler Unbesiegbarkeit erlangen oder schwierige Passagen überspringen konnten. Heute ist Cheating ein weit verbreitetes Phänomen, wobei etwa im Online-Shooter Counter-Strike oft eine Software nutzen, um den Gegner durch Wände hindurch sehen zu können, oder man verwendet Zielautomaten, um die Treffergenauigkeit zu steigern. Cheaten beruht vermutlich auf einem Verhalten, das auch im realen Leben benutzt wird, wo es mehr oder weniger toleriert, zum Teil sogar belohnt wird. Es sind die selben Denk- und Verhaltensstrukturen wie beim beschönigenden Lebenslauf, beim Versicherungsbetrug, der Steuerhinterziehung, in der Werbung und der Produktverpackung oder auch bei Kontaktanzeigen.
Quelle: Zeit online vom 29.11.2010
Die Unwahrheit kann um die Welt rennen,
bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat.
James Watt
Hinweise auf Lügen
Hinter dem Lügen steckt oft jahrzehntelanges Training, daher sind Alltagslügen so gut wie nicht zu entdecken. Nach Auffassung von Psychologen ist Lügen kognitive Schwerstarbeit, denn schließlich muss ein Lügner seine Geschichte plausibel darlegen, auf spontane Nachfragen schlagfertig reagieren und sich selbst seine eigenen falschen Ausführungen merken und seine Wirkung auf andere kontrollieren. Diese kognitive Belastung ist so groß, dass ihm kaum noch Kapazitäten bleiben, an der eigentlichen Schilderung eines Geschehens zu feilen und diese detailliert, widerspruchsfrei und authentisch an den Mann zu bringen. Aus diesem Grund fällt eine Lügengeschichte in der Regel weniger elaboriert aus als eine realitätsbasierte Schilderung. Darüber hinaus hinterlässt ein Erlebnis, das sich tatsächlich ereignet hat, stärkere Spuren im Gedächtnis als eine Lügengeschichte, denn während man bei einer Lüge meist lediglich akustische und visuelle Eindrücke widergibt, berichtet der wahr berichtende Mensch noch von anderen Sinneseindrücken wie etwa Gerüchen, Berührungen, Körper- und Kältegefühlen. Die neuronale Verankerung von tatsächlich Erlebtem ist im Gehirn immer komplexer und umfassender als die eines bloß erdachten Geschehens. Auch ist die strategische Ausgangslage eines Lügners ist schlechte, denn anders als derjenige, der sich auf ein reales Ereignis stützt, sieht er sich gezwungen, die Glaubhaftigkeit seiner Schilderung besonders betonen zu müssen. Aus diesem Grund meiden Lügner eher alle Äußerungen, die sie in ein schlechtes Licht rücken oder ihr Image beschädigen könnten. Besonders selbstkritische Überlegungen sind daher bei einem gezielt Lügenden weniger zu erwarten, d.h., es finden sich weniger Selbstvorwürfe und seltener spontane Korrekturen einer eigenen Erzählung. Wer eine Lügengeschichte präsentiert, überlegt sich zudem meistens einen Plot und liefert die Interpretation gleich mit, d.h., alles ergibt einen Sinn und stellt die Zuhörer vor keine Rätsel. Schließlich hat jeder Mensch die Doppelfunktion des Lügners und die des Lügenaufdeckers. Prinzipiell sind Mensch aber recht schlecht im Enttarnen einer Täuschung, wobei sie sich in der Regel bei ihren Fähigkeiten zum Entdecken von Lügen überschätzen.
Einige sehr spezifische vor allem nonverbale Hinweise auf mögliche Lügen sollen hier angeführt werden:
- Mikroexpressionen: Dies sind flüchtige Gesichtsausdrücke, die nur Bruchteile einer Sekunde dauern. Diese Reaktionen erscheinen auf dem Gesicht unmittelbar nach einer emotionsauslösenden Situation und sind schwer zu unterdrücken (Ekman 1985). Auf diese Weise können sie bei genauer Beobachtung entlarvend sein. Wenn also so etwas beobachtet wird, sollte man das Gesicht sehr genau ansehen. Wenn man dann einen Ausdruck wahrnimmt, der sehr schnell von einem anderen, aber verschiedenen Ausdruck gefolgt wird, dann darf man annehmen, dass die Person flunkert. Er konstruierte ein Nummerierungssystem für Bewegungen des Gesichts, das er mit den dazugehörigen Emotionen verknüpfte, darunter auch Empfindungen wie Angst, Misstrauen oder Bedrängnis, die auch beim Erzählen einer Lüge empfunden werden. Basierend diesen Arbeiten entwickelte Mark Frank eine Software, mit der Lügner anhand ihrer willkürlichen Mimik entlarvt werden können. Er automatisierte das Nummerierungssystem in einem Computerprogramm, wodurch verräterische Gesichtsbewegungen, die Verdächtige während einer Befragung zeigen, automatisch identifiziert werden können. Das Programm wurde auch bereits erfolgreich an Verdächtigen mit kriminellen Absichten getestet. Künftig soll es auch dazu dienen, potentielle Terroristen zu erkennen.
- Diskrepanzen zwischen den Kanälen: Es handelt sich dabei um Inkonsistenzen zwischen den nonverbalen Hinweisen der verschiedenen Kanäle. Solche Diskrepanzen resultieren aus der Tatsache, dass Personen Schwierigkeiten haben bei der Kontrolle aller Kanäle. Beispielsweise ein Angeklagter, der eine erfundene Geschichte erzählt, mag Erfolg damit haben, seinen Gesichtsausdruck zu kontrollieren und einen engen Augenkontakt mit der Jury aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig mag er jedoch Körperbewegungen zeigen, die das hohe Maß an emotionaler Erregung deutlich machen.
- Paralingustische Merkmale: Wenn Personen lügen, ändern sich häufig die paralinguistischen Merkmale der Sprache (Tonlage, Rhythmus der Sprache, Betonung) in auffälliger Form. Oft wird die Tonhöhe höher, der Sprachfluss langsamer und weniger flüssig (Zuckerman u.a. 1981). Dies ist besonders dann der Fall, wenn die Personen vermehrt bemüht sind, ihr Lügen zu kaschieren. Außerdem haben die Lügenden mehr mit der Reparatur der Sprache zu tun: Sie beginnen einen Satz, unterbrechen ihn, beginnen erneut usw. Alles dies deutet auf vermehrte bewusste Kontrolle und "Intervention" durch das Bewusstsein hin, auf ein Bemühen, das Gesagte gegenüber dem spontan Gedachten zu verändern, nachzubessern usw.
- Vermehrtes Augenblinken: Personen, die lügen, blinken häufiger als gewöhnlich mit ihren Pupillen. Sie zeigen vielfach auch ein ungewöhnlich geringes Maß an direktem Augenkontakt. Es kommt aber auch das genau Umgekehrte vor: Erfahrene Lügner haben es womöglich gelernt, dieses (entlarvende) Zeichen "naiver Lügner" zu kontrollieren, d.h. sie verstehen es, sehr gezielt und intensiv dem anderen beim Lügen in die Augen zu schauen. Aber gerade auch diese Intensität und dieses Anhalten kann wiederum vom Beobachter entlarvt werden.
- Übertriebene Gesichtsausdrücke: Lügende Personen zeigen häufig übertriebene Gesichtsausdrücke. Beispielsweise lächeln sie oft oder breiter als gewöhnlich. Oder sie zeigen mehr Trauer und Mitgefühl, als für sie oder in der Situation typisch ist.
- Unruhige Körperbewegungen: Gesamtkörperbewegungen sind vergleichsweise aufschlussreicher als Gesichtsbewegungen. Denn Lügen oder Täuschen werden oft von unruhigen Bewegungen der Hände und der Füße und einer unruhigen Haltung des Gesamtkörpers begleitet. Die Hand oder auch nur einige Finger bedecken den Mund, d.h., das Gehirn gibt unbewusst ein Zeichen, die Worte zu unterdrücken. Auch das Reiben der Unterseite der Nase als kleine Geste hat eine ähnliche Bedeutung. Wenn ein Kind etwas nicht sehen will, verdeckt es die Augen mit einer Hand oder mit beiden Händen, beim Erwachsener tritt oft das Augenreiben an seine Stelle, denn es ist der Versuch des Gehirns, Täuschung, Zweifel oder Abscheuliches fern zu halten oder den Blick in das Gesicht der Person, die belogen wird, zu vermeiden. Analog ist das Hände über beide Ohren Legen beim Kind beim Erwachsenen der Griff ans Ohr oder das Reiben hinter dem Ohr, das Zupfen am Ohrläppchen oder das Vorbiegen der Ohrmuschel. Wie die Berührung der Nase wird auch der Griff ans Ohr meiste von ängstlichen Menschen als Geste verwendet.
- Weggucken, Nicht-in-die-Augen-sehen: Im Alltag wird die Auffassung vertreten, dass jemand dann lügt oder täuscht, wenn er seinem Gegenüber nicht standfest in die Augen sehen kann. Eltern oder Lehrer fordern beispielsweise häufig Kinder, von denen sie annehmen, dass sie lügen, dazu auf: Sieh mir in die Augen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Fähigkeit, seinem Gegenüber ruhig und fest in die Augen zu schauen, keineswegs als Beleg für Ehrlichkeit angesehen werden kann. Erfahrene bzw. gekonnte Lügner haben es oft gelernt, dem Gegenüber besonders dann in die Augen zu schauen, wenn sie wirksam eine Lüge einsetzen wollen (Exline u.a. 1970; Reggio und Friedman 1983).
Diese und viele weitere Hinweise können ein Indiz für Lügen oder Täuschen sein. Es gibt jedoch keine mechanische Beziehung zwischen den genannten Signalen und von Täuschungen. In der Realität gelingt es Menschen nur sehr eingeschränkt, Lügnern auf die Schliche zu kommen. Dies drückt sich allein schon darin aus, dass die Mehrheit nicht davon überzeugt ist, Lügen aufdecken zu können (DePaulo u.a. 1997). Selbst Personen, die beruflich immer wieder darüber entscheiden müssen (Polizisten, Kriminalbeamte, Psychiater, Richter, Geheimdienstler u.a.), ob eine bestimmte Person die Wahrheit sagt oder nicht, unterlaufen in bezug auf die Einschätzung, ob eine bestimmte Person in einer bestimmten Situation lügt oder nicht, viele Fehler. In experimentellen Studien, in denen die Wahrscheinlichkeit, dies herauszufinden, bei 50 Prozent lag, erreichten verschiedene Personengruppen Trefferquoten, die nur wenig oberhalb der Zufallswahrscheinlichkeit. Selbst Vertreter des Sicherheitsdienstes, die die vergleichsweise besten Trefferquoten erreichten, lagen mit 64 Prozent nur wenig höher als die zufällig erreichbare Quote von 50 Prozent (Ekman und O'Sullivan 1991). In einer britischen Studie zeigte man Polizisten Aufrufe im Fernsehen, in denen Menschen unter Tränen um Hilfe bei der Suche nach Verwandten baten. Tatsächlich hatten einige die Vermissten selbst ermordet, wobei die Polizisten nicht automatisch besser waren, Lügen zu erkennen.
Die Schwierigkeit, Lügen und Täuschen aufzudecken, liegt teilweise auch daran, dass Beobachter verstärkt durch Gewohnheit darauf konzentriert sind, auf das Gesicht zu schauen. Damit entgeht ihnen leicht, was auf der anderen Seite im Bereich der Bewegungen des übrigen Körpers passiert. Versuche, die Fähigkeit des Entdeckens von Lügen und Täuschen durch spezielles Training zu verbessern, waren bislang wenig ergiebig (vgl. DePaulo und Friedman 1998, S. 18). Eine leichtere Verbesserung der Trefferquote wird häufig dann erreicht, wenn Beobachter systematisch dazu angehalten werden, auf den Ton des Sprechers zu achten (DePaulo u.a. 1982). Dies mag daran liegen, dass Sprecher damit besondere Schwierigkeit haben, den Sprachton zu kontrollieren, vor allem dann, wenn starke Gefühle mit im Spiel sind.
Ein erheblicher Grund, warum sich Lügen und Täuschen so schwer aufdecken lassen, liegt auch daran, dass die Signale für Lügen nicht immer eindeutig sind. Außerdem existieren erhebliche individuelle Unterschiede in bezug auf die Stile des Lügens. Wenn somit jemand in bezug trainiert wurde, das Lügenverhalten bestimmter Personen aufzudecken, hilft das nur in sehr eingeschränktem Maße in bezug auf andere Personen (Zuckermann u.a. 1984). Hinzu kommen schließlich so etwas wie festgefahrene kulturelle Stereotype darüber, wie sich Lügen darstellen und anhören. Wenn verschiedene Gruppen von Beobachtern (erfahrene Personenbeurteiler, unerfahrene Laien, Männer, Frauen, Gebildete, Ungebildete) mit einer Anzahl von Personen konfrontiert sind, von denen ein Teil die Wahrheit sagt, ein anderer Teil die Unwahrheit, und die Beobachter den Auftrag haben, diejenigen zu benennen, von denen sie denken, dass sie lügen, stellt sich folgendes heraus: Die Beobachter erreichen zwar die übliche niedrige Trefferquote, aber dafür benennen sie mit erstaunlicher Übereinstimmung die selben Personen (DePaulo und Friedman 1998, S. 20).
Paul Seager (Universität Central Lancashire) zeigte, dass Menschen die besonders auf ihren Instinkt vertrauen, Lügner schlechter erkennen als andere. Er hatte 200 ProbandInnen Videoaufnahmen gezeigt, in denen Menschen über ihre angeblichen Lieblingsfilme oder ihre favorisierten Entspannungstechniken Auskunft gaben. Anschließend sollten die Betrachter entscheiden, ob die aufgezeichneten Personen logen oder nicht. Zudem sollten sie angeben, ob sie glaubten, die Lügner "intuitiv" erkannt zu haben. Wie sich zeigte, schnitten jene Probanden, die meinten sich auf ihren "guten Instinkt" verlassen zu können, schlechter ab, als jene, die sich weniger auf ihren Instinkt beriefen. "Mit Intuition" wurden knapp 60 Prozent der Lügen entlarvt, "ohne" waren es immerhin fast 70 Prozent. Vermutlich konzentrierten sich die "Intuitiven" auf die falschen Signale, denn es würde oft fälschlicherweise angenommen, fehlender Augenkontakt oder ein ausweichender Blick seien typische Anzeichen einer Lüge.
Viele Menschen glauben übrigens, dass misstrauische Menschen einen Lügner eher erkennen und weniger leicht zu täuschen sind als Menschen mit einem großen Vertrauen. In einer kanadischen Studie fanden Carter & Weber (2010) überraschender Weise, dass vertrauensselige Menschen Lügner zuverlässiger erkennen als misstrauische, wobei je mehr ein Mensch anderen vertraute, desto besser konnte er zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden. Misstrauischen Menschen erkannten in einem Experiment auch weniger oft, wer ein Lügner war. Menschen, die anderen vertrauen, sind offenbar keine unverbesserlichen Optimisten, die sich das Blaue vom Himmel versprechen lassen, sondern sind wegen ihrer präzisen Einschätzung anderer sehr gut in der Lage, Menschen hinsichtlich ihrer Ehrlichkeit zu beurteilen. Ebenfalls in einer kanadischen Studie wurden Studenten, die von persönlichen Fehlern berichteten und dabei echte oder gespielte Reue zeigten, im Hinblick auf die Ernsthaftigkeit ihrer Reue verglichen. Dafür wurden die in Videoaufnahmen festgehaltenen Sequenzen in Einzelbilder zerlegt und analysiert, wobei man die gezeigten Gefühle den sieben Grundemotionen zuordnete: Freude, Trauer, Furcht, Ekel, Wut, Überraschung und Verachtung. Dabei zeigte sich, dass wer die Reue bloß vorspielte, sich viel stärker der sieben erfassten Grundemotionen bediente, schneller zwischen diesen wechselte und ein langsameres Sprechtempo zeigte, während echt Reumütige anfangs meist neutrale Emotionen wie Überraschung zeigten und auch nicht so schnell die Emotionen wechselten.
Siehe dazu auch
Nonverbale Kommunikation
Kinder und Lügen
Im Alter von etwa vier Jahren entwickelt sich die Lügenfähigkeit, bis zum Grundschulalter verbessert sie sich deutlich und wird in den folgenden Jahren teilweise bis zur Perfektion ausgebaut. Durch Rückmeldungen des sozialen Umfeldes lernen Kinder ständig dazu, bis sie auf dem Weg, soziale Kompetenz zu erlangen, also "erwachsene" Lügenexperten sind. Dabei erleben Kinder die Widersprüchlichkeit dieser Welt: einerseits bringt man Kindern bei, dass sie die Wahrheit sagen müssen, andererseits werden sie zur Lüge erzogen, weil sie aus Höflichkeit (Anstandslüge) bestimmte Wahrheiten nicht sagen dürfen, da sie damit andere verletzen.
Kleinkinder besitzen mit drei Jahren schon so viel Urteilskraft, dass sie ihr Handeln nach dem Verhalten und den Absichten ihrer Mitmenschen ausrichten. Sie sind nach einer neueren Studie (Schauspieler hatten den Kindern verschiedene Szenarien vorgespielt) weniger hilfsbereit, wenn sie beobachten, dass die Person, der sie helfen sollen, einem anderen Menschen ohne erkennbaren Grund etwas zuleide getan hat. Ablehnend reagieren sie aber auch auf Menschen, die ihnen vorgaukeln, dass sie einem Mitmenschen schaden wollen, auch wenn sie es dann aber doch nicht taten. Kinder reagieren offensichtlich nicht nur feinfühlig auf das Werteverhalten anderer, sondern auch auf die Absichten, die dahinterstecken.
Die Bereitschaft zum Lügen nimmt mit dem Lebensalter zu, denn während in Experimenten unter den Zweijährigen mit rund zwanzig Prozent noch relativ wenige von einer Lüge Gebrauch machen, sind es bei den Dreijährigen bereits fünfzig Prozent und bei Vierjährigen neunzig Prozent. Im Alter von zwölf Jahren lügen annähernd 100 Prozent der Kinder, was weder durch strenge Erziehung noch durch die religiöse Prägung der Eltern zu verhindern ist. Der Anteil der Lügner ist aber bei 16-Jährigen wieder rückläufig, wobei hier verstärkt die Unwahrheit gesagt wird, um andere nicht zu verletzen.
Nach einer Kinderstudie der Universität Toronto deutet einiges darauf hin, dass Kinder, die bereits im frühen Alter überzeugend lügen, bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere haben könnten, denn das Erzählen einer plausibel wirkenden Lüge setzt einen komplexen Denkprozess voraus. Gute und überzeugende Lügner müssen die Fähigkeit haben, die Wahrheit im Kopf zu behalten, die Spuren der Lüge zu verwischen und Tatsachen zu ihren Gunsten zu manipulieren.
Würzburger Psychologen entdeckten jedoch, dass Kinder öfter als Erwachsene nicht zugeben, wenn sie sich nicht erinnern können oder eine Antwort nicht wissen. Die Wissenschaftler untersuchten, ob, ab welchem Alter und unter welchen Bedingungen Kinder in der Lage sind, eine glaubwürdige Zeugenaussage zu liefern. Sie zeigten den Kindern dazu ein kurzes Video und befragen sie anschließend über die Handlung des Films. Zuvor weisen sie die jungen Probanden darauf hin, dass sie sagen sollen, wenn sie die Antwort nicht wissen. "Wir beteuern, dass so etwas überhaupt nicht schlimm sei, denn schließlich könne sich ja niemand alles merken", berichtet die Psychologin Claudia Roebers. Dennoch erhalten die Wissenschaftler in der Regel falsche Antworten, sobald sich die Kinder nicht an die erfragten Details des Films erinnern können. Falsche Angaben hagelt es den Angaben zufolge auch, wenn die Frage eigentlich gar nicht zu beantworten ist, wie sie sich auf eine Szene bezieht, die im Film gar nicht vorkommt. Bei Erwachsenen sei das anders, berichten die Forscher: Sie erklärten in solchen Situationen eher, dass sie die Antwort nicht wüssten.
Wenn die Kinder aber während der Befragung für jede richtige Antwort einen Goldtaler bekommen, ändert sich diese Situation. "Dann machen sie weniger falsche Angaben, und die 'Weiß-nicht-Antworten' häufen sich", erklärt Roebers. Das bedeutet: Kinder haben bei solchen kognitiven Fähigkeiten keine generellen Defizite. Sie wissen sehr wohl, ob sie sich an ein Ereignis erinnern können, reagieren in einer Befragungssituation nur anders als Erwachsene. Nach Angaben Roebers zeigt sich immer wieder, dass die wenigen Angaben, die Kinder spontan über ein Ereignis machen, durchweg korrekt sind. Fehler treten in der Regel erst dann auf, wenn gezielte Fragen beantwortet werden sollten - und das sei natürlich fast immer dann der Fall, wenn Kinder Zeugen in einem Verfahren seien. Die Würzburger Wissenschaftler erproben daher nun Befragungsmethoden, die entweder die freien Berichte der Kinder verlängern oder die Wahrscheinlichkeit für falsche Antworten bei konkretem Nachfragen verringern.
Darüber hinaus untersuchen die Psychologen die Auswirkungen von Suggestivfragen auf das Gedächtnis und auf spätere Berichte von Kindern. Die bisherigen Ergebnisse bestätigen laut Roebers frühere Befunde aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum: Demnach sind Jungen und Mädchen vom Kindergartenalter bis zum Ende der Grundschulzeit immer besser in der Lage, ein Ereignis korrekt wiederzugeben. Zudem widerstehen sie immer häufiger irreführenden Suggestiv-Fragen und geben in Wiedererkennungstests zunehmend korrekte Antworten.
Kinder lügen im Alltag übrigens aus verschiedenen Gründen:
- Lügen aus Angst vor Strafe, weil sie sich der elterlichen Reaktion nicht sicher sind, und verheimlichen daher ihre Tat oder schieben die Schuld, aus Angst vor Konsequenzen auf andere.
- Lügen aus Angeberei und dem Wunsch nach Anerkennung, bei dem häufig ist ein schwaches Selbstbewusstsein die Ursache bildet.
- Lügen aus Überforderung, wobei vor allem die Anforderungen in der Schule zu hoch sein können, sodass sie sich in Scheinwelten und Ausreden flüchten.
- Lügen, um Konflikten oder Streitereien aus dem Weg zu gehen, wobei hier manchmal auch Überforderung der Hintergrund sein kann.
Frauen lügen übrigens eher aus prosozialen Gründen, etwa wenn es um ihre Gefühle geht, während Männer dagegen eher für sich selbst lügen, etwa um sich in einem besseren Licht darzustellen. Peter Stiegnitz, Begründer der Mentiologie (lat. "mentiri" = "lügen"), der Lehre vom Lügen, hat Hitlisten männlicher und weiblicher Lügen aufgestellt. Nummer eins bei Männern: das Auto; Nummer eins bei den Frauen: das Gewicht.
Dana Samson et al. (Universität Birmingham) haben im im temporoparietalen Übergangskortex eine Hirnregion entdeckt, die beim Einschätzen eines Gesprächspartners eine entscheidende Rolle spielt. Schlaganfallpatienten mit Hirnschäden in diesem Bereich können nicht mehr beurteilen, ob das Gegenüber lügt oder einen Witz erzählt. Die Probanden scheiterten in einem Experiment, die Gedanken einer Person in einem Video oder einer Erzählung nachzuvollziehen, obwohl sie in anderen Wahrnehmungstests gute Ergebnisse erzielten. Bisher wusste man nur, dass die Hirnregion hinter dem Ohr eine Rolle spielt, um Hinweise wie zum Beispiel die Blickrichtung eines Gegenübers zu verarbeiten
Yaling Yang & Adrian Raine (Universität von Südkalifornien) haben mittels Kernspintomographie die Gehirnstruktur von notorischen Lügnern vermessen. Demnach besitzen diese mehr weiße Hirnmasse in jenem Hirnareal, das für die Verknüpfung der Nervenzellen zuständig ist, woraus sie schließen, dass für eine ausgeklügelte Lüge ist eine bessere Vernetzung Voraussetzung ist.
Quelle: Nature Neuroscience 2004.
Wie kann man nach einer Lüge einen neuen Anfang finden?
- Zunächst einmal muss die Enttäuschung, der Vertrauensmissbrauch verarbeitet werden. Das geschieht am besten, wenn man alle Gefühle der Wut, der Trauer oder der Angst vor sich selber zugibt, sie durchlebt und zu ihnen steht.
- Vertrauensaufbau kann anschließend nur mit dem Partner gemeinsam geschehen.
- Besprechen Sie alle Erwartungen, die Sie an den Partner stellen. Klären Sie Missverständnisse bzw. die Ursachen, die zu der Enttäuschung und dem Vertrauensmissbrauch geführt haben. Versuchen Sie dabei, Vorwürfe zu vermeiden.
- Handeln Sie verbindliche Regeln aus, an die sich beide Partner in Zukunft halten wollen.
- Kontrollieren Sie nie heimlich, ob der Partner sich an die Abmachungen hält, sondern sprechen Sie in diesem Fall offen über Ihre immer noch bestehenden Ängste.
Quelle: http://www.mdr.de/hier-ab-vier/unter-sex-augen/167858.html (06-02-02)
Wie es selten Komplimente gibt ohne Lüge,
so finden sich auch selten Grobheiten ohne alle Wahrheit.
Gotthold Ephraim Lessing
Geheimnisse - eine Form von Lüge oder Lebensnotwendigkeit?
Geheimnisse haben ganz allgemein eher einen schlechten Ruf, denn etwas vor anderen Menschen zu verbergen, sie vielleicht zu täuschen oder gar zu belügen gilt als moralisch verwerflich. Doch kann es heilsam sein, manche Dinge für sich zu behalten, und zu mehr Selbstbestimmung zu kommen. Es berührt auch Menschen häufig unangenehm, wenn sie davon ausgehen müssen, dass Menschen, die sie gut kennen, etwas vor ihnen verbergen. Diese Reaktion ist verständlich, sie löst Unbehagen aus, und trägt dazu bei, dass Geheimnisse einen schlechten Beigeschmack haben. Allerdings: Wenn Menschen nichts für sich behalten könnten, wären sie anderen schutzlos ausgeliefert. Psychologen sind der Ansicht, dass Geheimnise unseren Lebensraum vor dem Zutritt Unbefugter schützen. Das soziale Miteinander würde nicht mehr funktionieren, wenn es keine Geheimnisse geben dürfte, denn die absolute Wahrheit wäre in vielen Fällen unerträglich. Die Geheimnisforscherin Anita E. Kelly glaubt, dass jeder Mensch zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Lebens etwas vor anderen verbirgt. Eine ihrer Studien kommt zum Ergebnis, dass 99 Prozent der Menschen etwas verschweigen. Die wenigen Studien, die zum Thema Geheimnis vorliegen, bestätigen immer wieder, dass sich die meisten Geheimnisse um das Thema Sexualität drehen. Es wurden 200 Studenten gefragt, was sie vor wichtigen Menschen in ihrem Leben geheim halten: 22 Prozent der Befragten gaben zu, dass sie eine frühere sexuelle Beziehung in ihrem Herzen verschlossen halten. Acht Prozent verschwiegen ihrer Partnerin oder ihrem Partner einen Seitensprung. 14 Prozent wagten es nicht, einem angeblichen Freund zu gestehen, dass sie keine positiven Gefühle für ihn hegen. Vier Prozent liebten einen Ex-Partner noch immer. Drei Prozent erzählten nicht, dass sie als Kind sexuell missbraucht worden sind, und drei Prozent hatten heimlich im Leben eines Anderen geschnüffelt, zum Beispiel dessen Tagebuch gelesen. Ursula Nuber nennt in ihrem Buch "Lass mir mein Geheimnis! Warum es gut tut, nicht alles preiszugeben" die positiven Funktionen von Geheimnissen:
- Geheimnisse fördern die Selbstständigkeit.
- Geheimnisse gewähren Schutz.
- Geheimnisse können oft helfen, Ziele zu erreichen und zu verwirklichen.
- Geheimnisse schützen die Privatsphäre.
- Geheimnisse dienen der Liebe.
- Geheimnisse bewahren uns vor schmerzlicher Selbsterkenntnis.
- Geheimnisse ermöglichen ein zweites Leben neben dem normalen.
- Geheimnisse geben Macht.
- Geheimnisse müssen aber immer mit den eigenen moralischen Standards vereinbar sein.
Quellen & Literatur:
http://sozialarbeitspsychologie.de/nonvkom.htm (01-01-19)
http://www.uni-saarland.de/fak5/krause/nonverb.htm (03-06-05)
http://www.rp-online.de (03-01-10)
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http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-luegen-ist-schwerstarbeit-fuers-gehirn-1.969110-2 (10-07-03)
Carter, Nancy L. & Weber, J. Mark (2010). Not Pollyannas. Higher Generalized Trust Predicts Lie Detection Ability. Social Psychological and Personality Science, 1 (4), 274-279.
Ekman, P. (1989). Weshalb Lügen kurze Beine haben: Über Täuschungen und deren Aufdeckung im privaten und öffentlichen Leben. Berlin: de Gruyter.
Dietzsch,Steffen (1998). Kleine Kulturgeschichte der Lüge. Leipzig: Reclam.
Peale, Norman Vincent (2001). Die Kraft des positiven Denkens. Lübbe Verlag.
Mayer, Christiane (2011). Streng geheim! Warum wir Geheimnisse brauchen.
WWW: http://sonntags.zdf.de/ZDFde/inhalt/8/0,1872,8244456,00.html?dr=1 (11-06-11)
Molcho, Samy (1988). Körpersprache als Dialog: Mosaik-Verlag.
Schmid-Fahrner, Christine (2001). Vertrauen und sich anvertrauen Geborgensein in der Partnerschaft. Herder.
WWW: http://www.connection.de/cms/content/view/817/181/ (07-02-02)
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