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Grundlagen empirischer Sozialforschung

Drei Problembereiche bilden als Reflexionsebenen wissenschaftstheoretischer Überlegungen die Grundlage empirischen Sozialforschung: Entstehungs-, Begründungs- und Verwertungszusammenhang. Sie stellen jedoch auch ein strukturierendes Element in bezug auf eine konkrete empirische Untersuchung dar, wobei die 3 Reflexionsebenen einerseits zeitlich den Ablauf eines Forschungsprojektes markieren, andererseits Probleme der einzelnen Ebenen ineinander verwoben erscheinen.

Entstehungszusammenhang

Unter dem Entstehungszusammenhang ist der Anlaß zu verstehen, der zu einem Forschungsprojekt geführt hat. In diesen Bereich gehören Ideen, Gespräche, Explorationen. Sie sollen helfen ein Problem zu strukturieren. FRIEDRICHS unterscheidet grundsätzlich 3 Arten von Anlässen, die zu einem Projekt führen können:

Begründungszusammenhang

Unter dem Begründungszusammenhang sind jene Schritte zu verstehen, mit deren Hilfe das Problem untersucht werden soll. Man wird zuerst prüfen, ob und welche Untersuchungen zu einem bestimmten Problem vorliegen, ob es bereits Theorien und Hypothesen gibt, die herangezogen werden können. Im Anschluß daran sollte entschieden werden, welche Teile eines Problems untersucht werden sollen etc. Aus den vorliegenden Theorien sollten Hypothesen formuliert werden. Das erfordert ehe Definition der in der Theorie formulierten und für sie relevanten Begriffe. Nachdem eine geeignete Methode (oder Methoden) zur Datenerhebung, und das dem Problem adäquate Forschungsdesign bestimmt worden sind, erfolgt die Operationalisierung der Variablen. Die Entscheidung über Probleme, Methoden und Forschungsdesign läßt dann eine Entscheidung über die Stichprobe und über die verwendeten statistischen Modelle und Prüfverfahren zu. Es folgt die Phase der Datenerhebung und Datenanalyse auf geeigneten Rechenanlagen bzw. die Interpretation der Ergebnisse.

Verwertungszusammenhang

Unter dem Verwertungszusammenhang sollen Effekte einer Untersuchung auf soziale Strukturen (Gruppen, Gesellschaften etc.) verstanden werden. In den Verwertungszusammenhang gehören u.a. auch Überlegungen über die Form der Darstellung der Ergebnisse, da sie u.U. über die Zugänglichkeit der Studie auch für Laien entscheidet.

Der forschungslogische Ablauf einer empirischen Untersuchung bildet eine Einheit der 3 oben genannten Zusammenhänge. Wo der theoretische Teil der Studie nicht klar formuliert ist, ist auch kein kontrollierbares Konzept der Studie zu erwarten. Die Konzeptualisierung einer Untersuchung steuert alle weiteren Entscheidungen über Methode, Stichprobe bis hin zur Auswertung und bedingt auch seine Verwertung.

Zur Genese von Forschungsfragen

Nach Auffassung der analytischen Wissenschaftstheorie ist die Fragestellung prinzipiell beliebig, d.h. sie wird dem Forscher nicht von seinem Gegenstand gleichsam vorgeschrieben, sondern wird von ihm frei gewählt und von außen an den Gegenstand gleichsam herangebracht. Bei einer solchen Beliebigkeit der Fragestellung wird sie dann praktisch durch das Interesse des Forschers bzw. seines Auftraggebers bestimmt. Diese Interesse kann durch Lücken oder Fragwürdigkeiten bestehender Theorien oder durch wahrgenommene soziale Probleme geweckt werden.

Beispiele für Forschungsthemen, die durch Wahrnehmung sozialer Probleme bestimmt werden, sind überaus zahlreich: die Ungleichheit der Bildungschancen, rassische Diskriminierung, Rollenkonflikte von SozialarbeiterInnen, Rechtsradikalismus usw.

 

Quellen: Stigler, Hubert (1996). Methodologie. Vorlesungskriptum. Universität Graz.
WWW: http://www-gewi.kfunigraz.ac.at/edu/studium/materialien/meth.doc (98-01-03)
Stangl, Werner (1997). Zur Wissenschaftsmethodik in der Erziehungswissenschaft. "Werner Stangls Arbeitsblätter".
WWW: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/Arbeitsblaetter.html


Inhaltsübersicht Forschungsmethoden der Psychologie und Pädagogik



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