Empirische Forschungsmethoden in Pädagogik und Psychologie

Ziel von Forschung in der Psychologie und Pädagogik ist es, Aussagen und Theorien über den jeweiligen Forschungsgegenstand zu ermöglichen. Da Aussagen und Theorien nur dann wissenschaftlich sind, wenn sie eine über die subjektive Meinung und Alltagserfahrung des Einzelnen hinausgehende Gültigkeit beanspruchen können, bedient man sich zu ihrer Gewinnung spezieller Methoden. Insbesondere empirische Forschungsmethoden stellen sicher, dass alle am Wissenschaftsprozess Beteiligten (scientific community) das Zustandekommen der Ergebnisse der Forschung nachvollziehen können. Forschungsmethoden bezeichnen somit den planmäßigen und systematischen Versuch, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. Etwas methodisch zu tun, meint, bei der Gewinnung von Erkenntnis zielgerichtet, systematisch und überlegt vorzuugehen. Das bedeutet nicht, dass solche Methoden eine starre Abfolge von bestimmten Handlungen darstellen, die Schritt für Schritt ausgeführt wird, sondern alle Methoden müssen den jeweiligen Fragestellungen, Forschungszielen und Bedingungen angepasst werden. Im Forschungsprozess werden die gesetzten Handlungsschritte im Verlauf der Zeit wieder neu bewertet, wobei auch die jeweilige verwendete Methode stets wieder in Frage gestellt werden muss. Die Vermittlung von Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich der Forschungsmethoden, wie sie in fast allen sozialwissenschaftlichen Studien vermittelt werden, gelten heute auch als Schlüsselqualifikationen nicht nur des wissenschaftlichen Arbeitens, denn ein "wissenschaftliches", also systematisches und methodisch geleitetes Vorgehen ist in jedem Beruf von Nutzen.

Empfehlenswerte ergänzende Texte

François Höpflinger: Forschungsmethoden und Umfragemethodik - Studienunterlagen zu methodischen Fragen sozialwissenschaftlicher Forschung

A) Stichworte zu Forschungsplan und Forschungsdesign
Einige Stichworte und kurze 'Checkliste' wichtiger Schritte und Phasen bei einem grösseren Forschungsvorhaben mit standardisierter Befragung.

B) Befragung: Wichtige Regeln der Fragenbogen-Konstruktion
Liste wichtiger Regeln bei der Erarbeitung und Erstellung eines standardisierten Fragebogens.

C) Ausfälle und Verweigerungen bei Befragungen
Studienunterlage zu Ausfällen und Verweigerungen bei Repräsentativumfragen: Formen von Ausfällen, mögliche Konsequenzen und Gegenstrategien.
Download im RTF-Austauschformat (File Verweig.rtf, 72KB)

D) Retrospektive Fragen - Probleme und mögliche Strategien
Kurze Analyse restrospektiver Fragen: Ihre Gültigkeit, mögliche Fehlerquellen und Strategien zur Verbesserung der Erinnerung bei Befragungen.

E) Alter, Kohorte und Periode - Grundsätze und Problematik einer Kohortenanalyse
Studientext zu methodischen Fragen einer Kohortenanalyse bzw. zur Unterscheidung von Alters-, Kohorten- und Periodeneffekten bei soziologischen Analysen.
Download im RTF-Austauschformat (File APC-Analysen1.rtf,40 KB).

F) Stichprobenauswahl und Samplingverfahren
Studientext zu Aspekten von Stichprobenauswahl und Samplingverfahren (Inhalt: Begriffe, Wahl von Untersuchungspopulation und Stichprobengrösse, alternative Samplingstrategien

G) Susanne Haab: Neue Formen der Datenerhebung im Internet - am Beispiel von Fokusgruppen
Fokusgruppen weisen ein breites Einsatzgebiet auf. Gleichzeitig sind Gruppenprozesse mehrschichtig und komplex. Deshalb ist die Planung, Durchführung und Analyse von Fokusgruppen ein anspruchsvolles Unterfangen. Dabei ist die Entscheidung, Fokusgruppen in traditioneller Form oder Online durchzuführen, nur eine von vielen Ermessensfragen. Online-Fokusgruppen können sowohl in synchroner als auch in asynchroner Form realisiert werden. Der Studientext von Susanne Haab beinhaltet ein Instrumentarium für die Planung von Fokusgruppen sowohl traditioneller als auch virtueller Art.

Im Rahmen des Projekts MethodenBaukasten werden methodische Lehrveranstaltungen von verschiedenen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen an der Johannes Kepler Universität Linz in Form von Hypervideos, multimedialen Vortragsaufzeichnungen mit begleitenden online Kursmaterialien, aufbereite und sind frei zugänglich. Derzeit verfügbar sind Texte und Videos zum Aufbau eines wissenschaftlichen Ergebnisberichts, zu quantiativen und quallitativen Befragungen, zum richtigen Zitieren, zum Experiment und zu Online-Befragungen.

In der Newsgroup de.sci.psychologie schrieb am 11.8.2006 Ulrich Gresch (http://www.psychoprobleme.de/) im Thread "Komorbidität bei Alkoholismus" zur Bedeutung der empirischen Forschung:

"… die empirische Forschung ist im Kern antiautoritär. Letztlich zählen nur Logik und Fakten - die Meinungen von Autoritäten lässt man zwar gelten, betrachtet sie aber als Hypothesen, die es durch Logik und Fakten zu widerlegen gilt. Allerdings räume ich ein, das den Betrieb empirischer Wissenschaft auch außerwissenschaftliche, autoritäre und ökonomische Tendenzen mitbestimmen. Man muss lernen, das eine vom anderen zu unterscheiden. Die Wissenschaft an sich ist keine Diktatur und keine Demokratie, weil man die Wahrheit weder dekretieren, noch über sie abstimmen kann. Die Crux ist, dass viele Menschen fast süchtig sind nach Autoritäten, nach großen und starken Männern und dass sie Logik und Fakten wenig beeindrucken. Sie wollen sich die Welt von Koryphäen erklären lassen. Dieses Phänomen betrifft natürlich auch die Psychologie und Psychotherapie - und dies sogar in besonderem Maße. Darum haben wir hier soviele Gurus, meinst männlichen Geschlechts mit treu ergebenen Jüngern, oft weiblichen Geschlechts. Obwohl heute die überwiegende Mehrheit der Psychologinnen Frauen sind (kein Scherz), sind die tonangebenden Gestalten immer noch Männer, doppelgesichtige Männer: die eine Seite ist liebevoll väterlich, die andere zürnend, zwanghaft, intrigant. Demgegenüber hat die empirische Forschung kein Geschlecht, Logik und Fakten sind weder männlich, noch weiblich. Es ist offensichtlich so, dass nicht nur Politik, Kommerz und meist männliche Eitelkeiten den wissenschaftlichen Fortschritt in der Psychologie behindern, sondern auch die Mythen des großen Mannes, die leider auch in vielen weiblichen Köpfen fest verankert sind. Frauen, die den Geist der Zahlen, Daten und Fakten bekämpfen, um eine weibliche Sicht durchzusetzen, sollten sich also klar machen, dass sie damit männliche Autorität und Eitelkeit in der Wissenschaft nicht schwächen, sondern stärken. Denn sie bekämpfen damit jenen Mechanismus, der zuverlässig an jeder Autorität nagt und nagt und nagt …" (Hervorhebungen von mir; W.S.).

Empfehlenswerte Literatur zu quanitativer und qualitativer empirischer Forschung

Abel, J., Möller, R. &.Treumann, K.P. (1998). Einführung in die empirische Pädagogik. Stuttgart: Kohlhammer.

Atteslander, Peter (2000). Methoden der empirischen Sozialforschung. Berlin: de Gruyter.

Bortz, J. & Döring, N. (1995). Forschungsmethoden und Evaluation für Sozialwissenschaftler. Berlin: Springer

Friedrichs, Jürgen (1990). Methoden empirischer Sozialforschung. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Gorz, D. & Kraimer, K. (Hrsg.) (1991). Qualitative-empirische Sozialforschung. Konzepte, Methoden, Analysen. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Hoffmeyer - Zlotnik, J.H.P. (Hrsg.) (1992). Analyse verbaler Daten. Uber den Umgang mit qualitativen Daten. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Huber, G.L. & Mandl, H. (Hrsg.) (1994). Verbale Daten. Eine Einführung in die Grundlagen und Methoden der Erhebung und Auswertung. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Janssen, J. & Laatz, W. (1994). Statistische Datenanalyse mit SPSS für Windows. Eine anwendungsorientierte Einführung in das Basissystem. Berlin: Springer.

König, René (Hrsg.) (1973). Handbuch der empirischen Sozialforschung. Band 2: Grundlegende Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung: erster Teil. Stuttgart: Enke.

Kromrey, Helmut (2000). Empirische Sozialforschung. Modelle und Methoden der standardisierten Datenerhebung und Datenauswertung. Opladen: Leske + Budrich.

Lamnek, S. (1993). Qualitative Sozialforschung. Bd. 1: Methodologie; Bd. 2: Methoden u. Techniken. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Schnell, Rainer, Hill, Paul B. & Esser, Elke (1999). Methoden der empirischen Sozialforschung. München: Oldenbourg.

Wellhöfer, Peter R. (1997). Grundstudium Sozialwissenschaftliche Methoden und Arbeitsweisen. Stuttgart: Enke.

    
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