Die Bedeutung des Vaters in der Erziehung

Quellen:

Interview zum Thema „Väter wissen oft gar nicht, wie wichtig sie für ihre Kinder sind“ mit Christa Schirl-Russegger in den OÖN vom 12.6.2010
Eduard Waidhofer zum Thema "Die Bedeutung der Vaterbeziehung für Söhne und Töchter".
WWW: http://www.stangl-taller.at/
50JAHRE/REFERENTEN/waidhofer.html (10-04-02)

Siehe auch
Geschichte der Kindererziehung - Erziehung und Kultur
Wertewandel in der Kindererziehung - Neuere Entwicklungen in der Kindererziehung
Auswirkungen von Schichtunterschieden auf die Erziehung - Mögliche Ursachen dieser Unterschiede
Erziehungsstile - Begriffsbestimmung und Begriffsabgrenzungen
Grenzen der Erziehung

 

Viele Studien zeigen, dass für eine gesunde Entwicklung Kinder Mutter und Vater brauchen, wobei vaterlos aufwachsende Kinder oft Einschränkungen in ihrer Identitäts- und Selbstwertentwicklung, in ihrer Bindungs- und Beziehungsfähigkeit und in ihrer Leistungsfähigkeit aufweisen. Eine der biologischen Grundaufgaben des Vaterseins liegt im Schützen und Anerkennen der Kinder, denn je älter Kinder werden, umso mehr suchen sie die Anerkennung des Vaters. Kinder, die den Stolz der Väter spüren, strahlen mehr Selbstsicherheit aus und ersparen sich deshalb manchen jugendlichen Leichtsinn. Vor allem gehen Mädchen, die eine gute Vaterbindung haben, als Jugendliche mit Beziehungen viel umsichtiger um und suchen auch nicht blind die Bestätigung von jungen Männern, da der Vater der erste Mann in ihrem Leben sein sollte, der ihnen das Gefühl gibt, wichtig zu sein, indem er ihnen seine Aufmerksamkeit schenkt. Die Vater-Tochter-Beziehungen sind auch meist weniger aggressiv besetzt als Vater-Sohn-Beziehungen, denn Väter stellen an Töchter geringere Anforderungen und haben ihnen gegenüber mehr Geduld. Sie befriedigen mit der Tochter häufig eigene narzisstische Bedürfnisse, denn Töchter halten lange an der Idealisierung des Vaters fest, sie suchen seine Nähe und können sich schwerer von ihm ablösen als Söhne. Nicht selten spalten Töchter die Eltern in einen "guten Vater" und in eine "böse Mutter" auf. Väter genießen diese Idealisierungen und laufen daher auch Gefahr, die Töchter durch übermäßige emotionale Zuwendung an sich zu binden. Vater und Tochter stehen jedoch vor der Entwicklungsaufgabe, die Ablösung zu bewältigen, damit die Tochter zu einer passenden Autonomie kommen kann, was erleichtert wird, wenn sich die Tochter in dieser Phase mit der Mutter identifizieren kann. Julia Onken ("Vatermänner") beschreibt in diesem Zusammenhang plakativ drei Tochter-Typen: Die Gefalltochter, die Leistungstochter und die Trotztochter. Alle drei haben das gleich Ziel, nämlich die Aufmerksamkeit und die Liebe des Vaters zu erreichen.

Zwischen Vater und Sohn gibt es oft eine wechselseitige Identifizierung, d.h., er Vater ist stolz auf seinen Sohn, der Sohn ist stolz auf seinen Vater. Buben beginnen im zweiten bis dritten Lebensjahr, sich aus der symbiotischen Phase mit der Mutter zu lösen und sich allmählich mit dem Vater zu identifizieren, um langsam eine Ich-Identität herauszubilden. Der Sohn identifiziert sich zwar mit dem Vater, entwickelt aber auch einen eigenen Willen und grenzt sich zunehmend vom Vater ab. Besonders narzisstisch gekränkte Väter klammern sich an den Söhnen fest, und manche Väter sind unfähig, den Söhnen Grenzen zu setzen und konflikthafte Auseinandersetzungen durchzustehen, was sich oft auf die spätere Entwicklung des Sohnes negativ auswirkt. Väter sind vor allem in der Pubertät herausgefordert, ihren Söhnen Grenzen zu setzen, Regeln festzulegen und eine konsequente Haltung zu zeigen. Bei Söhnen mit sehr erfolgreichen Vätern kann es aber auch zu einer Überidentifizierung mit den Vätern kommen, was den Söhnen die Wahrnehmung der eigenen Unterlegenheit erspart.

In vaterlosen Familien fehlen oft Modelle für die Geschlechterrollen, d.h., Buben sind unsicher, wie sie sich als Buben verhalten sollen, und sie haben auch Schwierigkeiten im Umgang mit Mädchen. Die Abwesenheit des Vaters wird von der Mutter häufig durch Verwöhnung des Sohnes kompensiert, und andererseits soll der Sohn die Mutter für ihre Entbehrungen durch den abwesenden Vater entschädigen. Um aus der Abhängigkeit von der Mutter herauszufinden, braucht der Sohn seinen Vater, denn wenn der Sohn einen "schwachen" Vater hat, ist es für ihn sehr schwer, sich von der Mutter zu lösen. Buben begegnen in der frühen und mittleren Kindheit fast ausschließlich Frauen (Mutter, Tagesmutter, Kindergärtnerin, Lehrerin, Erzieherin), und suchen nach lebendigen männlichen Vorbildern, müssen sich jedoch häufig wegen des Fehlens des Vaters an Vaterersatzfiguren, Phantasiebildern oder männlichen Figuren aus den Medien orientieren. In der Regel grenzt sich der Bub, wenn er ein Mann werden will, aggressiv von der Mutter ab und wertet das Weibliche ab, weil er schließlich nicht so werden will die Mutter. Buben können nur dann herausfinden, was ein Mann ist, wenn er den Vater als Vater erlebt hat oder eine Vaterfigur gefunden hat, mit der er sich identifizieren kann, denn nur durch greifbare und authentisch erlebte Männlichkeit im sozialen Nahraum kann der Bub zu sich selbst und zu seinem Geschlecht finden.

Die Beziehung zum Vater ermöglicht dem Kind wichtige Ablösungsschritte von der Mutter, denn wenn es einen Konflikt mit der Mutter gibt, spürt das Kind, dass der Vater eine zweite Sicherheit gebende Person ist. Gibt es nur eine Bezugsperson, kommt es meist zu einer Überbindung an den vorhandenen Elternteil im Positiven wie im Negativen, wobei es diese Kinder oft nicht ertragen, Aufmerksamkeit zu teilen, und stets Exklusivität in Beziehungen herstellen möchten, was sich auch auf spätere Partnerschaften auswirken kann. Zwar können Kinder auch von anderen männlichen Bezugspersonen wie einem Patchwork-Vater oder Großvater profitieren, die als Vorbild dienen, doch können diese den leiblichen Elternteil nur teilweise ersetzen. Studien in Patchwork-Familien belegen, dass es Kindern dann am schlechtesten geht, wenn sie zugunsten einer neuen Beziehung auf die gewachsene Beziehung zum Vater verzichten sollen, daher sollte auch in Patchwork-Familien der Kontakt zum leiblichen Vater bestehen bleiben. Das bedeutet, dass bei einer Scheidung die Bereitschaft der Eltern, in Verbindung zu bleiben und den anderen in die elterlichen Aktivitäten einzubeziehen, aus Kindersicht unverzichtbar ist. Faustregel ist, dass je jünger ein Kind ist, desto häufiger sollte der Kontakt stattfinden, denn kleine Kinder erfahren die tatsächliche Zuwendung des Elternteils als Liebe. Sie haben das Gefühl: Wer sich um mich kümmert, liebt mich – wer nicht da ist, liebt mich nicht. Wir empfehlen Vätern, die mit ihren kleinen Kindern nicht zusammenleben, dass sie so häufig wie möglich Kontakt zu ihnen aufnehmen, wobei sich häufige, kurze Kontakte sich besser bewährt haben als ein langer Kontakt in größerem Abstand.

 

Mädchen erlernen den Grunddialog mit dem männlichen Geschlecht durch ihren Vater, da die frühe Begegnung mit dem eigenen Vater zum erstenmal die männliche Welt eröffnet. Wenn der Vater sich seiner Tochter liebevoll zuwendet, sie im ganzen Wesen glaubhaft respektiert und anerkennt, wächst bei einem Mädchen Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, die für ihr späteres Leben von großer Bedeutung sind. Wenn er sich aber auf Grund etwa beruflicher Belastung, langer Abwesenheit oder Desinteresse wenig um sie kümmert, dann gibt es nach Onken (2006) drei Möglichkeiten, den Vater auf sich aufmerksam zu machen:

Die Gefalltochter ("Ich gefalle, also bin ich!") versucht die Aufmerksamkeit über optische Gefälligkeit zu erreichen und durch besonders auffälliges Verhalten seine Zuneigung zu erwerben. Die zukünftige Verführungsfrau lebt im zunehmendem Alter dann in der Angst, dass sie um so weniger ist, je älter sie wird. Daher legt ihre Lebensenergie auf Äußerlichkeiten entwickelt ein manchmal krankhaftes Körpergefühl. In der Sexualität geht es ihr mehr um das Begehrtwerden als um sexuelle Lust, die oftmals nur vorgetäuscht wird, um den Partner an sich zu binden. Eigene Talente und Begabungen bleiben ihr verborgen, weil sie nicht den Mut haben, ihr Potential auszuschöpfen. Sie orientieren sich häufig an anderen und lernen nicht, selbstbestimmt zu leben, und ordnen sich den Vorstellungen ihres Partners unter. Nichtbeachtung löst in ihr Verunsicherung aus.

Die Leistungstochter ("Ich bin leistungsfähig und erfolgreich, also bin ich!") sucht sich Bereiche aus, in denen sie denkt, sie könne ihren Vater dafür interessieren und erfreuen. Dieses Frau verleugnet die weibliche Seite und vertraut auf die Ratio als Kommandozentrale für sämtliche menschliche Belange. Sie beurteilt die Mutter aus der Sicht des Vaters, und wenn dieser die Mutter in ihrer weiblichen Rolle entwertet, macht sie es ihm gleich. Sie gestatten sich im Laufe ihres Lebens wenig Gefühle und Schwächen, denn dafür ist der Partner zuständig, der das Gegengewicht bildet. Häufig sind diese Frauen mit antrieblosen Männern liiert, , aber das anfängliche Verliebtsein in den schwachen Mann kippt allerdings mit der Zeit und sie beginnt ihn zu entwerten und zu verachten. Daran gehen die Beziehungen in der Regel zugrunde.

Die Trotztochter ("Ich spüre Widerstand also bin ich!") legt sich zu allem quer und bringt dem Vater Widerstand entgegen, um sich seine Anerkennung erkämpfen. Solche Mädchen denken vor allem logisch, sind also linkshemisphärisch orientiert und analytisch. Sie verzichtet darauf, dass sie attraktiv erscheinen könnte und jeder, der sich deshalb von ihr abwendet, ist für sie ein Erfolg. In Partnerschaften wird sie mit der Zeit immer angriffslustiger, denn Beziehungen werden für sie zu Kampfplätzen.

Nach Onken ist es für diese Frauen daher notwendig, um sich in Liebesbeziehungen entwickeln zu können, sich mit ihrer persönlichen Vaterbeziehung auseinanderzusetzen und zu erkennen, dass mögliche Defizite nur durch nachgeholte bewusste Reifung verändert werden können.

Waren diese Informationen für Sie nützlich? Dann klicken Sie bitte auf das



In den Arbeitsblättern
[werner.stangl]s arbeitsblätter 
psychologie pädagogik forschungsmethoden weblog inhalt
emotion erziehung   psychologie-news gesamtindex
essstörungen lehren literaturarbeit pädagogik-news suchen
entwicklung medien moderation   diskussion
gehirn lernen präsentation zum geleit twitter
gedächtnis lerntechnik konzentration   kontakt
denken lernziele online-tests   impressum
kommunikation       copyright
konflikte sucht & drogen      
psychotherapie missbrauch psychologie-lexikon linz 2012

URL der Seite:


Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons License.
Valid CSS!







































Free counters! Webliga-Webkatalog - Wissenschaft Webliga - Webkatalog