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Nachtängste (pavor nocturnus) und Alpträume

Kinder durchlaufen verschiedene Entwicklungsphasen, in denen sie besonders labil und anfällig für Nachtängste sind. Alpträume und Nachtängste können bereits im zweiten Lebensjahr auftreten, wobei sich Kinder mit starken Nachtängsten gegebenenfalls gegen das Einschlafen wehren, auch wenn große Müdigkeit vorhanden ist. Sie verzögern mit vielen Fragen das Entfernen der Eltern oder anderer Personen, bitten um etwas zu Trinken, möchten die Tür offenhalten oder bei Licht schlafen. Das in den Schlaf Fallen kann für das Kind die Aufgabe des Sicherheitsgefühls und das Eintauchen in eine unbekannte Welt mit Bedrohungen oder Einsamkeit darstellen. Dies ist vermehrt bei Kindern der Fall, die

Die Ängste werden stärker, wenn das Kind für sie bestraft oder verspottet wird, oder wenn es dafür übermäßig viel Zuwendung erfährt. Die häufigste Form von Alpträumen resultiert aus ängstigenden Erlebnissen des Tages. In der Regel nehmen Alpträume im Schulalter hinsichtlich der Häufigkeit ab. Es treten dann eher Einschlafstörungen bzw. Durchschlafstörungen in den Vordergrund. Häufige Alpträume können wie auch sonstige Schlafstörungen aus Beziehungsproblemen innerhalb der Familie resultieren, aus Leistungsstörungen, aus Überforderungen oder auch durch belastende Erlebnisse.

Eltern sollten sich jeder Bewertung enthalten, denn die Gründe für Ängste sind für Kinder immer sehr real, auch wenn sie für Erwachsene vielleicht harmlos erscheinen. Das Monster im Schrank macht genauso viel Angst wie der große Hund auf der Straße oder ein rabiates Kind in der Kindergartengruppe. Ob objektiv eine Gefahr droht, spielt keine Rolle, denn alleine zählt, dass sie subjektiv vom Kind so empfunden wird. Daher lautet die Grundregel, die Angst des Kindes genauso ernst zu nehmen, denn ein Verharmlosen erreicht das Kind nicht.

Ob die Medien Alpträume verursachen oder nur die Traumbilder liefern, ist nicht ganz geklärt. Auf jeden Fall wirkt der starke Konsum von beispielsweise Gewaltfilmen alptraumverstärkend.

Alpträume können aufgrund von tagsüber erlebten Ängsten entstehen wie auch normale Reifungsprozesse beim Kind begleiten. Je älter das Kind wird, desto mehr lernt es, mit seinem Ängsten umzugehen. So ist auch zu erklären, dass die Alptraumhäufigkeit mit zunehmendem Kindesalter abnimmt. Alpträume werden als furchterregende, lebhafte Angstträume mit Verfolgung oder Bedrohung bezeichnet, an die sich der Träumer, wenn er davon aufwacht, detailliert erinnern kann. Diese Angstträume treten vor allem im letzten Drittel einer Nacht auf und finden nicht im Tiefschlaf statt. Praktisch jeder hat irgendwann in seinem Leben einmal einen Alptraum. Im Kindesalter werden sie häufiger beobachtet, zum Beispiel auch nach oder in Fieberschüben. Im allgemeinen sind gelegentliche Alpträume zwar unangenehm, aber in der Regel kein Grund zur Besorgnis. Treten Alpträume gehäuft auf, sind sie oft mit Einschlafstörungen oder Durchschlafstörungen verbunden. Von dauerhaften Alpträumen werden besonders Menschen geplagt, die ein furchtbares traumatisches Ereignis erlebten, das außerhalb der üblichen menschlichen Erfahrungen liegt. Dazu gehören Vergewaltigung, Naturkatastrophen, Folterungen oder Konzentrationslagerhaft. Bei diesen Patienten wiederholt sich das traumatisch erlebte Ereignis, das im realen Leben nicht verarbeitet werden konnte, als immer wiederkehrender Alptraum.

Zu Nachtängsten gehört angstvolles nächtliches Aufschrecken, das oft mit Wimmern oder einem gellenden Schrei beginnt. Vor Beginn der Pubertät kommt es bei 1-6% der Kinder vor. Eine Häufung findet sich im Alter zwischen 5 und 7 Jahren.Im Anschluss an diesen lauten Schrei befinden sich die Betroffenen in einem massiven Angstzustand. Sie richten sich im Bett auf, haben einen ängstlichen Gesichtsausdruck, die Pupillen sind weit gestellt, die Atmung ist beschleunigt und das Herz rast. Oft wiederholen sich bestimmte Bewegungen und auch wildes Gestikulieren tritt auf. In diesem Zustand reagieren die Kinder nicht auf Zuspruch und Beruhigung durch die Eltern. Nach 5 - 10 Minuten klingt dieser Zustand wieder ab, und eine Erinnerung an diesen Zustand besteht am nächsten Morgen nicht. Nachtängste treten (es gibt einen Zusammenhang mit Schlafwandeln) immer im ersten Drittel der Nacht aus dem Tiefschlaf heraus auf. Anders als bei alptraumgeplagten Kindern berichten Kinder, die von Nachtängsten verfolgt werden, praktisch nie über Träume. Gelegentliche Nachtängste im Kindesalter sind harmlos, und die Eltern sollten auch über die Harmlosigkeit aufgeklärt werden. Man sollte darauf achten, dass die Kinder feste Schlafzeiten erhalten und nicht unter Schlafdruck geraten, indem sie abends spät ins Bett gehen. Sind Kinder mit Nachtängsten auch tagsüber sehr ängstlich, so empfiehlt es sich, zusammen mit den Eltern eine psychotherapeutische Beratung oder Behandlung aufzusuchen.

Eltern sollten unterscheiden, ob ihr Kind tatsächlich unter einem Alptraum oder einem Nachtschreck (Nachtangst) leidet. Nach einem Nachtschreck können Eltern nicht viel anderes tun, als bei ihm zu bleiben, vielleicht ein gedämpftes Licht anzustellen und zu warten. Wichtig ist, dass sie selbst nicht unruhig werden und nicht versuchen, das Kind wachzurütteln.Das Kind kann es gut haben, gestreichelt zu werden, denn nach 10 Minuten schläft es meist von selbst wieder ein.

Bei nächtlichen Angst- oder Panikattacken (Pavor Nocturnus) sollten Eltern ihr Kind besser nicht aufwecken, denn sie sind keine "normalen" Alpträume. Er tritt meist in der Tiefschlafphase vor Mitternacht auf und steht vermutlich mit Reifungsprozessen des Gehirns in Zusammenhang. Das Kind schreit dabei meist laut, hat die Augen offen, ist aber nicht wach und nicht ansprechbar. Die Eltern sollten dann nur dafür sorgen, dass es sich während des Vorfalls nicht verletzen kann. Treten diese Attacken sehr häufig auf oder noch nach dem sechsten Lebensjahr, sollte man einen Kinderarzt zu Rate ziehen.

Gezielter kann man im Fall von Alpträumen helfen. Wichtig ist zu wissen, dass jede übertriebene Reaktion von Zuwendung und Zärtlichkeit die Angst verstärken kann. Es ist wichtig, ruhig zu bleiben, gedämpft zu sprechen, denn schließlich ist es ja Nacht und das Kind soll wieder einschlafen. Gegebenenfalls kann ein Glas zimmerwarmes Wasser helfen, wenn das Kind nach einem gemeinsamen Gespräch ein paar Schlucke zu sich nimmt. Manchmal wirkt der Satz "Ich bin ja bei Dir" Wunder. Die Dämonen des Traums sind gegen die beschützenden Eltern wehrlos. Man sollte auch auf Phantasie und Geduld setzen, um näher an die Ursprünge der Angst des Kindes zu kommen. Gemeinsam mit dem Kind lassen sich Strategien entwickeln, wie man gegen das Unheimliche in der Dunkelheit angehen kann. So lässt man sich das Monster im Schrank beschreiben oder malen, denn Kinder wollen der Angst ein Gesicht geben. Manchmal hilft es schon, einfach einen Drachen vor das Monster zu malen, der es von nun an nicht mehr ins Kinderzimmer lässt. Gerade bei irrealen Kinderängsten haben Kinder häufig selber die besten Ideen, was zu tun ist. So kann man dem Kind Vertrauen in eigene Lösungswege geben ihm das Gefühl vermitteln, aus sich selbst heraus stark und mutig zu sein. Man braucht dabei Gedult und sollte nicht auf eine schnelle Wirkung setzen.

Kinder halten ihre Eltern für ungeheuer mächtig. Das Kind braucht die Bestätigung, dass es große Angst gehabt hat, diese Angst darf ihm nicht ausgeredet werden. Das Kind kann mit dem Lieblingsspielzeug getröstet werden. Dem Kind sollte versprochen werden, dass es am nächsten Morgen über den Traum und seine schlimme Angst sprechen kann. Es ist auch möglich, dass das Kind den Eltern den Traum erzählt und die einen guten Schluss dranhängen. Wenn das Kind Angst vor der Dunkelheit hat, nutzt es oft, wenn es eine Taschenlampe neben dem Bett liegen hat.

Schlafängstliche Kinder sollen keinesfalls bestraft, ausgeschimpft oder verspottet werden. Auch das regelmäßige Sitzen am Bett und das Nachgeben bei allen Wünschen des Kindes ist problematisch. Eltern sollten ihre Kinder nicht deshalb regelmäßig mit in ihr Bett nehmen, weil es sich vor seinem eigenen Bett fürchtet. Sollte das Kind immer wieder die Nähe zu den Eltern suchen und das eigene Zimmer und das eigene Bett aus Angst vermeiden, ist es ggf. wichtig, das Kind zunehmend an das Schlafen im eigenen Bett zu gewöhnen: Eltern im Nebenzimmer, Tür offen, Licht an, Tür zu usw. Dabei muss das Kind das Gefühl behalten, nicht einsam zu sein, verlassen zu werden und die Eltern als wichtige Bezugspersonen zu behalten. Sollte das Kind vielleicht auch weinen, muss es auch hier das Gefühl behalten, dass jemand in der Nähe ist. Vorgebeugt werden kann dem Nachtschreck oder den Alpträumen nur sehr begrenzt, z.B. durch Wärme und Zuwendung als Hilfe beim Einschlafen.

Eltern sollten sich bei nächtlichen Angstzuständen ihrer Kinder nicht selbst ängstigen und wissen, dass dies meist vorübergehender Natur ist.

Kehren solche Nachtängste oder Alpträume immer wieder, ist gegebenenfalls die professionelle Hilfe in der Erziehungsberatungsstelle oder in der Kinder- und Jugendpsychotherapeutischen Praxis sinnvoll. Dies sollte dann in Betracht gezogen werden, wenn die nächtlichen Attacken über Wochen hinweg ständig wiederkehren und das Kind auch tagsüber unglücklich wirkt. Dann liegt den nächtlichen Ängsten ein anderes Problem zugrunde, die Angst hat sich verfestigt und muss behandelt werden.

Quellen

Fliegel, Steffen (1998). Alpträume bei Kindern.
WWW: http://www.wdr.de/ (02-11-15)

Weiterführende Literatur

Rogge, Jan-Uwe (2004). Ängste machen Kinder stark. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag.
Kahn, Andre (2003): Die Schlafschule. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

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