Depression

[Foto: Werner Stangl, 2009]
Quelle: www.wikipedia.de
Symptome
Neben den Hauptsymptomen können unter anderem das Gefühl der Minderwertigkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle, Müdigkeit, verringerte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, sinnloses Gedankenkreisen, langsameres Denken, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, vermindertes Gefühlsleben bis hin zur Unfähigkeit des Zeigens einer Gefühlsreaktion und verringertes sexuelles Interesse auftreten. Häufig tritt bei einer akuten Depression auch eine völlige Unmotiviertheit auf. Die Betroffenen werden passiv und sind zum Teil nicht in der Lage, einfachste Tätigkeiten wie Einkaufen und Abwaschen zu verrichten. Bereits das morgendliche Aufstehen kann dann Probleme bereiten („Morgenloch“). Negative Gedanken und Eindrücke werden häufig überbewertet und positive Aspekte nicht wahrgenommen beziehungsweise für zufällig gehalten.
Depressionen äußern sich oft auch in körperlichen Symptomen (Vitalstörungen) wie zum Beispiel Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme, Verspannungen, Schmerzempfindungen im ganzen Körper, Kopfschmerzen und verlangsamten Bewegungen. Auch kann eine verstärkte Infektionsanfälligkeit beobachtet werden. Die Schlafstörungen äußern sich dabei meist in großer Tagesmüdigkeit, Durch- und Einschlafstörungen sowie frühmorgendlichem Aufwachen und Wachbleiben mit Kreisdenken. Je nach Schwere der Depression kann diese mit latenter oder akuterSuizidalität verbunden sein. Es wird vermutet, dass der größte Teil der jährlich zirka 12.000 Suizide in Deutschland auf Depressionen zurückzuführen ist. Demnach würden mehr Menschen in Deutschland an den Folgen einer klinischen Depression sterben als an Verkehrsunfällen.
Diagnose
Eine genaue Diagnose wird aufgrund der Komplexität von psychischen Erkrankungen oft erst vom Experten, das heißt vom psychologischen Psychotherapeuten oder Psychiater gestellt. Verbreitete Diagnosewerkzeuge sind die Hamilton-Depressionsskala (HAMD), das Beck-Depressionsinventar (BDI) und das Inventar depressiver Symptome (IDS). In einigen Fällen ist die Depression mit anderen Erkrankungen verbunden, so dass sie von den behandelnden Ärzten nicht direkt erkannt wird. In der ICD-10 fallen Depressionen unter dem Schlüssel F32.- und werden als „Depressive Episode“ bezeichnet.
Häufigkeit
Die Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Es gibt jedoch sehr unterschiedliche Zahlen darüber, wie hoch der wirkliche Anteil derjenigen ist, die davon betroffen sind. Das hängt zum einen mit der hohen Dunkelziffer zusammen (viele Depressionen werden nicht als solche erkannt) und zum anderen mit der Definition der Krankheit. Die meisten Veröffentlichungen gehen jedoch heute davon aus, dass in Deutschland mehr als 10 Prozent der Personen im Laufe ihres Lebens eine behandlungsbedürftige Depression durchleben. Der britische NHS erklärt in einer großangelegten Informationskampagne hingegen, dass fast jeder Mensch in seinem Leben mindestens einmal an Depression leide. Diese Kampagne richtet sich insbesondere an Männer, die sich ihrer Krankheit meist schämen, diese verheimlichen und so nicht die nötige Hilfe erhalten.
Bei Frauen werden Depressionen im Durchschnitt doppelt so oft wie bei Männern diagnostiziert. Dies kann auf eine verstärkte genetische Disposition von Frauen zur Depression hinweisen, aber auch mit den unterschiedlichen sozialen Rollen und Zuschreibungen zusammenhängen, da deutlich mehr Männer an meist depressionsbedingten Suiziden sterben als Frauen. Bei Männern können sich Depressionen auch anders ausdrücken als bei Frauen, da sie aber durchschnittlich seltener in ärztliche Behandlung gehen und weniger über sich erzählen, kommt dies oft nicht zur Kenntnis.
Depression und Beruf
Rösler, Stephan, Hoffmann, Morling, Müller & Rau (2008) untersuchten aufbauend auf dem Job-Demand-Control-Support-Modell und dem Effort-Reward-Imbalance-Modell die Depression am Arbeitsplatz. Laut einer Prognose der WHO werden depressive Störungen bereits im Jahr 2020 an erster Stelle jener Krankheiten stehen, die für vorzeitige Sterblichkeit oder Behinderung verantwortlich sind. Zum Thema Arbeit und Depression wurden zwei Modelle entwickelt. Einerseits das Job-Demand-Control-Modell, welches aufzeigt, dass vor allem das Erleben von geringen Tätigkeitsspielräumen am Arbeitsplatz mit dem Auftreten von Depressionen im Zusammenhang stehen. Es sagt aus, dass ein hoher Arbeitsgrad, geringe Tätigkeitsspielräume und fehlende soziale Unterstützung am Arbeitsplatz mit Fehlbeanspruchungserleben und negativen gesundheitlichen Folgen in Zusammenhang stehen. Andererseits legt das Effort-Reward-Imbalance-Modell. zu Grunde, dass hohe berufliche Anforderungen bei geringer Belohnung mit einem erhöhten Depressionsrisiko verbunden sind. Demnach ist die Erwerbstätigkeit durch eine Tauschbeziehung von erbrachten Leistungen und erhaltenen Belohnungen gekennzeichnet. Die Arbeitsanforderung stellt eine Gemeinsamkeit beider Modelle dar. Das Belastungs-Beanspruchungsmodell nimmt an, dass Belastungen in Form von ausführlichen Tätigkeitsmerkmalen zu negativen Beanspruchungsreaktionen führen, wenn die Leistungsvoraussetzung des Erwerbstätigen für die Anforderungsbewältigung nicht ausreichend sind. Es kommt zu Überforderungserleben, wenn die Leistungsanforderung trotz aller Anstrengungen über den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten liegen. Allerdings steht nicht nur ein Zuviel an Anforderungen mit diesen Folgen im Zusammenhang. Auch Stress- bzw. Überforderungserleben durch ein Zuwenig an Ressourcen d.h nicht erfüllte Bedürfnisse oder Erwartungen bzgl. Arbetisplatz gehen mit Aktivitätserhöhungen des Nervensystems einher. Studien zufolge unterschieden sich depressive und nicht depressive Erwerbstätige weder im Geschlecht, noch im Alter. Ausschließlich beim Tätigkeitsspielraum und der Arbeitsplatzsicherheit gibt es Unterschiede. Insgesamt bestätig sich die Relevanz psychosozialer Merkmale der Arbeit für das Auftreten depressiver Symptome und erweitert bisherige Befunde durch die Berücksichtigung vielfältiger Berufe bzw. Wirtschaftszweige und durch die gemeinsame Betrachtung der beiden in der aktuellen arbeitsorganisations-psychologischen Forschung meist verwendeten Stressmodelle (Job-Demand-Control-Support-Modell und Effort-Reward-Imbalance-Modell).
Einsamkeit und Depression
Dem Menschen als einem sozialen Wesen geht es häufig schlecht, wenn er sich ausgegrenzt fühl, wobei es gar nicht so sehr quantitativ darauf ankommt, ob er tatsächlich alleine dasteht, sondern das Gefühl des Verlassenseins richtet sich nach der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen. Einsame Menschen empfinden eine Kluft zwischen den gewünschten und den tatsächlich wahrgenommenen Qualitäten ihrer sozialen Bindungen, d.h., Einsamkeit und Alleinsein sind einmal grundsätzlich verschiedene Dinge, denn man kann sich gerade mitten unter vielen Menschen sehr einsam fühlen. Einsamkeit ist allgemein ein häufig anzutreffendes Begleitphänomen anderer seelischer Störungen wie Angst oder Depression, wobei soziale Isolation selber ein Risiko für psychische aber auch körperliche Erkrankungen (geschwächtes Immunsystem, höheren Blutdruck, mehr Stresshormone) birgt. Einsame Menschen gehen eher passiv mit Belastungen um, anstatt aktiv ihre Probleme anzugehen bzw. sie suchen auch selten nach Unterstützung. Das gefühlte Alleinsein verändert auch die Art und Weise, in der Menschen die Welt wahrnehmen, wobei Einsame auch stärker dazu neigen, Mitmenschen z.B. als Bedrohung zu betrachten. Einsamkeit beginnt also nicht bloß da, wo Menschen alleine sind, sondern wo sie an ihrem Alleinsein zu leiden beginnen. Nach Umfragen fühlen sich in Österreich vor allem jüngere Menschen (bis 29 Jahre), in Ausbildung stehende, Personen mit geringer Schulbildung oder schwachem Einkommen sowie Singles einsam. Am größten ist die Einsamkeit in Städten mittlerer Größe. Und den Betroffenen geht es alles andere als gut. Einsamkeit erzeugt häufig Stress bei Menschen, die mit purer Existenzangst kämpfen, etwa durch überzogene Ansprüche im Beruf - etwa solche, die Menschen mit Haut und Haaren verschlingen, so dass sie Teile ihrer Persönlichkeit nicht weiterentwickeln können. Wenn die Arbeit überwertig wirde, gehen private Kontakte fast zwangsläufig verloren. Wenn Menschen durch die Arbeit ausgelaugt sind, haben sie keine Ressourcen mehr für eine Partnerschaft, denn für die braucht man Geduld. Einsamkeit zehrt an den seelischen Kräften, sodass die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, sehr hoch wird . Einsame Menschen sind anfällig für Alkohol, Nikotin, Drogensucht und Suizidgedanken.
Wie oft fühlen sich Menschen einsam?
Bei einer Befragung von Österreichern im Jahr 2007 antworteten zwölf Prozent der Befragten mit "oft“. Drei Prozent fühlten sich sogar "sehr oft“ einsam, 40 Prozent gaben hingegen an, sich "eher selten“ einsam zu fühlen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Am wenigsten unter Einsamkeit leiden Großstädter, die sich andererseits aber auch am häufigsten langweilen. Viele Depressive leiden auch unter einer Trivialisierung der Depression, wobei immer häufiger auch Menschen, die nur niedergeschlagen sind, Antidepressiva zu sich nehmen, wobei deren Niedergeschlagenheit manchmal eher die Folge als die Ursache ist. Zwar hellen viele Wirkstoffe die Stimmung auf und geben den Betroffenen ihren Antrieb zurück, doch geschieht das in umgekehrter Reihenfolge, kann ein "echter" Depressiver dadurch den Anstoß zum Suiziderhalten, bevor sich seine Stimmung gebessert hat. Es ist auch äußerst fraglich, ob Antidepressiva vor einem Suizid schützen können. Die meisten Depressionen kann man mit einer guten Psychotherapie behandeln.
Formen der Depression
Tiefenpsychologisch und analytisch ausgerichtete Theorien unterscheiden zwischen der endogenen Depression (endogen bedeutet aus sich selber heraus), die ohne erkennbare Ursache auftritt (und bei der auch eine genetische Mitverursachung vermutet wird), der neurotischen Depression oder auch Erschöpfungsdepression (verursacht durch länger andauernde belastende Erfahrungen in der Lebensgeschichte) und der depressiven Reaktion (auch: reaktive Depression als Reaktion auf ein eher kurz zurückliegendes belastendes Ereignis).
Neue, eher deskriptiv (beschreibend) ausgerichtete Diagnose-Schemata, wie die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) unterscheiden zwischen Episoden (einzelnen Vorkommen von Depression beziehungsweise Manie) und rezidivierenden Störungen (wiederholtes Vorkommen von Episoden). Die Schwere der Depression wird mit leicht, mittelgradig oder schwer bezeichnet, hinzukommen können psychotische Störungen.
Bei der seltener anzutreffenden bipolaren affektiven Störung kommen Depressionen und Manien (die sich durch unkontrollierte Hyperaktivität, übernormal gehobene oder gereizte Stimmung oder getriebene Missmutigkeit und durch mangelnde Kritikfähigkeit auszeichnen) in zeitlich unterschiedlich langen Phasen vor, daher auch die ältere Bezeichnung manisch-depressive Erkrankung. In leichter, aber über Jahre andauernder Form wird sie als Zyklothymie bezeichnet.
Das langandauernde Pendant zur (nicht manischen) Depression ist die Dysthymie. Statt Manien können bei der bipolaren Störung auch Hypomanien vorkommen, die nicht so stark ausgeprägt sind, und die oft übersehen werden oder bei Ärzten nicht geschildert werden (der Betroffene fühlt sich ja dabei gut). So stecken hinter einer rezidivierenden Depression oft bipolare Störungen, die anders behandelt werden sollten.
Selbstmord und präsuizidales Syndrom
Allmählich führt eine Depression zum Lebensüberdruss, in der extremsten Form zum Suizid. Generell ist es auch für die Umgebung sehr schwierig, einen Suizid vorauszusehen, allerdings gibt es einige Vorzeichen. Erwin Ringel verwendete dafür den Begriff des "präsuizidalen Syndroms", für das folgende Merkmale charakteristisch sind: Betroffene sehen keine Wahlmöglichkeiten mehr und äußern Gefühle wie Hoffnungs- und Sinnlosigkeit, sie haben das Gefühl, der Realität nicht mehr gewachsen zu sein, und bauen sich dann eine Scheinwelt auf, in der der Gedanke an den Tod allmählich eine immer größere Rolle spielt. Selbstmordgedanken sind daher immer ein Warnsignal, besonders, wenn es dabei schon um konkrete Handlungen geht.
Quelle: http://lexikon.stangl.eu/294/depression/ (08.09-09
Herbstblues, Winterdepression
Etwa jeder zehnte Erwachsene leidet unter Herbst-Winter-Depressionen, wobei ein Grund dafür der Mangel an Licht ist, der mit den Herbst- und Wintermonaten einhergeht. Im Winter, wenn die Tage kurz sind und die meisten Menschen viel zu wenig draußen sind, produziert der Körper mehr Melatonin als sonst. Im Gegensatz zu einer "normalen" Depression, die meist mit Appetitlosigkeit und Schlafstörungen einher geht, haben Menschen mit dieser Störung eher ein erhöhtes Schlafbedürfnis und einen Heißhunger auf Kohlenhydrate. Ausgelöst wird diese sogenannte „Saisonal Abhängige Depression“ (SAD) vor allem durch den Lichtmangel, denn ohne ausreichendes Tageslicht fährt der Körper die Produktion des Hormons Serotonin herunter und in der Dunkelheit steigt der Melatonin-Spiegel, der in der Nacht den Schlaf steuert und die Menschen daher müde macht. Betroffene fühlen sich unausgeglichen und antriebslos, es fällt ihnen schwer, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, sie verlassen deshalb nur noch selten ihre Wohnung, vernachlässigen den Kontakt zu Freunden und Familie. Ältere und alleinstehende Menschen sind besonders anfällig für Herbstdepressionen, wobei auch der Erinnerungsmonat November eine Rolle spielen kann, aber auch die Vorausschau auf Weihnachten, wenn vielleicht geliebte Menschen fehlen werden. Viele isolieren sich und setzen sich vor den Fernsehapparat oder Computer, um sich von ihrem Seelenblues abzulenken, oder sie entwickeln eben einen Heißhunger auf Süßes und fettige Speisen. Abhilfe schafft in vielen Fällen Tageslicht, um die Produktion von Serotonin im Gehirn anzuregen, wobei ein bis zwei Stunden an der frischen Luft spazieren zu gehen besser sind ist als künstliche Lichtquellen wie eine Lichtdusche mit einer Lichtstärke von 2.500 Lux. Übrigens haben Bräunungslampen in Solarien wegen der notwendigen Brillen keine Wirkung. HIngegen kann das Licht einer Blaulichtlampe helfen, etwa die Golite Blu von Philips mit dem blauen Licht des Sommerhimmels, das im kurzwelligen blauen Frequenzbereich von 446 bis 477 Nanometer im Auge jene Rezeptoren anregt, der die Melatonin-Ausschüttung im Hirn beeinflusst. Diese Lampe arbeitet ohne UV-Strahlen und nur mit Kurzwellen, was weniger intensiv ist als die Vollspektrum-Lichttherapie aus herkömmlichen Leuchten. Schon 15 bis 30 Minuten täglich sollen laut Philips den "Jetlag" überwinden helfen und auch Schichtarbeiter wieder munter machen. Die Einnahme von Antidepressiva ist nur bei besonders schweren Fällen und als ultima ratio angebracht. Experten raten auch, in dieser Zeit möglichst gut für sich selbst zu sorgen, etwa gut zu essen, sich mit Freunden zu treffen oder sich einfach zu fragen: Was tut mir gut? Besonders Organisierte können sich Karteikarten anlegen, aus denen sie dann eines ziehen, wenn es ihnen einmal wieder nicht so gut geht und sie nicht wissen, was sie mit einem solchen trüben Tag anfangen sollen. Darüber hinaus hilft auch eine gute Strukturierung des Tages mit fixen Routineaktivitäten aus dem Motivationstief heraus, wobei eine persönliche Bilanz am Ende des Tages die Erfolgserlebnisse nochmals hervorholen kann.
Wochenlanges eisiges Wetter verlängert nach Meinung von Psychologen die Neigung zum "Winterblues", denn viele Menschen sind nach eingen Wochen Dauerfrost, Schneefall, Glatteis und wenig Sonnenschein spürbar schlechter gelaunt. Vor allem dann, wenn die Tage allmählich länger werden, wodurch die Menschen in vitalere Stimmung kommen, doch das unwirtliche Wetter die Menschen wieder in die Häuser zurückzwingt, sie also einen Kontrast zwischen Biorhythmus und Wetter erleben.
Übrigens eine völlig konträre Strategie gegen den Herbstblues habe ich in einem Newsletter (Seiwert-Newsletter No 47, 11/2009) gefunden: "Boykottieren Sie das allgemeine Klagen über Kälte und Dunkelheit, denn das macht die Stimmung nur noch schlechter. Passen Sie sich lieber der Natur an, und schalten Sie auch einen Gang runter. Nutzen Sie die langen Abende für Ihr persönliches "Cocooning", und machen Sie es sich zu Hause so richtig gemütlich mit Kerzen oder Kaminfeuer, Tee, Glühwein, einem guten Buch und einer kuscheligen Decke. Planen Sie auf der Couch Ihren nächsten Sommerurlaub, und träumen Sie schon mal von Sonne und Meer. Oder laden Sie Freunde zum Heimkino-Abend mit alten Lieblingsfilmen auf DVD und selbst gemachtem Popcorn ein.
Altersdepression
Eine weitere Sonderform ist die Altersdepression: bei den 70- bis 74-jährigen sind 14 % depressiv, bei über 80-jährigen sind es 42 %, auch hier Frauen doppelt so häufig wie Männer. Diese Zahlen belegen, dass ältere Menschen häufiger an Depression erkranken als jüngere. Allerdings gehen die Alterspsychiater heute davon aus, dass es keine spezielle Altersdepression gibt, sondern alle Formen der Depression auch im höheren Lebensalter vorkommen können.
Bei etwa 10 % der Frauen kommt es nach einer Geburt zu einer postpartalen Depression, für die hormonelle Ursachen vermutet werden.
Ursachen
Die Ursachen, die zu einer Depression führen, sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Es ist wohl, wie bei vielen Erkrankungen, von einer Multikausalität auszugehen, das heißt, dass sowohl biologische Faktoren, wie entwicklungsgeschichtliche Erlebnisse, wie auch schließlich aktuelle Ereignisse eine Rolle spielen können. Im Einzelfall kann dabei die Ursache mehr bei einem der genannten Pole liegen. Arbeitsplatzverlust, gescheiterte Beziehung sowie Vereinsamung lösen nicht selten eine Depression aus.
Psychische Ursachen
Neben der Möglichkeit einer genetischen Disposition stellt beispielsweise das Erleben von Entwertung, Erniedrigung und Verlust in engen Beziehungen ein hohes Risiko für das Entstehen einer Depression dar. Auch Stresssituationen (siehe unten) scheinen als Ursache eine Rolle zu spielen.
Als psychische Ursachen für die Depression werden, besonders von psychoanalytisch orientierten Psychologen wie Heinz Kohut und Donald W. Winnicott, auch dysfunktionale Familien beschrieben. Hier sind die Eltern mit der Erziehungsarbeit überfordert, und von den Kindern wird erwartet, dass sie problemlos „funktionieren“, um das fragile familiäre System nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Besonders Kinder, die auf solch eine Überforderung mit der bedingungslosen Anpassung an die familiären Bedürfnisse reagieren, sind später depressionsgefährdet. Als handlungsleitendes Motiv kann nun das ständige Erfüllen von Erwartungen entstehen. Die so entstandenen Muster können lange auf einer latenten Ebene bleiben, und beispielsweise durch narzisstische Größenphantasien oder ein Helfersyndrom kompensiert werden. Erst wenn die depressive Überforderung ein nicht mehr erträgliches Maß erreicht, wird aus der latenten eine manifeste Depression. Diese psychischen Ursachen hinterlassen in der Regel physisch nachweisbare Reaktionen im Gehirn.
Depression als Folge von Hilflosigkeitserfahrungen (Seligmann)
Ein ganz anderes psychologisches Erklärungsmodell stellt das Konzept der "Erlernten Hilflosigkeit“ dar, welches bestimmte Lernvorgänge im Leben eines Menschen als ursächlich für destruktive Denk- und Verhaltensmuster ansieht, die eine Depression zur Folge haben können. Nach Seligmans Depressionsmodell werden Depressionen durch Gefühle der Hilflosigkeit bedingt, die auf unkontrollierbare, aversive Ereignisse folgen. Entscheidend für die erlebte Kontrollierbarkeit von Ereignissen sind die Ursachen, auf die die Person ein Ereignis zurückführt. Nach Seligman führen Attributionen aversiver Ereignisse auf internale, globale und stabile Faktoren zu Gefühlen der Hilflosigkeit, die wiederum zu Depressionen führen. Mittels Seligmans Modell lässt sich die hohe Komorbidität zu Angststörungen erklären: Allen Angststörungen ist gemein, das die Personen ihre Angst nicht oder sehr schlecht kontrollieren können, was zu Hilflosigkeits- und im Verlauf der Störung auch zu Hoffnungslosigkeitserfahrungen führt. Diese wiederum sind, laut Seligman, ursächlich für die Entstehung von Depressionen.
Kognitionen als Ursache
Im Zentrum von Becks Depressionsmodell stehen kognitive Verzerrungen der Realität durch den Depressiven. Ursächlich dafür sind, laut Beck, negative kognitive Schemata oder Überzeugungen, die durch negative Lebenserfahrungen ausgelöst werden. Kognitive Schemata sind Muster, die sowohl Informationen beinhalten als auch zur Verarbeitung von Informationen benutzt werden und somit einen Einfluss auf Aufmerksamkeit, Enkodierung und Bewertung von Informationen haben. Durch Benutzung dysfunkionaler Schemata kommt es zu kognitiven Verzerrungen der Realität, die im Falle der depressiven Person zu pessimistischen Sichtweisen von sich selbst, der Welt und der Zukunft führen (negative Triade). Als typische kognitive Verzerrungen werden u.a. willkürliche Schlüsse, selektive Abstraktion, Übergeneralisierungen und Über- oder Untertreibungen angesehen. Die kognitiven Verzerrungen verstärken rückwirkend das Schema, was zu einer Verfestigung der Schemata führt. Jedoch ist unklar ob kognitive Fehlinterpretationen, bedingt durch die Schemata, die Ursache der Depression darstellen oder ob durch die Depression kognitive Fehlinterpretationen erst entstehen.
Stress als Ursache
Als natürlicher Schutzmechanismus wird im Gehirn in Gefahrensituationen die Produktion von Serotonin erhöht, was in Gefahrensituationen eher nicht sinnvoll ist. Normalisiert sich die Situation wieder, so normalisiert sich beim gesunden Menschen auch die Serotoninproduktion wieder der Betreffende denkt wieder klar. gehemmt. Besonders wenn mehrere Stresssituationen über einen Zeitraum von einigen Jahren anhalten, kann es vorkommen, dass sich die Serotoninproduktion nicht mehr normalisiert, wenn schließlich doch wieder eine ruhigere Phase im Leben eintritt. Depressionen werden im Alter von etwa 30 Jahren verstärkt beobachtet, zu einem Zeitpunkt also, da bei manchen Menschen nach einer stressreichen Jugendzeit das Leben in ruhigeren Bahnen verläuft. Das Serotoninniveau bleibt niedrig, und nun wird nicht mehr Stress im Leben bewältigt, sondern ein normaler, nicht übermäßig aufregender Alltag gedämpft. An dieser Stelle setzt die Depression ein. Das weitsichtige Denken ist gestört, was aber notwendig ist, um sich auf künftige Ereignisse freuen zu können. Viele psychologische Selbstschutzmechanismen (etwa der Gedankengang, dass an einem Problem auch andere schuld sein könnten, und nicht man selbst) sind bei Depressionserkrankten offenbar "ausgehebelt“ oder konnten sich gar nicht erst ausbilden.
Eine anfängliche Krise kann einen Kranken in einen Teufelskreis reißen, den er allein nur sehr schwer wieder durchbrechen kann: Im Verlauf der Erkrankung zeigt sich, dass gerade bei lange andauernden Depressionen die Krankheit so stark in das Leben der Betroffenen eingreift, dass zwischenmenschliche Beziehungen und auch zum Beispiel schulischer und beruflicher Erfolg darunter zu leiden haben. Das durch die Krankheit bedingte Ausbleiben von Erfolgserlebnissen beziehungsweise das häufigere Erleben von Rückschlägen im eigenen Fortkommen führt dann wieder in das die Depression bestimmende Denkmuster von Hilfs- und Hoffnungslosigkeit.
Physische Ursachen
Insbesondere in älteren Diagnoseansätzen der Schulmedizin wird diesen neuronalen Veränderungen an sich die auslösende Ursache für die Krankheit zugeschrieben. Andere Diagnoseansätze fokussieren mehr auf die Auslöser der biochemischen Veränderungen in der Umwelt und den Lebensgewohnheiten des Patienten. Ein weiterer exogener beziehungsweise biogener Auslöser ist die Lichtaufnahme. Bei der so genannten saisonalen, auch: Winter- oder Herbstdepression (siehe oben) treten durch den Mangel an Sonnenlicht regelmäßig über die Wintermonate depressive Symptome auf, die im Frühjahr wieder abklingen. Depressionen werden auch durch Medikamente verursach, etwa durch Malaria-Prophylaxe-Präparate.
Depression als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen
Verschiedene körperliche Zustände oder Erkrankungen können die Ursache einer symptomatischen Depression sein. Dazu zählen viele Hormonstörungen, beziehungsweise Veränderungen im Regelkreis der Hormone, zum Beispiel Umstellung der Sexualhormone nach der Schwangerschaft oder während der Pubertät, bei Schilddrüsenfunktionsstörungen und Hypophysen- oder Nebennierenerkrankungen. Ebenso stehen bestimmte Viren wie z. B. das Borna Virus in Verdacht zu funktionellen Störungen des Gehirns beizutragen, welche letztendlich zu Depressionen führen. Auch können medikamentöse Therapien Depressionen auslösen, so etwa Betablocker aber auch viele andere Medikamente, etwa die Therapie mit gewissen Immunmodulatoren bei Hepatitis.
Bei korrekter Anamnese und fachgerechter Behandlung der Grunderkrankung ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch die Depression verschwindet. Beispielsweise leiden Personen mit stark schwankenden Blutzucker häufig unter depressiver Verstimmung. Wenn durch geeignete Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, Sport oder ggf. Diabetesbehandlung der auslösende Zustand Blutzuckerschwankung beseitigt wird, mildert sich auch die vermeintlich psychisch bedingte Depression ab.
Auch Umweltgifte wie z. B. Schwermetalle oder Holzschutzmittel stehen in Verdacht, eine Depression verursachen zu können.
Posttraumatische Folgen eines Unfalls
Eine schwere Verletzung bei einem Unfall oder bei einer Katastrophe ist meist ein einschneidendes und häufig traumatisierendes Ereignis, das sich auf zahlreiche Lebensbereiche auswirkt und oft zu hoher psychischer Belastung der Verletzungsopfer führt. Die Betroffenen leiden während eines Akutaufenthaltes in einer Klinik unter starker psychischer Belastung, die aber mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Unfall nachlässt. Etwa die Hälfte der Verletzten weist psychische Störungen wie Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen innerhalb des ersten Jahres nach einem schweren Unfall auf. Bei einer Behandlung Verletzter sollte daher von Beginn an ein besonderes Augenmerk auf die psychische Befindlichkeit gelegt werden. Eine gezielte psychologische Unterstützung bei der Unfallbewältigung, sowie bei der Rückkehr in das gewohnte Umfeld und den Arbeitsalltag ist daher angebracht.
Manche Unfälle sind aber nicht nur traumatisierende Erlebnisse, da sie mit akuter Lebensgefährdung einhergingen, sondern ziehen oft schmerzhafte und zum Teil langwierige Behandlungen nach sich. Durch den intensivmedizinischen Fortschritt sind die Überlebenschancen auch bei sehr schweren Verletzungen deutlich gestiegen, wobei viele Verletzte langfristig unter funktionalen oder ästhetischen Einschränkungen leiden. So können einfache Tätigkeiten im Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe durchgeführt werden.
Die psychische Befindlichkeit spielt aber eine bedeutende Rolle im Heilungsverlauf, bei der Rehabilitation und im sozialen bzw. beruflichen Reintegrationsprozess. So hängt etwa die Dauer einer Arbeitsunfähigkeit neben der Verletzungsschwere eng mit psychischen Faktoren wie etwa der häufig anzutreffenden Depressivität kurz nach einem Unfallereignis zusammen.
Viele Verletzte leiden unmittelbar nach dem Unfall unter Schlafstörungen, Ängsten, Alpträumen und anderen Symptomen akuter Belastungsreaktionen, die üblicherweise nach einiger Zeit wieder von selbst abklingen. Die Prävalenzraten psychischer Störungen bei Verletzten sind deutlich erhöht, wobei als häufigste Folgen Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, Angststörungen und Alkohol- und Suchterkrankungen auftreten, die oft mit sozialem Rückzug und verminderter Lebensqualität einhergehen. Hier besteht die Gefahr einer Chronifizierung, etwa bei Verletzten, die ihr aufgrund einer Narbenbildung ihr verändertes Aussehen ablehnen und ein negatives Körperbild entwickeln.
Genetische Ursachen
Aus der Zwillingsforschung ist bekannt, dass eine genetische Komponente bei der Neigung zu Depressionen wahrscheinlich ist. Vermutlich sind mehrere Gene für eine Anfälligkeit gegenüber Depressionen verantwortlich, so hat man etwa bei Depressiven eine relevant häufige Mutation auf dem Gen 5-HTT entdeckt. Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien legen nahe, dass bei manchen Menschen eine genetisch bedingte Empfindlichkeit für Depression besteht. Zwillingsstudien weisen darauf hin, dass im Vergleich zu Effekten der gemeinsamen familiären Umgebung genetischen Faktoren die entscheidende Bedeutung zuzukommen scheint.[2] So sei das Risiko für Kinder, bei denen ein Elternteil depressiv erkrankt ist, bei 1015%, ebenfalls zu erkranken und bei vorhandener Erkrankung beider Elternteile von 3040%. Die Zwillingsstudien zeigen umgekehrt aber auch, dass der genetische Faktor nur ein Teilfaktor ist. Selbst bei identischer genetischer Ausstattung erkrankt der Zwillingspartner des depressiven Patienten in weniger als der Hälfte der Fälle. Beim Entstehen einer Depression spielen immer auch Umweltfaktoren eine Rolle. Darüber, wie die mögliche genetische Grundlage der Depression allerdings aussehen könnte, besteht keine Einigkeit. Einvernehmen herrscht im Moment nur darüber, dass es ein isoliertes „Depressions-Gen“ nicht gibt. Zu bedenken ist, dass zwischen genetischen Faktoren und Umweltfaktoren komplizierte Wechselbedingungen (Genom-Umwelt-Kovarianz) bestehen können. So können genetische Faktoren z.B. bedingen, dass ein bestimmter Mensch durch eine große Risikobereitschaft sich häufig in schwierige Lebenssituationen manövriert. [3] Umgekehrt kann es von genetischen Faktoren abhängen, ob ein bestimmter Mensch mit einer psychosozialen Belastung gut zurecht kommt oder depressiv erkrankt.
Behandlung
Depressionen können in der Regel gut behandelt werden. Infrage kommen die Psychotherapie, physikalische Maßnahmen oder eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva. Häufig wird auch eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung angewandt. Traditionell unterscheiden Ärzte und Psychologen zwischen verschiedenen Schulen der Psychotherapie, mit der Psychoanalyse und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie auf der einen Seite und der kognitiven Verhaltenstherapie auf der anderen. Die erste Seite konzentriert sich auf die Aufarbeitung traumatisierender Erlebnisse in Kindheit und Jugend, die andere gibt Handlungsanweisungen für den Alltag. Gut belegt ist die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie. So ergab eine Studie für die Nationale Gesundheitsbehörde in Großbritannien, dass die Kombination von Medikamenten und Verhaltenstherapie allen PatientInnen deutlich besser hilft als Antidepressiva allein. Auch dass die kognitive Verhaltenstherapie den Medikamenten bei schweren Depressionen ebenbürtig ist, gilt inzwischen als erwiesen - wenngleich die Wirkung rund vier Wochen später eintritt als bei den Psychopharmaka. Forscher gehen davon aus, dass die Verhaltenstherapie ebenso nachhaltig Prozesse im Gehirn verändern kann wie Arzneien. Antidepressiva und Psychotherapie setzen an unterschiedlichen Punkten an, denn während die Medikamente auf das Gefühlszentrum im Gehirn einwirken, in dem ständig die negativen Gedanken entstehen, so wirkt die Verhaltenstherapie dagegen vermutlich auf jenen Bereich der Hirnrinde, der bei Gesunden das Gefühlszentrum unter Kontrolle hält, bei den Depressiven aber die Macht über die Emotionen verloren hat. Ein Rückfall in die Depressionen Monate nach Abschluss einer Verhaltenstherapie kommt seltener vor als nach dem Ende einer medikamantösen Behandlung.
Psychotherapie
Zur Behandlung der Depression werden verschiedene psychotherapeutische Verfahren eingesetzt. Häufig werden heute die Verhaltenstherapie oder die Kognitive Verhaltenstherapie angewandt. Dabei geht es vor allem darum, die depressionsauslösenden Denkmuster zu erkennen, um sie dann Schritt für Schritt zu verändern. Vorreiter dieser Therapieansätze waren unter anderem Albert Ellis und Aaron T. Beck. Neben der kognitiven Therapie hat sich in klinischen Studien, die nach streng wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt worden sind, die interpersonelle Therapie nach Weissman/Klerman, welche auf der Neo-Psychoanalyse Sullivans basiert, als überdurchschnittlich wirksam erwiesen, sodass insbesondere diesen beiden Therapieformen eine nachweisliche Bedeutung zukommt. Auch tiefenpsychologisch orientierte, psychoanalytische und humanistische Verfahren werden in der Therapie der Depression mit nachgewiesenem Erfolg eingesetzt. Bei diesen Verfahren wird versucht, an den oft schon in der Kindheit entstandenen psychischen Problemen und daraus resultierenden Haltungen zu arbeiten. Dabei geht es auch darum, unbewusste aus der Kindheit stammende Verhaltensmuster auf eine bewusste Ebene zu bringen. In gruppentherapeutischen Verfahren wird versucht, die Tendenz zum Rückzug zu überwinden, die verringerten Interaktionsmöglichkeiten zu bessern und die oft reduzierte Fähigkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen, zu fördern. Rollenspieltechniken (zum Beispiel Psychodrama) können unter anderem helfen, den eigenen, oft eingeengten und festgefahrenen Blick zu überwinden. Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die Verarbeitung unterdrückter Gefühle auch durch eine Selbsttherapie funktionieren kann. Die psychotherapeutischen Verfahren können sowohl als einzige Therapie als auch in Kombination mit einer Pharmakotherapie eingesetzt werden.
Pharmakotherapie
Wirkungsprinzip der meisten Antidepressiva ist, die Konzentration von Serotonin oder Noradrenalin an den Kontaktstellen der Nervenzellen im Gehirn zu erhöhen. Depressive leiden nach diesem Ansatz an einem Mangel dieser Substanzen. Die Medikamente wirken meist erst nach vier bis sechs Wochen. Vier Medikamentengruppen kommen hauptsächlich zum Einsatz: die älteren tri- und tetrazyklischen Antidepressiva (TZA) und Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) sowie die moderneren und wesentlich teureren selektiven Wiederaufnahmehemmer des Serotonins bzw. des Serotonins und Noradrenalins (SSRI und SNRI). Die neueren Präparate hemmen den Rücktransport des Serotonins oder Serotonins und Noradrenalins in die Zellen und verstärken so die Wirkung der Botenstoffe an den Synapsen. Die TZA wirken ähnlich, Medikamente hemmen dabei jedoch auch andere Botenstoffe, woraus sich ein Großteil der Nebenwirkung dieser Medikamente erklärt. Die MAO-Hemmer dagegen unterdrücken die Arbeit eines Enzyms, das die "Glückshormone" abbaut. Antidepressiva verändern die Persönlichkeit nicht und machen auch nicht abhängig, allerdings sollten Patienten die Tabletten niemals einfach absetzen, sobald es ihnen besser geht. Die Nebenwirkungen der neuen Antidepressiva können zwar erheblich sein (Unruhe und Erektionsstörungen), bleiben aber meist ungefährlich. Die älteren Antidepressiva führen etwa zu Mundtrockenheit, Verstopfung und Müdigkeit. Allerdings bleibt es meist nicht bei der ersten Arznei, denn bessern sich die Symptome nicht, dann setzen Ärzte oft das nächste Antidepressivum ein.
Die bekanntesten Antidepressiva lassen sich in drei Gruppen einteilen:
- Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)
- Trizyklische Antidepressiva
- Monoaminooxidasehemmer (MAO-Hemmer)
Weitere Präparate sind Noradrenalin-Serotonin-selektive Antidepressiva (NaSSA, Wirkstoff Mirtazapin - ein tetrazyklisches Antidepressivum wie Mianserin; ferner Maprotilin), Duales Serotonerges Antidepressivum (DSA, Wirkstoff Nefazodon), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI, Wirkstoffe Venlafaxin und Duloxetin; ferner Milnacipran), Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI, Wirkstoff Reboxetin; ferner Atomoxetin), Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (SRE, Wirkstoff Tianeptin), Serotonin-Modulatoren (Wirkstoff Trazodon). Von historischer Bedeutung ist auch der Einsatz von Opiaten.
Der Einsatz mancher Medikamente ist nicht unumstritten. denn eine Gruppe der Medikamente geriet in den Verdacht, die Selbstmordneigung bei jungen Patienten zu verstärken. Paroxetin etwa, Cipralex oder Sertralin - Präparate der SSRI-Familie, die auf den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin zielen. Die europäische Arzneimittel-Zulassungsbehörde empfahl, Kindern und Jugendlichen möglichst keine SSRI zu geben; die amerikanische weitete die Warnung vor den Risiken der Medikamente auf alle Antidepressiva aus.
Naturheilmittel
Unter den Naturheilmitteln ist die Wirkung für Johanniskraut wissenschaftlich belegt. Es kann leicht bis mittelschwer Depressiven helfen - allerdings erst bei einer Tagesdosis ab 900 Milligramm. Wird Johanniskraut zusätzlich zu synthetischen Antidepressiva eingenommen, kann es zu Wechselwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Ruhelosigkeit kommen
Lichttherapie
Bei der saisonalen Depression (siehe auch Saisonkrankheiten) hat sich die Lichttherapie bewährt. Einige Stunden unter einer Kunstlichtlampe, die Sonnenlicht nachempfindet, helfen bei dieser speziellen Erkrankung, dass während der Wintermonate keine depressiven Symptome auftreten.
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen sind kein Ersatz für Therapien, sondern sie können eine begleitende Hilfe darstellen. Selbsthilfegruppen können als lebenslange Begleitung und Rückzugsorte dienen. Einige Gruppen erwarten keine Voranmeldung, sodass Betroffene spontan bei akuten depressiven Phasen Hilfe suchen können. Hier können Betroffene das Gefühl bekommen, unter Gleichen zu sein und verstanden zu werden. Als niedrigschwelliges Angebot haben sich Selbsthilfegruppen im ambulanten Bereich etabliert und leisten einen wichtigen Beitrag. In Krankenhäusern und Reha-Kliniken helfen sie Betroffenen, ihre Eigenverantwortung zu stärken und Selbstvertrauen zu erlangen.
Schlafentzug kann antidepressiv wirksam sein und wird in seltenen Fällen zum kurzfristigen Durchbrechen schwerer Depressionen im therapeutischen Rahmen eingesetzt (allerdings nicht bei einer manisch-depressiven Erkrankung). Eine weitere Form der unterstützenden therapeutischen Maßnahmen ist die Sporttherapie. Da Sport im sozialen Kontext stattfindet, erleichtert er eine Wiederaufnahme gesellschaftlicher Kontakte. Ein weiterer Effekt der körperlichen Betätigung ist das gesteigerte Selbstwertgefühl und die mögliche Ausschüttung von Endorphinen. Positive Effekte des Jogging bei Depressionen sind im Gegensatz zu anderen Sportarten empirisch nachgewiesen. Andere Hausmittel wie körperliche Bewegung an der frischen Luft, Entspannungstechniken, kalte Güsse nach Sebastian Kneipp, Kaffee oder Schokolade bieten an Depressionen Erkrankten keine Hilfe, sondern können höchstens Menschen mit leichten depressiven Verstimmungen Linderung verschaffen.
Irrtümer über Depressionen aus Sicht der Psychiatrie
Hertha Mayr (Landesnervenklinik Wagner Jauregg in Linz) nennt in einem Interview in den OÖN neun Irrtümer über Depressionen aus der Sicht der Psychiatrie, was vor allem bei den Aussagen in Bezug auf die medikamentöse Behandlung berücksichtigt werden sollte:
- Nur Stress und schwere Schicksalsschläge lösen Depressionen aus: Bei der endogenen Depression gibt es keinen unmittelbar erkennbaren Auslöser. Oft sind das Menschen, die sich selbst permanent überfordern und sich so lange an ihre Umwelt anpassen, bis ihre Batterie völlig leer ist
- Depressive sind schwach und nicht leistungsstark: Vor ihrer Depression sind Betroffene meist sehr stark, pflichtbewusst und absolut nicht schwach. Was sehr wohl stimmt, ist, dass man sich in der Depression schwer zu etwas aufraffen kann.
- Wer Depressionen hat, möchte gerne sterben: Depression ist nicht zwangsweise mit Selbstmordgedanken verbunden. Aber immer mit großem Leid, weil man sich in der Depression an nichts mehr erfreuen kann. Nicht an den eigenen Kindern, nicht am Garten, nicht an der Liebe
- Depressionen sind immer schmerzfrei: Depressive haben mehr Schmerzen. Oft stehen körperliche Symptome im Vordergrund, Erschöpfung, Schlafstörungen und andere Schmerzzustände.
- Depressionen sind nicht heilbar: Diese Krankheit ist gut behandelbar. Die Therapie besteht immer in einer Mischung aus Medikamenten und Psychotherapie.
- Antidepressiva machen abhängig und verändern die Persönlichkeit: Das Gegenteil ist der Fall. Antidepressiva machen Betroffene wieder zu den Menschen, die sie vor der Depression waren.
- Nur Erwachsene können depressiv werden: Auch Kinder und Jugendliche können depressiv werden. Die Symptome zeigen sich anders, wie zum Beispiel mit Rückzug von Freunden, Aggressivität, verändertem Verhalten.
- Es hat schon immer so viele depressive Menschen gegeben wie heutzutage: Depressionen nehmen laut WHO-Studien weltweit stark zu. Das hängt mit unseren Lebensumständen zusammen.
- Frauen leiden häufiger an Depressionen: Laut Diagnosehäufigkeit erkranken wirklich mehr Frauen an Depressionen. Das mag darin liegen, dass sich Depressionen bei Männern oft anders äußern. Dazu gehören Aggressivität und der Griff zu Alkohol. So werden Symptome kompensiert beziehungsweise überdeckt.
Quelle: OÖN vom 18.11.2009
Siehe auch Depressionen und Suizidalität im Kindes- und Jugendalter
Literatur zum Thema Depression
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Beck, A. T., Rush, A. J., Shaw, B. F., Emery, G. (2001). Kognitive Therapie der Depression (2. Aufl.). Weinheim: Beltz.
Hautzinger, Martin (2003). Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen (6. Aufl.). Weinheim: Beltz.
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Mentzos, Stavros (1995). Depression und Manie. Psychodynamik und Therapie affektiver Störungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
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Merkle, Rolf (2001). Wenn das Leben zur Last wird: Ein praktischer Ratgeber zur Überwindung seelischer Tiefs und depressiver Verstimmungen. Mannheim: PAL.
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http://www.stern.de/wissenschaft/medizin/:Depressionen-Zur%FCck-Leben/649687.html (08-12-12)
