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Die Bewerbung für einen Beruf

Beruf und Arbeit sind in der heutigen Dienstleistungs-, Informations- oder Wissenschaftsgesellschaft ist ein zentraler Aspekt bei der individuellen Lebensgestaltung, denn von jedem Einzelnen wird generell eine abgeschlossene Berufsausbildung, eine erwerbstätige Arbeit und somit ein aktiver Beitrag für die Gesellschaft erwartet.

Das Anschreiben

Am Beginn einer Bewerbung steht in der Regel ein Anschreiben, das kurz und knapp gehalten sein sollte. Die Qualität des Anschreibens entscheidet in der Regel darüber, ob eine Bewerbung näher geprüft wird. Auch wenn BewerberInnen im Anschreiben schon Aussagen über ihre Arbeitsweise machen, ist es ein Fehler in Bewerbungen, es mit einem Motivationsschreiben gleichzusetzen, denn das Anschreiben muss kurz und prägnant sein, damit ein Arbeitgeber einen ersten positiven Eindruck bekommt, aber nicht von einer Selbstdarstellung erschlagen fühlt. Das Anschreiben muss wie alle anderen Unterlagen einer Bewerbung formal korrekt und inhaltlich gehaltvoll sein, denn für den potenziellen Arbeitgeber ist dieses Schreiben ein erster Hinweis auf die Persönlichkeit der Bewerberin oder des Bewerbers. In einem solchen Schreiben geht es darum, den Arbeitgeber neugierig auf die übrigen Unterlagen der Bewerbung zu machen.

Der Lebenslauf

Ein übersichtlicher Lebenslauf enthält neben Angaben zur Person (Schulbildung, Ausbildung oder Universitätsbesuch sowie berufliche Erfahrungen) auch Schwerpunkte in der Berufsausbildung oder dem Studium. Weiterbildungen, Fremdsprachenkenntnisse, Computerkenntnisse, Auslandaufenthalte sowie ein soziales Engagement sollte man ebenfalls im Lebenslauf erwähnen. Ein Bewerbungsfoto wird meist oben rechts auf dem Lebenslauf angebracht, wobei man darauf achten muss, dass es professionelle Bilder und keine Schnappschüsse sind. Man sollte auch darauf achten, dass keine allzu großen Lücken im Lebenslauf erkennbar sind.

Was gehört in einen Lebenslauf?

Das Motivationsschreiben

Zunehmend legen Bewerber den Unterlagen ein Motivationsschreiben Bewerbung bei, in dem man ausgewählte Qualifikationen, Fähigkeiten und Engagements aus Anschreiben und Lebenslauf aufgreift und diese ausführlicher darstellt. Früher war das Motivationsschreiben vor allem im akademischen Bereich verbreitet, doch seit einiger Zeit wird es auch bei Bewerbungen um einen Arbeitsplatz erwartet.

Siehe dazu im Detail Das Motivationsschreiben.

Die Bewerbungsmappe

Alle Unterlagen der Bewerbung verschickt man in einer ordentlichen Mappe, wobei man in der Regel der Bewerbung noch relevante Ausbildungszeugnisse und Arbeitszeugnisse beifügt.

Übrigens ein zusätzlicher Tipp des Kognitionsforscher Tom Ziemke von der Universität Skövde (Schweden) für Jobsuchende: Wenn man sich für eine Stelle bewirbt, ist es besser, wenn man das Motivationsschreiben und den Lebenslauf in eine solide, schwere Mappe steckt, denn Menschen beurteilten in einem Experiment vermeintliche Kandidaten besser, wenn deren Bewerbungsunterlagen an einem schweren Klemmbrett steckten als auf einem leichten. Das liegt daran, dass geistige Prozesse wie die Beurteilung eines Menschen sich nicht nur als Datenverarbeitung im Kopf abspielen, vielmehr mischt der ganze Körper von den Muskeln bis zu den Darmbakterien dabei mit, was man denkt und wie man sich verhält. Eine schwere Mappe signalisiert daher einem Personalchef, dass er es mit einer gewichtigen Person zu tun hat!

Begrüßung, Händedruck, Blickkontakt.
Dafür gibt es keine zweite Chance.

Das Bewerbungsgespräch

Eine immer wichtigere Funktion bei jeder Bewerbung dabei das Bewerbungsgespräch. Es ist wichtig, sich gut auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten, denn die Entscheidung, ob ein Bewerbungsgespräch gut verläuft, fällt großteils bereits im Vorhinein. Zuerst sollten sich BewerberInnen gezielt mit dem Unternehmen auseinandersetzen, wobei man auf den Webseiten fast aller größeren Firmen Basisinformationen über deren Tätigkeitsbereiche, Geschäftsfelder, Mitarbeiterzahl und Firmenphilosophie findet. Ist man über die Firma vorab gut informiert, erweckt das im Gespräch einen guten Eindruck, denn es zeigt, dass man sich wirklich um diesen Arbeitsplatz bemüht. Ebenso sollten sich BewerberInnen auch vorher über die speziellen Aufgaben informieren, die sie in ihrem potentiellen Arbeitsplatz erwarten, wobei das betreffende Stelleninserat dazu meist einen sehr guten Leitfaden darstellt.

Jobsuchende sollte sich auch im Vorhinein schon überlegen, was man im Gespräch gefragt werden könnte, wozu auch gerne Fragen über Stärken und Schwächen der Bewerberin oder des Bewerbers gehören. Oft können Schwächen mit Stärken kompensiert werden, wobei man immer Beispiele oder Situationen schildern sollte Situationen nennen, wo ich meine diese Kompetenz unter Beweis stellen konnte. Man man auch gewisse fachliche Mängel zugeben, wenn man gleichzeitig anmerkt, wie man diese schnellstmöglich zu beheben gedenkt. Wichtig ist auch, nicht schlecht über den letzten Arbeitgeber zu sprechen, denn das hinterlässt nach dem Gespräch einen negativen Gesamteindruck. Gutes Auftreten und höfliche Umgangsformen sind beim Erscheinen zum Gespräch ohnehin Grundbedingung, d.h., Pünktlichkeit und angemessene Kleidung sind unabdingbar. Wenn man bezüglich der branchenüblichen Kleidung unschlüssig ist, sollte man sich vorher darüber erkundigen. Die Bewerbungsunterlagen und Schreibutensilien dabei zu haben, erweckt einen professionellen Eindruck, und beim Gespräch locker zu bleiben, d.h., nicht ergebnisorientiert hinzugehen, sondern sich auf das Gespräch zu freuen, denn das hilft, die Nervosität zu lindern. Auch sollte man in so einem Gespräch nichts vorspielen sondern authentisch bleiben sind ebenfalls Erfolgsrezepte. Auch sollte man sein Interesse dadurch zeigen, indem man gute Fragen stellt, z.B. wissen zu wollen, wann über die Vergabe entschieden wird.

Siehe dazu im Detail Das Bewerbungsgespräch

Die meisten Ratgeber für Bewerber empfehlen eine offene, authentische Kommunikation. Die Ratgeberliteratur für Personalchefs rät jedoch meist zu Misstrauen und Kontrollstrategien, denn während alle Bewerber-Ratgeber in irgendeiner Weise die Bewerbung als ideale Kommunikationssituation fingieren, um Authentizität und Verkauf zu harmonisieren, sprechen die Einstellungsratgeber eine klare Sprache: Ihnen geht es um um Authentifizierung der Bewerber, denen grundsätzlich erwünschtes Antwortverhalten und Verkaufsstrategie unterstellt werden, so dass ein Einsteller vor allem Fassadetechniken begegnen muss. Bewerber solten daher vor der Illusion gewarnt sein, durch die einschlägige und inflationäre Ratgeberliteratur sich zu gut auf das Einstellungsgespräch vorzubereiten.

Nach einer amerikanischen Untersuchung (Rivera, 2010, 2011, 2012) wählen Arbeitgeber BewerberInnen aus, die ihnen persönlich am liebenswürdigsten erscheinen, d. h., potentielle FreundInnen stechen dabei fachlich gute Mitarbeiter aus. Ob eine Person für den Posten am besten qualifiziert ist, bleibt daher oft zweitrangig. Zwar suchen ArbeitgeberInnen die MitarbeiterInnen, die am fähigsten sind, doch darüber hinaus möchten sie Menschen beschäftigen, zu denen sie eine Bindung aufbauen können. In vielen Fällen bekommen daher nicht unbedingt die fähigsten MitarbeiterInnen die Stelle, vielmehr achten Arbeitgeber darauf, ob BewerberInnen auf der Gefühlsebene behagen, wobei auch ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Lebenskultur, was etwa ähnliche Freizeitaktivitäten umfasst, ausschlaggebend ist. Das bedeutet zwar nicht, dass Arbeitgeber nicht auf die Qualifikaitionen achten, aber die Wahl der geeigneten Bewerberin oder des geeigneten Bewerbers verläuft ähnlich wie die Wahl von Freunden oder einem romantischen Partner.

Die folgenden Hinweise sind daher im konkreten Fall immer unter diesem kritischen Aspekt zu betrachten und versuchen ein realistisches Bild zu zeichnen.

Web 2.0 und Web 3.0 - Soziale Netzwerke

Man weiß, dass auch in sozialen Netzwerken wie Facebook nach Informationen über BewerberInnen gesucht wird, um mehr über deren Persönlichkeit zu erfahren, doch bisher gibt es jedoch kaum Forschungen darüber, welchen Einfluss der so gewonnene Eindruck tatsächlich auf die Auswahl von Kandidaten für ein Vorstellungsgespräch hat.

Wer ist heute nicht bei Facebook angemeldet oder in einem der VZ-Netzwerke? Wenn solche Accounts bei einer Google-Suche gelistet werden, sollte man unbedingt überprüfen, was man in solchen öffentlichen Profilen zeigen möchte und was nicht. Man sollte zunächst die Fotos überprüfen, sowohl die eigenen Fotos als auch jene, auf denen man als Person markiert wurde. Man sollte dann systematisch alle Fotos, die einen negativen Eindruck vermitteln können, aus den sozialen Netzwerken löschen. So sind Bilder, auf denen man rauchend oder mit Alkohol dargestellt wird, Fotos von Partys, Fotos mit obszönen Gesten oder Fotos mit auffälligen Posen unbedingt zu löschen oder zumindest auf privat zu setzen, sodass sie ein Personalchef nicht finden kann. Ähnliches gilt auch für Diskussionsgruppen, in denen man unter seinem Namen und identifizierbar unterwegs war. Auch hier sind Beiträge und Postings zu entfernen oder zu sperren, die einen Personalchef möglicherweise negativ beeinflussen können. Man muss gerade bei größeren Unternehmen davon ausgehen, dass bei BewerberInnen standardmäßig eine Internetrecherche durchgeführt wird.

Man sollte also nur positive Fotos hochladen, die einem Betrachter einen guten Eindruck vermitteln. Bei der Wahl von Fotos kommt es auch darauf an, für welchen Berufszweig man sich bewirbt, denn man kann durchaus Fotos mit Affinität zu dem gewünschten Beruf zeigen. Auch sollte man in den sozialen Netzwerken die Postings von der Pinnwand bearbeiten. Auch hier sollte man sich daran orientieren, was ein potentieller Arbeitgeber sehen sollte und was nicht. Man sollte auch Freunde bitten, nicht erwünschte Kommentare und Postings zu entfernen bzw. kann man Freunde bitten, positive Posting auf die Pinnwand zu schreiben.

Wissenschaftler der Universität Gent (Baert, 2015) verschickten über zweitausend fiktive Bewerbungen auf echte Stellenanzeigen aus unterschiedlichen Branchen, wobei auf jede Ausschreibung jeweils zwei inhaltlich gleichwertige Bewerbungen männlicher Hochschulabsolventen verschickt wurden. Die Suche nach den Bewerbernamen bei Google oder Facebook führte dabei jeweils ausschließlich zu einem von vier Facebook-Profilen, das die Forscher angelegt hatten, wobei nur die Profilbilder öffentlich sichtbar waren, die sich im Hinblick auf körperliche Attraktivität und die durch das Foto vermittelten Charaktereigenschaften unterschieden, die in einer vorangegangenen Studie bewertet worden waren. Die Auswertung der Antworten zeigte, dass der Kandidat mit dem attraktivsten Facebook-Profilbild über zwanzig Prozent mehr positive Rückmeldungen erhielt als der am wenigsten attraktive Mitbewerber. Eine direkte Einladung zum Vorstellungsgespräch erhielten die gut aussehenden Bewerber sogar um fast 40 Prozent häufiger, wobei die jeweiligen Fotos der Bewerbung nicht beigefügt waren, sondern nur über Facebook zu finden waren.

Die Ergebnisse zeigten auch, dass Facebook am ehesten bei Stellenausschreibungen mit höheren Qualifikationsanforderungen herangezogen wird. Entgegen den Erwartungen der Forscher spielte es jedoch keine Rolle, ob die zu besetzenden Stellen regelmäßigen Kundenkontakt beinhalteten, dass also die Attaktivität für den Arbeitsplatz eine Rolle spielt. In einer Variante des Experiments fügten die Forscher die Profilbilder den Lebensläufen der Bewerber hinzu und wählten Namen aus, die nicht einem spezifischen Facebook-Profil zuzuordnen waren, wobei die Attraktivität und die durch das Foto vermittelte Zuverlässigkeit der Person eine ähnliche Wirkung hatte wie im Versuch mit den Facebook-Bildern.

Obwohl sicher nicht alle Arbeitgeber auf Facebook surfen, beeinflusst das Profilbild offensichtlich die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch in gleichem Maße wie ein Bild im Lebenslauf, denn denn die Selbstdarstellung auf Facebook gilt im Vergleich zu einer meist idealisierten Darstellung im Lebenslauf als realistischer und ehrlicher.

Literatur

Baert, Stijn (2015). Do They Find You on Facebook? Facebook Profile Picture and Hiring Chances. Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit. IZA Discussion Paper No. 9584.
WWW: http://ftp.iza.org/dp9584.pdf (16-01-16)

Rivera, Lauren (2010). Go with Your Gut: Emotion and Stratification in Hiring. Unpublished paper. Northwestern University.

Rivera, Lauren (2011). Ivies, Extracurriculars, and Exclusion: Elite Employers' Use of Educational Credentials. Research in Social Stratification and Mobility, 29, 71-90.

Rivera, Lauren (2012). Forthcoming. Hiring as Cultural Matching: The Case of Elite Professional Service Firms. American Sociological Review.

Voswinkel, Stephan (2008). Bewerbungsratgeber – funktionale Authentizität und Verkauf der Arbeitskraft. In Petia Genkova  (Hrsg.), Erfolgreich durch Schlüsselqualifikationen? Heimliche Lehrpläne und Basiskompetenzen im Zeichen der Globalisierung, Pabst Publishers.

Weitere Quellen

OÖN vom 19.3.2011

http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/mensch/601614_Maenner-denken-nicht-nur-mit-dem-Gehirn.html (14-01-22)

http://newsroom.iza.org/de/2016/01/14/facebook-experiment-attraktives-profilbild-erhoht-die-jobchancen/ (16-01-16)

Ausgewählte Bewerbungsliteratur





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