[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Das soziale Umfeld in der Berufsfindung - Die Berufswahlhelfer

Literatur

Mathis, K. (1996). Berufe und Schulen in Österreich. Sauerländer Aura Verlag.

Beinke, Lothar (2006). Der Einfluss von Peer Groups auf das Berufswahlverhalten von Jugendlichen. In Bley, Nikolaus & Rullmann, Marit (Hrsg.), Übergang Schule und Beruf. Aus der Praxis für die Praxis – Region Emscher-Lippe.Wissenswertes für Lehrkräfte und Eltern (S. 249-265). Recklinghausen.

Das Lernen am Vorbild hat grundsätzlich ein großes Potenzial in der Berufsorientierung von Jugendlichen, denn Vorbilder aus dem Nahraum vermitteln authentische und reale Eindrücke von der Berufswelt, die bei Jugendlichen wirksamer sind als Berufskundeunterricht. Hinter dem Lernen am Vorbild steckt die Lerntheorie "Lernen am Modell" von Albert Bandura, wonach das Nachahmen eines Modells bzw. Vorbildes eine wichtige Rolle in der Entwicklung eines jeden Menschen spielt. Da Jugendliche ihre Vorbilder hauptsächlich aus dem eigenen meist engeren Umfeld rekrutieren, steht ihnen automatisch nur eine kleine Auswahl an Berufen, Lebens- und Zukunftsentwürfen zur Verfügung, an denen sie sich orientieren können. Das bedeutet etwa, dass ein Jugendlicher aus einer Arbeiterfamilie oder aus einer Familie mit gering qualifizierten Jobs wesentlich schlechtere Chancen hat, eine höher qualifizierte Berufslaufbahn anzustreben, da ihm dafür sowohl die Vorbilder als auch die Einblicke in die entsprechenden Berufsfelder fehlen.

Die wichtigsten Helfer bei der Berufswahl sind meist die Eltern oder sonst nahe stehende Personen. Wenn diese Personen auch die Berufswelt nicht durch und durch kennen, so haben sie wahrscheinlich doch schon Erfahrungen im Berufsleben gemacht. Wichtiger erscheint in diesem Zusammenhang aber die Tatsache, dass diese Personen den Jugendlichen genauer kennen und er sich auf sie verlassen kann. Eltern sind dann gute „Berufswahlhelfer“ wenn sie sich für die Fragen der Berufswahl Zeit nehmen und nicht zur Entscheidung drängen.

Neben den Eltern und Freunden spielt zunehmend die Schule einen wichtigen Faktor in der Berufsentscheidung. Im Schulalltag spricht man von „Berufsorientierung und Bildungsinformation“ (BOBI) mit beispielsweise Aktionen und Veranstaltungen zu Thema  „14, WAS NUN?“ Somit hilft auch der Lehrer die Berufswahl auf längere Sicht hin vorzubereiten (vgl. Mathis, 1996, S. 22.).

Der Einfluss der Peers auf die Entscheidungsvorbereitung bei der Berufswahl ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen und ist als mitentscheidend für die Berufswahl zu bezeichnen. Bei der eigenen Berufswahl ist durch eine gleichzeitige weitestgehende Kenntnis der Freundesberufswünsche ein Gedankenaustausch und Meinungsaustausch und damit auch eine Einflussmöglichkeit bei der Berufswahl in Richtung der Berufswahl gegeben. Die Jugendlichen stabilisieren oder destabilisieren ihre Neigungen nach dem emotionalen Freundeseinfluss. Der Einfluss der Eltern wird durch die Wirksamkeit der Freundesgruppen nicht belastet, sondern eher kann man von einer einvernehmlichen Verteilung von Aufgaben zwischen den beiden Gruppen sprechen, wobei man vorsichtig man auch von einer stabilisierenden Wirkung sprechen kann. Der zentrale Kommunikationsteil ist die Diskussion in den Gruppen, die als nicht hierarchisch gesehen werden, und dient z.T. dem Transport von ungenauem Wissen über die Berufswelt, stabilisiert jedoch emotional in dieser Phase der Unsicherheit und der Unklarheit über die Chancen in der Zukunft (vgl. Beinke, 2006).

Wie bereits oben erwähnt gibt es aber noch eine Vielzahl von Beratungsstellen und Institutionen, die dem Jungendlichen Informationsmaterial zur Verfügung stellen und ihm in seiner Entscheidungen beistehen:

Immer mehr zum Hilfsmedium für den Entscheidungsprozess wird dabei auch das Internet wobei die Vorteile klar auf der Hand liegen (aktuell, bequem, etc.):

Grundsätzlich sollte aber für alle „Berufswahlhelfer“ und speziell für die Eltern die folgende Zielsetzung in diesem Bereich obligatorische Wirkung haben:

ZIELSETZUNG

NICHT Entscheidung – sondern VORBEREITUNG
NICHT Beeinflussung – sondern ANREGUNG
NICHT Bevormundung – sondern KOOPERATION

Nur anhand dieser Zielsetzung können Helfer in der Berufsfindung und –entscheidung konstruktiv zum Ergebnis beitragen.

Einflussfaktoren auf die Berufswahl

  1. Die erforderliche Informationssituation der Jugendlichen und ihrer Eltern ist unzureichend. Die Ursache liegt in der Tatsache der neu auftretenden Berufe und das Verschwinden vorhandener Berufe.
  2. Die Eltern beeinflussen oft die beruflichen Möglichkeiten der Kinder. Die Eltern sind sich aber der Konsequenzen oft nicht bewußt. Die Beeinflussung beginnt bereits mit dem Aussuchen der Schule für die Kinder und endet damit, daß sie ihren Kindern entweder die Falsche oder nur eine Geringe Information über die Berufs- und Arbeitswelt geben.
  3. Die Kinder werden bei der Entscheidung der Berufsfindung unterschiedlich unterstützt. Manche Eltern geben ihren Kindern Anregungen, andere überlassen ihren Kinder die ganze Entscheidung und manche zwingen ihre Kinder zu einem bestimmten Beruf.
  4. Der Bildungsweg und die Berufsentscheidung wird oft von der Umwelt, wie zum Beispiel durch das kulturelle Milieu des Elternhauses oder durch Prestigevorstellungen, beeinflußt.
  5. Die Entscheidung des Kindes wegen bestimmter Neigungen kann bald zur Enttäuschung führen. Diese Neigungen können zum Beispiel angenehme Arbeitsbedingungen, saubere Arbeit und wenig körperlicher Einsatz sein.
  6. Die Eignung des Jugendlichen wird zu wenig berücksichtigt. Der Grund dafür kann die Tatsache, daß die Schulen die Fähigkeiten der Jugendlichen oft nicht zur Geltung bringen, sein.
  7. Die ökonomischen und regionalen Gegebenheiten können die Entscheidung ebenfalls erschweren. Es ist oft nötig, daß der Jugendliche nicht vor regionaler Mobilität zurückschreckt (vgl. Schmiel & Sommer 1985, S. 51ff).

Quelle: Schmiel, M. & Sommer, K.-H. (1985). Lehrbuch Berufs- und Wirtschaftspädagogik. München: Ehrenwirth.



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